Zeitschrift fuer Religionspaedagogik 18(2019), H.2, 126–146

Einschulungsgottesdienste als Begleitung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule – empirische Befragungen von Verantwortlichen

Einschulungsgottesdienste erfreuen sich an vielen Schulen in Deutschland großer Beliebtheit. Theoretisch verorten lassen sich diese Veranstaltungen aus theologischer Sicht als „neue Kasualien“, aus pädagogischer Sicht als Elemente eines Transitionsprozesses; beide Sichtweisen eint die Wahrnehmung von Einschulungsgottesdiensten als Übergangsrituale. Der Beitrag gibt einen Einblick in die Ergebnisse zweier empirischer Studien, in denen Perspektiven von Verantwortlichen auf dieses Angebot des religiösen Schullebens erhoben werden. Dabei zeigt sich u.a. eine Spannung: Einerseits herrscht bei den Befragten ein breiter Konsens darüber, dass es wichtig ist, die Erstklässler*innen an der (bildungs-)biografisch bedeutsamen Schwelle des Schuleintritts rituell zu begleiten. Andererseits erreichen Einschulungsgottesdienste konfessionslose und andersreligiöse Schüler*innen und deren Familien nur zum Teil. Gleichzeitig bestehen gerade unter Pfarrer*innen deutliche Vorbehalten gegenüber multireligiösen Feierformen.

school enrolment, church service, collective worship, transition, empirical study

 

unter Mitarbeit von Kerstin Fleischmann & Christina Strobel

1 Einleitung

„Nachts, im Mondschein, lag auf einem Blatt ein kleines Ei. Und als an einem schönen Sonntagmorgen die Sonne aufging, hell und warm, da schlüpfte aus dem Ei – knack – eine kleine hungrige Raupe …“ Wer kennt sie nicht, „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Carle, die in diesem Jahr zusammen mit ihrem Schöpfer runden Geburtstag feierte? Die mediale Aufmerksamkeit für diesen Autor hat wieder neu ins Bewusstsein gehoben, dass für sein Schaffen und insbesondere auch für dieses Buch die Einschulung eine besondere Rolle spielt:

„Mich fasziniert am meisten die Zeit im Leben eines Kindes, wenn es zum ersten Mal das Elternhaus verlässt, um zur Schule zu gehen. Es ist ein riesiger Sprung, den ein Kind dann tun muss; der Sprung aus seinem Zuhause und aus der Sicherheit heraus, aus der Welt des Spiels und der Sinne in die Welt des Verstandes und der Abstraktion, der Ordnung und Disziplin. Ich möchte, dass meine Bücher diesen großen Abgrund ein wenig überbrücken helfen.“ (Carle, o.J., o. S.)

Auch Einschulungsgottesdienste werden mit dem Ziel in Zusammenhang gebracht, Kindern dabei zu helfen, diesen wichtigen (bildungs-)biografischen Übergang in das Leben als Schulkind gut zu meistern. Ziel des folgenden Beitrages ist es, aus empirischer Perspektive den spezifischen Charakter dieses Phänomens des religiösen Schullebens genauer zu erfassen sowie aufzuzeigen, wie Schulgottesdienstverantwortliche diese Veranstaltungen begründen und gestalten.

Aus der Beschäftigung einer Studierenden-Projektgruppe mit dem Thema „Religiöse Bildung im Übergang vom Elementar- zum Primarbereich“ im Rahmen eines kooperativen, interdisziplinären Seminars (Evangelische Hochschule Nürnberg – Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) erwuchs 2012 eine qualitative Befragung von Verantwortlichen für Einschulungsgottesdienste im Rahmen einer Studienabschlussarbeit (N=8). Ergebnisse dieser Studie gingen ein in die Konzeption einer quantitativen Befragung von Verantwortlichen mittels eines Online-Fragebogens (N=70), die im Rahmen einer weiteren Abschlussarbeit 2014 ausgewertet wurde.

Im folgenden Beitrag werden wesentliche Ergebnisse dieser beiden Pilotstudien vorgestellt. Nach einer knappen theoretischen Einordnung des Phänomens Einschulungsgottesdienste (2) wird das Forschungsdesign der beiden Studien skizziert (3). Die Studien-Ergebnisse werden dann im Sinne einer komplementären Daten-Triangulation strukturiert nach Sachaspekten vorgestellt; dabei werden zunächst jeweils die quantitativ erhobenen Daten präsentiert und dann ergänzt durch weitere Einblicke, welche die qualitative Befragung gewährt (4). Die Darstellung mündet in eine Diskussion der Ergebnisse (5).

2 Theorie: pädagogische und theologische Grundlagen von Einschulungsgottesdiensten

Einschulungsgottesdienste gelten als Angebote des religiösen Schullebens, die sich ganz besonderer Beliebtheit erfreuen (Saß, 2010, S. 21–30; Schröder, 1999, S. 99). Eine theoretische Auseinandersetzung mit ihnen erfordert eine multiperspektivische Betrachtung, bei der u.a. geschichtliche, empirische, sozial- und humanwissenschaftliche, praktisch-theologische, (religions-)pädagogische und juristische Diskurse berücksichtigt werden (Schröder, 1999; Saß, 2010). Dies leistet insbesondere die Monographie „Schulanfang und Gottesdienst“ von Saß (2010).

Nimmt man Einschulungsgottesdienste als besonders wichtige Form von „Schulgottesdiensten anlässlich biografischer Schwellensituationen“ (Gojny, 2016, Kap.1; Dressler, 2012, S. 56–57) aus religionspädagogischer Perspektive in den Blick, sind insbesondere zwei bezugswissenschaftliche Verortungen zentral: Zum einen wird in der erziehungswissenschaftlichen Transitionstheorie die Bedeutung der pädagogischen Begleitung von Übergängen und Nahtstellen der Bildungsbiografie betont; zum anderen wird in der praktisch-theologischen Gottesdiensttheorie darüber nachgedacht, inwiefern Einschulungsgottesdienste „neue Kasualien“ darstellen.

Die Einschulung gilt als erster zentraler schulischer Übergang „im starken Sinne klassischer anthropologischer und soziologischer Theorien“ (Kramer & Helsper, 2013, S. 590), der für die Betroffenen von „enormer biographischer Bedeutung“ ist (ebd., S. 605). Gedeutet wird die Einschulung insbesondere mithilfe der Überlegungen von van Gennep zu „rites des passage“ bzw. zu „Übergangsritualen“ (van Gennep, 2005): Aus dieser Perspektive erscheint der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule als dreiphasiges Ritual mit der Struktur von Trennung, Schwelle und Integration, das sich über einen längeren Zeitpunkt erstrecken kann (z.B. Kramer & Helsper, 2013, S. 594; Friedrichs, 2008, S. 189–192). Aus psychologischer bzw. individuationstheoretischer Sicht sind solche Übergänge bzw. Transitionen[1] verbunden einerseits mit einer „erhöhte[n] Unsicherheit und Verletzbarkeit“ (Helsper & Kramer, 2013, S. 590), beinhalten aber auch „eine Potenzialität und Chancenhaftigkeit“ (ebd., S. 592). Der Übergang der Einschulung markiert den Beginn des „curricular geregelten Lernens“, bei dem Kinder mit „universalistischen Anforderungen (z.B. [den] Leistungsanforderungen oder [dem] Konkurrenzprinzip der Leistungsbewertung)“ konfrontiert werden (ebd., S. 594). Für die Kinder ist mit dem Eintritt in die Grundschule ein Statuswechsel vom Kindergarten- zum Schulkind verbunden (Griebel & Niesel, 2011, S. 115). Die Einschulung stellt aber nicht nur einen wichtigen Übergang für die Erstklässler*innen dar: Auch die Familien, in denen Schule zum entscheidenden Thema wird, sowie weitere Personen (z.B. aus dem Freundeskreis, der Nachbarschaft) und die Institution Schule sind involviert (Griebel & Niesel, 2011, S. 115–­176; Helbling, 2015, Kap. 2.1).

Einschulungsgottesdienste werden explizit als Elemente dieses Übergangsrituals gefasst: So bezeichnet sie die Kulturanthropologin Bendix als „einen Kern des Übergangsrituals“ (Bendix, 2010, S. 3) und deutet sie als Rituale, die in ein neues soziales Bezugssystem integrieren und dabei auch einen Beitrag zum Umgang mit Emotionen und zur Stärkung der Identität leisten (ebd.). Auch de Wildt verortet insbesondere Schulentlassungs- und Einschulungsgottesdienste aus religionspädagogischer Perspektive explizit als „Übergangsrituale“ (de Wildt, 2013).

Aus praktisch-theologischer Sicht erscheinen Einschulungsgottesdienste vor allem als „neue Kasualien“.[2] Für eine solche Wahrnehmung spricht, dass sie geradezu mustergültig die Zielsetzung von Kasualien verwirklichen, nämlich „persönliches Leben und Evangelium bzw. Lebenswelt und Kirche an wichtigen Übergängen im Leben in Kontakt zu bringen“ (Grethlein, 2007, S. 327), und dass sie damit eine seelsorgerliche Funktion haben (Dressler, 2012, S. 56–57). Zudem steht bei Einschulungsgottesdiensten meist der Segen im Zentrum und sie haben eine „familiale“ Dimension (ebd., S. 58). Eine Kritik der Wahrnehmung von Einschulungsgottesdiensten als Kasualien findet sich insbesondere bei Pfaff; sie mahnt: „Schulgottesdienste sind als schulische Veranstaltungen ernst zu nehmen und dürfen nicht unter der Hand als Gottesdienste der Kirche für die Schule wiederentdeckt und kasualtheoretisch umgewidmet werden“ (Pfaff, 2012, S. 106). Ihrer Meinung nach ist der von den genannten Autoren vertretene segenstheologische Ansatz angesichts der religiösen und weltanschaulichen Pluralität an den Schulen problematisch, insbesondere dann, wenn die Einzelsegnung in den Vordergrund gerückt wird.

Vor dem Hintergrund dieser doppelten theoretischen Verortung von Einschulungsgottesdiensten lässt sich die Forschungsfrage präzisieren und differenzieren. Zu fragen ist u.a., welche Bedeutung Verantwortungsträger*innen Einschulungsgottesdiensten für Schulanfänger*innen und deren Familien zuschreiben und wie sie sie begründen, welche Herausforderungen sie angesichts einer zunehmenden religiösen wie weltanschaulichen Pluralität wahrnehmen und wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen, was ihnen im Hinblick auf die Gestaltung der Gottesdienste wichtig ist sowie was sie bezüglich der Teilnahme an dieser Veranstaltung und deren Akzeptanz wahrnehmen. 

3 Forschungsdesign

Zur Bearbeitung der Forschungsfrage(n) wurden zwei kleinere Studien konzipiert und von zwei Studentinnen im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten durchgeführt. In beiden Untersuchungen wurden Verantwortungsträger*innen für Einschulungsgottesdienste befragt, um deren Wahrnehmung der Bedeutung von derartigen Gottesdiensten sowie ihre Erfahrungen mit ihnen explorativ zu erheben.

3.1 Die qualitative Studie

Ziel der qualitativen Pilotstudie war, mittels leifadengestützten Interviews der Frage nachzugehen, welche Perspektiven verantwortliche Akteur*innen auf Einschulungsgottesdienste haben. Ausgewählt wurden für das Sample evangelische Pfarrer*innen, die Erfahrung mit der verantwortlichen Durchführung von Einschulungsgottesdiensten hatten, weil davon auszugehen ist, dass diese am ehesten über die Perspektiven unterschiedlicher Personengruppen auf das Phänomen Auskunft geben können – und es auch aus forschungspragmatischen Gründen im Rahmen einer studentischen Abschlussarbeit nicht möglich war, mehrere Personengruppen zu befragen. Die Stichprobe besteht aus N=8 evangelischen Pfarrerinnen (n=3) und Pfarrern (n=5), deren Kontaktdaten mit Hilfe des evangelischen Schulreferats ermittelt wurden. Die Befragten waren zum Zeitpunkt des Interviews zwischen 32 und 59 Jahren alt und hatten zwischen vier und 33 Jahren Diensterfahrung. Alle Interviewpartner*innen waren an ihrer örtlichen Grundschule im Religionsunterricht eingesetzt und waren in einem äußeren Stadtgebiet tätig. Zwei Personen gaben an, in einer Gemeinde mit einem hohen Anteil an Bildungsbürgern zu arbeiten, zwei weitere gaben an, eine fast ausschließlich deutsche Gemeinde zu betreuen. Vier weitere schätzten den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in ihrem Stadtteil auf ca. 30 %. Bei den Migranten handelt es sich neben Russland- und Rumäniendeutschen um Personen aus muslimischen Ländern. Alle Interviews wurden in der Metropolregion Nürnberg durchgeführt.

Als Erhebungsmethode wurde das teilstandardisierte Interview gewählt. Die Interviews wurden von einer Interviewerin auf der Basis eines Leitfadens durchgeführt und audiografisch aufgezeichnet. Die persönlichen Hintergrund-Daten wurden zuvor mit einem zum Interview erstellten Fragebogen erfasst. Für den vorliegenden Beitrag wurden die transkribierten Interviews mittels der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet (Kuckartz, 2018).

3.2 Die quantitative Studie

Befragt wurden wiederum Verantwortliche für Einschulungsgottesdienste, diesmal über Pfarrer*innen hinaus auch Religionslehrkräfte und kirchliche Religionspädagoginnen und -pädagogen an Grundschulen in der Region Nürnberg mittels einer Online-Umfrage. Der hierfür verwendete Fragebogen wurde im Wesentlichen von Pirner im Gespräch mit der Verfasserin der Zulassungsarbeit entwickelt, wobei Erkenntnisse aus der qualitativen Studie berücksichtigt wurden und ein Pretest unter Studierenden erfolgte. Für das Ausfüllen des Fragebogens waren ca. zehn Minuten Bearbeitungszeit notwendig. Im Wesentlich bestand er aus Fragen zum Ankreuzen; bei einigen Items gab es auch die Möglichkeit für eigene Anmerkungen.

Die Daten wurden im Zeitraum zwischen dem 18.11.2012 und dem 17.12.2013 erhoben. Die Teilnehmenden an der Studie wurden gewonnen durch ein an die Schulen gerichtetes Schreiben mit der Bitte, dieses an die Verantwortungsträger*innen weiterzuleiten. Von den Teilnehmenden (N=70) waren 31 % männlich (n=22), 69 % weiblich (n=48); 35,7 % waren katholisch (n=25), 64,3 % (n=45) evangelisch. 4,3 % der Befragten waren zwischen 25 und 35 Jahre, 24,3 % zwischen 36–45 Jahre, 54,4 % der Befragten waren zwischen 46 und 55 und 12,9 % über 56 Jahre alt. Von den Studienteilnehmer*innen waren 44,3 % Pfarrpersonen, 27,1 % kirchliche Religionspädagoginnen und -pädagogen, 2,9 % waren Religionslehrkräfte, 20 % fielen unter „sonstige“ Berufe. Darunter waren vier Lehrkräfte, zwei Katecheten, ein Kaplan, eine Pastoralassistentin und ein Schulleiter. Ihre Dienstgegend rechneten 32,9 % der Kleinstadt, 25,7 % der Großstadt, 25,7 % dem Dorf zu; 11,4 % wählten die Antwortmöglichkeit „Sonstiges“. Ausgewertet wurde diese Studie mit dem Statistik-Programm SPSS.

4 Darstellung der Ergebnisse

4.1 Zur Organisation von Einschulungsgottesdiensten

Bei der quantitativen Studie gaben 87,1 % der Befragten an, dass der Einschulungsgottesdienst am ersten Schultag stattfand. Bei den anderen wurde er im Laufe der ersten Schulwoche gefeiert (4 %) oder an einem anderen Termin (2 %).

Bezüglich der Frage zur Kooperation zwischen evangelischer und katholischer Kirche gaben nur 12,9 % an, dass es keine gebe; 80,0 % antworteten, dass der Gottesdienst ökumenisch gefeiert wurde; 2,9 % nannten andere Kooperationen. Hauptsächlich wurde der Gottesdienst in einer Kirche abgehalten und nur ein kleiner Bruchteil feierte in der Schule (1,4 %). Dabei gaben 44,3 % der Befragten an, dass in einer evangelischen Kirche gefeiert wurde, 42,9 % feierten in einer katholischen.

Zusätzliche Informationen zur Organisation sind der qualitativen Studie zu entnehmen: Ob der Einschulungsgottesdienst vor oder nach dem schulischen Akt stattfindet oder zwischen einzelnen schulischen Elementen, ist unterschiedlich. Dabei hängt die Entscheidung für den jeweiligen zeitlichen Ablauf u.a. auch mit Organisationsfragen zusammen, weil etwa Pfarrer*innen am selben Tag mehrere Gottesdienste halten (T 2). Deutlich werden mögliche Gründe für die Wahl entweder der evangelischen oder der katholischen Kirche: z.T. wird abgewechselt (T 4) oder die Wahl hängt von nicht näher benannten Umständen ab (T 1). Bei einigen spielen pragmatische Gründe eine Rolle wie die Nähe (T 3) oder das jeweilige Platzangebot (T 6,7,8). Bezüglich der Frage nach Konfessionalität wird deutlich, dass bisweilen auch der „Erfolg“ von Einschulungsgottesdiensten ein Grund ist, darüber nachzudenken, wieder konfessionelle Gottesdienste anzubieten, weil der Raum für alle Besucher*innen knapp wird (T 6). Bezüglich des wahrgenommenen Status von Einschulungsgottesdiensten ist erwähnenswert, dass ein Pfarrer betont, dass es sich um eine schulische Veranstaltung handelt, nicht um eine kirchliche, dass aber alle Eltern sie für kirchlich hielten (T 2). In einem weiteren Interview wird deutlich, dass die Gemeinde schriftlich zu Einschulungsgottesdiensten einlädt (T 3). 

4.2 Zu den Mitwirkenden sowie zum Rollenverständnis der Befragten

Nach den Ergebnissen der quantitativen Studie lag die Hauptverantwortung für den Gottesdienst in erster Linie bei den evangelischen Religionslehrer*innen (71,4 %), dicht gefolgt von den evangelischen Pfarrer*innen (68,6 %). Z.T. lag die Hauptverantwortung auch bei katholischen Religionslehrkräften (34,3 %) sowie bei katholischen Pfarrern (25,7 %), selten auch bei Klassenlehrkräften (4,3 %) sowie bei „anderen Religionsvertretern“ (2,9 %). In 7,1 % der Fälle lag sie auch bei „sonstigen“ Personen; genannt wurden z.B. ein Diakon, ein katholischer Kaplan, eine Pastoralreferentin und ein Rektor. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich.

Es waren eine ganze Reihe weiterer Personen neben den Hauptverantwortlichen aktiv an der Gestaltung von Einschulungsgottesdiensten beteiligt: andere Lehrkräfte (40 %), evangelische Religionslehrer*innen (30 %), Schüler*innen (25,7 %), evangelische Pfarrer*innen (24,3 %), katholische Pfarrer (20 %) und katholische Religionslehrkräfte (15,7 %). Bei den 20 % der sonstigen Beteiligten wurden Eltern, Mesner, Organist, ehrenamtliche Kirchenmitglieder, katholische Pastoralreferenten und Schulsozialpädagogen genannt. 90 % der Befragten gaben an, dass es bei der Vorbereitung und Gestaltung des Einschulungsgottesdienstes keine Konflikte gab.

In der qualitativen Studie wurden als weitere Mitwirkende darüber hinaus genannt: weitere Lehrkräfte, Musikgruppe, Organist, ganze Klassen, Eltern, Hausmeister, Pastoralreferent (T 2,3,4,5,6). Zudem wurde deutlich, dass Einschulungsgottesdienste bisweilen auch allein von einem Pfarrer bzw. einer Pfarrerin vorbereitet werden (T 5,8).

Die Interviews geben darüber hinaus einen Einblick in das Verständnis der befragten Pfarrer*innen zu ihrer Rolle im Einschulungsgottesdienst. Dabei werden folgende spezifische Aufgaben angesprochen:

  • Leitung des Rituals bzw. der gottesdienstlichen Liturgie und „Wächter“: Sind Pfarrer*innen an Einschulungsgottesdiensten beteiligt, gehört es zu ihrem Selbstverständnis, dieses Ritual zu leiten und den Segen zu spenden. Typisch ist z.B. folgende Aussage: „Meine Aufgabe sehe ich dem Sinn eher als einer, der für das Ritual steht. […] meine Rolle ist der Ritualleiter. Es ist immer verbunden mit einem Segen, ne. Das ist das Wichtigste dabei.“ (T 1/29–30; T 3,6,7) Z.T. beschränkt sich die Funktion der anwesenden Pfarrer*innen auch auf Gebet und Segen, während die Religionspädagoginnen und -pädagogen den „eigentliche[n] Gottesdienst“ gestalten (T 7/28). In einem Interview wird als eine Aufgabe von Pfarrer*innen „die Rolle des Wächters oder der Wächterin“ (T 6/40) genannt; Bezug genommen wird dabei auf das dauernde Fotografieren, das es zu unterbinden gilt, und darauf, dass sich kirchenunerfahrene Besucher*innen lautstark unterhalten.

  • Federführung bei der inhaltlichen Gestaltung: Z.T. nehmen Pfarrer*innen es als ihre Aufgabe wahr, die Hauptverantwortung auch für die inhaltliche Ausrichtung zu übernehmen. Exemplarisch heißt es in einem Interview: „Ähm, wir Pfarrer oder Theologen bereiten diesen [Einschulungsgottesdienst] federführend vor und die Lehrkräfte machen Vorbereitungsarbeit mit den Klassen.“ (T 5/18–20; T 6) Z.T. wird auch von einer Gleichberechtigung der Rollen von Pfarrer*innen sowie Lehrkräften ausgegangen (T 3,4).

  • Vertreter der Kirche und Kontakt zur Kirchengemeinde. Neben der liturgischen Leitung kommt als genuine Aufgabe von Pfarrer*innen in der Wahrnehmung eines Befragten auch in den Blick, dass sie die Kirche gewissermaßen repräsentieren (T 1). Bisweilen verstehen sich die Pfarrer*innen auch als Brückenbauer zur Ortsgemeinde: „Das ist sozusagen eine kleine Werbeplattform. Ihr kommt jetzt in die Schule, es gibt jetzt auch andere Angebote für euch. Wir werben beispielsweise für den Kindergottesdienst“ (T 8/41–43).

Als Aufgaben der Lehrkräfte werden demgegenüber genannt: das Sprechen von Gebeten (T 1,2,3,4), die musikalische Gestaltung (T 2,7), das Einstudieren von Beiträgen von Schüler*innen (T 2) sowie – zusammen mit dem Pfarrer – das Segnen (T 3).

4.3 Zu den Teilnehmenden und zur Teilnahme an Gottesdiensten

41 % der bei der quantitativen Studie Befragten gaben an, dass im Einschulungsgottesdienst ca. 50 bis 100 Personen anwesend waren, 29 % schätzten die Anzahl der Teilnehmenden auf 100 bis 200, 17 % sogar auf 200 bis 300. Nach 6 % der Befragten waren bei der Veranstaltung bis zu 50 Menschen, nach 3 % über 300. Insgesamt wurden mehr Erwachsene als Kinder im Gottesdienst beobachtet, d.h., dass jede(r) Schulanfänger(in) mehr als einen Angehörigen in den Gottesdienst mitbrachte.

77,1 % der Verantwortungsträger*innen gaben an, dass über 80 % der Schulanfänger*innen am Gottesdienst teilnahmen; 5,7 % gehen von einem Anteil von 20 bis 50 %, 11,4 % von einem Anteil von 50 bis 80 % aus. Von 52,9 % der Befragten wurde der Migrantenanteil der Erstklässler*innen im Einschulungsgottesdienst als unter 5 % eingeschätzt, 20 % vermuteten einen Anteil von 5–10 %; 4,3 % gaben einen Anteil von 29–40 % an und 5,7 % schätzten ihn auf 40–60 %; 4,3 % über 60 %.

Ein Interviewpartner weist darauf hin, dass auch Kirchendistanzierte kommen (T 2). Als Teilnehmende von Schulgottesdiensten werden neben den Erstklässler*innen genannt: Eltern, Großeltern, Geschwister, Erstklasslehrer, weitere beteiligte Lehrkräfte (T 1,3,4); z.T. werden auch Paten genannt (T 3,4) sowie Onkel und Tanten (T 6,7). Hinsichtlich der Wahrnehmung dessen, ob beide Elternteile mitkommen und sich extra freinehmen, gehen die Einschätzungen auseinander. Während ein Pfarrer betont, dass das Fest der Einschulung fast mit einer Konfirmation zu vergleichen ist (T 7), spricht ein weiterer Pfarrer davon, dass die Einschulung zwar zu einem großen Ereignis geworden ist, nicht aber mit einer Taufe oder einer Konfirmation gleichzusetzen ist (T 8).

In einem Interview werden Schulleiter*innen explizit als Teilnehmende benannt (T 3); in einem anderen wird erwähnt, dass die Schulleitung eingeladen wird, aber nicht kommt (T 6). Auch Erzieher*innen kommen bisweilen in den Einschulungsgottesdienst (T 4,6). Wenn sie nicht teilnehmen, wird dies damit begründet, dass es in den Kindergärten inzwischen eigene Abschlussfeste und Gottesdienste gibt – z.T. auch ebenfalls mit einer (Einzel-)Segnung (T 2,3,4,5 6) – und damit, dass an den Schulen keine Erzieher*innen arbeiten und der Hort noch nicht mit einbezogen wird (T 7).

4.4 Zur Einschätzung der Entwicklung der Teilnehmendenzahlen, der Veränderung des Charakters und des Interesses an Einschulungsgottesdiensten

Tab. 1: Veränderung der Teilnahme am Einschulungsgottesdienst in den letzten Jahren

 

Prozent

Häufigkeiten

Keine Angabe

4,3

3

Ist in etwa gleich geblieben

57,1

40

Hat leicht abgenommen

11,4

8

Hat leicht zugenommen

21,4

15

Hat stark abgenommen

2,9

2

Hat stark zugenommen

2,9

2

Gesamt

100

70


Der Tabelle ist zu entnehmen, dass die Befragten mehrheitlich davon ausgehen, dass es in den letzten Jahren keine großen Veränderungen bezüglich der Teilnehmendenzahlen gab, und dass eine leichte Zunahme von Besucher*innen etwas häufiger beobachtet wird als eine leichte Abnahme.

Als Gründe dafür, dass pro Kind viele Teilnehmende kommen (und in der Wahrnehmung der Interviewten auch mehr als früher), werden eine abnehmende Kinderzahl in den Familien vermutet (T 4,6), ein abnehmendes Familienleben, das gewissermaßen durch eine besondere Aufmerksamkeit für besondere Anlässe kompensiert wird (T 8/85), eine verstärkte Konzentration auf das einzelne Kind, das immer mehr „auf den Thron gesetzt wird“ (T 7/58), sowie das Phänomen, dass eine religiöse Begleitung durch Gebet und Segen zwar für wichtig gehalten wird, sich die Eltern dies aber selbst nicht zutrauen (T 6). Als weiterer Grund wird vermutet, dass die Bedeutung der Schule wachse, zugleich aber auch die Sorge der Eltern, ob es ihrem Kind auf der Schule auch gut gehen werde (T 4); außerdem wird auf die große Bedeutung der Einschulung in der ehemaligen DDR verwiesen (T 7).

Gefragt nach Veränderungen des Charakters von Einschulungsgottesdiensten antworteten die Befragten v.a. mit Hinweisen auf eine Zunahme von Teilnehmenden (T 4) und dass die Einschulung mehr und mehr den Charakter eines großen Familienfestes bekommt (T 2,3,4). Wahrgenommen wird als Veränderung ferner, dass der Event-Charakter zunimmt (T 6) und dass in diesem Zusammenhang das fotografische Dokumentieren des Tages an Bedeutung gewinnt (T 2,6). Bezüglich des Verhaltens der Besucher*innen wird in einem Interview geäußert, dass es in den Gottesdiensten unruhiger wird und sich die Kinder schlechter konzentrieren können (T 3). Ein Interviewpartner beobachtete, dass häufiger auch Menschen ohne und mit anderer Religionszugehörigkeit in den Einschulungsgottesdienst kommen (T 5).

Mehrheitlich nehmen es die in der Interviewstudie Befragten so wahr, dass weder Schule noch Kirche Einschulungsgottesdienste „fordern“, sondern dass sie sich so etabliert haben und auch so gut angenommen werden, dass sie nicht zur Disposition stehen. So heißt es in einem Interview: „Das ist halt schon immer so gewesen. Das fordert keiner. Das ist wirklich so, das gehört dazu und wird sehr angenommen und das ist, äh, das will die Schule und wir als Gemeinden wollen das natürlich auch“ (T 3/11–13). Die meisten Befragten betonen, dass sowohl von staatlicher als auch von kirchlicher Seite aus Interesse an Einschulungsgottesdiensten besteht (T 2,3,4,5,6,7). Daneben wird auch geäußert, dass die Schule ggf. auch auf sie verzichten könnte und dass die Initiative eher von den Religionslehrkräften und Pfarrer*innen ausgeht (vgl. T 2). Es gibt aber auch Schulen, bei denen es umgekehrt ist (T 1,7). Nach Einschätzung der Befragten begrüßen die Eltern in der Regel das Angebot von Einschulungsgottesdiensten (T 1,2,6).

4.5 Zur Bedeutung und zu Funktionen von Einschulungsgottesdiensten


Tab. 2:
Sinn von Einschulungsgottesdiensten – wichtige Argumente gegenüber Kritikern

 

 

Prozent

Häufigkeiten

Im Einschulungsgottesdienst wird den Kindern der Segen Gottes zugesprochen, so dass sie merken, dass Gott sie bei diesem neuen Lebensabschnitt begleitet.

 

90

63

Der Einschulungsgottesdienst macht den Kindern Mut für ihren neuen Lebensabschnitt.

 

65,7

46

Der Einschulungsgottesdienst macht bei der Einschulung deutlich, dass Schule und Leistung zwar wichtig, aber nicht alles ist.

 

40,0

28

Der Einschulungsgottesdienst ist gerade für kirchenferne Familien eine positive Kontakterfahrung mit Kirche.

 

37,1

26

Der Einschulungsgottesdienst vermittelt Kindern und Eltern, die sonst kaum in die Kirche gehen, etwas vom christlichen Glauben.

 

25,7

18

Der Einschulungsgottesdienst trägt zu einem festlichen Rahmen der Einschulungs-Feier in der Familie bei.

 

22,9

16

Anmerkung: Mehrfachnennungen waren möglich

Wie Tabelle 2 zeigt, fanden bei der Begründung von Einschulungsgottesdiensten vor allem zwei Argumente Zustimmung: Als sehr wichtig angesehen werden insbesondere, dass dort den Kindern der Segen Gottes zugesprochen und ihnen Mut für ihren neuen Lebensabschnitt gemacht wird. Ebenfalls noch recht hohe Zustimmungsraten erhielten die Aussagen, dass der Einschulungsgottesdienst deutlich macht, dass Schule und Leistung zwar wichtig, aber nicht alles sind, und dass kirchenferne Familien positive Erfahrungen mit Kirche machen können. Immerhin noch ca. ein Viertel der Befragten sehen es auch als sehr wichtig an, dass dort Kindern und Eltern, die selten Gottesdienste besuchen, „etwas vom christlichen Glauben vermittelt“ wird, und rund 23 % sehen den „festlichen Rahmen“ als sehr wichtiges Argument.

Aber auch weitere Argumente fanden deutliche Zustimmung: Immerhin, 51,4 % der Befragten fanden die Förderung der Schulgemeinschaft „sehr wichtig“ oder „wichtig“ und auch das insgesamt am schlechtesten bewertete Argument, dass der Glaube „im Rahmen der öffentlichen Schule zum Ausdruck gebracht werden kann“, fanden insgesamt noch 42,9 % entweder „sehr wichtig“ oder „wichtig“.

Aus der qualitativen Studie sind v.a. folgende Aspekte im Hinblick auf die Bedeutung und die Funktion von Einschulungsgottesdiensten erwähnenswert: Es wurde deutlich, dass die Befragten den Einschulungsgottesdienst als Teil eines wichtigen Familienfestes wahrnehmen (T 2,3,4,6,7,8). Sie gehen zudem einhellig davon aus, dass es sich bei Einschulungsgottesdiensten um (neue) Kasualien handelt. Begründet wird dies damit, dass hier eine kirchliche Begleitung einer „Schwelle“ (z.B. T /92, 3/115, 8/83) bzw. von „rites des passage“ (T 4/91) bzw. eines „Übergang[s]“ (z.B. T 1/104, 4/92) vorliegt. So heißt es etwa in einem Interview: „Im Prinzip ist der Kasus im Mittelpunkt. Der Kasus, dass es eine Einschulung ist. Das heißt, es ist für die Kinder eine neue Situation, aber auch für die Familien eine neue Situation und das ist Gegenstand dieses Gottesdienstes“ (T 4/57–58). Ähnlich wird in einem anderen Interview als Grund für die Bedeutung der Einschulung formuliert: „Ich denke, weil die Einschulung ein ganz wichtiger Schritt für die Kinder in ihrem Leben ist, ja. So ein Schritt auch in die Eigenständigkeit hinein. Und das ist für die Eltern auch ein bedeutender Schritt. Das hat ja auch damit zu tun, die Kinder loszulassen, sie in die Schule zu schicken. Und ich denke, es ist wichtig, das mit einem Ritual zu begehen, und das merken die Leute, dass das eine Bedeutung hat“ (T 5/87–90).

Ein Befragter bzw. eine Befragte betont, dass der Aspekt der religiösen Begleitung bei einem wichtigen Übergang auch von Nicht-Christen im Einschulungsgottesdienst geschätzt wird: Konfessionszugehörigkeit spiele hier keine Rolle, 95 % der Muslime ließen sich segnen (T 2).

4.6 Inhalte und Themen von Einschulungsgottesdiensten

Zum Charakter von Einschulungsgottesdiensten konnte festgestellt werden, dass die Verantwortlichen vor allem die Kinder und Schulanfänger*innen thematisch ansprechen wollen (95,7 %). Auch die Eltern und Angehörigen werden als Zielgruppe wahrgenommen (87,2 %) sowie die Lehrkräfte und Erzieher*innen (42,8 %).

Tab. 3: Einschätzung der Bedeutung von Aspekten der Gestaltung von Einschulungsgottesdiensten und deren Berücksichtigung im letzten Einschulungsgottesdienst

 

Wunsch

(Prozent)

Realität

(Prozent)

Bezug zur Lebenswelt

94,3

94,3

deutlicher christlicher Charakter

87,6

92,9

Einbeziehen biblischer Inhalte

87,1

74,3

liturgisch relativ freie Gestaltung

78,6

74,3

Eingehen auf nichtreligiöse Menschen

68,6

65,7

deutlicher evang./kath. Charakter  

24,3

22,9

interreligiös-offener Charakter

17,1

14,3


Anmerkung: Gefragt wurde danach, wie wichtig unterschiedliche Aspekte für Einschulungsgottesdienste aus der Perspektive der Verantwortlichen sind. Ausgewählt werden konnte zwischen den Antwortmöglichkeiten „trifft voll zu“, „trifft eher zu“, „unsicher“, „trifft eher nicht zu“ und „trifft nicht zu“. In der Darstellung werden die ersten beiden Antwortmöglichkeiten als Zustimmung zusammengefasst. Neben der grundsätzlichen Zustimmung zu unterschiedlichen Items („Wunsch“) wurde auch danach gefragt, ob die Verantwortlichen meinen, dass sie in ihrem letzten Einschulungsgottesdienste ihre Prioritäten umgesetzt haben („Realität“).

Wie in Tabelle 3 deutlich wird, erreicht der Bezug zur Lebenswelt die höchste Zustimmungsquote der Gottesdienst-Verantwortlichen; ebenfalls wichtig finden die Befragten, dass im Einschulungsgottesdienst biblische Inhalte einbezogen werden, dass dieser einen „deutlichen christlichen Charakter“ hat und dass er liturgisch relativ frei gestaltet wird. Während fast 70 % der Befragten es wichtig finden, dass Einschulungsgottesdienste auch „nichtreligiösen Menschen etwas zu sagen“ haben, spricht sich nur eine Minderheit von ihnen für einen „interreligiös-offenen Charakter“ aus. Auch eine konfessionelle Profilierung der Veranstaltung ist weniger als einem Viertel der Befragten wichtig. Bezüglich der Abweichungen von eigenen Idealvorstellungen und der Wahrnehmung dessen, was tatsächlich im letzten Einschulungsgottesdienst umgesetzt wurde, fällt auf, dass biblische Inhalte nicht in dem Maße berücksichtigt wurden, wie es von den Befragten selbst für wünschenswert gehalten wurde. Geringfügig hinter den eigenen Erwartungen blieben die Verantwortlichen auch bei den anderen erfragten Aspekten zurück – mit Ausnahme der deutlichen christlichen Profilierung von Einschulungsgottesdiensten, wo die wahrgenommene Realität die Wunschvorstellung noch übertrifft.

Bezüglich der Frage, wie unterschiedliche Zielgruppen im Einschulungsgottesdienst angesprochen werden können, gibt die qualitative Studie Hinweise: Die Frage nach Konzepten zur Ansprache etwa der Zielgruppen der Eltern und Lehrkräfte wird unterschiedlich beantwortet: entweder wird sie verneint (T 1) oder es wird darauf verwiesen, dass Eltern und andere Erwachsene v.a. durch die Fürbitten und anderen Gebete und eine kurze Ansprache (z.B. als Ergänzung zu einem Anspiel) angesprochen werden (T 2,4,5). Als eine Möglichkeit, allen Teilnehmenden gleichermaßen gerecht zu werden, werden Symbole genannt wie z.B. ein Schirm oder die Schultüte (T 4,7); außerdem wird in einem Interview auf die Möglichkeit hingewiesen, Eltern praktisch in die Gottesdienst-Gestaltung einzubinden (T 5).

Darüber hinaus gewährt die qualitative Studie Einblicke in die konkreten Themen von Einschulungsgottesdiensten: Ein Interview enthält einen Überblick über typische Themen: „Ich würde sagen als Strukturelemente haben wir folgende Themen: Das eine Thema ist ‚Etwas Neues beginnt in meinem Leben‘, das zweite ist ‚Ich bin nicht allein, sondern es geht jemand mit‘, da kommt Gott ins Spiel, das dritte ist ‚So wie ich da bin, darf ich sein; mit meinen Stärken und Schwächen‘, das vierte Thema ist ‚Erfolg und Misserfolg‘ und ‚Angst‘“ (T 2/64–68). Auch in den anderen Gesprächen wird deutlich, dass es den Befragten zentral darum geht, Schutz und die Begleitung durch Gott zu thematisieren und auf mögliche Ängste und Sorgen von Kindern und Eltern einzugehen (T 1,3,5,4,6,7,8).

Den Interviews ist zu entnehmen, dass die Inhalte und Themen von Einschulungsgottesdienste bei deren Vorbereitung und Gestaltung eher dem Ritual und der Segnung der Erstklässler*innen nachgeordnet sind. Diese Schwerpunktsetzung auf der rituellen Gestaltung wird jeweils unterschiedlich stark betont. Wie die Inhalte und Themen angekommen sind, ist für die Befragten schwer einzuschätzen (z.B. T 6), am ehesten gibt es wohl ein inhaltliches Feedback durch die teilnehmenden Lehrkräfte (T 3,5) sowie durch die Eltern (T 4,8). Der explizite Bibelbezug steht in der Wahrnehmung der in der qualitativen Studie befragten Verantwortlichen für Einschulungsgottesdienste nicht im Vordergrund (T 1,4); wenn Bibeltexte im Gottesdienst eine Rolle spielen, sind sie in der Regel nicht der Ausgangspunkt der Überlegungen, sondern ausgehend z.B. von einem lebensweltlichen Symbol wird nach biblischen Anknüpfungspunkten gesucht (T 1,2,4,5). Exemplarisch wird dies deutlich bei dem für Einschulungsgottesdienste sehr beliebten Motiv des Schirmes (T 3,4,5,6), das z.B. mit Ps 91 (T 3,7) und mit der Abrahamsgeschichte verknüpft wird (T 6). Als weitere biblische Bezugstexte werden genannt: die Kindersegnung, das Gleichnis von der wachsenden Saat, Davids Berufung und Salbung (T 4) sowie die Geschichte von der Sturmstillung (T 8). Eine Person erläutert bezüglich der Kriterien für die Auswahl biblischer Geschichten, dass diese immer thematisch verbunden sind „mit dem Plot ‚aufgeregt sein‘ oder ‚Angst haben‘. Weil wir vermuten, dass das das ist, was die Kinder da begleitet. Oder aber auch Erwartungen haben an das, was da kommt. Ich denke, ein bisschen aufgeregt sind alle Kinder. Deshalb schauen wir nach biblischen Geschichten, die das abbilden. Die kraftspendende Seite des Glaubens sag ich mal. Du bist nicht allein“ (T 8/119–122). Ohne dass im Interview explizit nach der Bedeutung des Segens gefragt wurde, wird dieser von vielen Befragten stark ins Zentrum gerückt (T 1,2,3,5,6,7).

4.7 Zum Besuch von Familien mit „anderer“ und ohne Religionszugehörigkeit von Einschulungsgottesdiensten und zum Umgang mit weltanschaulicher und religiöser Pluralität


Tab. 4
: Besuch des Einschulungsgottesdienstes von Familien mit „anderer“ und ohne Religionszugehörigkeit

 

Prozent

Häufigkeiten

Keine

17,1

12

Wenige

52,9

37

Mehrere

15,7

11

Viele

7,1

5

Keine Angabe

7,1

5

Gesamt

100

70


Tabelle 4 ist zu entnehmen, dass über 70 % der Befragten davon ausgehen, dass der Einschulungsgottesdienst von „wenigen“ oder gar keinen Familien mit anderer oder ohne Religionszugehörigkeit besucht wurde. Lediglich ca. 7 % waren der Meinung, dass es „viele“ waren.

47,1 % der Schulgottesdienst-Verantwortlichen gaben bei der quantitativen Studie an, dass bewusst Familien anderer oder ohne Religionszugehörigkeit zum Einschulungsgottesdienst eingeladen wurden; 44,3 % verneinten dies.

Zur der Aussage, ob die „Schulanfänger und ihre Familien aus anderen Religionen oder ohne Religionszugehörigkeit ein Problem darstellen“, gaben die meisten (38,6 %) der Befragten an, dass dies nicht zutreffe, 17,1 % der Befragten waren sich bei diesem Argument unsicher, 8,6 % meinten, dass es „eher zutrifft“ und 1,4 %, dass es „voll zutrifft“. Die Mehrheit, ungefähr Dreiviertel der Befragten, war auch der Meinung, dass die zunehmende religiöse wie weltanschauliche Pluralität den traditionellen Schulgottesdienst nicht (40 %) bzw. „eher nicht“ in Frage stelle (34,3 %).

Tab. 5: Bemühen um das Zugehen auf Schulanfänger*innen und deren Familien mit „anderer“ und ohne Religionszugehörigkeit

 

Prozent

Häufigkeiten

Keine Angabe

7,1

5

Trifft voll zu

7,1

5

Trifft eher zu

14,3

10

Unsicher

18,6

13

Trifft eher nicht zu

35,7

25

Trifft nicht zu

17,1

12

Gesamt

100

70


Wie Tabelle 5 zeigt, bemühen sich nach eigener Angabe nur wenige der Befragten, im Einschulungsgottesdienst auf Teilnehmende mit „anderer“ und ohne Religionszugehörigkeit zuzugehen; nur gut 21 % bejahen diese Aussage.

Umgekehrt gaben 71,4 % der Befragten an, keine Elemente aus anderen Religionen in ihren Gottesdiensten zu verwenden. Nur 1,4 % der Verantwortlichen stimmten der Aussage, dass sie unsicher seien, wie mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität im Einschulungsgottesdienst umzugehen sei, voll zu; 12,9 % fanden diese Aussage „eher zutreffend“, 55,7 % fanden diese Antwort „eher nicht zutreffend“ oder „nicht zutreffend“. Nur 1,4 % der Befragten waren der Meinung, dass die Aussage, multireligiöse Feiern wären angemessener als Schulgottesdienste, „eher zutreffe“; 72,9 % meinten, dass dies „nicht“ zutraf; 17,1 %, dass dies „eher nicht“ zutraf.

In der qualitativen Studie wird einhellig davon ausgegangen, dass Konfessionslose – zumindest zu großen Teilen – zum Einschulungsgottesdienst gehen (T 1,2,3,4,7,8). Hinsichtlich der Angehörigen „anderer“ Religionen gehen die Einschätzungen auseinander: Z.T. wird berichtet, dass Kinder wie Eltern den Einschulungsgottesdienst nicht besuchen (T 1,3,4), z.T. aber auch, dass die Kinder „selbstverständlich“ kommen (T 2/104, vgl. auch T 5,7) und sich segnen lassen (T 7). Dabei sprechen alle Pfarrer bis auf einen bei Familien mit anderer Religionszugehörigkeit von Muslimen. Ein Pfarrer differenziert zwischen Muslimen und Juden. Bei Letzteren sei der Besuch eines Gottesdienstes nicht selbstverständlich (T 2). Ein Befragter geht davon aus, dass zwar alle (muslimischen) Kinder den Einschulungsgottesdienst besuchen, nicht aber die Eltern; als Gründe dafür, dass diese ihre Kinder mitgehen lassen, wird angenommen, dass der Gottesdienst als schulische Veranstaltung wahrgenommen wird (T 8).

Die befragten Schulgottesdienst-Verantwortlichen nehmen Konfessionslose und Angehörige anderer Religionen als Menschen wahr, die sich „integrieren und nicht ausgeschlossen werden“ wollen (T 5/116-117, auch T 2,3) und in der Regel wenige Berührungsängste haben, wenn kein biografischer Konflikt vorliegt (T 2). Es wird zwar konstatiert, dass etliche Teilnehmende übliche Gottesdienstregeln nicht kennen, weil sie bezüglich des Gottesdienstbesuches „aus der Übung“ seien (T 2/122); hierbei zeigten sich aber kaum Unterschiede zwischen christlichen und nichtchristlichen Familien (T 2,7).

Auch hinsichtlich des Umgangs mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität ergeben sich ergänzende Hinweise aus der qualitativen Studie:

Die befragten Schulgottesdienst-Verantwortlichen schätzen sich bezüglich der Berücksichtigung von religiöser Pluralität bei der Gestaltung von Einschulungsgottesdiensten unterschiedlich ein:

  • Nichtbeachten der religiösem wie weltanschaulichen Pluralität: Einige der interviewten Pfarrer*innen geben an, dass der Aspekt der weltanschaulichen wie religiöse Pluralität keine Rolle spielt (T 1,3,4,8); die anderen geben an, dass sie die Multireligiosität im Blick haben, aber einen christlichen Gottesdienst feiern.

  • Rücksicht auf muslimische Kinder unter Beibehaltung eines eindeutig christlichen Rahmens: Einige Befragten betonen, dass sie zwar einen eindeutig christlichen Gottesdienst feiern, der freiwillig besucht wird, dass sie sich aber um Rücksicht auf Muslime bemühen (T 2,5,6,7). Als Zeichen eines christlichen Profils werden z.B. Votum, Vaterunser und trinitarischer Segen genannt (T 2,4,5); man bemühe sich aber z.B. darum, keine „antimuslimisch[en]“ Geschichten bzw. Inhalte aufzugreifen (T 2/152, 7/101). Bei der Einzelsegnung wird bei der Segnung muslimischer Kinder z.T. auf eine trinitarische Formel verzichtet und vor der Segnung noch einmal gefragt, ob das Kind gesegnet werden möchte (T 5). Andere segnen mit dem Kreuzzeichen und der trinitarischen Formel: „Auch bei der Segnung kann jeder kommen, muss aber nicht. Ich segne mit dem Kreuzzeichen ‚Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘, auch wenn ich das vielleicht nicht so genau sage. Aber ich schade damit keinem. Davon bin ich überzeugt“ (T 6/196–198).

Hinsichtlich der Einstellung zu multireligiösen Feiern wird deutlich, dass einige Pfarrer*innen multireligiöse Feiern mehr oder weniger deutlich ablehnen (T 2,3,7) oder sich angesichts des spezifischen Schulkontextes nicht vor die Frage gestellt sehen, über eine neue Feierform nachzudenken (T 4,5). In einem Interview wird Offenheit gegenüber dieser Feierform deutlich, sollte diese von Eltern gewünscht werden (T 6); eine Person hat bereits eine multireligiöse Feier durchgeführt, zeigt sich aber mit dem Ergebnis unzufrieden (T 2).

Als positive Aspekte sehen die Interviewpartner*innen die Akzeptanz und das Einbeziehen aller Schüler*innen (T 5) sowie die Berücksichtigung der Vorverständnisse, Bedürfnisse und Wünsche der Kinder bzw. der Familien und die Authentizität der Feier (T 1).

Lehnen Schulgottesdienst-Verantwortliche multireligiöse Feiern ab, so wird dies mit folgenden Argumenten begründet:

  • Fehlende Notwendigkeit zur Suche nach Alternativen für Schulgottesdienste: Multireligiöse Feiern werden z.T. nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern es wird darauf hingewiesen, dass sie nicht notwendig seien. Als Gründe hierfür werden u.a. eine zu geringe Anzahl von Kindern mit nichtchristlicher Religionszugehörigkeit genannt (T 2, 3) und dass eine multireligiöse Feier Größenverhältnisse suggerieren würde, die so nicht vorhanden sind (T 2). Außerdem sprächen weder die Verfassung noch die aktuelle Situation an der Schule gegen einen christlichen Schulgottesdienst (T 8).

  •  Organisatorische Schwierigkeiten und fehlende Ansprechpartner: Auch organisatorische Herausforderungen werden ins Feld geführt, u.a. die Notwendigkeit einer sehr gründlichen und zeitaufwändigen Vorbereitung (T 8) sowie die Herausforderung, Vertreter anderer Religionen als Ansprechpartner zu gewinnen, mit denen man gemeinsam nach angemessenen Formen des Feierns suchen kann (T 2,3,8). Z.T. wird deutlich, dass es für notwendig gehalten wird, die möglichen Kooperationspartner gut zu kennen, um mit ihnen gemeinsam über neue Formen nachdenken zu können (T 3,7).

  • Verlust des Bezuges zur Ortsgemeinde: In einem Interview spielt auch die Sorge um den Verlust des Bezugs der Einschulungsgottesdienste zur Ortsgemeinde eine Rolle (T 5).

  • Gefahr des Verlustes des jeweiligen religiösen Profils: In mehreren Interviews wird deutlich, dass die Befragten den Verlust religiöser Eindeutigkeit befürchten sowie, dass das Ergebnis letztlich nicht den beteiligten Religionen gerecht wird (T 5,7,8) bzw. die religiöse Feier zu einer „Mogelpackung“ wird (T 1/121). Hingewiesen wird auch darauf, dass es wichtig sei, dass die Kinder „in ihrem Glauben eingeführt werden und da Festigkeit erhalten“ (T 4/131–132).

  • Schwierigkeit der Einigung auf eine gemeinsame Botschaft bzw. auf gemeinsame Inhalte: Wiederholt wird betont, dass es nicht leicht sein dürfte, sich auf gemeinsame Inhalte oder eine gemeinsame Botschaft zu einigen (T 1,2,3,5,6,7,8). So heißt es z.B. in einem Interview: „Bei einer multireligiösen Feier muss überlegt werden: Was ist machbar und was nicht? Ohne da zu stark einzutauchen. Vor allem im Hinblick auf den Inhalt. So einen platten Pathos ‚Wir sind alle eins‘ habe ich nicht, weil dem eben nicht so ist. Und da würde ich zum einen meinen, ich tue der Religion, für die ich stehe, etwas an und ich würde mich davor scheuen. Das ist natürlich das Hauptbeispiel, mit muslimischen Kindern gottesdienstlich etwas zu machen, wo ich nicht weiß, ob es tatsächlich für sie in Ordnung ist. Da wäre ich einfach sehr vorsichtig. Ich glaube, dass das immer mehr Thema wird, aber man muss das gründlich machen und gut vorbereiten und nicht, wie ich gerade schon gesagt habe, ‚Wir sind alle eins’-Begeisterung. ‚Wir haben doch alle einen Gott’. Das ist nicht so und das wird dann auch nicht gut“ (T 8/178–186).

In einem Interview wird ein möglicher Grund dafür deutlich, dass nicht immer alle Kinder und Eltern mit einer „anderen“ oder mit keiner Religionszugehörigkeit eingeladen werden: „Ja, sie besuchen den Gottesdienst. Das hat in einer Schule für Schwierigkeiten gesorgt, da haben die Religionslehrer die Einladung an die Erstklässler rausgeschickt und haben alle eingeladen in die christliche Kirche. Und es wurde dann ein Vaterunser gebetet. Die Direktorin fand das nicht so lustig. Die meinte, ein Vaterunser gehört da nicht hinein“ (T 2/99–103).

5 Diskussion

Bevor die Ergebnisse diskutiert werden und weiterer Forschungsbedarf benannt wird, werden zunächst die Limitationen der beiden empirischen Studien benannt:

Die Grenzen der explorativen quantitativen Studie liegen vornehmlich in der relativ kleinen Stichprobe. Anzustreben ist eine Wiederholung mit größerer Stichprobe, die so gewählt wird, dass das Kriterium der Repräsentativität im Hinblick auf die Situation in der Metropolregion Nürnberg, ggf. auch im Bundesland Bayern bzw. in Deutschland, erfüllt wird. Um die Validität der Studie noch weiter zu verbessen, sollten zudem einzelne Items noch überarbeitet werden. So wäre es z.B. günstiger, das Teilnahmeverhalten von konfessionslosen und ‚andersreligiösen‘ Familien jeweils gesondert zu erfragen – und ebenso gesondert nach der Teilnahme der Erstklässler*innen und der Teilnahme ihrer Familien zu fragen. Bei der Frage nach der Veränderung der Teilnahme am Einschulungsgottesdienst „in den letzten Jahren“, wäre es sinnvoll, den nachgefragten Zeitraum zu präzisieren. Bezüglich der Reliabilität der quantitativen Studie ist zu bedenken, dass das Verfahren, durch Briefe an die Schulen Schulgottesdienst-Verantwortliche für die Teilnahme an einer Online-Befragung zu gewinnen, ggf. dazu führt, dass insbesondere Personen an dieser teilnehmen, die sich besonders für das Thema interessieren; denkbar ist auch, dass bestimmte Verantwortungsträger*innen gar nicht erreicht wurden, weil sie von der Schuladministration nicht als solche wahrgenommen wurden. 

Eine Grenze der qualitativen Studie liegt darin, dass hier mit Pfarrer*innen lediglich Angehörige einer von mehreren Berufsgruppen als Schulgottesdienstverantwortliche in den Blick kommen, auch wenn dieser Fokus den Vorteil hat, dass dadurch auch Einblicke in das Rollenverständnis von Pfarrer*innen bezüglich von Einschulungsgottesdiensten möglich werden. Es ist daher lohnend, die Studie um weitere Befragungen etwa von staatlichen Religionslehrkräften sowie Katechet*innen bzw. Religionspädagog*innen sowie Schulleiter*innen zu ergänzen und deren Ergebnisse dann aufeinander zu beziehen. Auch bei der Gewinnung des Samples für diese Studie ist nicht auszuschließen, dass sich v.a. Menschen zur Teilnahme bereit erklärt haben, denen besonders viel an Einschulungsgottesdiensten liegt. Im Hinblick auf den Fragenkatalog wäre bei einer Wiederholung wie bei der quantitativen Studie ggf. noch genauer zwischen Konfessionslosen und ‚Andersreligiösen‘ zu differenzieren.

Im Hinblick auf die Triangulation der quantitativen und qualitativen Studie bietet es sich bei einer Wiederholung an, einzelne Fragen noch besser aufeinander abzustimmen – etwa die Frage nach biblischen Inhalten (quantitative Studie) bzw. nach biblischen Geschichten (qualitative Studie).

Trotz der benannten Grenzen liefern die Studien, gerade in ihrer Zusammenschau, wertvolle Erkenntnisse über die Perspektiven von Verantwortungsträger*innen auf Einschulungsgottesdienste:

Die Ergebnisse der Studien weisen darauf hin, dass Einschulungsgottesdienste nach Einschätzung der befragten Verantwortlichen in erster Linie als die Kinder begleitende Rituale an der Schwelle des Übergangs von Kindergarten und Grundschule wahrgenommen und gewünscht werden. Auf ihre Wahrnehmung als Übergangsrituale und auf ihre Akzeptanz deuten auch die Befunde, dass Schulgottesdienste meistens direkt am Tag der Einschulung gefeiert werden, dass sie gut besucht werden und dass die (geschätzten) Teilnehmendenzahlen in den letzten Jahren in der Wahrnehmung der überwiegenden Mehrheit der Befragten in etwa gleich geblieben sind. Zudem gehen in der qualitativen Studie fast alle Interviewpartner*innen von einem beiderseitigen Interesse von Schule und Kirche an Einschulungsgottesdiensten aus und betonen, dass sie gegenwärtig nicht zur Disposition stehen. Dies wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass eine ganze Reihe unterschiedlicher (Berufs-) Gruppen an ihnen mitwirken.

Im Hinblick auf die Schulgottesdienst-Verantwortlichen zeigt sich, dass ihnen ein christliches Profil des Rituals am Herzen liegt: Sie betonen dies nicht nur bei der Frage danach, was ihnen bei der Gestaltung des Einschulungsgottesdienstes wichtig ist; 90 % von ihnen halten das Zusprechen des Segens als Zeichen der Begleitung Gottes für ein sehr wichtiges Element des Einschulungsgottesdienstes und gewichten damit ein theologisches Argument für diese Veranstaltungen am höchsten. Als ebenfalls sehr wichtig werten 65,7 % der Verantwortlichen das Argument, dass die Gottesdienste den Kindern Mut für den neuen Lebensabschnitt zusprechen – was sich sowohl als pädagogisches wie als theologisch-seelsorgerliches Argument verstehen lässt. Die schultheoretische Begründung von Einschulungsgottesdiensten als Zeichen der Relativierung von Leistung wird von 40 % der Verantwortlichen als sehr wichtig eingeschätzt. Auch Argumente, bei denen es um die Möglichkeiten geht, kirchenferne Menschen zu ‚erreichen‘, finden noch relativ hohe Zustimmungsraten: 37,1 % der Verantwortlichen halten es auch für sehr wichtig, dass sich durch diese Veranstaltungen gerade für kirchenferne Familien „eine positive Kontakterfahrung mit Kirche“ ergeben kann und dass hier „etwas vom christlichen Glauben“ vermittelt wird.

Die in der qualitativen Studie befragten Pfarrer*innen deuten Einschulungsgottesdienste als „neue Kasualien“, bei denen die Segnung der einzelnen Kinder im Zentrum steht und die als (mehr oder weniger große) Familienfeste begangen werden. Gleichzeitig wird im Zusammenhang der Frage nach der Teilnahme von Erzieherinnen und Erziehern deutlich, dass es neben den Einschulungsgottesdiensten auch Abschlussgottesdienste von Kindergärten gibt, bei denen den Kindern ebenfalls der Segen für diesen Übergang zugesprochen wird. Dies führt zu den Fragen, in welchem Verhältnis die entsprechenden Veranstaltungen aus pädagogischer wie praktisch-theologischer Perspektive stehen, ob auch die wissenschaftlich bislang noch so gut wie gar nicht wahrgenommenen Abschlussgottesdienste in Kindergärten als „neue Kasualien“ zu verstehen sind und ob bzw. unter welchen Bedingungen eine solche Ritual-Doppelung sinnvoll ist. Diesbezüglich besteht weiterer Forschungsbedarf einerseits hinsichtlich der empirischen Erhebung aktueller Praxis und andererseits der theoretischen Reflexion des Verhältnisses der Rituale.

Bezüglich der inhaltlichen Gestaltung zeigt sich, dass nach den Ergebnissen beider Studien bei den Verantwortlichen eine Ausrichtung an der Lebenswelt oberste Priorität genießt, gleichzeitig aber auch ein starker Wunsch danach besteht, christliches Profil zu zeigen. In der quantitativen Studie zeigt sich, dass dieser Wunsch sogar noch übertroffen wird von der wahrgenommenen Umsetzung dieses Ideals in der konkreten Praxis. Während in der quantitativen Studie die Frage nach der Bedeutung biblischer Inhalte für Einschulungsgottesdienste sehr hohe Zustimmungsraten erzielt, äußern sich die Beteiligte an der Interviewstudie mehrheitlich dahingehend, dass ihnen die Gestaltung von Segen und Ritual deutlich wichtiger ist als der Bezug zu biblischen Geschichten. Möglicherweise liegt die Ursache darin, dass Verantwortliche zwar auf jeden Fall gerne „biblische Inhalte“ berücksichtigen wollen, dies aber nicht unbedingt mit dem expliziten Einbezug einer biblischen Geschichte verbinden.

Die in den Interviews genannten Themen von Einschulungsgottesdiensten bestätigen, dass es für viele Verantwortliche zentral ist, den Kindern Mut für den neuen Lebensabschnitt zuzusprechen. Dies ist insofern aufschlussreich, als empirische Erhebungen zur Wahrnehmung der Einschulung durch die Erstklässler*innen selbst zeigen, dass sich die meisten auf die Schulzeit freuen und nur einige Kinder etwas ängstlich sind, weil sie nicht wissen, was sie in der neuen Institution erwartet (Griebel & Niesel, 2011, S. 120–124; Saß, 2010, S. 88). Hier deutet sich an, dass z.T. eine gewisse Diskrepanz besteht zwischen dem Wunsch danach, auf die konkreten Lebenslagen der Kinder einzugehen, und einer genauen Wahrnehmung der Gefühlswelt der Erstklässler*innen.

Die quantitative Studie lässt die Vorbereitung von Einschulungsgottesdiensten trotz einer üblichen Zusammenarbeit von Personen aus unterschiedlichen Berufsfeldern als insgesamt sehr wenig konflikthaft erscheinen. Dies ist insofern bemerkenswert, als in der qualitativen Studie deutlich wird, dass Pfarrer*innen z.T. einen Führungsanspruch bezüglich der Vorbereitung und Gestaltung dieser Veranstaltungen erheben – etwa im Vergleich zu den beteiligten Religionslehrkräften. Offensichtlich kommt es zu einer einvernehmlichen Übernahme unterschiedlicher Rollen, die sich nicht zuletzt durch unterschiedliche Kompetenzzuschreibungen erklären lässt.

Nach den Ergebnissen der quantitativen Studie besuchen insgesamt eher wenige Familien mit „anderer“ und ohne Religionszugehörigkeit die Einschulungsgottesdienste. Hier stellt sich die Frage nach möglichen Gründen: Ist dies darauf zurückzuführen, dass die Befragten nur zu 25,7 % in einer Großstadt arbeiteten und dass die Schüler*innenschaft religiös wie weltanschaulich wenig plural ist? Oder werden z.B. Konfessionslose gar nicht als solche wahrgenommen? Die Interviewstudie zeigt, dass einzelne Verantwortliche deshalb auf Konfessionslose und Angehörige anderer Religionen kaum eingehen, weil es diese in der jeweiligen Gemeinde bzw. Schule ihrer Ansicht nach kaum gebe. Ein weiterer möglicher Grund dafür, dass die Teilnahme von Konfessionslosen und Angehörigen anderer Religionen in der qualitativen Studie eher als gering eingeschätzt wird, ist, dass explizit nach den Familien gefragt wurde, nicht aber gesondert nach den Erstklässler*innen. Die qualitative Studie gibt insofern Hinweise darauf, dass bei künftigen Erhebungen auf der einen Seite noch stärker zwischen der Teilnahme Konfessionsloser, kirchenferner Kirchenmitglieder sowie Angehörigen anderer Religionen sowie auf der anderen Seite zwischen Erstklässler*innen und deren Familien zu differenzieren wäre, als anscheinend die Hürden für einen Besuch des Einschulungsgottesdienstes für Angehörige anderer Religionen höher sind als für nichtreligiöse Menschen – und weil z.T. die eingeschulten muslimischen Kinder ohne ihre Eltern kommen.

Auch hinsichtlich des Ergebnisses, dass nur etwa die Hälfte der Befragten explizit Schüler*innen und Eltern, die keine oder eine „andere“ Religion haben, zum Einschulungsgottesdienst eingeladen hat, bleiben die Gründe unklar: Erschien eine solche Einladung angesichts kaum vorhandener bzw. wahrgenommener Pluralität als nicht notwendig? Oder wollte man nicht übergriffig erscheinen? Bezüglich dieser Fragen wären weitere empirische Erhebungen zum Umgang mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität durch Verantwortliche für die rituelle Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule sinnvoll. 

Die Ergebnisse der Fragen zum Eingehen der Verantwortlichen auf Teilnehmende mit einer „anderen“ sowie ohne Religionszugehörigkeit lassen sich – vorsichtig – so interpretieren, dass nichtreligiöse Menschen deutlich mehr im Blick sind als Menschen mit einer anderen Religionszugehörigkeit. So hat fast die Hälfte der befragten Verantwortlichen geantwortet, sich nicht oder eher nicht darum zu bemühen, auf Schulanfänger*innen und ihre Familien mit anderer und ohne Religionszugehörigkeit einzugehen. Gleichzeitig haben bezüglich der Gestaltung des Einschulungsgottesdienstes fast 70 % geantwortet, dass es ihnen wichtig ist, auf nichtreligiöse Menschen einzugehen; der interreligiös-offene Charakter war nur 17,1 % wichtig. Die qualitative Studie zeigt eine deutliche Reserviertheit der interviewten Pfarrer*innen gegenüber multireligiösen Feiern, wobei eine Reihe von Gründen genannt wird. Auffallend ist, dass sich eine deutliche Unsicherheit bezüglich der Frage zeigt, wie sich ggfs. multireligiöse Alternativen zu Einschulungsgottesdiensten gestalten ließen und auf welche gemeinsamen Inhalte rekurriert werden könnte. Andererseits – und in Spannung dazu – gaben über die Hälfte der in der qualitativen Studie befragten Pfarrer*innen an, dass sie nicht oder eher nicht unsicher seien, wie mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität im Einschulungsgottesdienst umzugehen ist. Hier deutet sich an, dass im Bereich der Fort- und Weiterbildung der Aufbau „interkonfessionelle[r] und interreligiöse[r] Dialog- und Kooperationskompetenz“ (Kirchenamt der EKD, 2008, S. 37) ein wichtiges Ziel darstellt, dass aber entsprechende Fortbildungsangebote vor der Herausforderung stehen, dass Schulgottesdienst-Verantwortliche selbst nicht unbedingt von einem diesbezüglichen Weiterbildungsbedarf ausgehen

Insgesamt verweisen die Ergebnisse der empirischen Studien auf eine Hauptherausforderung für die zukünftige Entwicklung von Einschulungsgottesdiensten: Grundsätzlich lassen sich diese deuten als Transitions-Rituale und zugleich als ‚neue Kasualien‘ an der Schwelle zwischen Kindergarten- und Schulzeit. Die qualitative Studie macht deutlich, dass sich das Angebot z.T. versteht als Angebot für alle; in der quantitativen Studie zeigt sich, dass nicht alle Verantwortlichen dieses Ziel teilen und dass es trotz hoher Teilnehmendenzahlen eben auch nicht alle erreicht. Dies stellt vor die Frage, wie damit umgegangen werden soll, dass auf der einen Seite die rituelle Begleitung des Übergangs in die Schule aller Kinder in der Theorie als pädagogisch sinnvoll angesehen wird, und es auf der anderen Seite deutliche Vorbehalte gegenüber multireligiösen Feierformen gibt. Um hier zu geeigneten Lösungen zu kommen, ist es zum einen wichtig, noch genauer empirisch die Perspektiven weiterer Beteiligter auf Einschulungsgottesdienste und mögliche Alternativveranstaltungen zu erheben, v.a. von Schulleiter*innen sowie von Kindern und Eltern, und zwar insbesondere auch von konfessionslosen und andersreligiösen.[3] Ferner ist es von herausgehobener Bedeutung, theoretisch zu reflektieren, wie sich Einschulungsgottesdienste im Kontext religiöser wie weltanschaulicher Pluralität begründen lassen und welche Funktionen ihnen – bei aller Betonung der ‚Zweckfreiheit‘ von Gottesdiensten – zukommen. Denn es zeigt sich, dass Schulgottesdienste in Kontexten, die nicht (mehr) von einer volkskirchlichen Situation geprägt sind, nicht spannungsfrei all jene Funktionen erfüllen können, die ihnen historisch in Deutschland zugewachsen sind.[4] Eine solche theoretische Selbstvergewisserung ist die Grundlage dafür, bereits vorliegende Überlegungen, Konzepte und Praxisbeispiele für multireligiöse (Schul-)Feiern weiterzuentwickeln (vgl. z.B. Sekr. der dt. Bischofskonferenz, 2003; Liturg. Konferenz der EKD, 2006; Lähnemann, 2014; Arnold, 2015; Dam, 216). Dabei wird es darum gehen, konkrete Gestaltungsformen zu finden, bei denen die Gesichtspunkte berücksichtigt werden, die den Verantwortlichen für die Einschulungsfeier der beteiligten Religionen besonders wichtig sind (wie z.B. aus der Perspektive christlicher Verantwortlicher die Wahrung eines christliches Profils und den Einbezug biblischer Inhalte) und von denen sich auch konfessionslose Schüler*innen und deren Familien angesprochen fühlen. Dort, wo Einschulungs- und andere Schulgottesdienste Tradition haben, aber auch dort, wo sich multireligiöse Feiern etabliert haben, gilt es, die Frage nach einer „pluralitätsfähigen“ Gestaltung solcher Angebote stärker in der Aus- und Fortbildung von Pfarrer*innen, Religionspädagoginnen und -pädagogen und Religionslehrkräften zu berücksichtigen.

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Lähnemann, J. (2014). Religionen für den Frieden Nürnberg. Religions for Peace. Spiritualität. Multireligiös. Begegnung der Religionen in Gebeten, Besinnungen, Liedern. Göttingen: EB-Verlag.

Liturgische Konferenz der EKD (Hrsg.) (2006). Mit Anderen feiern – Gemeinsam Gottes Nähe suchen. Eine Orientierungshilfe der Liturgischen Konferenz für christliche Gemeinden zur Gestaltung religiöser Feiern mit Menschen, die keiner christlichen Kirche angehören. Gütersloh: Gütersloher Verlag.

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Schröder, B. (1999). Schulgottesdienste – ein vernachlässigtes liturgisches Handlungsfeld in multiperspektivischer Reflexion. Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, 38, 99–124.

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Van Gennep, A. (2005). Übergangsriten. Les rites de passage, übersetzt von S. Schomburg-Scherff & K. Schomburg (3., erweit. Aufl.). Frankfurt: Campus.

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PD Dr. Tanja Gojny, zzt. Vertretung des Lehrstuhls für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Prof. Dr. Manfred L. Pirner, Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des ev. Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

 


  1. Unter Transitionen (lat. transire: hinübergehen) versteht man „Lebensereignisse, die Bewältigung von Diskontinuitäten auf mehreren Ebenen erfordern, Prozesse beschleunigen, intensiviertes Lernen anregen und als bedeutsame biografische Erfahrungen von Wandel in der Identitätsentwicklung wahrgenommen werden“ (Griebel & Niesel, 2011, S. 37–38).

  2. Bereits 1995 bezeichnet Winkler die Einschulung als einen „neuen Passageritus“ (Winkler, 1995, S. 45–47), 2000 erwähnt Wagner-Rau den Schulbeginn als möglichen Anlass für „kasuale Praxis“ (Wagner-Rau, 2008, S. 207) und auch Fechtner berücksichtigt ihn 2003 bei seinen kasualtheoretischen Überlegungen (Fechtner, 2003, S. 193–207). 2006 widmet sich ein Themenheft der Frage „Einschulung als neue Kasualie?“ und beantwortet sie mit den Beiträgen von Grethlein, Fechtner und Domsgen grundsätzlich positiv, auch wenn gerade die beiden letztgenannten Autoren auf Grenzen einer solchen Zuordnung aufmerksam machen (Grethlein, 2006; Fechtner, 2006; Domsgen, 2006). Friedrichs bestätigt 2008 die Einschätzung von Schulgottesdiensten als neue Kasualie, weist aber gleichfalls auf die Herausforderungen eines solches Verständnisses hin (Friedrichs, 2008, S. 187–198). Auch Saß macht in seiner umfangreichen Studie zu Einschulungsfeiern den praktisch-theologischen Diskurs um „neue Kasualien“ für die Auseinandersetzung mit Einschulungsgottesdiensten fruchtbar (Saß, 2010, S. 432–438).

  3. Aktuell werden im Rahmen eines Forschungsprojektes – ebenfalls in der Metropolregion Nürnberg – Perspektiven von Schulleiter*innen von Grund-, Mittel- und Förderschulen auf Schulgottesdienste und multireligiöse Feiern erhoben.

  4. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Begründungs- und Zielperspektiven sowie von Qualitätskriterien von Schulgottesdiensten und möglichen Weiterentwicklungen zu multireligiösen Feiern im Kontext religiöser wie weltanschaulicher Pluralität vgl. Gojny, 2020.