Theo-Web. Zeitschrift fuer Religionspaedagogik 18(2019), H.1, 172–199

Verständniszugewinn zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen durch die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit – Ergebnisse einer Interviewstudie

Im Rahmen der weltweiten Fluchtmigration kommen in erster Linie Personen aus muslimisch geprägten Ländern nach Europa, welche dort auf Personen treffen, die primär christlich und säkular geprägt sind. Gemäß aktueller Studien wird der Islam häufig als Bedrohung erlebt. Andererseits stimmen vor allem Menschen mit islamischem Hintergrund am seltensten der Aussage zu, dass alle Religionen einen wahren Kern haben. Für einen Abbau von Vorurteilsstrukturen und Vorbehalten ist eine möglichst gleichberechtigte Interaktion von Personen unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse unabdingbar. Diese kann etwa insbesondere auch bei der Begegnung von muslimischen Geflüchteten mit ihren ehrenamtlichen christlichen Helfer/innen geschehen. Der vorliegende Artikel skizziert die Möglichkeiten des Beziehungsaufbaus und der Beziehungsgestaltung und den gegenseitigen Kompetenzerwerb mit einem besonderen Augenmerk auf den Abbau von Vorurteilen. Im Rahmen einer qualitativen vertiefenden Untersuchung wurden hierzu Interviews mit 33 Tandems, bestehend aus Personen mit Fluchterfahrung (n=43) und ihren ehrenamtlichen Unterstützungspersonen (n=34) geführt.

Religion, Islam, Christentum, Ehrenamt, Flucht, Flüchtling, Geflüchteter

1 Einleitung: Die Ehrenamtsarbeit zwischen christlich geprägten Helfer/innen und muslimisch geprägten Geflüchteten – Risiken und Potentiale

1.1 Gesellschaftlicher Hintergrund der Untersuchung – Zahlen zu muslimischen Geflüchteten

Von den 82,43 Millionen in Deutschland lebenden Menschen haben 10,62% den „Ausländerstatus“ inne (Statistisches Bundesamt, 2018, S. 21). Insgesamt leben bezugnehmend auf Menschen mit ausländischem Pass und bezugnehmend auf Herkunftsländer, die primär muslimisch geprägt sind, 1.483.515 Türk/innen, 698.950 Syrer/innen, 237.265 Irakis, 208.505 Kosovar/innen sowie 102.760 Iraner/innen in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2018, S. 63–64). Viele dieser Personen kamen seit dem Jahr 2015 als Geflüchtete nach Deutschland.

Weitere knapp 10% der in Deutschland lebenden Menschen sind deutsche Staatsbürger/innen mit Migrationshintergrund, so dass insgesamt in Deutschland 22% Migrant/innen (18,58 Mio.) leben (Statistisches Bundesamt, 2017, S. 39).

Im Jahr 2015 stellten in Deutschland so viele Personen einen Asylantrag wie nie zuvor. Die Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für das Jahr 2015, dem Jahr mit dem höchsten Zuzug an Geflüchteten, belegt die monatliche Zunahme der Erstanträge:

„Im […] Berichtsjahr 2015 wurden 274.923 Erstanträge vom Bundesamt entgegengenommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 116.659 Erstanträge; dies bedeutet deutlich mehr als eine Verdoppelung der Antragszahlen (+135,7%) im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Folgeanträge im bisherigen Jahr 2015 hat sich gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert (19.380 Folgeanträge) um 47,2% auf 28.520 Folgeanträge erhöht. Damit konnte das Bundesamt insgesamt 303.443 Asylanträge im Jahr 2015 entgegennehmen; im Vergleich zum Vorjahr mit 136.039 Asylanträgen bedeutet dies mehr als eine Verdoppelung der Antragszahlen (+123,1%).“ (BAMF, 2015, S. 4).

Von Anfang 2015 bis Februar 2018 beantragten insgesamt 1.475.447 Personen Asyl, darunter 1.389.219 als Erstantrag (eigene Berechnung anhand des BAMF 2018a; BAMF 2018b). Sehr häufig stammen Fluchtmigrant/innen aus islamisch geprägten Ländern. So kamen etwa nach dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im September 2015, dem Monat mit den meisten Neuankommenden, die meisten Erstanträge von Flüchtlingen aus dem oftmals muslimisch geprägten Ländern Syrien (16.544), Albanien (6.624) und Afghanistan (2.724). Von den etwa 1,1 Mio. schutzsuchenden Neuzugewanderten waren 2015 gemäß einer Studie der Bertelsmann-Stiftung (2016) 63,3% Muslim/innen.

1.2 Vorurteile zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Religionen

Die deutsche Gesellschaft ist unter anderem angesichts dieser rapide ansteigenden Migrationsprozesse von einer generellen tiefen Verunsicherung über die geistigen Grundlagen des Einzelnen wie der Gemeinschaft geprägt. Diese wird perpetuiert durch den Anstieg religiöser Fundamentalismen einerseits sowie fortschreitender Säkularisierungstendenzen andererseits. Teilweise begegnen sich die Angehörigen unterschiedlicher Religionen mit Skepsis bis hin zu offen geäußerten Vorurteilen und Stereotypisierungen. Im Religionsmonitor 2013 werden sowohl in der deutschen Stichprobe, als auch bei einer Betrachtung der weltweit Befragten, hohe Verunsicherungen und Bedrohungsgefühle durch Angehörige anderer Religionen evident.

Im Jahr 2012 erlebten nur 31% der Westdeutschen und 21% der Ostdeutschen den Islam seinem Wesen nach in der Umfrage des Religionsmonitors als Bereicherung für Deutschland, während 49% (West) bzw. 57% (Ost) der Aussage zustimmten, dass der Islam eher als Bedrohung zu werten sei. Das Christentum wurde dementgegen mit 76% (West) bzw. 64% (Ost) als bereichernd erlebt und nur zu 9% (West) bzw. 11% (Ost) als Bedrohung. Verglichen mit anderen Religionen wie dem Buddhismus und dem Hinduismus, die stärker als bereichernd als denn als bedrohlich angesehen werden, wird dabei der Islam besonders stark stigmatisiert (alles nach Pollack & Müller, 2012, S. 39). Auch stimmte ein hoher Anteil an Personen (50%) der deutschen Stichprobe der Aussage zu, dass der Islam nicht in die westliche Welt passe (Pollack & Müller, 2012; Pickel, 2013). Die kritische Sicht auf den Islam ist insbesondere gerade bei denjenigen Personen hoch (Ältere, Ostdeutsche, ländliche Sozialstruktur), welche weniger Kontakt zu Menschen islamischen Glaubens haben, während jüngere Stadtbewohner/innen Westdeutschlands sich durch den Islam tendenziell weniger stark bedroht fühlen. Dies spricht für die auch von Pettigrew und Tropp (2000) durch Metastudien gestützte These des Abbaus von Vorurteilen durch Begegnungen zwischen den Angehörigen von Religionen, insbesondere bei einer gleichberechtigten Interaktion.

In anderen Ländern, in denen der Religionsmonitor umgesetzt wurde, ist der Vorbehalt gegenüber dem Islam noch stärker ausgeprägt als in Deutschland, etwa in Spanien oder Israel, wo teilweise nur 20% der Befragten der Aussage zustimmten, dass der Islam in die westliche Welt passe (Pickel, 2013, S. 12). Pickel (2013, S. 30) bezeichnet die Stereotypisierungen als wechselseitig, da andererseits auch große Gruppen der Befragten in der Türkei (32%) und in Israel (27%) das Christentum als bedrohlich erleben.

Dennoch sind „die meisten Bürger in den Untersuchungsländern auch der Überzeugung, dass jede Religion einen wahren Kern besitzt und man allen Religionen gegenüber offen sein sollte“ (Pickel, 2013, S. 33), was eine prinzipielle Bereitschaft zur religiösen Toleranz aufzeigt. Allerdings stieß die Aussage „Alle Religionen haben einen wahren Kern“ auf Ablehnung bei bedeutenden Gruppen innerhalb des Islams (32%) […] oder bekennenden Atheisten (knapp 37%).“ (Pickel, 2013, S. 33). Innerhalb der deutschen Stichprobe ist mit einem Anteil von 39% der Muslim/innen, welche der Aussage zustimmen, „dass in religiösen Fragen vor allem meine eigene Religion recht hat und andere Religionen eher unrecht haben“ (Pollack & Müller, 2012, S. 19) viermal so hoch wie in der christlichen Bevölkerung, was wiederum die Ansicht der einheimisch-deutschen Bevölkerung stützen könnte, dass die Ansichten vieler Muslim/innen mit der säkularen, christlich-geprägten Gesellschaft unvereinbar seien.

Insbesondere seit dem Zuzug von geflüchteten Menschen wandern oftmals stark religiös geprägte Muslim/innen aus rigideren Gesellschaftsstrukturen in die säkular und christlich geprägte Kultur ein, wobei trotz „einem bedeutenden Niveau der Säkularisierung […] immer noch eine überwiegend religiös geprägte Kulturtradition“ des Christentums besteht (Pickel, 2013, S. 18).

Sowohl bei einer weltweiten als auch einer auf Deutschland fokussierten Betrachtung spielt bei Muslim/innen die Religion die zentralere Rolle als bei den Angehörigen anderer Religionen (Stein, 2016a; 2016b; 2017a; 2017b; 2017c). Insgesamt war im Religionsmonitor 2013 bezogen auf Deutschland den Muslim/innen mit 89% die Religion am wichtigsten, gefolgt von den Katholiken/innen mit 64% und den Protestanten/innen mit 58% vor den Konfessionslosen mit 10%.

„Im Vergleich zur „Religion light“, wie sie in der „einheimischen“ westdeutschen Gesellschaft heutzutage zunehmend praktiziert werde (vom verbreiteten „Unglauben“ der Ostdeutschen ganz zu schweigen) erscheine heute die islamisch geprägte Religion vielen Migranten (bzw. ihren Nachkommen) immer mehr als wirklich „echte“, bzw. „harte“ Religion […]. Man kann annehmen, dass diese Wahrnehmung von einem nicht unbeträchtlichen Anteil der „alteingesessenen“ Bevölkerung geteilt wird und möglicherweise zu diesem „Unbehagen“ eines Teils der Mehrheitsbevölkerung gegenüber dem Islam bzw. den muslimischen Mitbürgern beiträgt.“ (Pollack & Müller, 2012, S. 18)

Dieses Unbehagen wird in den letzten Jahren seit dem Zuzug muslimischer Menschen mit Fluchterfahrung verstärkt, was sich im Erfolg von Parteien niederschlägt, die islamkritische Positionen einnehmen.

1.3 Vorurteilsabbau durch ehrenamtliche Hilfestellungen für geflüchtete Menschen mit muslimischem Hintergrund

Angesichts der oben geschilderten dogmatischen Überzeugungen häufig auf Seiten muslimischer Menschen einerseits und säkularen Tendenzen und abnehmender Religiosität auf Seiten christlich geprägter Menschen andererseits, sollte die Frage in den Mittelpunkt rücken, wie soziale Beziehungen zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Religionen in der Gesellschaft gestiftet werden können, die kohäsiv wirken könnten. Diese Frage stellt sich insbesondere bei der Integration neuankommender Gesellschaftsmitglieder, die aus anderen Kontexten und Kulturen kommen.

Diese Entwicklung der hohen Zuwanderung von Menschen mit Fluchthintergrund führte zu einem umfassenden Anstieg der Hilfestellungen von Seiten der Bevölkerung zur Unterstützung und Integration von geflüchteten Menschen (Ahrens, 2017; Karakayalı & Kleist, 2016). Insbesondere die Kirchen fordern ein umfassendes Engagement für Menschen mit Fluchterfahrungen und in vielen Pfarrgemeinden bildeten sich unterstützende Strukturen.

Etwa 55% der in Deutschland lebenden Menschen engagierten sich seit 2015 in unterschiedlicher Weise und unterschiedlicher Intensität (u.a. durch Sach- oder Geldspenden, Deutschkurse, Mentoring etc.) in der Flüchtlingshilfe. Während sich staatliche Integrationsmaßnahmen eher an standardisierten Programmen orientieren, sind ehrenamtliche Integrationsangebote vermehrt auf die individuellen Bedürfnisse von Zugewanderten abgestimmt. Bürgerschaftliches Engagement mit geflüchteten Menschen wird oftmals gesellschaftspolitisch als unverzichtbarer Teil des Abbaus von Vorurteilen und Stereotypisierungen zwischen den Angehörigen unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse angesehen. Als Grund wird häufig genannt, dass etwa durch eine individualisierte ehrenamtlich getragene Mentoren/innenbeziehung geflüchteten Menschen ein unmittelbarer und persönlicher Kontakt zu Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft möglich wäre, was von professionell Tätigen nicht in entsprechendem Umfang geleistet werden könne (Sprung & Kukovetz, 2017). Bei einem gelingenden Beziehungsaufbau und einer positiven Beziehungsgestaltung zwischen Ehrenamtlichen und geflüchteten Menschen wird eine größere Integration in die Gesellschaft sowie ein wachsendes gegenseitiges Verständnis und Verstehen der jeweilig anderen religiösen Überzeugung erwartet, wie etwa gegenwärtig im aktuell laufenden Projekt „Mentoring of Refugees (MORE)“ im Rahmen der IAB-BAMF-SOEP-Befragung hypothetisch geprüft wird. Zudem werden im Rahmen der Begleitung Kompetenzgewinne auf Seiten der Ehrenamtlichen wie der geflüchteten Menschen gleichzeitig erhofft, etwa im Sinne einer Sensibilisierung für etwa religiöse Belange, Differenzen und Gemeinsamkeiten (Sprung & Kukovetz, 2017) und eines Abbaus von Vorurteilen zwischen den Religionen (Pettigrew & Tropp, 2000). Es werden jedoch auch Problemfelder identifiziert, welche den Beziehungsaufbau und die Beziehungsgestaltung negativ beeinflussten könnten. Hierzu zählt etwa eine mögliche Überforderung der Ehrenamtlichen durch eine (gefühlt) mangelnde Unterstützung durch qualifiziertes und hauptamtliches in der Flüchtlingshilfe tätiges Personal (Sprung & Kukovetz, 2017). Als kontraproduktiv für eine gleichgestellte Interaktion zwischen Ehrenamtlichen und die durch sie begleitete Person wird zudem die hohe vermutete Abhängigkeit des geflüchteten Menschen vom Ehrenamtlichen genannt, die sich in einem stark asymmetrischen Verhältnis durch den unterschiedlichen Zugang zu Ressourcen wiederspeigelt (Leisner, Kaltenegger & Paiva, 2015).

Ziel der im Rahmen des Artikels vorgestellten Studie ist es, den Beziehungsaufbau und die Beziehungsgestaltung zwischen ehrenamtlich Tätigen in der Flüchtlingshilfe und den durch sie begleiteten geflüchteten Menschen nachzuzeichnen. Hierbei werden auch gelingende wie hinderliche Faktoren der Beziehungsdynamiken benannt. Neben den Erwartungen vor dem ersten Kontakt und deren Einlösung durch die ehrenamtliche Begleitung werden auch Vorabvorstellungen vom jeweils anderen und seiner Religion vor und während der gemeinsamen Zusammenarbeit erhoben. Diese impliziten Theorien etwa zum Wesen des Islams und des Christentums können entweder Interaktion und Beziehung fördern oder behindern. Darüber hinaus wird der gegenseitige Erwerb religiösen Wissens und Verstehens des jeweils anderen durch den Kontakt in den Blick genommen, der in gelingenden Beziehungen auf beiden Seiten zu erwarten ist. Die ehrenamtlich Tätigen berichten darüber hinaus als wie fördernd oder auch hinderlich für eine kompetente Beziehungsgestaltung mit den Geflüchteten sie die hauptamtliche Flüchtlingshilfe ansehen und benennen darauf basierend dezidierte Handlungsbedarfe.

Im Rahmen der Studie wurden Interviews mit 33 Tandems, bestehend aus Personen mit Fluchterfahrung (n=43) und ihren ehrenamtlichen Unterstützungspersonen (n=34) geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Im Rahmen des Beitrags wird zunächst anhand aktueller Studien und der statistischen Berichterstattung ein Forschungsüberblick zum ehrenamtlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe gegeben. Aktuelle größere Studien speziell zum Ehrenamt im Flüchtlingsbereich (vgl. etwa Karakayalı & Kleist, 2015; 2016; Karakayalı, 2018a; 2018b), widmen sich hierbei in erster Linie der Fragestellung nach den demographischen Besonderheiten von hier engagierten Personen und deren Motivation für die Aufnahme des Engagements. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Rolle der Religion bei der Aufnahme eines ehrenamtlichen Engagements im Fluchtbereich gelegt, etwa bei Nagel und El-Menouar (2017) oder bei Riegel und Schneikert (2017). Basierend auf diesen Forschungsüberblick werden Forschungsdesiderata benannt, welche dann in konkrete Fragestellungen der vorliegenden Studie münden. Nach der Vorstellung des Studiendesigns werden der Erstkontakt zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen, der Beziehungsaufbau im Spannungsfeld vom Interesse an einer anderen Religion und kulturell-religiösen Differenzen sowie die Beziehungsgestaltung im Spannungsfeld von Abhängigkeit und Kompetenzerwerb nachgezeichnet. Neben Beziehungsaufnahme und Beziehungsgestaltungen zwischen den Ehrenamtlichen und den Geflüchteten werden auch stützende und hindernde Faktoren für die gelingende Zusammenarbeit auf Basis des Interviewmaterials beleuchtet und es wird der Frage nachgegangen, ob es durch den Kontakt zu einem Abbau von Vorurteilen zwischen den Religionen kommt.

2 Der Forschungsstand zum Ehrenamt mit Geflüchteten in Deutschland

2.1 Definitionen und Zahlen zum Ehrenamt im Flüchtlingsbereich

Die Ehrenamtsarbeit wird durch verschiedene Kriterien definiert, die einerseits den Verzicht auf materiellen Gewinn und die Freiwilligkeit betonen und andererseits anführen, dass es sich um eine gemeinwohlorientierte Tätigkeit im öffentlichen Raum handelt. Bürgerschaftliches Engagement kann sowohl durch Einzelpersonen als auch Organisationen geleistet werden (BMFSFJ, 2016b, S. 28–29.) und kann beispielsweise in religiösen, sozialen, politischen, sportlichen, kulturellen oder ökologischen Bereichen ausgeübt werden. Der Bereich der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit bezieht sich auf die nicht monetär vergütete Zusammenarbeit mit Geflüchteten (Karakayalı & Kleist, 2015).

Die Anzahl ehrenamtlich Tätiger weise gemäß des Freiwilligensurveys auf die Stärke einer Zivilgesellschaft hin, unterschiedlichste religiöse Überzeugungen zuzulassen und zu integrieren (BMFSJ, 2016c).

Laut Redmann (2018), die sich auf Berechnungen des Engagementatlas (2009) stützt, entspricht die Arbeitsleistung freiwilligen Engagements in Deutschland rund 35 Mrd. Euro im Jahr, wenn für den Stundenaufwand aller ehrenamtlich Tätigen der Mindestlohn von 8,84 Euro angesetzt würde[1]. Dementsprechend werden Strategieentwürfe der Bundesregierung (2010) zur Erhöhung des Engagements konzipiert. Nach Heckmann (2012) ist vor allem die aktuelle Zuwanderung Geflüchteter durch eine starke „Willkommenskultur“ charakterisiert, die sich auf der Ebene des Individuums, der Ebene interpersonaler Beziehungen sowie der institutionellen und gesamtgesellschaftlichen Ebene differenzieren lässt (Heckmann, 2012).

Zwischen 2015 und 2016 lässt sich mit dem Anstieg an Geflüchteten auch ein starker Anstieg der ehrenamtlichen Tätigkeit in der Arbeit mit Zugewanderten verzeichnen. Waren 2009 noch 0,72% aller Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe tätig, stieg diese Zahl zusammen mit dem Anstieg an Menschen mit Fluchterfahrung rapide an – allein zwischen November 2015 und Mai 2016 um ein Prozent (Ahrens, 2017; Karakayalı & Kleist, 2016). Nach der repräsentativen mündlich-persönlichen Befragung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 1.387 Bürger/innen zum ehrenamtlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe, engagierten sich seit 2015 55% in irgendeiner Weise für Geflüchtete (u.a. auch durch Sach- oder Geldspenden) (BMFSFJ, 2017, S. 8). Die BMFSFJ-Studie umfasst eine zweistufige Befragung, bei der aus den Ergebnissen der ersten Untersuchung nähere Informationen über ehrenamtlich Tätige (N=558) erhoben wurden. Gegenwärtig unterstützen 19% der Bevölkerung Geflüchtete. Der Freiwilligensurvey (2016) als repräsentative Erhebung zur Ehrenamtsarbeit in Deutschland, erfasst nicht explizit ehrenamtlich im Bereich der Flüchtlingsarbeit tätige Personen, sondern ehrenamtliche Tätigkeit mit Migrant/innen insgesamt. Rund 11% der Befragten engagiert sich für Menschen mit Migrationshintergrund, wobei ein großer Anteil der Engagierten zwischen 14 und 29 Jahre alt ist. 2014 engagierten sich laut des Freiwilligensurveys (2016) insgesamt 43,3% (30,9 Millionen) der in Deutschland wohnhaften Personen ab 14 Jahren ehrenamtlich. 22,9% gehen zwei oder mehreren ehrenamtlichen Tätigkeiten nach. Dabei üben mehr Frauen als Männer mehrere Ehrenämter aus (BMFSFJ, 2016b).

Die Tätigkeiten der Ehrenamtlichen im Flüchtlingsbereich sind vielfältig und betreffen vorwiegend den Bereich der Sprachförderung (44,1%). Jedoch ist diese auch häufig mit einer Alltagsbegleitung verknüpft oder ehrenamtlich Engagierte unterstützen Geflüchtete bei der Wohnungs- und Arbeitssuche oder der Beschaffung von Möbeln und Kleidung (37,6%) (Karakayalı & Kleist, 2016). Die Unterstützung durch ehrenamtlich Tätige ist jedoch nicht einseitiger Gewinn für Geflüchtete, sondern auch freiwillig Engagierte können soziale Kompetenzen erweitern und themenspezifisches Wissen etwa zur Religion des Islams generieren (Sprung & Kukovetz, 2017).

2.2 Demographische Charakteristika ehrenamtlich Tätiger in der Flüchtlingsarbeit

Werden demographische Besonderheiten ehrenamtlich Tätiger insgesamt (Freiwilligensurvey) und ehrenamtlich Tätiger in der Flüchtlingshilfe (EFA-Studien) miteinander verglichen, lässt sich feststellen, dass sich insgesamt tendenziell mehr Frauen als Männer und mehr Menschen mit Migrationshintergrund im Flüchtlingsbereich engagieren als in der Ehrenamtsarbeit insgesamt. Darüber hinaus lässt sich festhalten, dass sowohl im Ehrenamt insgesamt als auch in der Flüchtlingsarbeit tendenziell mehr Jüngere und mehr Hochgebildete engagiert sind (BMFSFJ, 2016b; Karakayalı & Kleist, 2015; 2016; Karakayalı, 2018a; 2018b).

Insbesondere Nagel und El-Menouar (2017) befassen sich in ihrer Studie mit der Rolle der Religion der ehrenamtlichen Hilfe für geflüchtete Menschen. Die referierten Zahlen des Religionsmonitors belegen, dass sich mehr Muslim/innen als Christ/innen und Konfessionslose in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Demnach unterstützt nach einer Sonderauswertung des Religionsmonitors (2017) knapp die Hälfte der Befragten muslimischen Hintergrunds geflüchtete Menschen, während nur jeder Fünfte der christlichen Befragten oder der Befragten ohne Religionszugehörigkeit sich in diesem Bereich engagiert. Insgesamt war ein Engagement in der Flüchtlingshilfe zu 18% wahrscheinlicher, wenn der Engagierte muslimischen Glaubens war. Aber auch Christ/innen sind tendenziell engagierter im Fluchtbereich als bekenntnislose Einheimische (Ahrens, 2017).

Auch Riegel und Schneiker (2017) diskutieren in ihrem Beitrag zur „Rolle und Bedeutung individueller Religiosität beim freiwilligen Engagement in der Flüchtlingshilfe“ das Motiv der Religiosität Ehrenamtlicher. Die Autoren/innen, wie bereits auch Nagel und El-Menouar (2017) kommen zu dem Ergebnis, dass weniger die individuelle Religiosität verantwortlich für die Übernahme eines ehrenamtlichen Engagements sei, als die gleiche Herkunftsregion der Ehrenamtlichen und geflüchteten Menschen oder die gleiche Sprache. Vermutlich seien nach Riegel und Schneiker (2017) vermehrt freiwillig engagierte Muslime und Musliminnen in der Übersetzungsarbeit tätig. Dennoch schlussfolgert Daphni (2016), dass die gemeinsame geteilte Religion und Kultur ursächlich für die höhere Engagementrate von Muslim/innen im Bereich der Flüchtlingsarbeit sein könnte.

Eine hohe Rolle für das muslimische Engagement im Fluchtbereich könnten nach Karakayalı (2018a) neben dem individuellen Glauben und der gleichen religiös-kulturellen Herkunft auch muslimische Verbände spielen. So wurde ab 2016 vom Zentralrat der Muslime in Deutschland gefördert mit Mitteln des Bundesfamilienministeriums BMFSFJ Initiativen gefördert, welche gezielt Menschen mit Fluchterfahrung unterstützen. Der 2016 gegründete Verband „Muslimische Flüchtlingshilfe“ basiert neben dem Zentralrat der Muslime in Deutschland auch auf den deutschen Islamrat, die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland sowie zwei Patenschaftsprojekte muslimischer Verbände.

2.3 Motivatoren für die Aufnahme eines ehrenamtlichen Engagements mit Geflüchteten

Nach den Ergebnissen des Freiwilligensurveys haben die meisten der ehrenamtlich Tätigen aus intrinsischer Motivation heraus ein freiwilliges Engagement aufgenommen. Viele Engagierte wurden u.a. von Freund/innen oder hauptamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätigen Personen zum Engagement motiviert. Interessant ist vor allem, dass seit 1999 für die Aufnahme eines Ehrenamts ein Anstieg der intrinsischen Motivation Ehrenamtlicher zu erkennen ist (BMFSFJ, 2016b). Primär seien nach den Untersuchungsergebnissen von Strubel et al. (2015, S. 255) die „Erfahrungs-, soziale Gerechtigkeits- und Wertefunktion“ für die Aufnahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit zentral. Auch der Großteil der Befragten, die kein Ehrenamt ausüben, geben an, dass ihnen für die Aufnahme eines freiwilligen Engagements die drei von Strubel et al. (2015) genannten Merkmale sehr wichtig wären. Nur zu einem geringen Anteil waren den Befragten, die sich engagieren (n=188), eine Schutz- (7,2%) oder Karrierefunktion (15,2%) durch ihre freiwillige Tätigkeit wichtig. Auch religiöse Motive spielen bei der Aufnahme eines Ehrenamts eine entscheidende Rolle (Stein, 2016a; Riegel & Schneikert, 2017).

Die Ergebnisse der qualitativen EFA-Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) speziell zur ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit belegen, dass der Auslöser für die Aufnahme eines freiwilligen Engagements mit geflüchteten Menschen nach Aussagen der Befragten auch die mediale Berichterstattung über geflüchtete Menschen war gepaart mit dem Wunsch „Schwächeren“ beizustehen. Dieses Motiv kann ebenfalls dem Bereich der intrinsischen Motivation zugeordnet werden (Karakayalı & Kleist, 2016, S. 31). Hintergrund für die Aufnahme der Ehrenamtsarbeit in der Flüchtlingshilfe ist zudem der Wunsch, die Gesellschaft mitgestalten zu wollen (Han-Broich, 2012, S.66), wodurch dem Anspruch gefolgt wird „die Gesellschaft gestalten zu wollen“ (Karakayalı & Kleist, 2015, S. 33). Größeres Interesse besteht auch durch das Engagement „Menschen aus anderen Kulturen“ und „Religionen“ kennenzulernen und „Neues“ zu erfahren (Karakayalı & Kleist, 2016, S. 32). Darüber hinaus bestehen religiöse Motive Menschen mit Fluchterfahrung zu unterstützen (Karakayalı & Kleist, 2015; Karakayalı, 2018a), die ebenfalls der intrinsischen Motivation zuzuordnen sind.

3 Das Untersuchungsdesign zur Erfassung der Beziehung zwischen ehrenamtlich Tätigen und Menschen mit Flucht-erfahrung

3.1 Forschungsdesiderata bisheriger Studien und Fragestellungen

Die vorliegende Studie bezieht ehrenamtlich tätige Personen als auch die durch sie begleiteten geflüchteten Menschen in großem Umfang (n=77) mit ein und befragt beide zusammen in einem qualitativ angelegten Gruppeninterview. Die Berücksichtigung der Perspektive geflüchteter Menschen, insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses zu den ehrenamtlich Aktiven stellt eines der Forschungsdesiderata der Flüchtlingsforschung dar. Untersuchungen im deutschsprachigen Raum befragten bisher zumeist in erster Linie die Ehrenamtlichen, seltener die ehrenamtlich betreuten geflüchteten Personen. Im Fokus standen bei bisherigen Studien wie in Abschnitt 2 dargelegt überwiegend strukturelle Merkmale des bürgerschaftlichen Engagements wie etwa Umfang und Arbeitsbereiche der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, die demographischen Merkmale der im Flüchtlingsbereich Engagierten oder die Motive für die Aufnahme des Engagements. Hier sind etwa in erster Linie die EFA-Studien zu Strukturen und Motive der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Deutschland zu nennen (Karakayalı & Kleist, 2015; 2016) oder die aktuellen Studien von Karakayalı (2018a; 2018b), die die demographische Situation der Engagierten beleuchtet und dabei auch den Fokus auf unterschiedliche Gruppen im Engagement für geflüchtete Menschen richtet, wie etwa Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund und ausführlich die Motive für die Aufnahme des Engagements beleuchtet. Zudem werden teilweise in Studien Kompetenz- und Bildungsprozesse auf Seiten der Ehrenamtlichen durch das Engagement wissenschaftlich untersucht, etwa in der Studie zu politischen Bildungsprozessen in der Unterstützung Geflüchteter der Universität Graz (Sprung & Kukovetz, 2017). Zumeist wurden in den Studien nur randständig die Beziehung zwischen Ehrenamtlichen und Menschen mit Fluchterfahrung sowie die gegenseitigen, zu Beginn geäußerten Ängste, in der Begegnung mit der anderen Religion und Kultur sowie der gegenseitige Verständniszugewinn erfasst. Genauere Ergebnisse zur Beziehung zwischen geflüchteten Menschen und Ehrenamtlichen und den Auswirkungen auf die Integration sowie den Abbau von religiösen Ressentiments und Vorbehalten werden im Rahmen des Projekts „Mentoring of Refugees (MORE)“ erwartet. Die Studie ist als Befragung im Rahmen des IAB-BAMF-SOEP geplant und die Ergebnisse werden 2019 erwartet (https://www.diw.de/de/diw_01.c.547448.de /forschung_beratung/mentoring_of_refugees_more_eine_interventionsstudie_zur_integration_gefluechteter_durch_ein_zivilgesellschaftliches_mentoringprogramm.html).

Durch die Befragung beider Tandempartner/innen – der Ehrenamtlichen als auch der geflüchteten Menschen – können in der vorliegenden hier vorgestellten Studie einerseits gelingende Aspekte, aber auch Herausforderungen in der Zusammenarbeit von Personen unterschiedlicher religiöser-kultureller Prägung aus Sicht aller Beteiligten aufgezeigt werden.

Dabei befasst sich die vorliegende Untersuchung mit der von Heckmann (2012) angeführten interpersonellen Ebene, auf jener der Aufbau von Beziehungen und Bindungen zwischen den Interaktionspartner/innen zentral ist.

Folgende Forschungsfragen werden mit der Erhebung adressiert:

  1. Welche Erwartungen werden vor der ersten Begegnung zwischen Hoffnungen und Ängsten von den Ehrenamtlichen wie auch von den geflüchteten Menschen an den Tandemkontakt formuliert, insbesondere hinsichtlich des Kontakts zwischen Personen anderer religiöser Überzeugungen? Gibt es rückblickend besonders fördernd sowie hemmende Aspekte, welche den Erwartungen an die andere Religion zuwiderlaufen?

  2. Wie gestaltete sich der Erstkontakt zwischen den ehrenamtlichen Tätigen und den geflüchteten Menschen zwischen Interesse an neuen Religionen und kulturell-religiösen Konfliktlinien? Gibt es hierbei Gemeinsamkeiten und Unterschiedliche, welche einen Beziehungsaufbau anfänglich erschweren und mit diesem konfligieren?

  3. Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen den ehrenamtlichen Partner/innen und geflüchteten Menschen im Spannungsfeld zwischen asymmetrischer Beziehungslogik und gegenseitigen Lernerfahrungen? Welche instrumentellen und emotionalen Hilfestellungen werden gewährt und welche Kompetenzzuwächse werden auf beiden Seiten benannt?

  4. Kann insgesamt von einem gegenseitigen Verständniszugewinn zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Religionen ausgegangen werden?

3.2 Forschungsdesign und Gestaltung des Interviewleitfadens

Die Erhebung fand 2017 statt und wurde als qualitative Erhebung konzipiert. Die Untersuchung wendet die Methode des problemzentrierten Interviews nach Witzel (2000) an. Diese Methode wurde gewählt, da qualitative Interviews nach Witzel (2000, o.S.) auf eine „möglichst unvoreingenommene Erfassung individueller Handlungen sowie subjektiver Wahrnehmungen und Verarbeitungsweisen gesellschaftlicher Realität“ zielen.

Problemzentrierte Interviews sind dadurch einerseits durch die Offenheit des Forschenden in Bezug auf den zu untersuchenden Gegenstand gekennzeichnet, andererseits muss im Vorfeld der Untersuchung das Problemfeld durch ein bestimmtes Vorwissen definiert werden. Damit dient das Vorwissen des Forschenden wie Witzel (2000) ausführt als Rahmen der Untersuchung. Dieses Vorwissen floss in den Interviewleitfaden vorliegender Untersuchung auch durch den Einbezug externer Expert/innen aus der Praxis mit möglichen Befragungselementen ein. Durch dieses Vorgehen wurde ein induktiv-deduktives Wechselspiel in der Befragung erzielt, das auf der einen Seite ein spezifisches Vorwissen in die Befragung mit einbringt und auf der anderen Seite die notwenige Offenheit berücksichtigt. Die Interviews wurden mit einem teilstrukturierten Leitfaden erhoben, der im Vorfeld mit hauptamtlichen Vertreter/innen der Flüchtlingsarbeit des Caritas-Sozialwerks sowie der Stadt- und Kreisverwaltung diskutiert wurde. Die hauptamtlich tätigen Personen fungierten somit als Expert/innen, die in den Untersuchungsprozess begleitend miteinbezogen wurden und ebenfalls hervorhoben, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement nicht nur zur Unterstützung der Zielgruppe, sondern auch für hauptamtlich Tätige sei.

Der Interviewleitfaden beinhaltet Fragen zur demographischen Situation der Interviewpartner/innen, den Erwartungen und Vorstellungen von Deutschland und der freiwilligen Unterstützung durch die Ehrenamtlichen, dem Erstkontakt der Tandempartner/innen, der Ausgestaltung der Unterstützung, der Beziehungsgestaltung sowie dem gegenseitigen Kompetenzerwerb und Vorurteilsabbau. Die Interviewpartner/innen wurden von den Expert/innen, also hauptamtlichen Tätigen insbesondere aus dem kirchlich zugehörigen Sektor (Caritas-Sozialwerk), kontaktiert. Im Zuge der Terminfestlegung der Interviews wurde gefragt, ob Dolmetscher/innen zu den Interviews hinzu gebeten werden sollten. Das Angebot wurde jedoch kaum angenommen und erst dann, wenn kaum Deutschkenntnisse auf Seiten der Interviewpartner/innen mit Fluchterfahrung vorhanden waren.[2] Alle Interviews wurden auf Tonband aufgezeichnet und vollständig transkribiert. Insgesamt wurden 77 Personen interviewt, wobei 43 Personen einen Fluchthintergrund aufweisen und sich 34 Personen freiwillig für diese Zielgruppe engagieren. Die Mehrheit der Befragten mit Fluchthintergrund gab im Rahmen der Interviews und bei den hauptamtlich Tätigen an, dass sie sich gefreut hätten, dass ihnen durch das Interview eine bedeutende Rolle für die wissenschaftliche Erkenntnisgenerierung zukäme und ihnen durch das Interview Interesse an ihren Erwartungen und Wünschen entgegengebracht werde. Ebenfalls schilderten einige der teilnehmenden ehrenamtlich Tätigen, dass sie im Zuge der Anfrage nach einem Interview eine Würdigung ihres Engagements erfahren hätten. Andererseits war das Interesse an einem Interview teilzunehmen im Vorfeld bei den kontaktierten Ehrenamtlichen verhalten, da sie ihr freiwilliges Engagement häufig als selbstverständliche Tätigkeit bezeichneten und Sorge hatten, durch ein Interview in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt zu werden.

Die geflüchteten Interviewpartner/innen wurden vor dem Interview aufgeklärt, dass ihnen keinerlei Fragen zu ihrer Flucht gestellt würden und sie keine Fragen beantworten müssten, die in ihnen Unbehagen auslöse. Im Zuge dessen wurde zudem darüber informiert, dass die Interviews anonymisiert und keine Informationen oder Daten an „Dritte“ (z.B. Behörden) weitergereicht werden.

Die Auswertung wurde mit der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) vorgenommen. Das Datenmaterial wurde deduktiv anhand der Leitfragen ausgewertet, wobei auch induktiv gebildete Kategorien in den Auswertungsprozess miteinflossen. Insgesamt wurden fünf Hauptkategorien gebildet, die auch den Interviewleitfaden untergliedern. Im Mittelpunkt der vorgestellten Auswertung im Rahmen des Artikels stehen der Beziehungsaufbau und die Beziehungsgestaltung zwischen den geflüchteten und ehrenamtlich tätigen Interviewpartner/innen.

Der Leitfaden wurde in fünf Kategorien unterteilt, welche (1) Fragen zur Person, (2) zu den Impressionen bei der Ankunft und beim Erstkontakt, (3) den wechselseitigen Erwartungen, (4) dem gegenseitigen Kompetenzerwerb und Vorurteilsabbau und (5) Fragen zu der gemeinsamen Zeit bzw. Handlungsbedarfe in der Ausgestaltung der Unterstützung erheben. Nachfolgend wird beispielhaft ein Auszug aus dem Leitfaden präsentiert, der Fragen zur zweiten Kategorie „Impressionen bei der Ankunft & Erstkontakt“ beinhaltet.

Tab. 1: Auszug aus dem Interviewleitfaden

Teil II: Impressionen bei der Ankunft & Erstkontakt

Befragte mit Fluchterfahrung

Befragte, die sich freiwillig engagieren

Bitte schildern Sie uns die erste Begegnung zwischen Ihnen.

Wie kam es zu dem ersten Treffen?

Wie empfanden Sie das erste Treffen?

Bitte schildern Sie uns die erste Begegnung zwischen Ihnen.

Wie kam es zu dem ersten Treffen?

Wie empfanden Sie das erste Treffen?

Was ist Ihnen zu Beginn schwer gefallen?

(Sprachliche Barrieren, fremde Kultur, andere/unbekannte Religion…)

Was ist Ihnen zu Beginn schwer gefallen?

(Sprachliche Barrieren, fremde Kultur, andere /unbekannte Religion…)

Welches Bild hatten Sie vor Ihrer Einreise von Deutschland?

Ist das Bild jetzt noch gleich? Hat sich dieses Bild verändert?

Welches Bild hatten Sie von der Flüchtlingssituation, bevor Sie die/den Geflüchtete/n trafen?

Ist das Bild jetzt noch gleich? Hat sich dieses Bild verändert?

Können Sie uns schildern, wie es war als Sie nach Deutschland kamen?

Wie war es als Sie nach [Name des Ortes] kamen?

Welches Bild hatten Sie von dem Land und der Kultur und Religion der Person, mit der Sie jetzt zusammenarbeiten?

 

Ist das Bild jetzt noch gleich? Hat sich dieses Bild verändert?

3.3 Stichprobendesign und demographische Merkmale der befragten Untersuchungsteilnehmer/innen

Bei der Auswahl der Interviewpartner/innen wurde entsprechend dem Verständnis der qualitativen Sozialforschung und der damit verbundenen Offenheit auf eine „vorab zu ziehende Zufallsprobe verzichtet“ (Hoffmann-Riem, 1980, S. 346). Als Kriterien für die Aufnahme in die Stichprobe dienten hier das Vorliegen eines ehrenamtlichen Engagements im Fluchtbereich im Sinne einer aktiven Betreuung mindestens eines Geflüchteten oder die Leitung von Gruppenangeboten für geflüchtete Menschen und die Bereitschaft sowohl der Ehrenamtlichen als auch der zu Begleitenden sich interviewen zu lassen. Hinzu kam das Kriterium, dass die Interviewpartner/innen entsprechend auf Seiten der Ehrenamtlichen und der geflüchteten Menschen die Zusammensetzungen der Tandembeziehungen nach Geschlecht, Altersstruktur und ethnischen Hintergründen in der Befragungsregion abbilden. Hinzu trat bei der Stichprobenauswahl das Kriterium der Zugänglichkeit. Die Fallauswahl hing von forschungspraktischen Entscheidungen ab, wie z.B. der Verfügbarkeit potentieller Interviewpersonen. Die Interviewpartner/innen wurden über die hauptamtlich im Bereich der Flüchtlingshilfe tätigen Personen aus dem kirchlichen Bereich und der Stadt- und Landkreisverwaltung in einem ländlichen norddeutschen Landkreis Niedersachsens angesprochen und rekrutiert. Viele Geflüchtete wären ohne die gleichzeitige Befragung ihrer/s Tandempartner/in nicht zum Interview bereit gewesen, da die Anwesenheit desselben einen geschützten Vertrauensraum darstellt. Hierdurch entstehen jedoch natürlich auch Limitationen im Forschungsprozess, etwa die Möglichkeit von sozial erwünschten Antworten auf Seiten der Interviewpartner/innen oder das Verschweigen von problematischen Aspekten im Beziehungsaufbau und der Beziehungsgestaltung. Auch hierbei muss die zuvor bereits angesprochene mögliche asymmetrische Beziehungsstruktur bzw. Machtkonstellation zwischen Angehörigen der Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft erwähnt werden, die sich insbesondere deutlicher ausdrücken kann, wenn es sich um die Begleitung minderjähriger Geflüchteter handelt (vgl. hierzu Leisner, Kaltenegger & Paiva, 2015). Darüber hinaus kann angenommen werden, dass sich jene Befragten zu einem Interview bereit erklärt haben, welche ihre gemeinsame Zusammenarbeit durch das ehrenamtliche Engagement insgesamt als positiv einstufen.

Befragt wurden jeweils Ehrenamtliche und die durch sie begleiteten Personen in einem gemeinsamen Gruppeninterview. Die Begleitung findet zum Teil in Form von Patenschaften statt, bei denen entweder für unbegleitete minderjährige Geflüchtete oder erwachsene Personen mit Fluchthintergrund eine Einzel- (n=12) oder Familienpatenschaft (n=19) besteht. In vier dieser Fälle wohnen die Minderjährigen auch bei den Ehrenamtlichen, wobei es sich hierbei nicht um eine Pflegschaft nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) handelt, sondern die Unterbringung kostenlos und ehrenamtlich erfolgt, um sie noch intensiver begleiten und fördern zu können. In anderen Fällen (n=5) betreuen die Ehrenamtlichen auch gleichzeitig mehrere geflüchtete Menschen, etwa im Rahmen der Sprachförderung oder bei Freizeitaktivitäten, wie Sport-, Handarbeits- oder Musikgruppen. Wenn es sich um die Betreuung von Gruppen handelt, dann wurde jeweils eine Person mit Fluchterfahrung stellvertretend für die Gruppe interviewt. Der Hauptteil der Ehrenamtlichen (n=28) unterstützt jedoch mehrere geflüchtete Personen in unterschiedlichen Kontexten. Hierbei muss als Einschränkung formuliert werden, dass sich die Einzelpatenschaft von einem Gruppenangebot für mehrere geflüchtete Menschen möglicherweise stark hinsichtlich der Beziehungsdynamik unterscheidet. Zudem ergeben sich natürlich jeweils differentielle Unterschiedlichkeiten insbesondere auch hinsichtlich der Asymmetrie der Beziehung zwischen minderjährigen und volljährigen begleiteten Geflüchteten. Welche divergierenden Beziehungslogiken sich hierbei jeweils entwickeln, müsste in vertiefenden weiteren qualitativen Studien erfasst werden.

Zum Großteil stammen die interviewten Personen mit Fluchterfahrung aus Syrien und dem Irak. Weitere Interviewpartner/innen mit Fluchthintergrund kommen aus Afghanistan, Pakistan, Tschetschenien sowie aus Afrika (Gambia, Sudan, Elfenbeinküste) und dem Westbalkan (Kosovo, Rumänien, Serbien).

Zusammenfassend zeigt sich, dass die meisten befragten Menschen mit Fluchterfahrung erst ab 2015 nach Deutschland kamen und auch die meisten Ehrenamtlichen erst 2015 oder 2016 ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe aufnahmen. Beim Vergleich der beiden Geschlechter zeigt sich ein reziprokes Bild: während bei den Befragten mit Fluchterfahrung auch entsprechend der Anzahl an Ankommenden insgesamt mehr Männer als Frauen betreut werden, sind bei den Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe mehr Frauen als Männer aktiv, was sich auch mit den Angaben in den EFA-Studien deckt (Karakayalı & Kleist, 2015; 2016). Auch sind es in der vorliegenden Stichprobe ähnlich wie im Freiwilligensurvey und den EFA-Studien eher höhere qualifizierte Personen sowie Angestellte und Studierende, die sich für Neuzugewanderte mit Fluchterfahrung engagieren. Anders als nach dem Befund von Nagel und El-Menouar (2017), wonach sich mehr Muslim/innen als Christ/innen und mehr Personen mit Migrationshintergrund als Einheimische für Geflüchtete engagieren, hatten in der vorliegenden Studie nur etwa knapp 10% der befragten Ehrenamtlichen einen Migrationshintergrund. Nur ein Ehrenamtlicher der Befragten ist muslimischen Glaubens – ein Student aus Ägypten. Die Migrant/innen führen auch häufig die geteilten Erfahrungen der Zuwanderung oder die gleiche Muttersprache als Grund für ihr Engagement an.

Tabelle 2 bietet einen Überblick über die demographischen Merkmale der ehrenamtlich tätigen Befragten und der Tandempartner/innen mit Fluchterfahrung.

Tab. 2: Demographische Charakteristika der Stichprobe

Charakteris-tika der Stich-probe (n=77)

Ehrenamtlich tätige Befragte (n=34)

Befragte mit Fluchterfahrung (n=43)

Jahre im Engagement / Jahre in Deutschland

Keine Angabe: 2

Vor 2014: 12

2015: 10

2016: 10

2014: 14

2015: 25

2016: 4

Geschlecht

Frauen: 23

Männer: 11

Frauen: 12

Männer: 31

Bildungs-stand

Studium: 17

Kein Studium: 12

Keine Angabe: 5

Zehn Personen haben in ihrem Heimatland studiert.

Arbeits-situation

Studierende/r: 5

Angestellte/r: 15

Selbständiger: 1

Hausfrau/mann: 3

Rentner/in: 6

Sonstiges: 4 (Ordensfrau etc.)

Keiner der Befragten mit Fluchterfahrung befand sich zum Interviewzeitpunkt in einer entlohnten Tätigkeit.

Migrations-hintergrund/

Herkunfts-länder

Insgesamt drei Personen haben einen Migrationshintergrund

 

Syrien: 19

Irak: 8

Afghanistan: 3

Pakistan: 1

Tschetschenien: 1

Afrika (Gambia, Sudan, Elfenbeinküste): 6

Westbalkan: 5

Religions-zugehörigkeit

Zumeist christliche Engagierte.

Ein Engagierter ist muslimischen Glaubens.

Zumeist geflüchtete Menschen muslimischen Glaubens.

Eine Familie aus Syrien ist christlichen Glaubens.

Eine minderjährige Geflüchtete ist Yesidin.

Eine Frau ist vom Islam zum Christentum konvertiert.

4 Ergebnisse der Studie zu Beziehungsaufbau und -gestaltung zwischen Ehrenamtlichen und geflüchteten Menschen

4.1 Erwartungen an die Zusammenarbeit zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen

Die Befragten mit Fluchthintergrund hatten unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen an die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen.

Sieben der Befragten mit Fluchterfahrung gaben zum Erstkontakt mit ihrem Tandempartner/innen an, Angst vor der ersten Begegnung empfunden zu haben. Sie befürchteten, entweder von den Ehrenamtlichen abgewiesen zu werden oder ein Scheitern des Beziehungsaufbaus mit dem Helfer/innen durch zu große sprachliche Barrieren: „Wir haben schon darauf gehofft, ein wenig Hilfe zu bekommen, weil unser größtes Problem die Sprache war. Wir konnten uns ja kaum verständigen und die meisten haben zu wenig Zeit und Geduld“ (5_Geflüchtete/r). Darüber hinaus fürchteten sich zwei Interviewpartner vor Vorurteilen von Seiten ihrer ehrenamtlichen Unterstützer/innen etwa in Bezug auf ihren muslimischen Glauben bis hin zur Angst vor persönlicher Ablehnung. Hintergrund für jene Annahmen war, dass etwa einer der befragten Geflüchteten auch bereits seit seiner Ankunft negative Erfahrungen mit Behörden gemacht hatte, bei denen er einen weniger freundlichen Umgang erlebt hatte (21_Geflüchtete/r). Vier Interviewpartner/innen waren demnach skeptisch gegenüber der Hilfeleistung und verhielten sich bei den ersten gemeinsamen Treffen eher zurückhaltend.

Dem gegenüber stehen 17 Geflüchtete, die Freude darüber verspürten, ihre ersten Schritte in Deutschland mit einer/m Helfer/in gehen zu dürfen. Neun Interviewte gaben an, dass sie ohne konkrete Emotionen zu der ersten Begegnung mit ihren Tandempartnern/innen gegangen seien:

„Wie gesagt, ich habe keine Erwartungen gehabt. Ich war offen für die jungen Leute und dachte, wir gehen jetzt einfach ein Stück des Lebens in Abschnitten gemeinsam und das ist eine spannende Sache.“ (2_Geflüchtete/r)

Die Erwartungen an den Kontakt beziehen sich auf die beiden Dimensionen der instrumentellen Hilfestellung (Sprachförderung, Arbeitsplatzsuche etc.) sowie der emotionalen und integrativen Unterstützung (Zuhören, Kontakt mit Einheimischen etc.). So äußerten acht Geflüchtete hauptsächlich die Hoffnung auf Hilfestellung bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Hierbei ziehen 15 Geflüchtete eine positive Resonanz über die erfolgte Hilfestellung durch ihre/ihren Betreuer/in. Insbesondere die emotionale Unterstützung durch die Bevölkerung und in erster Linie durch die Ehrenamtlichen wird als sehr große Hilfe erlebt und übertrifft die Erwartungen „noch besser“ (4_Geflüchtete/r): „Ich erwarte die Menschen mir nett sein und ja nix anderes. Und sie akzeptieren uns. (14_Geflüchtete/r).

„Die Hilfe vom Ehrenamtlichen lief sehr gut. Er hat uns bei all unseren Problemen geholfen und war immer für uns da. So eine große Hilfe zu bekommen hat uns schon sehr gefreut, weil das nicht selbstverständlich ist.“ (5_Geflüchtete/r)

Mehrheitlich wurde die Unterstützung durch das freiwillige Engagement von den Befragten mit Fluchterfahrung bereits vor dem ersten Treffen äußerst positiv gesehen und deren Erwartungen dann bestätigt: „Durch den Kontakt mit den Ehrenamtlichen hatten wir das Gefühl, willkommen zu sein und allgemein wurden wir herzlichst von allen aufgenommen.“ (5_Geflüchtete/r).

Es werden aber auch Enttäuschungen geäußert, wenn sich die hohen Erwartungen nicht einlösen ließen. Sechs Personen hätten sich insbesondere durch die nahe Tandembegleitung durch Ehrenamtliche noch mehr Kontakt zu einheimischen Bevölkerung gewünscht und zwei Tandempartner sind enttäuscht, trotz intensiver ehrenamtlicher Begleitung und Unterstützung keine Arbeit zu finden oder würden gerne mehr Angebote für einen Sprachkurs haben. Insgesamt zeigen sich hierbei oftmals hohe instrumentelle Erwartungen an die ehrenamtliche Begleitung, welche nicht eingelöst werden können oder nur mit starker professioneller Unterstützung.

Aber auch Ehrenamtliche fühlten sich häufig durch die Erwartungen, welche von Seiten der Geflüchteten geäußert werden und durch ihr eigenes Selbstverständnis, möglichst umfassend Hilfe anbieten zu wollen, überfordert.

Die Befragten, die sich ehrenamtlich engagieren, hatten vor Beginn der freiwilligen Flüchtlingsarbeit häufig keine Vorstellung darüber, welche Erfahrungen die von ihnen zu unterstützenden Personen mitbringen würden. Erste Hinweise darauf waren zwar bereits durch die mediale Berichterstattung vorhanden, aber wie die Flucht erlebt wurde bzw. wie belastend die Flucht tatsächlich war, konnten die Befragten vorab nicht einschätzen: „Das Ausmaß und das Leid, was da hinter steckt, da hatte ich keine Vorstellung von“ (10_Ehrenamtliche/r). Anders schilderte eine befragte Ehrenamtliche ihre Vorstellungen, da sie selbst aus Schlesien geflüchtet ist und zumindest das Gefühl, die Heimat verlassen zu müssen, nachvollziehen kann, ebenso wie das Gefühl „nicht so willkommen“ (13_Ehrenamtliche/r) zu sein. Zu einem eher geringen Anteil äußerten sich Ehrenamtliche dazu, welche Vorstellungen sie über Geflüchtete in Bezug auf deren bereits erworbene Qualifikationen, ihre Motivation die deutsche Sprache zu lernen oder deren Bildungshintergrund hatten: „Also was der für eine Allgemeinbildung hatte. Ich war schon überrascht über den Bildungsstand bei einigen Leuten.“ (24_Ehrenamtliche/r).

Insbesondere äußern Ehrenamtliche häufig, dass die Erwartungen, die sie an die Tandembegleitung hatten, durch eine mangelhafte professionelle Unterstützung von Seiten der hauptamtlich Tätigen erschwert werden würde. Ehrenamtliche, die durch Organisationen angesprochen und um Engagement gebeten wurden, hatten die Erwartung an diese, dass sie im Rahmen ihres Engagements von Vertreter/innen der Einrichtungen professionell unterstützt würden. Insbesondere wurde gefordert, dass staatliche Stellen die „Verantwortung für die Integration“ (33_Ehrenamtliche/r) übernehmen oder dass den „Personen vom Staat geholfen“ (23_Ehrenamtliche/r) werde. Die Befragten, die ehrenamtlich tätig sind, heben hervor, dass sie die „behördlichen Kompetenzen“ (32_Ehrenamtliche/r) als unzureichend empfinden, da diese kaum miteinander vernetzt wären. Zudem seien hohe „bürokratische Hürden“ (1_Ehrenamtliche/r) zu überwinden, bei denen ihnen die professionelle Begleitung hauptamtlich Tätiger fehle. So wünschten sich die ehrenamtlichen Interviewpartner/innen mehr „Hilfe“ (7_Ehrenamtliche/r) und „Unterstützung“ (26_Ehrenamtliche/r) bei Behördenwegen oder eine Beratung in Fragen zu bestimmten behördlichen Zuständigkeitsbereichen. Damit müsse „wenn die Flüchtlinge in [Name des Ortes] wohnen, dann […] die Gemeinde auch eine gewisse Verantwortung für die Integration [übernehmen]“ (18_Ehrenamtliche). Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt die Studie von Sprung und Kukovetz (2017, S. 7), wonach von behördlicher Seite oftmals auf ein „Outsourcing staatlicher Aufgaben“ gezielt werde und die Unterstützungsleistungen Ehrenamtlichen überlassen würde. Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt Schott-Leser (2018) in ihrer rekonstruktiven Untersuchung von Mentoren/innenbeziehungen zwischen Ehrenamtlichen und jungen Personen mit Fluchterfahrung, welchen stets eine hohe Problematik inhärent sei aufgrund des hohen (Selbst)Anspruchs der begleitenden Laien/innen. Diese definieren ihren Erfolg in der Begleitung von geflüchteten Menschen etwa häufig darüber, ob es ihnen gelingt, diesen eine gute Integration in die Arbeits- und Berufswelt zu ermöglichen. Eine größere Relevanz erlangt durch das häufige Fehlen professioneller Unterstützung auch die Vernetzung Ehrenamtlicher untereinander, die in den Interviews häufig als sehr positiv und insbesondere hilfreich beschrieben wird. Im Zuge dessen findet ein Austausch hinsichtlich verschiedener bereits gelungener Initiativen statt und der Beantwortung von Fragen, die rechtliche oder behördliche Angelegenheiten betreffen. Darauf weist auch die qualitative Untersuchung von Hamann et. al. (2016) hin, in welcher sich ebenfalls zeigte, dass sich Ehrenamtliche einen gemeinsamen Austausch über ihre Erfahrungen und Bedarfe wünschen und darin den größten Nutzen sehen.

4.2 Beziehungsaufbau im Zusammenhang zwischen Interesse an der „fremden“ Religion und der entstehenden Konfliktlinien

Für einen Großteil der Tandems fand die erste Begegnung im Rahmen eines organisierten Treffens statt, z.B. in Behörden, Sportvereinen oder an Schulen. In ein paar Fällen fand der erste Kontakt aber auch im Rahmen privater Veranstaltungen statt. Acht Tandempartner/innen begegneten sich erstmalig in Erstaufnahmeeinrichtungen oder in der Wohnung Geflüchteter. Bei drei der Interviewpartner/innen wurde der Kontakt durch das Sozialamt oder durch hauptamtlich tätige Vertreter/innen der Stadt oder Kirche hergestellt. Durch die Sprachförderangebote seitens Studierender trafen sich die Befragten erstmalig in Räumlichkeiten der Universität. Lediglich eine der befragten Ehrenamtlichen kam zufällig „auf der Straße“ (14_Ehrenamtliche/r) mit ihrer Tandempartnerin in Kontakt.

Auch einer der befragten Geflüchteten, der noch minderjährig ist, gab an, dass er anfänglich Angst hatte mit seinem Ehrenamtlichem zu sprechen, weil er befürchtete, falsch verstanden zu werden. Aber auch freiwillig Engagierte waren sich im ersten Kontakt unsicher, ob sie die Zusammenarbeit aufgrund der teils traumatischen Erfahrungen der Geflüchteten emotional bewältigen können.

„Mir ist schwer gefallen ihm das Gefühl zu geben, dass ich das greifen und verstehen kann. […] Ich kann das gar nicht fühlen und nicht wirklich verstehen. Ich kann ihm nur das Gefühl geben, dass ich bei ihm bin und dass ich ein Interesse an seinem Weg und an seinem Leben habe. Und das ist unglaublich schwierig, ihm das zu zeigen […] ja, sich das bewusst zu machen, was Menschen auch für Leid erleben, wenn sie nicht in dieser Wohlstandsoase leben, wie wir hier leben. (8_Ehrenamtliche/r)

Eine weibliche Befragte aus der Ehrenamtsarbeit war beim ersten Aufeinandertreffen mit ihrem Geflüchteten „sehr unsicher“ (17_Ehrenamtliche/r) und hatte etwas Angst vor der neuen Situation. Dennoch waren die ersten Kontakte meist „positiv“ (1, 5, 18, 20, 22, 25, 26, 28_Ehrenamtliche/r), „freundlich“ (12, 23_Ehrenamtliche/r) und „herzlich“ (9, 10, 19, 31_Ehrenamtliche/r) oder „aufregend“ (29_Ehrenamtliche/r) und „spannend“ (2, 24, 30_Ehrenamtliche/r) für die befragten freiwillig Engagierten. Trotz teilweise „negativer Erfahrungen“ (3, 4_Ehrenamtliche/r) mit Nachbarn, die neuzugewandert sind oder den problembehafteten Darstellungen aus den Medien, haben die befragten Ehrenamtlichen das erste Aufeinandertreffen meist als sehr positiv wahrgenommen.

Auch waren sich die ehrenamtlichen Befragten schon nach dem ersten Aufeinandertreffen der Tandempartner/innen bewusst, dass ihnen vielfach das Wissen über die Religion und Traditionen der Geflüchteten fehle. Vier Befragte äußerten, dass sie sich mit anderen Kulturen kaum befasst hätten, wie auch sechs Personen angeben, kein Wissen über die Herkunftsländer, deren Kultur und Religion gehabt zu haben. Nur eine Befragte äußerte, dass sie eine „andere Welt, ganz andere Kultur“ (25_Ehrenamtliche/r) zu Beginn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit wahrgenommen hätte. Zwei ehrenamtlich Tätige betonten, dass ihre Vorstellungen einzig auf den Medienberichten beruhten und die ersten Informationen aus den „Nachrichten“ (21_Ehrenamtliche/r) und „Fernsehen“ (22_Ehrenamtliche/r) stammten. Dadurch seien laut den Befragten „Vorurteile“ (27_Ehrenamtliche/r) entstanden, die durch die erste Begegnung überdacht wurden. Zum Teil nahmen die befragten Ehrenamtlichen auch an Vorträgen (26_Ehrenamtliche/r) oder Workshops (7_Ehrenamtliche/r) teil, um Wissenslücken füllen zu können und sich auf ihre neue Aufgabe vorbereiten zu können. Andererseits scheinen stereotype Vorstellungen auch während der Unterstützung vorhanden zu sein, etwa die Vorstellung, dass Personen mit muslimischer Konfession auch streng religiös seien bzw. stets religiöse Bräuche leben würden.

„Wir haben schon mal über Religion gesprochen. Ich wohne hier ja ganz in der Nähe und hab‘ ihr dann die Moschee, die können wir ja fast sehen, gezeigt und gefragt: “Soll ich dich mal hinbringen?“ Gar nichts. Gar nichts! Aber sie sagt, sie ist Muslima. Aber sonst merke ich das gar nicht.“ (7_Ehrenamtliche/r)

Auch Riegel und Schneiker (2017) vermuten, dass Barrieren auftreten können, wenn Menschen mit Migrationshintergrund verstärkt über ihre Religion wahrgenommen werden.

Die befragten Personen mit Fluchterfahrung äußerten sich mehrheitlich sehr positiv über die erlebte ehrenamtliche Unterstützung. Anfängliche Bedenken konnten schnell zerstreut werden: „Das habe ich nicht erwartet. Ich habe überhaupt nicht gedacht, dass Leute so auf uns zukommen können […]. Wir haben Glück gehabt.“ (9_Geflüchtete/r).

„Viele Leute in Arabisch, aus Syrien, Afghanistan oder China denken Leute aus Deutschland nicht helfen oder kein helfen sich. Nicht helfen und nicht mag Ausländer oder Arabisch. […] Aber jetzt alle Leute sehr, sehr nett. Immer alle Leute helfen mir. Immer wenn ich eine Frage: 'Ok, kein Problem, gern'.“ (20).

Die Befragten verdeutlichen wie wichtig die Unterstützung durch ehrenamtlich Tätige nach ihrer Ankunft in Deutschland war. Insbesondere durch die weiten Entfernungen im ländlich geprägten Raum und durch die eingeschränkte Mobilität der geflüchteten Menschen waren sie auf die Versorgung und vor allem Zustellung von Möbeln angewiesen (1, 5_Geflüchtete/r).

„Als wir hierhergekommen sind, waren wir in einer sehr weiten Wohnung, das waren fast drei Kilometer von [Wohnort der Befragten]. […] Sie bringen alles, sie haben Betten gebracht, sie haben alles gebracht. Wir waren in schlechter Situation, bisschen weit weg, aber sie kommen jeden Tag.“ (1_Geflüchtete/r)

Darüber hinaus betont ein Befragter mit Fluchterfahrung, dass Ehrenamtliche ihn und seine Familie von Anfang an unterstützt haben. Sein Ziel ist es jedoch in Zukunft den Alltag alleine zu bewältigen und z.B. Formulare eigenständig auszufüllen.

„Die Hilfe vom Ehrenamtlichen lief sehr gut. Er hat uns bei all unseren Problemen geholfen und war immer für uns da. So eine große Hilfe zu bekommen hat uns schon sehr gefreut, weil das nicht selbstverständlich ist. […] Mittlerweile versuchen wir auch möglichst viel selber zur erledigen. Wir müssen uns ja auch schließlich irgendwann alleine zurechtfinden. (5_Geflüchtete/r)

Trotz der mehrheitlich sehr positiven kulturell-religiösen Offenheit auf beiden Seiten, welche den Beziehungsaufbau positiv unterstützte, wurden auch kulturell-religiöse Konfliktlinien in den Interviews sowohl von Ehrenamtlichen als auch den Befragten mit Fluchterfahrung angesprochen, welche einen Beziehungsaufbau potentiell behindern könnten.

Problematischer als strukturelle Differenzen werden von Seiten der geflüchteten Befragten, kulturelle Unterschiede wahrgenommen, etwa in Bezug auf das Geschlechterverhältnis oder das Verhältnis zwischen den Generationen und den Umgang mit der eigenen Sexualität, was auch den Umgang mit den Ehrenamtlichen beeinflusst. Es wird etwa die starke und unangreifbare Rolle des Vaters oder der Familie an sich in eher patriarchalisch und muslimisch geprägten Herkunftsländern betont: „weil in Afghanistan der Vater sagt was richtig und was falsch“ (29_Geflüchtete/r). Hinsichtlich dessen wird auch der enge familiäre Zusammenhalt thematisiert, den die geflüchteten Befragten in der aufnehmenden Gesellschaft als geringer wahrnehmen.

„Hier in Deutschland die Sohn zum Beispiel kommt oder ruft die Familie jeden zwei Woche einmal. Bei uns zum Beispiel, wenn ich ein Tag mein Mutter hat mir nicht angeruft oder mein Vater ich hab Angst, ob etwas oder nicht [Anm. d. Verf.: stimmt]. Einmal in die Woche die alle Familie zusammentreffen und was gibt neu und sprechen zusammen. Hier gibt es das nicht. (32_Geflüchtete/r)

Für einige der geflüchteten Personen war die Begrüßung durch einen Handschlag – etwa beim Erstkontakt mit den Ehrenamtlichen – etwas Unbekanntes, da dies in seiner streng muslimisch ausgerichteten Herkunftsregion gerade zwischen den Geschlechtern nicht üblich oder auch tabuisiert ist (4, 19_Geflüchtete/r): „Also wir dürfen nicht andere Frauen die Hände geben. Bei uns ist das bisschen unbekannt“ (19_Geflüchtete/r).

Für einen Befragten war die Selbstständigkeit der deutschen christlich religiös geprägten Frauen – insbesondere seiner ehrenamtlichen Bezugsperson – überraschend, während eine geflüchtete Befragte genau dies erwartet hatte. Die Rolle der Frau im christlich und säkular geprägten Deutschland – etwa in der Arbeitswelt oder in den Beziehungen – wurde dabei von einigen der Befragten mit Fluchterfahrung sehr begrüßt (2, 5_Geflüchtete/r):

„Frauen in der arabischen Welt arbeiten nicht alle, aber hier arbeiten natürlich alle und verdienen eigentlich mehr als Männer. Ja, es war entspannt zu sehen, dass Frauen hier genauso sind wie Männer. (2_Geflüchtete/r)

Eine andere befürchtete, als Terroristin angesehen zu werden, weil sie ein Kopftuch trüge (14_Geflüchtete/r). Die betroffene Person hat sich von ihren traditionellen Vorgaben gelöst, schminkt sich jetzt mehr und ist zum Christentum konvertiert (14_Geflüchtete/r). Für einen weiteren Befragten mit Fluchterfahrung, sind bestimmte Werte im Geschlechterverhältnis wichtig, etwa wenn er darauf besteht, seiner ehrenamtlichen Helferin die Getränke zu bezahlen, weil er es als richtig empfindet, dass der Mann für die Frau zahlt (3_Geflüchtete/r).

Eine befragte minderjährige muslimische Person empfand es als unangenehm, zwei homosexuelle Schulkollegen beim Küssen zu sehen (15_Geflüchtete/r). Ein anderer sprach über das offene Zusammenleben von Mann und Frau vor der Ehe, wobei dies in seiner Heimat stärker tabuisiert wird (1_Geflüchtete/r).

Die meisten freiwillig befragten Engagierten empfanden jedoch trotz thematisierter religiös-kultureller Unterschiede kaum Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit ihren Tandempartner/innen. Eine Ehrenamtliche wurde von ihrer betreuten Person als „Oma“ angesprochen, was erst für Empörung sorgte, da es für sie eine Abwertung als ältere Frau darstellte. Das Mädchen mit Fluchthintergrund erklärte jedoch, dass diese Bezeichnung in ihrer Heimat als Ehrerbietung gegenüber einer geschätzten älteren Person gilt, auch wenn diese nicht mit einem verwandt ist (7_Geflüchtete/r). Für die geflüchteten Befragten sind die Helfer/innen teilweise „Mutter hier in Deutschland“ (2_Geflüchtete/r), „Opa“ oder „Oma“ (7_Geflüchtete/r), sogar „Engel ohne Flügel“ (3_Geflüchtete/r), „auch Freunde, sie sind nicht nur Helfer“ (1_Geflüchtete/r) oder ein „Geschenk“ (17_Geflüchtete/r).

Lediglich sechs Ehrenamtliche merkten an, dass Regeln nicht eingehalten wurden, wie „Reinlichkeit“ (9_Ehrenamtliche/r), „Ordnung“ (32, 33_Ehrenamtliche/r), „Pünktlichkeit“ (13, 14_Ehrenamtliche/r) oder „Disziplin“ (10_Ehrenamtliche/r). Eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin betonte die erfahrene „fehlende Akzeptanz und Ablehnung durch Muslime“ als Frau (14_Ehrenamtliche/r).

Als die größte Schwierigkeit im Beziehungsaufbau wurden von 16 ehrenamtlich tätigen Personen die sprachlichen Barrieren genannt. So kommunizierten die Tandempartner/innen sprichwörtlich zu Beginn mit „Händen und Füßen“ (19, 20, 22_Ehrenamtliche/r). Diese Kommunikationsform wurde jedoch von einer Befragten als „sehr anstrengend“ (29) empfunden. Einige der befragten freiwillig Engagierten nahmen zudem auch religiös unterlegte und konnotierte „Komplikationen zwischen Syrern, Arabern und Kurden“ (24_Ehrenamtliche/r) wahr:

„Gerade wenn neue Kinder da sind, was man einfach merkt [Anm. d. Verf.: im Dorf], dass untereinander die muslimischen Kinder gegen die kurdischen Kinder, die afghanischen gegen die syrischen.“ (1_Ehrenamtliche/r)

4.3 Ausgestaltung der Beziehung im Spannungsfeld zwischen asymmetrischer Beziehungslogik und gegenseitigem Verständniszugewinn

Eine adäquate Sprachförderung wird als Schlüssel zur Überwindung von Hürden im Alltag und zur gesellschaftlichen Integration in Deutschland erlebt. Damit spielt vor allem die Förderung der Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle, wie 23 der geflüchteten Interviewten berichteten. Sechs der ehrenamtlichen Befragten betreuen gezielt einzelne Personen in der Sprachförderung, wohingegen ein großer Anteil der Ehrenamtlichen mehrere Personen im Zuge von für Gruppen konzipierten Sprachförderangeboten unterstützt. Ehrenamtliche, die gezielt Sprachförderangebote bereitstellen, engagieren sich jedoch auch in der Alltagsbegleitung Geflüchteter und übersetzen Briefe von Behörden und dem Jobcenter.

„Während der Zusammenarbeit habe ich noch einmal sehen können, wie viel Arbeit in die Betreuung und Unterstützung der Geflüchteten investiert werden muss, vor allem aber auch Zeit. Es ist nicht damit getan, jeden Tag vier Stunden Deutschunterricht zu erteilen, vielmehr wird noch jemand gebraucht, der im Gestalten des Alltags helfen kann.“ (28_Ehrenamtliche/r)

Auch geflüchtete Eltern könnten oftmals ihre Kinder nicht in schulischen Angelegenheiten, wie etwa bei den Hausaufgaben, unterstützen. Einerseits wären dazu laut den Interviews die eigenen Deutschkenntnisse zu gering und andererseits seien sie vielfach mit Behördenwegen oder der Arbeitssuche beschäftigt. Aufgrund dessen übernehmen häufig freiwillig engagierte Personen die Aufgabe der Hausaufgabenbetreuung und unterstützen Erwachsene mit Fluchthintergrund in der Alltagsbegleitung oder bei Versorgungsleistungen. „Er hilft viel. Er hilft uns in der Schule, mit der Sprache und mit dem Ausfüllen von Formularen.“ (2_Geflüchtete/r)

Die Aufgabenfelder umfassen dabei etwa die „Wohnungssuche“ (26_Ehrenamtliche/r) und gemeinsame „Arztbesuche“ (4, 18_Ehrenamtliche/r) sowie „Behördengänge“ (5_Ehrenamtliche/r), wie z.B. zum „Jobcenter“ (6_Ehrenamtliche/r).

„Es geht darum, dass wir den Alltag zusammen meistern. Ich unterstütze ihn, wenn er Hilfe braucht: 'Hey [Name des Ehrenamtlichen], ich hab hier einen Behördengang zu erledigen. Was ist das für ein Schreiben? Was ist das? Wo muss das hin? Wen rufe ich an? Kannst du mir nicht hierzu was schreiben?'“ (8_Ehrenamtliche/r).

Es sind aber oftmals auch grundlegende Hilfestellungen, die oftmals von staatlichen Stellen nicht geleistet werden können:

„Das sind also ganz einfache Sachen, mit denen wir angefangen sind [sic!]. Die hatten also in der Wohnung ne Kaffeemaschine und auch ne Waschmaschine, aber die standen da und sagten: ‚Was das für eine Maschine?‘ Das sind also so Sachen wo wir gar nicht dran denken. […] Ich weiß nicht […] wie weit sie das im Sudan gehabt haben.“ (28_Ehrenamtliche/r)

Ein nicht geringer Anteil der Tandems (n=12) äußerte, dass sie die Wohnungssuche als Herausforderung empfänden, da die rechtlichen Grundlagen für die Wohnungsmiete im Asylrecht schwierig seien. Ähnlich verhielte es sich mit rechtlichen Aspekten hinsichtlich der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit der Geflüchteten. Insgesamt zehn der ehrenamtlichen Befragten fehle das Wissen, wann Asylsuchende eine entlohnte Tätigkeit aufnehmen dürften. Jedoch ist die Motivation von Seiten der ehrenamtlich tätigen Interviewpartner/innen hoch, ihre Tandempartner/innen bei der Jobsuche zu unterstützen.

Vor allem aber sei die Zusammenarbeit ehrenamtlich Tätiger mit Behörden erforderlich, da der Großteil der befragten Geflüchteten meist aufgrund geringer Deutschkenntnisse keine Anrufe bei Ämtern tätigen oder behördliche Briefe beantworten könne. Immer wieder betonten die Ehrenamtlichen, dass Formulare gemeinsam ausgefüllt werden und jeder Schriftverkehr mit behördlichen Stellen große Geduld auf beiden Seiten verlange. An dieser Stelle bemängelten die ehrenamtlich tätigen Befragten, dass es keine adäquate Begleitung oder Aufklärung von Seiten der Ämter gäbe: „Zwischen den einzelnen Ämtern fehlt einfach das Kernstück, das heißt der Flüchtling wird nicht begleitet bis er im Integrationskurs ist oder Deutsch kann.“ (4_Ehrenamtliche/r). Insbesondere werden Behördengänge belastend erlebt, wenn sich Zuständigkeitsbereiche ändern oder Ansprechpersonen urlaubs- oder krankheitsbedingt wegfallen. Insgesamt geben 34 der befragten Ehrenamtlichen und Geflüchteten an, Probleme im Zuge behördlicher Wege zu haben.

Der Aufbau von Beziehungen gelinge aber am besten – so die Tandempartner/innen – über gemeinsame Aktivitäten an denen auch andere Geflüchtete und Einheimisch-Deutsche teilnähmen. Insbesondere werden an dieser Stelle Näh- und Strickwerkstätten, Freizeitprogramme für Kinder, Sport- und Fußballvereine oder auch Chöre angeführt. Gemeinsame Unternehmungen, wie das Fahrradfahren und Ausflüge zum See oder ein gemeinsamer Sommerurlaub festigen die Beziehung und lassen „Freundschaften“ (17_Ehrenamtliche/r) und „enge Bindungen“ (20, 26_Ehrenamtliche/r) entstehen:

„Die Zeit mit [Name des Ehrenamtlichen] ist für uns sehr gut und hilfreich. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und können auch gut miteinander. Ich finde gut, dass die Beziehung zwischen uns locker ist und nicht angespannt. Er wird bei uns gerne gesehen.“ (5_Geflüchtete/r)

Ein Migrationshintergrund der ehrenamtlichen Helfer/innen würde zudem den Zugang und den Kontakt zu Geflüchteten erleichtern: „Ich hatte auch den Eindruck, dass die Geflüchteten zu einem mit Migrationshintergrund eher den Kontakt gesucht haben oder sich eher geöffnet haben als zu den anderen“ (3_Ehrenamtliche/r).

In der gemeinsamen Zusammenarbeit der befragten Tandempartner/innen finden vielfältige Kompetenzaneignungen statt, die sowohl die fachlichen als auch die sozialen Kompetenzen beider Partner/innen erweitern.

Sieben der ehrenamtlich tätigen Befragten haben durch die gemeinsamen Aktivitäten eine neue Esskultur kennengelernt. Hervorzuheben ist, dass sich diese nicht nur auf neue Gewürze und Speisen beschränkten, sondern auch der „besondere Stellenwert des Essens“ (14 _Ehrenamtliche/r) den Geflüchtete ausdrücken, betont wurde. Fünf der ehrenamtlich befragten Personen konnten durch die Zusammenarbeit ihr Wissen über die muslimische Religion der Geflüchteten erweitern und dabei Stereotype reflektieren und ablegen:

„Ich habe auch gemerkt, dass dieser muslimischer Glaube genauso facettenreich ist wie Christ sein […]. Ich hab mir sogar mal den Koran im Internet angeguckt. Das war ganz interessant. Es kommen auch Maria und Josef vor. Damit hab ich mich vorher nie beschäftigt. […] Dank der Syrer habe ich ein anderes Bild bekommen. […] Das hab ich mit meinen guten 50 Jahren noch alles gelernt.“ (4_Ehrenamtliche/r)

Ehrenamtliche Befragte heben zudem explizit hervor, dass sie durch die Zusammenarbeit mit Geflüchteten ihre personalen Kompetenzen erweitern konnten. Einerseits wurden Werte wie „Geduld“ (6_Ehrenamtliche/r) oder „Hilfsbereitschaft“ (31_Ehrenamtliche/r) genannt, aber auch das Schätzen „alltäglicher Kleinigkeiten“ (27_Ehrenamtliche/r) im Leben. Vor allem empfindet eine der ehrenamtlichen Befragten es als eine Belastung für Geflüchtete abwarten zu müssen bis der Krieg im Heimatland beendet ist. Sie sei zwar auch Migrantin, aber kann jederzeit in ihr Herkunftsland reisen, wohingegen sich Geflüchtete in Geduld üben müssen.

„Geduld! Ich glaube ich habe nicht von ihm alleine, auch von den anderen die hier alleine wohnen – auch ich wohne hier ohne Familie, aber zumindest ich kann auch nach Ägypten mal zurück – aber sie können das nicht. Und man lernt von ihnen wie man auch geduldig sein kann.“ (6_Ehrenamtliche/r)

Insbesondere wurden aber auch andere religiös-kulturell konnotierte Umgangsformen kennengelernt, wobei dabei das bisher Vertraute überdacht wurde.

„Also [Name des Ehrenamtlichen] hat mich […] in Mitte in Gesellschaft und ich habe mich gut integriert. […] Wegen [Name des Ehrenamtlichen] konnte ich besser durch die Gesellschaft kommen und besser das Bild in meinem Kopf verstehen und genau wissen wie Leute hier in Deutschland, Kultur, die […] Mentalität und das Unterscheiden zwischen meiner Kultur und hier.“ (8_Geflüchtete/r).

Auch die befragten Personen mit Fluchterfahrung geben neben dem Erlernen einer neuen Sprache an, neue Erfahrungen, insbesondere neue Regeln im Aufnahmeland kennengelernt zu haben. So betonen zwei der Interviewpartner/innen, dass sie sich andere Verkehrsregeln aneignen mussten, da „alle Geflüchteten Fahrrad fahren“ (3_Geflüchtete/r 3). Auch in Bezug auf Absprachen nimmt ein Befragter mit Fluchterfahrung aus Syrien neue Umgangsformen wahr: „Aber hier, nein, das bedeutet nein. Fertig.“ (20_Geflüchtete/r). Betont wurden auch explizit der positive gesellschaftliche Zusammenhalt und die hochentwickelte Gesellschaft in Deutschland ohne Korruption und Bereicherung: „Mir ist aufgefallen, dass alle hier in Deutschland sehr ehrlich sind und nicht lügen. Bei uns gibt es viele korrupte Menschen und das sehe ich hier nicht.“ (5_Geflüchtete/r). Auch wurden neue Werte gelernt oder vertieft:

„Ich habe gelernt, allen Menschen zu helfen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Religion oder Nationalität er hat, ob er gut oder schlecht ist. In schwierigen Situationen ist es sehr wichtig, dass man sich gegenseitig hilft.“ (5_Geflüchtete/r).

Die Befragten mit Fluchthintergrund konnten zudem andere Formen im Zusammenleben bei ihren Tandempartner/innen erkennen. So war ihnen nicht bekannt, dass Haustiere (in diesem Fall Hunde) als Familienmitglieder angesehen werden. Ebenso wird von Seiten der geflüchteten Menschen erwähnt, dass die Rolle des Vaters weniger exponiert ist als im islamisch geprägten Heimatland und auch das Verhältnis zur Sexualität von der im Heimatland abweicht: „Zum Beispiel, und das gehört auch zu Kultur oder Religion: Mann und Frau dürfen nicht zusammenleben ohne zu heiraten. Hier in Deutschland ist das normal.“ (1_Geflüchtete/r). Auch das Verhältnis der Geschlechter ist laut Aussagen einiger Geflüchteter in der christlich und säkular geprägten Gesellschaft Deutschlands eher egalitär angelegt und oftmals erstmals in dieser Form kennengelernt und für gut befunden:

„Hier in Deutschland sind Männer und Frauen gleich. Das ist toll! Das ist anders als in Syrien. Bei uns gibt es da große Unterschiede. Die Frauen sollen eher zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten, wie Kochen und Haushalt.“ (15_Geflüchtete/r)

Auch ein Ehrenamtlicher gab an, dass er seinem Tandempartner explizit einen anderen Blickwinkel auf die Geschlechterrollenverteilung aufzeigen wolle.

„[Ich habe] immer gesagt unser Auto gehört meiner Frau und ich hab das Auto nur zur Verfügung, wenn meine Frau mir das erlaubt. Das ist eine Umkehrung von dem was sie [Anm. d. Verf.: bezogen auf zwei betreute männliche Geflüchtete] eigentlich gewohnt sind.“ (2_Ehrenamtliche/r)

5 Fazit und Resümee

Bürgerschaftliches Engagement mit Geflüchteten wird oftmals gesellschaftspolitisch als unverzichtbarer Teil aller staatlichen Integrationsbestrebungen angesehen. Die erwartete bessere Integration geflüchteten Menschen sowie ein verstärktes gegenseitiges Verständnis zwischen ehrenamtlich tätigen und geflüchteten Personen sind jedoch nur bei einer gelingenden Beziehungsstruktur und -gestaltung zwischen Ehrenamtlichen und Einheimischen zu erwarten.

Wie sich die Beziehungsstruktur von den Erwartungen vor dem ersten Kontakt, über den ersten Anfängen des Beziehungsaufbaus bis hin zu einer gefestigten Beziehung zwischen Ehrenamtlichen und geflüchteten Menschen beschreiben und nachzeichnen lässt und welche fördernden und hemmenden Faktoren hierbei wirken, ist Ziel des vorgestellten Forschungsprojekts.

Die meisten geflüchteten wie auch ehrenamtlich tätigen Befragten formulierten an den jeweilig anderen vor dem Erstkontakt kaum konkrete Erwartungen, so dass der erste Kontakt von einer hohen Offenheit gekennzeichnet war. Hemmend erwiesen sich oftmals gegenseitige Ängste und auf Seiten der Interviewpartner/innen mit Fluchterfahrung sehr hohe Erwartungen etwa an das Vermögen des Ehrenamtlichen konkrete Eingliederung etwa in den Arbeitsmarkt möglich zu machen. Die ehrenamtlich Tätigen berichteten darüber hinaus von Faktoren, welche sie als hinderlich für eine gelingende Beziehungsgestaltung und Ausgestaltung ehrenamtlicher Begleitung mit geflüchteten Menschen ansehen und benennen hierbei dezidierte Handlungsbedarfe hauptamtlicher Flüchtlingshilfe, welche als defizitär in Bezug auf eine adäquate Unterstützung von Ehrenamtlichen und ihren Bemühungen erlebt wird. Der Erstkontakt zwischen den ehrenamtlichen Partner/innen und den geflüchteten Befragten lief meist sehr positiv ab und die geschilderten zu Tage tretenden soziokulturellen Differenzen konnten für einen positiven Beziehungsaufbau keinen hemmenden Faktor ausmachen. Durch eine hohe soziale Sensibilität wurden kritische Punkte angesprochen und gegenseitige Erwartungen an die Beziehung thematisiert. Die Beziehung zwischen den ehrenamtlichen Pat/innen und den geflüchteten Menschen bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen asymmetrischer Beziehungslogik durch den hohen instrumentellen Hilfebedarf der Menschen mit Fluchterfahrung und gegenseitigen Lernerfahrungen, die zu einem Abbau des Hierarchiegefälles beitragen. Es kristallisierten sich bei den Tandems dabei zwei vorherrschende Beziehungsstrukturen aus den Interviews heraus. Zum einen lassen sich Freundschaften zwischen Ehrenamtlichen mit geflüchteten Familien oder Einzelpersonen feststellen, zum anderen können etliche der Beziehungen als fürsorgliche Beziehungen bezeichnet werden. Letzteres könnte unter anderem von dem Generationsunterschied zwischen den Tandempartner/innen beeinflusst sein, da es sich hier oftmals um die Unterstützung zwischen minderjährigen Geflüchteten durch Ehrenamtliche im Pensionsalter handelt.

Dennoch greift es zu kurz, die Beziehungen der Tandems in erster Linie als hierarchisches Beziehungsmodell anzusehen, da Lern- und Kompetenzzuwächse auf beiden Seiten zu verzeichnen sind. Auch die ehrenamtlichen Befragten erleben einen hohen Kompetenz- und Wissenszuwachs durch die Zusammenarbeit. Nach der Metastudie von Pettigrew und Tropp (2000) können vor allem dann asymmetrische Beziehungen bzw. Machkonstellationen zwischen geflüchteten Menschen und Ehrenamtlichen abgebaut werden, wenn ein beidseitiger Kompetenzerwerb stattfindet. Die gemeinsamen Unternehmungen fördern zudem laut der Metastudie den Abbau von Vorurteilen. Zwar stand die Frage nach dem gegenseitigen Kompetenzerwerb und dem Abbau von stereotypen Vorstellungen nicht im Vordergrund der präsentierten Untersuchung, aber sie ist eng mit den Beziehungslogiken verbunden und gibt erste Hinweise auf den Erwerb fachlicher Kompetenzen und der Reflexion von Wert- und Normvorstellungen im Zuge der Aufnahme eines freiwilligen Engagements sowie in Form der Unterstützung Neuzugewanderter (Sprung & Kukovetz, 2017, S. 4).

Insgesamt kann geschlussfolgert werden, dass die gegenseitige, gleichberechtigte Begegnung zu einem Abbau von kulturell-religiös unterfütterten Vorurteilen beiträgt und das Verständnis zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen im Gegenzug zunimmt.

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Prof.‘in Dr. Margit Stein
seit 2010 Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Univer-sität Vechta sowie Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung ZfLB an der Universität Vechta.
Schwerpunkte: Leben in ländlichen Bereichen, Werthaltungen, Engagement, Religiosität, empirische Sozialforschung, Migrationspädagogik, Kindheits- und Jugendforschung


Sophie Weingraber, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Erziehungswissenschaften - Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta

  1. Die Berechnungen beziehen sich auf das Jahr 2007.

  2. Anm. d. Verf.: Den Autorinnen wurde von hauptamtlich Tätigen rückgemeldet, dass hinter dem Einbezug von Dolmetscher/innen ein behördliches Interview vermutet werden würde, weshalb Interviewpartner/innen mit Fluchterfahrung dies eher ablehnten.