Theo-Web. Zeitschrift fuer Religionspaedagogik 17 (2018), H.2, 285-343

Hinweise auf empfehlenswerte religionspädagogische und theologische Neuerscheinungen

Hinweise auf interessante Neuerscheinungen

Neuerscheinungen

Hinweise auf empfehlenswerte religionspädagogische und theologische Neuerscheinungen

1. Religionspädagogik

2. Religionsdidaktik

3. Praktisch-theologische Handlungsfelder

4. Interreligiöse Bildung

5. Andere theologische Disziplinen

6. Literatur und Religion

7. Bilder- und Kinderbücher sowie Unterrichtsmaterialien und -medien

1 Religionspädagogik

Silke Leonhard legt mit ihrer im Verlag V&R unipress (ISBN 8471-0867-2) vorgelegten, annähernd 600 Seiten umfassenden Frankfurter Habilitationsschrift Religionspädagogische Professionalität. Eine empirisch-theologische Studie im Horizont des Pathischen einen äußerst eindrucksvollen Entwurf einer religionspädagogischen Professionstheorie auf theologischer Grundlage vor. Zurecht weist sie schon in ihrem Vorwort darauf hin, dass der kulturelle, pädagogische und theologisch geschulte Umgang mit Erfahrungen des Unverfügbaren im Raum der Schule eine „entscheidende Auf-Gabe religionspädagogischen Handelns“ ist. (19) Der vorzügliche Band befasst sich „mit der Entwicklung, Durchführung und weiterführenden Auswertung eines empirisch-theologischen Zugangs zur Erforschung des Zusammenhangs von Religion, Bildung und professionellem Handeln im Feld der Schule. Im Rahmen der skizzierten berufsbiografischen Beobachtungen fokussiert er den Umgang mit Leiden und Krankheit angesichts der Kontingenz des Lebens. Eine Fallstudie zum Umgang mit schwerer Krankheit im Kontext von Religionsunterricht und Schulleben wird zum heuristischen Ausgangspunkt für die Erkundung, wie Religionslehrerlnnen Grenzsituationen ihres professionellen Alltags wahrnehmen. Der Weg der Forschung geht empirisch der Praxis des Religionslehrberufs nach und schärft die Theorie religionspädagogischer Professionalität. (…) Auf der Basis neuerer phänomenologischer Ansätze, insbesondere der Philosophie des Antwortens von Bernhard Waldenfels, führt der Weg zu theologisch-pädagogischen Einsichten in den Zusammenhang von Professionstheorie und Professionsethik im Horizont des Anderen, in denen leiblich fundierte Responsivität als Struktur religionspädagogischer Professionalität sichtbar wird.“ (19f.) Die Arbeit gliedert sich in sechs Teile: „Im Anfangsteil wird die Problemstellung der religionspädagogischen  Kontingenzerfahrung vor dem Hintergrund des Forschungsstandes erhoben und das Design der Arbeit im Horizont phänomenologisch-empirischer Theologie und Religionsforschung dargestellt: Kap 1 Kontingenz – Empirisch-theologische Herausforderungen für religionspädagogische Professionalität entfaltet das Forschungsinteresse und umreißt die zu untersuchenden Desiderate; Kap 2 Einen Fall studieren. Theologisch-pädagogische Professionsforschung in phänomenologisch-empirischer Logik entwickelt auf der Grundlage einer konkreten Fallbeschreibung die für die Arbeit leitende Methodologie. Die Mitte der Studie ist der Ausdeutung und Erörterung des ‚Pathischen’ als Fokus der Studie auf der Schnittstelle von Religionsforschung und Theologie gewidmet: Kap 3 Kontingenzbegegnung. Kulturphänomenologische Grundlinien einer Patho-Grafie der gelebten Religion entfaltet die Dimension des Pathischen in kulturtheoretischen, medizinischen und anthropologischen Zusammenhängen; Kap 4 Leben aus Passion. Theologisch-ethische Reflexionen erkundet die Thematik von Passion und Leiden in biblischer Hinsicht und skizziert wichtige Positionen theologischer Anthropologie und Ethik zur Sache. Der Schlussteil gilt der Präzisierung von Responsivität als Struktur religionspädagogischer Professionalität: Kap 5 Pathos und Responsivität. Aufgaben für religionspädagogische Bildung entfaltet Konsequenzen in bildungstheoretischer, lerntheoretischer und schultheoretischer Perspektive; Kap 6 Religionslehrerinnen auf der Schwelle zur Professionalität. Kulturen religionssensiblen Verhaltens zum Pathischen führt auf der Grundlage der ersten fünf Kapitel den professionstheoretischen Diskurs in der Religionspädagogik fort und markiert Herausforderungen für weitere Forschung.“ (25f.) In ihrem Epilog hält die Verfasserin fest: „Eine entscheidende Auf-Gabe von Religionslehrkräften ist der kulturelle und pädagogische Umgang mit Erfahrungen des Unverfügbaren im Raum der Schule. Eine Fallstudie zum personalen Umgang mit schwerer Krankheit im Kontext von Religionsunterricht wurde bei einem empirisch-theologischen Ansatz zum heuristischen Ausgangspunkt für die Erkundung, wie Religionslehrerinnen Grenzsituationen ihres professionellen Alltags wahrnehmen. Das Projekt dient damit auch als Grundlage für eine lebenswelt- und schulkulturbezogene Perspektivierung von Schulseelsorge. Das Spektrum des Pathos ist aufgerollt, Erfahrungen der Dimension des Pathischen in Unterricht und Schulleben wurden durch den Zusammenhang von Empirie und Normativität auf ihre Bedeutung für die Dimensionierung einer Berufspraxis im Kontext von Religion, Lebenswelt, Theologie und Kirche hin beleuchtet. Religionspädagogische Professionalität ist in ihrer Begrenztheit und in ihren Möglichkeiten entfaltet. Die Erfahrungen des Pathischen und die Stimmen wissenschaftlichen Antwortens sind vernehmbar geworden. Sie liegen nun in der sehenden und denkenden Aufmerksamkeit der LeserInnen. Das Interesse, Grundgegebenheiten, Maßgaben und Formen zu präzisieren, um religionspädagogische Professionalität angesichts der empirisch wahrnehmbaren Passibilität des professionellen Handelns theologisch orientieren und pädagogisch gestalten zu können, ist auf der Linie von Responsivität explorativ entfaltet worden. Konzepte von Habitus und Kompetenz haben auf empirischer Basis eine Profilschärfung erfahren. Die religionspädagogische Professionstheorie hat mit der passionsbezogenen Anerkennung von Vulnerabilität im Horizont von Resilienz nun ‚theologische Füße’ bekommen, die sie nicht nur in der gegenwärtigen Pädagogik, sondern auch in der Theologie standfest machen. In aller Positioniertheit muss religionspädagogische Professionalität dennoch beweglich bleiben. Erfahrungen des vorauseilenden Pathos gehören nicht nur zur Welt der Schülerinnen und Religionslehrkräfte – zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser Arbeit betreffen sie auch Menschen auf der Flucht. Mehr denn je ist im Zusammenhang von Migration und Flüchtlingsarbeit ‚Grenze’ ein Thema, welches bisher kaum beachtete Erfahrungsmomente von Passion auf brisante Weise aus dem Lebensalltag in die pädagogische Aufmerksamkeit an den Bildungsorten holt. Dass es ein Spektrum individueller, sozialer, politischer und religiöser Antworten darauf im Horizont des Anderen braucht, ist gesellschaftlich angekommen, dessen Art und Weise zugleich politisch umstritten. Die religionspädagogisch gefragten Responses werden in den kommenden Jahren darauf ein-, aber noch mehr darüber hinausgehen müssen. An diesen und anderen Erfahrungen des Pathos von Fremdheit wird hoffentlich unter verändertem Blickwinkel öffentlich und evangelisch-lebensbezogen eine sprachfähige Gestalt bekommen, was allzu häufig als privat verhandelt oder gar abgetan wird: eine responsorische Praxisgestalt gelebter christlicher Religion, die Orientierung, Raum und Form für Begegnung und Dialog gibt. Der gewählte Ansatz einer empirisch-theologischen Forschung lebt stark von einem responsiven Verhältnis zwischen Fall und Bezugsgrößen der Arbeit – von daher handelt es sich um ein Resonanzgeschehen zwischen Fall und jeweiliger Bezugstheorie, die wechselseitig und damit responsiv aufeinander eingehen. Die Tatsache, dass der Fall nicht automatisch das Vorausgehende ist, sondern auch theoretische Reflexionspunkte durch die Blicke auf und in den Fall neu justiert werden können, gibt dem Empirischen gegenüber dem Normativen Anschubkraft, darf jedoch nicht dazu führen, dass ausschließlich der Fall und damit ausschließlich Empirie ihr Recht bekommt – weder in der Begrenztheit eines Einzelfalls wie des vorliegenden noch in der statistisch signifikanten Häufigkeit von Fällen. Vielmehr weist das vorliegende Design daraufhin, dass es auch in der religionspädagogischen Forschung und Theoriebildung um das immer wieder fortzuführende aufeinander Hören und Antworten zwischen Praxis und Reflexivität ankommt - und zwar an genau den Stellen und mit genau der erforderlichen Präzision und Weite, mit der und auf die ich als Forscherin angesprochen werde und mit der ich mich ansprechen lasse. Man kann nicht nicht antworten – es kommt dabei auf das Wort und die Resonanzgestalt des Ant-Wortens  an.“ (549f.) Dieses Buch wird zweifellos vielfältige positive Resonanzen auslösen!

Das von Manfred Pirner und Martin Rothgangel im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17-032575-3) in der renommierten Reihe „Religionspädagogik innovativ“ herausgegebene Studienbuch für Studierende und Lehrkräfte Empirisch forschen in der Religionspädagogik bietet einen hervorragenden Überblick über handhabbares und praxisrelevantes empirisches Forschen in religionspädagogischem Kontext. Die Publikation gliedert sich in fünf Hauptteile: „Im ersten Teil ‚Grundlagen’ wird zunächst von Martin Rothgangel ein Überblick über diejenige sozialwissenschaftliche, fachdidaktische sowie religionspädagogische Forschungsliteratur gegeben, welche in methodischer und/oder inhaltlicher Hinsicht Impulse für empirische Forschungen von Studierenden oder Lehrkräften geben können. Dem schließt sich der Beitrag von Werner Haußmann und Manfred Pirner an, in dem der wichtige und zugleich alles andere als triviale Weg von der Forschungsidee bis hin zum Forschungsdesign erörtert wird. Im zweiten Teil des Bandes werden drei verschiedene Formen der ‚Datenerhebung’ vorgestellt. Dabei spielt die Beobachtung (Martin Rothgangel) z.B. im Rahmen von Unterrichtspraktika eine wichtige Rolle für die Erforschung der Unterrichtspraxis. Dem schließen sich mit Interview (Christa Tribula) sowie Fragebogen (Manfred Pirner) zwei klassische Möglichkeiten der Datenerhebung an, die gleichermaßen dazu dienen können, z.B. den Ausgangszustand der Lernenden auf differenzierte Weise zu erheben. Die sorgfältige Erhebung von Daten ist die eine Seite, die methodisch kontrollierte ‚Datenauswertung’ die andere Seite der Medaille. Dementsprechend werden im dritten Teil des Buches mit der Grounded Theory (Sabine Hermisson / Martin Rothgangel), der Qualitativen Inhaltsanalyse (Thomas Weiß) sowie der Dokumentarischen Methode der Interpretation (Fahimah Ulfat) drei qualitative Methoden vorgestellt, die sich durchweg in der Religionspädagogik zur Analyse religiös relevanter Daten bewährt haben. Gleichfalls werden mit dem Beitrag von Andrea Roth grundlegende Hilfestellungen für die Analyse quantitativer Daten gegeben. Der vierte Teil ‚Anwendungsfelder’ nimmt exemplarische Vertiefungen vor und führt die Fruchtbarkeit der Methoden zur Erhebung und Analyse empirischer Daten anhand der Schulanalyse (Robert Schelander), der Unterrichtsanalyse (Susanne Schwarz), der Lehrplananalyse (Andrea Roth), der Schulbuchanalyse (Werner Haußmann) sowie der Analyse von Schüler*innen (Julia Spichal) und Lehrer*innen (Manfred Pirner) vor Augen. Dabei ist stets auch die spezifische Beschaffenheit der Anwendungsfelder zu bedenken. Im abschließenden fünften Teil ‚,Forschung dokumentieren und evaluieren’ werden die Dokumentation und Präsentation empirischer Analysen (Manfred Pirner / Christa Tribula / Andrea Roth) sowie die schriftliche Abfassung einer empirischen Forschungsarbeit (Sabine Hermisson / Thomas Weiß) in den Blick genommen. Abgerundet wird der vorliegende Band durch Hinweise, anhand welcher Kriterien eine empirische Studie nach ihrer Qualität beurteilt werden kann (Martin Rothgangel / Sabine Hermisson), d.h. es geht hier insbesondere um die Fragen nach der Reliabilität und Validität einer empirischen Studie.“ (15f.)

Religion und Bildung – interdisziplinär lautet der von Thomas Heller in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05570-8) herausgegebene umfangreiche Sammelband, der in vier Teile gegliedert ist: „Teil 1 ‚Historische Perspektiven’ widmet sich zunächst anhand exemplarischer Studien dem Zusammenspiel von Religion und Bildung in der Geschichte. Damit sind verschiedene historische ‚Tiefbohrungen’ vollzogen, vor deren Hintergrund Teil 2 ‚Empirische Perspektiven’ anhand exemplarischer Studien das Zusammenspiel von Religion und Bildung in der Gegenwart in den Blick nimmt. Während Teil 1 und 2 so in Geschichte und Gegenwart die kontextuelle Bedingtheit des Zusammenspiels von Religion und Bildung verdeutlichen und dabei eher deskriptiven Zugängen verpflichtet waren (auch wenn sie oft zugleich auch grundsätzliche Fragen mit in den Blick nehmen und/oder Handlungsimpulse erörtern), widmet sich Teil 3 ‚Systematische Perspektiven’ vor diesem Hintergrund Fragen des Zusammenspiels von Religion und Bildung (inklusive seiner Erforschung) auf einer grundsätzlichen Ebene und verfolgt damit, genau wie Teil 4, eher normative Zugänge (wobei die Texte dieser beiden Teile oft auch zugleich eine deutliche historische und/ oder empirische Tiefenschärfe aufweisen). Kapitel 4 ‚Handlungsorientierende Perspektiven’ führt diese eher normativen Zugänge weiter fort, steigert nun in Unterscheidung zu Kapitel 3 allerdings nochmals den Konkretionsgrad, insofern nun ganz spezifische ‚Orte’ oder Fragen und Herausforderungen des Zusammenspiels von Religion und Bildung in den Blick genommen werden.“ (16ff.) Insgesamt eine bunte Schatzkiste lesenswerter Beiträge! David Käbisch und Johannes Wischmeyer zeichnen als Herausgeber des im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 525-55845-4) erschienenen spannenden Bandes Transnationale Dimensionen religiöser Bildung in der Moderne verantwortlich. Dieser macht es sich zur Aufgabe, „das thematische Spektrum der historischen und komparativen Religions- und Bildungsforschung zu erweitern: Der Fokus richtet sich konsequent auf transnationale Transfer- und Kommunikationsprozesse innerhalb und zwischen verschiedenen Religionen, Konfessionen und Ländern. Damit verbindet sich zugleich das Anliegen, die Methoden und Ansätze transferorientierter und transnationaler Geschichtsschreibung in das bewährte Instrumentarium der historischen und komparativen Religionspädagogik zu integrieren. (…) Inhaltlich verbindet sich mit dem hier gewählten transnationalen Ansatz die Hoffnung auf substantielle Erkenntnisfortschritte. Es sind vor allem die Phänomene ‚Mobilität’, ‚Migration’, ‚Mission’ und ‚(Neue) Medien’, denen man mit einer transnationalen Untersuchungsperspektive vertieft auf die Spur kommt. Die vielfältigen, durch jene ‚vier M's’ angestoßenen Transformationen religiöser Bildung in der Moderne können nur eingeschränkt verstanden werden, solange Religions- und Bildungssysteme innerhalb nationaler Grenzen (diachron) rekonstruiert oder Einzelstaaten (synchron) miteinander verglichen werden.“ (11) Die Herausgeber fassen ihr Ziel wie folgt zusammen: „Eine noch ausstehende transnationale Geschichte religiöser Bildung in der Moderne, wie sie mit diesem Band erstmals in den Blick genommen wird, verfolgt bestimmte Erkenntnisinteressen und ist methodischen wie inhaltlichen Anfragen ausgesetzt. Zunächst zum methodologischen Erkenntnisinteresse, dem sich die Beiträge unter historiographischen und bildungstheoretischen Aspekte zuwenden: Die Historische Religionspädagogik hat, wie gezeigt, bislang kaum ländervergleichend, die Vergleichende Religionspädagogik kaum historisch und die transnationale Bildungshistoriographie kaum religionsbezogen gearbeitet. Ein Ziel des vorliegenden Bandes besteht also darin, die drei genannten Ansätze miteinander in Beziehung zu setzten. Dabei ist zu zeigen, welches Erschließungspotential ein transnationaler Ansatz in historischer Perspektive für die untersuchten Fallbeispiele und – daran anschließend – für eine Geschichte religiöser Bildung in der Moderne besitzt.“ (43). Eine horizonterweiternde Veröffentlichung!

Religionspädagogische, systematisch-theologische und interdisziplinäre Perspektiven stehen auch im Mittelpunkt des von Thomas Scheiwiller und Thomas Weiß im Waxmann Verlag (ISBN 3-8309-3613-8) herausgegebenen Buches Paul Tillich und religiöse Bildungsprozesse. In ihrer Einführung heißt es: „Tillich setzt sein theologisches Denken in Bezug zu Phänomenen seiner Zeit:  in der Auseinandersetzung mit der expressionistischen Kunst bzw. mit sozialen und politischen Problemstellungen, mit Strömungen der Psychoanalyse, dem Marxismus oder den jeweiligen Philosophien seiner Zeit bis hin zum Ausdruckstanz. Weniger bekannt ist, dass sich Tillich auch zum Religionsunterricht und zur Sozialpädagogik explizit äußert. Für sein Denken grundlegend ist die Überzeugung, dass im Christentum durch ‚Jesus als der Christus’ die prinzipielle Einheit von Mensch und Gott hergestellt ist, die es unter den Bedingungen der Existenz stets neu zu bedenken gilt. Die offene Haltung gegenüber zeitgeschichtlichen Problemstellungen, der Drang zur Systematisierung sowie die Vermittlung zwischen Welt und Gott lassen es reizvoll erscheinen, den systematischen Theologen in Beziehung zu Bildungsprozessen zu setzen.“ (9) Bernd Schröder hat seine im Verlag Mohr Siebeck (ISBN 16-155840-5) erschienene verdienstvolle Studie zur institutionellen Genese und programmatischen Entfaltung von Katechetik und Religionspädagogik am Beispiel Göttingen Göttinger Religionspädagogik überschrieben. In seiner Einleitung schreibt der Autor: „Religionspädagogik evangelischer Provenienz dient der wissenschaftlichen Reflexion auf die Kommunikation des Evangeliums im Medium von Lernprozessen – sie zielt darauf, die Bildung Einzelner, das professionelle Handeln von Lehrenden christlicher Religion und die Bildungs(mit)verantwortung der Kirche zu orientieren. Auch wenn sie in dieser Weise vorrangig an Gegenwart und Zukunft interessiert ist, erübrigt sich damit für die Religionspädagogik als Wissenschaft keineswegs die geschichtliche Rückfrage – v.a. in zweierlei Richtung: zum einen im Blick darauf, wie die beschriebene Orientierung unter anderen, in der Vergangenheit liegenden Bedingungen erreicht (oder verfehlt) wurde, zum anderen im Blick darauf, unter welchen Umständen überhaupt eine wissenschaftliche Reflexion auf religiös relevante Lernprozesse entstanden ist bzw. als notwendig erkannt wurde. Das vorliegende Buch ist diesen beiden geschichtlichen Fragestellungen verpflichtet. Es sucht am Beispiel der in Göttingen betriebenen Religionspädagogik aufzuklären, in welchem Prozess sie sich als Wissenschaft wie als ,Disziplin' im Rahmen der Theologie und der Pädagogik formierte, und welche Orientierungsmuster für religiöse Lehr-Lern-Prozesse in den verschiedenen Stadien der Fachgeschichte angeboten wurden.“ (XI) In der Tat setzt diese Untersuchung in der Landschaft der Forschung zur Genese der Religionspädagogik einen neuen Akzent: „Indem sie im Blick auf einen Ort bzw. ,Bildungsraum’ biografische, diskursive, institutionen- und konzeptionsgeschichtliche Gesichtspunkte verknüpft, rezipiert und ergänzt sie den biografisch-werkgeschichtlichen Ansatz, diskursanalytische Untersuchungen, die institutionsgeschichtliche Perspektive und die sog. Bildungsraum-Forschung, die im Blick auf die Religionspädagogik bislang zwar als Programm formuliert, indes nur in Ansätzen realisiert wurde.“ (XIIf.) Insgesamt eine sehr ertragreiche Verknüpfung der angesprochenen Perspektiven! Mehr die Bonner Religionspädagogik von Michael Meyer-Blanck steht in dessen in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05422-0) veröffentlichten Skizzen zu Glauben und Lernen Zeigen & Verstehen im Mittelpunkt. In seinem Vorwort schreibt der Autor: „Religiöses Lernen geschieht durch Zeigen und Verstehen, denn der lebensbestimmende Glaube kann nicht übertragen oder beigebracht werden. Er muss sich im eigenen Lebenszusammenhang erschließen. Dabei sind andere Menschen auf dem Weg der Glaubensbiographie von erheblicher Bedeutung. Können sie auch den Glauben nicht ‚vermitteln’ oder gar ‚weitergeben’, so können sie ihn dennoch zeigen. Lernen besteht zuerst einmal im Beobachten. Aus Beobachtungen von Gezeigtem ergibt sich ein eigenes Raster der Wahrnehmung, das man als Verstehen bezeichnen kann. Dieses Verstehen ist – erst recht in Sachen Religion und Glaube – mehr als das intellektuelle Einsehen. Aber es ist davon auch nicht gänzlich unabhängig. Intellektuelles, emotionales und pragmatisches Sich-Verstehen-Auf kann nur analytisch unterschieden werden. De facto durchdringt etwa das Intellektuelle das Emotionale und umgekehrt. Bei beabsichtigten Lernprozessen, bei der geplanten Zunahme an Einsicht, Einfühlung und Engagement, geht es auf jeden Fall immer um das bessere Verstehen im mehrfachen Sinne. Zeigen und Verstehen haben entscheidend mit Personen zu tun. Erziehungsberechtigte sowie Lehrerinnen und Lehrer sind mehr und anderes als ‚Lernbegleiter’. Sie zeigen, was sie selbst verstehen und was die Verstehensbemühung lohnt – und sie zeigen, worauf man nicht achten muss, was man getrost vergessen kann. Beobachten lernen heisst auch lgnorieren lernen. Ohne diese Kompetenz würde man alles und damit nichts wahrnehmen. Durch wichtige Personen versteht man, was man sieht und liest (Apg 8,30 f.) und was Erfahrung mit der eigenen Erfahrung sein könnte. Durch die uns wichtigen Personen verstehen wir, wie wir Leben und Glauben deuten können. Die Skizzen dieses Bandes beschäftigen sich mit grundlegenden Themen. Sie sind im weitesten Sinne zeichentheoretisch inspiriert und folgen der doppelten Einsicht, dass die schwierigen Fragen die Aufmerksamkeit der Lernenden nicht verfehlen und auch die Lehrerinnen und Lehrer selbst weiterbringen: Je schwieriger die Fragen werden, desto besser gelingt das gemeinsame Lernen.“ (7f.)

 

Im Verlag Mohr Siebeck (ISBN 16155879-5) ist in der anerkannten Reihe „Religion und Aufklärung“ der von A. Katarina Weilert und Philipp W. Hildmann herausgegebene Band Religion in der Schule. Zwischen individuellem Freiheitsrecht und staatlicher Neutralitätsverpflichtung erschienen. In ihrer luziden Einführung schreiben die Herausgebenden: „Deutschland ist kein laizistischer Staat, aber geprägt von einem Neutralitätsverständnis, das auf der Grundlage der ,religiösen Parität' fußt. Was staatliche Neutralität allerdings im Einzelnen bedeutet, ohne dass sie dabei in den Laizismus hinüber gleitet, ist sowohl in der Gesellschaft als auch unter Fachjuristen umstritten. Einer der zentralen Brennpunkte, an denen darauf bezogene Konflikte ausbrechen, ist die Schule. Nirgendwo kommt der Staat der Persönlichkeit des Einzelnen so nahe wie in der Schule. Wird Schule doch nicht nur als ein Ort der Bildung angesehen, sondern auch als ein Ort der Persönlichkeitserziehung und der Integration der heranwachsenden Generation in die Gesellschaft. In einer religiös zunehmend heterogenen Gesellschaft mit divergierenden Erziehungs- und Wertvorstellungen, die auf dem Grundpfeiler der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit des Einzelnen als zentraler Freiheitsnorm ruht, sind Konflikte zwischen dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie Lehrer/innen, Schüler/innen und ihren Eltern unvermeidbar. Zwar sollen die Grundrechte, in ihrer Ursprungsfunktion als Abwehrrechte der Bürger gegen übergriffiges staatliches Handeln formuliert, dem Einzelnen einen Freiraum individueller Entwicklung ermöglichen. Da eine Gesellschaft aber mehr ist als nur die Summe ihrer Individuen, sind Grenzen dort notwendig, wo individuelles Verhalten dem Wohl anderer Menschen schadet oder einem notwendigen verbindenden gemeinschaftlichen Element im Wege steht. Daher gelten Grundrechte nicht unbeschränkt. Sie unterliegen schon dem Verfassungswortlaut nach unterschiedlich engen oder großzügigen Möglichkeiten ihrer Einschränkung durch den Staat zugunsten anderer und der Gesellschaft. Die in Art. 4 Abs. 1 und 2 des Grundgesetzes (GG) verbürgte Religionsfreiheit ist dabei so zentral, dass sie nach überwiegender Rechtsansicht nur durch verfassungsimmanente Schranken begrenzbar ist. Im Rahmen der Schule finden mit der Bestimmung der Unterrichtsinhalte durch den Staat (die auf die Persönlichkeitsentwicklung zielen) und der Anwesenheitspflicht der Schüler/innen (Unausweichlichkeit) Beschränkungen der Freiheiten sowohl der betroffenen Schüler/innen als auch ihrer erziehungsberechtigten Eltern(teile) statt. Gute Gründe werden zur Rechtfertigung dieser Freiheitsbeschränkungen herangezogen: Bildung für alle, Chancengleichheit und – mit zunehmender Bedeutung – die Integration der Kinder und Jugendlichen in die deutsche Gesellschaft. Parallelgesellschaften sollen vermieden und einer Indoktrination durch Eltern soll vorgebeugt werden. Der Staat intendiert damit zweierlei: Zunächst will er es allen Kindern unabhängig von ihrem Elternhaus ermöglichen, eine solide Bildung als Grundlage der Persönlichkeitsentwicklung zu erlangen. Andererseits will er verhindern, dass Kindern diese Bildung durch ihre Eltern vorenthalten wird und dass Kinder in einer Weise erzogen werden und aufwachsen, die mit einer Integration in die Gesellschaft unvereinbar ist. Doch besteht auch bei ,legitimen Gründen' die Möglichkeit von übergriffigem Staatshandeln. In diesem Kontext ,Schule' treffen nämlich verschiedene Pole aufeinander (,multipolares Grundrechtsverhältnis’), die allesamt Bedeutung für die Religionsfreiheit des Einzelnen entfalten: Erstens die Religionsfreiheit der Schüler/innen (Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG), zweitens das (auch religiös-weltanschauliche Fragen betreffende) Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 Abs. 1 GG), drittens der Erziehungsauftrag des Staates (nach Art. 7 Abs. 1 GG) sowie viertens die Religionsfreiheit der einzelnen Lehrer (Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG). Konkret können zum einen die Religionsfreiheit des Kindes und das religiöse Erziehungsrecht der Eltern mit Unterrichtsinhalten bzw. Unterrichtsfächern kollidieren. Zum anderen kann die Religionsfreiheit von Lehrer/innen, die in der Schule zugleich als Amtsträger/innen (Repräsentant/innen des Staates) und Grundrechtsträger/innen agieren, mit der Religionsfreiheit von Schüler/innen in Konflikt treten (Beispiel: Kopftuch einer Lehrerin). Schüler/innen können aufgrund der Schulpflicht weltanschaulich­tendenziös und religiös relevanten Unterrichtseinheiten und Symbolen nicht ausweichen, so dass der Bestimmung der Neutralitätspflicht des Staates eine zentrale Bedeutung zukommt. Dies gilt umso mehr, als die schulische Situation durch die Vorbildfunktion der Lehrer/innen sowie die besondere Formbarkeit der noch minderjährigen Schüler/innen gekennzeichnet ist – eine ideale Voraussetzung für die Integration der heranwachsenden Generation und zugleich ein Nährboden für die Konflikte mit elterlichen Erziehungsrechten. Zudem steht die Frage im Raum, in was für eine Gesellschaft die Schüler/innen integriert werden sollen? Die Neutralitätspflicht gibt darauf nur eine unzureichende Antwort. Historisch gesehen ist die deutsche Gesellschaft in besonderer Weise durch das Christentum und die Aufklärung geformt worden. Welche Bedeutung hat dieses Fundament in Zeiten einer zunehmenden kulturellen und religiösen Ausdifferenzierung? Kann eine Gesellschaft ohne geteilte Grundüberzeugungen integrationsstiftend sein? Der vorliegende Band setzt hier an und widmet sich den einzelnen Diskussionsfeldern, in denen das Verhältnis zwischen individueller Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie dem staatlichen Interesse an Bildung, Erziehung und Integration durch Schule zum Tragen kommt und gleichsam stellvertretend für die Gesellschaft insgesamt verhandelt wird.“ (1ff.) Der anregende Band ist wie folgt aufgebaut: „In einem ersten Abschnitt wird Raum für Reflexionen zum religiösen Gewissen und seiner Beziehung zur Identität des Individuums gegeben. In seinem zweiten Abschnitt widmet sich der Band der Neutralitätspflicht und fragt, was diese für die Ausgestaltung des Unterrichts an staatlichen Schulen bedeutet und insbesondere, ob sie mit dem schulischen Auftrag zur ‚Werteerziehung' konfligiert. In einem dritten Abschnitt reflektiert der Band den Konflikt der staatlichen Erziehung mit dem religiösen Erziehungsrecht der Eltern. Der Band, der vor allem diejenigen religionsrelevanten schulischen Situationen im Fokus hat, die im verbindlichen und verpflichtenden Schulunterricht auftreten, will den Religionsunterricht gleichwohl nicht ausklammern. Ist dieser doch gerade Ausdruck jener kooperierenden Haltung zwischen Staat und Religionsgemeinschaften, die für Deutschland prägend ist. Im vierten und letzten Abschnitt wird daher der Religionsunterricht als Bildungsbeitrag im Rahmen des schulischen Erziehungsauftrags diskutiert. Mit zunehmender Pluralisierung der Gesellschaft sieht sich der Religionsunterricht immer mehr Fragen ausgesetzt, die nach einer Plausibilisierung eines bekenntnisgebundenen Unterrichts an der Schule drängen. Es zeigt sich, dass gerade der Religionsunterricht ein wichtiger Baustein sein kann, um Vielfalt an der Schule zu leben und der Begründung einer öffentlich gelehrten und für alle Schüler/innen verpflichtenden ‚Staatsethik’ vorzubeugen.“ (3ff.) Es gelingt diesem interdisziplinär angelegten Buch sehr gut, „Grundfragen in dem aufgezeigten Spannungsfeld sichtbar zu machen, aber auch Impulse zu geben, wie Antworten gefunden und Konflikte vermieden werden können, um ein friedliches Schulumfeld und einen stärkeren Zusammenhalt der Gesellschaft zu fördern.“ (8) Zugänge zu einem franziskanischen Bildungskonzept legt Udo Schmälzle in seinem im Echter Verlag (ISBN 429-05324-6) veröffentlichten Büchlein Wissen, Bildung und Schule neu denken. Der Autor richtet seinen Blick zunächst einmal auf die religiöse Entwicklung von Franziskus: „Auf welche Traditionen und Wissensbestände hat er zurückgegriffen, kurzum: was hat ihn ‚gebildet’ und sein Denken geprägt? Wer waren seine ‚Vorbilder’, an denen er sich orientierte oder von denen er sich abgrenzte? Wer war der geheime ‚Erzieher’, der hinter dem Leben und Werk von Franziskus steht? Wie hat er den Weg zu den Armen gefunden? Wozu wollte er seine Brüder ‚erziehen’? Das sind spezifisch pädagogische Fragen, auf die man in seinen Schriften und Biographien eine Antwort finden kann. Lassen sich aus solchen Erkenntnissen Prinzipien ableiten, die es uns erlauben, von einer eigenen franziskanisch ausgerichteten Pädagogik zu sprechen, die vielleicht genauso viel Sprengstoff und Konfliktpotential enthält wie sein Armutsverständnis? Was ist aus seinen pädagogischen Prinzipien in der weiteren Organisationsentwicklung des Ordens geworden?“ (12)

Aus religionspädagogischer Perspektive widmet sich Stefan Piasecki in seiner im Tectum Verlag (ISBN 8288-4019-5) erschienenen, annähernd achthundertseitigen Kasseler Habilitationsschrift Credere et Ludere den Computer- und Videospielen. In seiner Einleitung beschreibt der Verfasser seine Intention wie folgt: „Dieses Buch will zur Kommunikation zwischen unterschiedlichen und bislang getrennt voneinander agierenden Disziplinen beitragen, indem es nach Religion und Weltanschauungen in Videospielen fragt. Die einzelnen Fachdisziplinen von Theologie über Kommunikationswissenschaften, Pädagogik/ Religionspädagogik, Sozialwissenschaften und die noch recht jungen Game Studies haben gerade in den vergangenen zehn Jahren viel geleistet, um mediale Phänomene und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu untersuchen; manche Diskurse scheinen sich indessen hierüber verselbstständigt zu haben. Mit diesem Buch werden also aus religionspädagogischer und sozialwissenschaftlicher Sicht unter Berücksichtigung auch von Aspekten der Medientheorie relevante Fragen thematisiert in der Hoffnung, die einzelnen Fachdiskurse auf neue oder angrenzende Themenfelder hinzuweisen und anschlussfähig zu machen. Wie Menschen Medien rezipieren, welche Auswirkungen sich dabei zeigen, wie sich dadurch ihr Leben und Verhalten verändert, welche Lebensformen im realen und virtuellen Sozialraum sich entwickeln oder absterben und wie diese Lebensräume geprägt werden und wie sie zurück prägen erscheint als Aufgabe mit interdisziplinärer Stoßrichtung. Theologie, Sozialwissenschaften, Pädagogik, Psychologie und die junge Wissenschaft der Game Studies können hoffentlich miteinander ins Gespräch kommen.“ (32f.) In seinem Überblick über den Aufbau des umfangreichen Werkes schreibt der Autor: „Computer- und Videospiele bilden einerseits mediale Sujets ab (Themen aus Film und Fernsehen oder Literatur) und verbinden soziale kommunikative wie auch handlungsorientierte Prozesse: Sport kann bspw. on- und offline betrieben werden und es existieren mittlerweile reine Onlinesportligen und -wettbewerbe. Die Vielfalt der möglichen inhaltlichen Bezüge erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Zunächst sollen unterschiedliche Zugänge in das Forschungsfeld dargestellt werden. Es ist zu klären, was Videospiele (und Computerspiele) eigentlich genau sind (Kap. 2) – was sie heute sind und was sie vor 10, 20 oder 30 Jahren einmal waren. Hierzu gehören auch Erkenntnisse der Wirkungsforschung sowie ein Überblick über zentrale Ansätze der Game Studies. Ihre Wirkung und Bedeutung (Kap. 3.) und ihre Gegenüberstellung dem Begriff der ‚Religion’ und ihrer Rolle, Beschaffenheit und Bedeutung (Kap. 4.) bereitet vor auf die Herausarbeitung von Bezügen und Wechselbeziehungen zwischen dieser und Videospielen (Kap. 5.), die heute auch reale gesellschaftliche und soziale Prozesse abbilden, bevor Fragen nach kulturellen und kultischen Bezügen gestellt werden (Kap. 6.) und eine dezidiert religionspädagogische Einordnung erfolgt. Die Religionspädagogik dient hier sozusagen als Verbundwissenschaft und markiert die Schnittstellen zwischen Medienwissenschaften, Sozialforschung oder der Theologie. Die bisherigen Ausführungen lassen bereits vermuten, dass Videospiele einen bedeutsamen Teil der Lebenswelt ausmachen und für die Sozialisation von Heranwachsenden und Erwachsenen im Sinn. der Selbstsozialisation und des informellen Lernens eine wichtige Rolle spielen, dass sie in mehrfacher Weise mit den Bereichen Weltanschauung, Weltwahrnehmung, Gesellschaft und Religion in Zusammenhang stehen (inhaltlich und funktional), dass sie von daher gerade auch für die religiöse-weltanschauliche Sozialisation der Nutzer eine wichtige Bedeutung erhalten.“ (86)

2 Religionsdidaktik

Bernhard Dressler hat in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05594-4) mit dem Buch Religionsunterricht. Bildungstheoretische Grundlegungen eine eindrucksvolle Summe seines bildungstheoretischen und religionsdidaktischen Denkens veröffentlicht. In seiner Einleitung legt er Rechenschaft über die Wahl des spezifischen Fokus ab: „Auch wenn man das besondere Gewicht all dieser Probleme des Religionsunterrichts in Rechnung stellt: Angesichts der Tatsache, dass in der wissenschaftlichen Religionspädagogik das Bewusstsein ihrer ungeteilten Zuständigkeit für die unterschiedlichen schulischen wie kirchlichen oder zivilgesellschaftlichen Lernorte gewachsen ist, bedarf die in diesem Buch gewählte Beschränkung auf den schulischen Religionsunterricht besonderer Rechtfertigung. Wenn hier weniger als eine allgemeine Theorie religiöser Bildung (einschließlich außerschulischer Lernorte) in den Blick genommen wird, insofern auch weniger als eine allgemeine Grundlegung der Religionspädagogik, so sehe ich das zum einen durch das besondere Gewicht, die besondere Strittigkeit und den besonderen Legitimations- und Klärungsbedarf des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen gerechtfertigt. Zum anderen liegt mit Bernd Schröders  ‚Religionspädagogik’ ein den fachlichen Gesamthorizont umfassendes Grundlagenwerk vor, das kaum so schnell überholt werden kann und in dem historische und systematische Perspektiven des Faches auf maßstabsetzende Weise verbunden werden. Was die Religionspädagogik als Disziplin an Systematizität und Sachgehalt gewinnen kann, wenn die Verengung auf den schulischen Religionsunterricht aufgesprengt wird, zeigt sich hier exemplarisch. Das geschieht freilich, nahezu unvermeidlich, auf Kosten eingehenderer Klärung von bildungstheoretischen und religionsdidaktischen Fragen, denen ich hier mehr Aufmerksamkeit widmen will. Allerdings lege ich hier mehr als eine – im engeren Sinne – ‚Religionsdidaktik’ vor, insofern – wie gesagt – vor allem bildungstheoretisch nach den Bedingungen und Möglichkeiten schulischen Religionsunterrichts (also im Kontext von Allgemeinbildung) gefragt wird. Ich halte es nicht für angeraten, zuerst eine Religionsdidaktik zu entwickeln, um sie dann auf ihre Anschlussfähigkeit an Entwürfe allgemeiner Didaktik oder auf ihre Kompatibilität mit den fachdidaktischen Grundlagen anderer Fächer und damit auf ihre Passung ins allgemeine Schulsystem zu überprüfen. Wenn, wie es seit geraumer Zeit Konsens in der evangelischen Religionspädagogik ist, der Religionsunterricht vom Bildungsauftrag der Schule her begründet werden soll, ist es nur folgerichtig, die Religionsdidaktik als den Sonderfall einer allgemeinen Fachdidaktiktheorie zu verstehen. Damit ist zugleich gesagt, dass hier kein Lehrbuch vorliegt, das einen allgemeinen Überblick auf den Diskussionsstand in seinen unterschiedlichen Facetten bietet, sondern eine prononciert positionelle Grundlegung.“ (17f.) Diese Grundlegung ist sehr bedenkenswert! Ebenfalls die Summe ihrer didaktischen Überlegungen legt Ingrid Schobert mit ihrem im Verlag Vandenhoeck&Ruprecht (ISBN525-70260-4) erschienenen Buch Diskursräume religiösen Lernens. Zu den Konturen einer Religionsdidaktik vor. Den Ertrag, den das Betreten der verschiedenen Diskurs-Räume ermöglicht hat, beschreibt die Verfasserin wie folgt: „Der Ausgangspunkt der Überlegungen, überhaupt der Begriff und Vorstellungskontext von Religionsdidaktik, wurde einleitend erläutert. Dabei wurde der unabdingbare Zusammenhang von theologischer Reflexion und didaktischer Durchdringung religiöser Bildung in den Blick genommen, um die Aufgabe der Religionsdidaktik zu beschreiben. Mit der hermeneutischen Grundidee, die von Eberhard Jüngel für das Aufgabenfeld der Praktischen Theologie formuliert wurde, dass sich die praktisch-theologische Arbeit heute und immer neu auf die gegenwärtige Auslegung und Freilegung des Wortes Gottes bezieht und beziehen müsse, wurden weitergehend die Auslegungsfelder und Freilegungsfelder der Religionsdidaktik aufgesucht: Unmittelbar ist es der Diskursraum der Heiligen Schrift selbst, der die Kontur einer Religionsdidaktik bestimmt: Sie richtet sich auf das Lesenlernen des ‚Wortes Gottes’, eine Lese-Kompetenz, die in der Arbeit an und mit der Bibel in religiöser Bildung anvisiert wird. (…) In der Perspektive auf die Heilige Schrift gewinnt darum religiöse Bildung ihre genuine Kontur. Das wird auch im nächsten Diskurs-Raum verhandelt: Ausgehend von den hermeneutischen Aspekten, die das religiöse Lernen bedenken muss, profiliert sich daraus ein Bildungskonzept, das aufruht auf dem Reden von der Geschichte Gottes mit den Menschen. (…) Evangelische Bildung wird daran erkennbar, dass sie diese Freiheit immer genauer und pointierter zu erfassen sucht und dabei der Spur des Evangeliums folgt, das in diese Freiheit führt. Mit diesem theologisch aufgeladenen Bildungsbegriff geht es sodann um eine Bewährung im Diskurs-Raum der Reformation. (…) Um noch genauer das Lernen christlicher Religion zu profilieren, wird das Reden lernen von Gott als Grundmoment religiöser Bildung herausgearbeitet und im Rahmen der Trinitätslehre verankert. Sie stellt den systematischen Bezugsrahmen für religiöser Bildung her. Sie ist kritisches und kreatives Korrektiv auch der religions­didaktischen Reflexion, die daraus das Redenlernen von Gott als Grundaufgabe religiöser Bildung zu bestimmen ermöglicht. Mit dem Diskurs-Raum Lernen wird sodann das methodische Vorgehen in den Blick genommen; dass es dabei eines sensiblen Umgangs mit den theologischen Inhalten bedarf, steht außer Frage: Insofern ist es ein wesentliches Gebot der Vorbereitung von Bildungsprozessen, immer neu zu beachten, ob die methodischen Überlegungen der theologischen Sache angemessen sind. Das wird exemplarisch entfaltet. Im Diskurs-Raum der Ethik wie der Schulseelsorge werden zwei weitere Kontexte benannt, die die Sozialität ausschreiten, die den Bildungsprozessen ihre Signatur gibt; in der gemeinsamen Suche nach dem guten Leben gewinnen die lernenden Perspektive für eigene Urteile und eigenes Handeln; dass die Suche nach dem guten Leben wiederum auch tröstend das je eigene Leben der Lernenden umfasst, wird dann in den Überlegungen zur Schulseelsorge ausgeführt, die in Hinsicht der einfachen Gottesrede genauer ausgearbeitet und theologisch begründet wird.“ (180ff.) Eine religionsdidaktische Summe ganz anderer Art liegt mit dem im Kösel Verlag (ISBN 466-37169-3) von Hans Mendl veröffentlichten Lehrbuch Religionsdidaktik Kompakt. Für Studium, Prüfung und Beruf vor. Die komplett überarbeitete, präzise Zusammenfassung des Fachgebietes bietet einleuchtende Überblicke zu 1. Rahmenbedingungen religionsdidaktischer Reflexion (Postmoderne; rechtliche und historische Grundlagen des RU; religiöse Entwicklung, Moralentwicklung, Lebenszyklus; Lebenswelt als Ort religiöser Bildung und Erziehung), 2. Religionsdidaktische Konzepte und Ziele (Konzepte des RUs im 19. und 20. Jahrhundert; Korrelation als hermeneutisches Grundprinzip; Korrelation in der Kritik; Aufgaben und Ziele eines RUs in Pluralität), 3. Inhaltsbereiche (Bibel; Glaubenslehre; Gottesfrage; Kirchengeschichte; Ethik; Vorbilder – Biografisches Lernen; Christentum – konfessionelle Kooperation – Ökumene; Interreligiöses Lernen; Glaubenspraxis; Weltverantwortung), 4. Prinzipien (Subjektorientiert, ästhetisch, erinnerungsgeleitet, konstruktivistisch, performativ, kinder- und jugendtheologisch, Inklusion lernen), 5. Planung und Durchführung von RU, 6. Außerunterrichtliche Lernorte religiösen Lernens (Schulpastoral; Gemeinde und Familie als Bezugsorte des RUs; Öffentlichkeit und Popularkultur). Ein empfehlenswertes Kompendium!

Was im Religionsunterricht so läuft. Wege und Ergebnisse religionspädagogischer Unterrichtsforschung lautet der Titel eines von Mirjam Schambeck und Ulrich Riegel im Herder Verlag (ISBN 451-38060-0) herausgegebenen Bandes. In ihrer Skizzierung von Konturen religionsdidaktischer Selbstvergewisserung schreiben die Herausgebenden: „Der vorliegende Band bedient sich eines engen Begriffs von Unterrichtsforschung, indem er sich auf empirische religionsdidaktische Forschung mit unmittelbarem Bezug zu Lehr- und Lernprozessen konzentriert. Diese Vorentscheidung dient der inneren Kohärenz des Bandes und erlaubt, dass seine Beiträge an entsprechende Diskussionen in anderen Fachdidaktiken anschlussfähig sind. Offensichtlich schließt sie aber auch zentrale religionsdidaktische Forschungsstränge mit Unterrichtsbezug aus, namentlich hermeneutisch-theoretische und die empirische Religiositätsforschung. Mit diesem Ausschluss ist kein Werturteil verbunden. Religionsdidaktische Forschung bleibt wesentlich auf hermeneutische und empirische Forschung bezogen, die sich nicht unmittelbar auf religiöse Lehr- und Lern­prozesse bezieht, sondern deren Kontexte untersucht und Konzepte für sie entwickelt. Wenn es im Folgenden also ausschließlich um empirische Forschung mit unmittelbarem Unterrichtsbezug geht, ist damit nicht der Anspruch verbunden, das Gesamt unterrichtsbezogener Forschung in der Religionsdidaktik abzudecken. Ferner begreift der vorliegende Band die Religionsdidaktik nicht als isolierte wissenschaftliche Disziplin, sondern als eingebettet in einen größeren Diskurs, der wesentlich durch bildungswissenschaftliche und anderweitige fachdidaktische Expertise geprägt wird. Dieses Bewusstsein hat bereits die Entfaltung der drei möglichen Horizonte einer Selbstvergewisserung der religionsdidaktischen Unterrichtsforschung geprägt. Es fließt aber auch in den Aufbau und die Argumentationsstruktur des vorliegenden Bandes ein.“ (22f.) Nach den drei Kapiteln „Unterrichtsforschung in anderen Fachdidaktiken – exemplarische Einblicke“, „Formate religionspädagogischer Unterrichtsforschung“ und „Ergebnisse religionspädagogischer Unterrichtsforschung“ mündet der Band in einen systematisierenden Beitrag von Mirjam Schambeck, der eine Ordnung des Feldes religionsdidaktischer Unterrichtsforschung vorschlägt und Aufgaben für die Zukunft dieses Ausschnitts religionsdidaktischer Forschung formuliert (309-338).

Im Vandenhoeck & Ruprecht Verlag (ISBN 525-77025-2) haben Saskia Eisenhardt, Kathrin S. Kürzinger, Elisabeth Naurath und Uta Pohl-Patalong das hilfreiche Handbuch Religion unterrichten in Vielfalt. Konfessionell – religiöse – Weltanschaulich herausgegeben. Im ersten Teil werden die Rahmenbedingungen religiöser Bildung in konfessioneller, religiöser und weltanschaulicher Vielfalt erläutert. Im zweiten Teil werden dann die drei „Heterogenitäten“ spezifisch in den Blick genommen. Im dritten Teil wird gefragt, wie religiöse Bildung in diesen „bunten“ Lerngruppen didaktisch gestaltet werden kann. Im vierten und letzten Teil werden schließlich Best-Practice-Projekt vorgestellt. In ihrer Einleitung erklärt das Herausgeberteam: Das Buch „möchte die Situation der konfessionellen, religiösen und weltanschaulichen Vielfalt, in der sich der Religionsunterricht heute faktisch häufig befindet, erläutern und in verschiedener Hinsicht ausloten. Vor allem aber möchte es Lehrkräften Wege aufzeigen, wie sie didaktisch mit diesen Konstellationen umgehen können und dabei sowohl den Schüler*innen als auch den Inhalten des Faches gerecht werden können. Sein Interesse ist es hingegen nicht, die gegenwärtigen Modelle des Religionsunterrichts kritisch zu reflektieren, über neue Organisationsformen des Religionsunterrichts nachzudenken oder neue rechtliche Konstellationen zu initiieren. Wir gehen daher vom konfessionellen Religionsunterricht nach Art. 7,3 GG als Regelfall aus, der unter Beteiligung der Religionsgemeinschaften in den meisten Bundesländern rechtlich festgeschrieben ist, sowie von den jeweiligen Ersatzfächern Ethik, Philosophie, Werte und Normen, die Schüler*innen besuchen, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Unterhalb dieser Ebene haben sich jedoch in den Ländern und Regionen sehr verschiedene Weisen des Umgangs mit der faktischen Vielfalt der Schüler*innen entwickelt, die alle versuchen, in den jeweiligen Herausforderungen gute religiöse Bildung für alle Schüler*innen zu gestalten. Diese Bemühungen möchten wir mit diesem Buch unterstützen, gleich in welchem Rahmen und in welcher Gestalt sie stattfinden. Dieses breite Spektrum von Konstellationen bringt es mit sich, dass die drei Adjektive ‚konfessionell’, ‚religiös’ und ‚weltanschaulich’, die sich durch das Buch ziehen, vor Ort vermutlich in unterschiedlicher Weise relevant sind.“ (10)

 

Bernd Schröder und Moritz Emmelmann haben ebenfalls im Vandenhoeck & Ruprecht Verlag (ISBN 7887-3308-7) den ertragreichen Sammelband Religions- und Ethikunterricht zwischen Konkurrenz und Kooperation herausgegeben. In ihrer Einleitung schreiben sie: „Religionsdidaktik hat sich in den letzten Jahren in hohem Maße vom Blick auf die Schülerinnen und Schüler leiten lassen und sich dabei auf drei Personengruppen konzentriert, (a) auf diejenigen, die am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht herkömmlicher Prägung teilnehmen und im Licht empirischer Forschung zunehmend in ihrer Heterogenität erkennbar wurden: Konzepte wie Kindertheologie oder inklusive Religionsdidaktik versuchen darauf konstruktiv zu reagieren. (b) auf konfessionsverschiedene Schülerinnen und Schüler, die de jure in benachbarten Fächern, de facto aber nicht selten in einer Lerngruppe unterrichtet werden: Konfessionelle Kooperation oder didaktischen Anregungen für den Perspektivenwechsel sind diesbezüglich entwickelt worden. (c) auf verschieden religiöse Kinder und Jugendliche, die vielerorts in Ermangelung jüdischen, islamischen, alevitischen o.ä. Religionsunterrichts an einer christlich-konfessionellen Lesart des Religionsunterrichts teilnehmen: Konzepte des interreligiösen Lernens suchen dem zu entsprechen. Die wachsende Zahl konfessionsloser Schülerinnen und Schüler hat dabei ebenfalls immer wieder Beachtung gefunden, wurde aber nicht mit vergleichbarer didaktischer Kreativität, Dringlichkeit und konzeptioneller Logik thematisiert – Ausnahmen bestätigen die Regel. Zusammen mit den didaktischen Folgerungen, die aus der Veränderung der Schülerschaft zu ziehen sind, hat die Theorie des Religionsunterrichts immer auch organisatorische Implikationen diskutiert: Wiederum standen die inklusive Öffnung des Religionsunterrichts, die konfessionelle Kooperation vornehmlich zwischen evangelischer und katholischer Religion und die Entwicklung des Religionsunterrichts zu einem interreligiös dialogischen Fach im Mittelpunkt der Debatte. Das Verhältnis des Religions- zum Ethikunterricht blieb in eigentümlicher Weise im Schatten – obwohl ethische Fragen in der gesellschaftlichen Debatte, aber auch im Religionsunterricht selbst erhebliches Gewicht haben, obwohl mit der Zahl konfessionsloser Schüler das Teilnehmerpotential des Ethikunterrichts wächst, obwohl der Ethikunterricht das daseins- und wertorientierende Fach ist, das am häufigsten neben dem evangelischen und/oder katholischen Religionsunterricht angeboten wird und folglich in vielen Schulen am ehesten Regelungsbedarf im Blick auf ihr Miteinander evoziert.“ (9f.) Insgesamt ein nachhaltiges Plädoyer, dass Religions- und Ethikunterricht nicht ineinander aufgehen, aber auch nicht beziehungslos nebeneinander stehen sollten! Grundlinien des Schulfaches Ethik in einer pluralen Gesellschaft skizziert Christof Schilling in seinem im Calwer Verlag (ISBN 7668-4482-8) erschienenen Büchlein Bildung im Ethikunterricht. Der Autor schreibt: „Aus der Reflexion auf den Zusammenhang von Philosophie und Bildung wird im folgenden Text der Vorschlag für eine Struktur eines Kernbereichs des Ethikunterrichts entwickelt, die die Auseinandersetzung mit den verschiedenen, von Bildungsplänen vorgegebenen Inhalten leiten kann. Der Vorschlag zielt auf eine grundsätzliche Ebene, die der Ausgestaltung des Unterrichts in verschiedenen Artikulationsschemata noch vorausliegt. Der umrissene Kernbereich des Ethikunterrichts ist in seiner Binnenstruktur geprägt von der Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensformen in einer pluralen Gesellschaft. Er weist zudem enge Bezüge bzw. Überschneidungen zu den christlichen Religionslehren auf, enthält aber zugleich Gesichtspunkte, aus denen Argumente für einen systematischen Primat des Ethikunterrichts vor dem Religionsunterricht und damit für einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler gewonnen werden können.“ (9)

Gegenwärtige Herausforderungen religiöser Sprachbildung und Kommunikation über Religion im Religionsunterricht untersuchen die Beiträge in dem von Andrea Schulte in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05378-0) in der bewährten Reihe „Studien zur religiösen Bildung“ herausgegebenen Band  Sprache. Kommunikation. Religionsunterricht. Es geht darum, „auf dem Stand der gegenwärtigen (systematisch)theologischen und religionspädagogischen Debatte die Bedeutung der Sprache im Kontext religiöser Bildungsprozesse herauszuarbeiten. Ein kompetenter Umgang mit Sprache gehört unabdingbar zum Bildungsauftrag der Schule. Dies gilt zweifelsohne auch für den Religionsunterricht. Er will Kinder und Jugendliche in ihrem Werden und Wachsen unterstützen und ihnen helfen, sich in der Welt zu orientieren, Lebenswege anzubahnen, ihre individuelle Lebensgeschichte zu gestalten sowie ihre Sozialität als zoon politikon auszubilden. In diesem Zusammenhang dient ihnen die Sprache als Medium der Erschließung und Gestaltung von Welt und Wirklichkeit, aber auch als Medium der Suche nach einer gelingenden Gottesbeziehung und des Sprechens zu Gott, über Gott und von Gott. So ist der Religionsunterricht auf alle Überlegungen angewiesen, die über menschliches Reden und Hören, über Kommunikation, über die Wege sprachlicher Verständigung sowie über den Reichtum und die Vielfalt sprachlicher Möglichkeiten angestellt werden. Dabei ist insbesondere eine religionspädagogisch-didaktische Profilierung der Sprache in den Praxisfeldern des schulischen Religionsunterrichts angesagt und längst überfällig.“(7) Der Band gliedert sich in vier Themenbereiche: 1 Das treffende Wort finden – Religionspädagogische Herausforderungen zwischen Sprachschulung und Übersetzung, 2 Sprachfähig werden zu wollen ohne sprachfähig werden zu können? – Die religionspädagogische Dialektik des religiösen Spracherwerbs, 3 Neue Wege gehen – Unterrichtssprache und Kommunikation über Religion im Unterricht sowie 4 Chancen und Grenzen religionspädagogisch orientierter Sprachbildung in der Gegenwart.

Spannungsfeldern und Perspektiven in der kompetenzorientierten Leistungsbeurteilung gehen Viera Pirker und Maria Juen in ihrem im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17-035488-3) in der bewährten Reihe „Religionspädagogik innovativ“ erschienenen Band Religion – (k)ein Fach wie jedes andere nach. In ihrer Einleitung schreiben die Autorinnen: „Die Frage nach Leistung, ihrer Feststellung und Beurteilung steht für Lehrerinnen und Lehrer nicht im Mittelpunkt religionsunterrichtlicher Praxis in der Schule. Daher mag es eigentümlich anmuten, ausgerechnet diesen Aspekt als Ausgangspunkt für eine qualitativ-empirische religionspädagogische Untersuchung zu wählen. Im Hintergrund steht ein Projekt der Schulamtsleiterkonferenz, einem Organ des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung der österreichischen Bischofskonferenz, das zum Ziel hatte, ein neu entwickeltes Kompetenzraster für die Leistungsbeurteilung im katholischen Religionsunterricht der Oberstufe im Unterricht zu erproben und zu evaluieren. Im Rahmen dieser Evaluierung hat sich die Thematik der Leistungsbeurteilung und der daraus resultierenden Notengebung mehr und mehr als Kristallisationspunkt herausgestellt: Daran zeigt sich wie unter einem Brennglas, welche besondere Stellung das Fach Religion im Fächerkanon der Schule einnimmt. Es ist (k)ein Fach wie jedes andere. In vielfältigen Zusammenhängen wird deutlich, wie es um das Selbstverständnis und das Fachverständnis, aber auch um die Haltung und die Befindlichkeit von Lehrkräften steht – im Religionsunterricht, im Schulsystem, in der Beziehung zu Schülerinnen und Schülern und deren Eltern, im Kontakt mit Schulleitung und im Kollegium. In vielen Aspekten zeigt sich dieses Feld von großen Dilemmata durchzogen, aber besonders von einem entschiedenen pädagogischen Einsatz für die Schülerinnen und Schüler und für die Sache des Religionsunterrichts geprägt, weil, wie es ein Religionslehrer ausdrückt, ,Religionsunterricht insgesamt anders funktioniert’". 14 Lehrerinnen und Lehrer kommen in diesem Buch zu Wort, die ihre subjektive Sicht auf Kompetenzorientierung, Leistungsbeurteilung und die Situation des Fachs teilen und miteinander erwägen. Sie geben einen tiefen Einblick in ihre ganz konkrete Praxis in diesem Feld, in ihre Fragen und Herzensanliegen, in Schwierigkeiten und Lösungsansätze. Diese bewegen sich mitunter in einer weiten Auslegung der Rahmenvorgaben. Die Lehrerinnen und Lehrer entscheiden eigenverantwortlich und pädagogisch begründet, immer im Blick auf die wesentlichen Ziele des Religionsunterrichts, wie sie diese Vorgaben in der religionspädagogischen Praxis für die Schülerinnen und Schüler realisieren und konkretisieren. Die vielen individuellen Perspektiven der Lehrkräfte machen beispielhaft anschaulich, wie sich das Zusammenspiel zwischen der Makroebene der Unterrichtssteuerung und der Mikroebene des Unterrichts gestaltet.“ (11) Eine anregende Studie zu einem wichtigen Thema!

 

Den Einstieg ins Theologiestudium als hochschuldidaktische Herausforderung thematisieren Norbert Brieden und Oliver Reis in dem von ihnen im LIT Verlag (ISBN 643-14040-1) herausgegebenen Band Glaubensreflexion – Berufsorientierung – theologische Habitusbildung. Es gelingt den Beitragenden mit diesem Buch sehr gut dafür zu sensibilisieren, die Herausforderung der Gestaltung theologischer Grundkurse im Zusammenspiel hochschuldidaktischer und theologie-didaktischer Reflexion zu bedenken: „Dass sich immer wieder junge Menschen dazu entscheiden, mit dem Studium der Theologie anzufangen, ist unseres Erachtens bedeutsam für das Leben der Geschöpfe Gottes in dieser Welt. Es zeigt auch unsere Verantwortung, junge Menschen in ihren Anfängen zu begleiten und sie zur theologischen Reflexion zu motivieren.“ (12) Im ersten Teil erfolgen Analysen zur gegenwärtigen Studieneingangsphase im Theologiestudium aus Studierendensicht, aus curricularer Sicht sowie aus hochschul- und theologiedidaktischer Sicht, im zweiten Teil dann innovative Ansätze zur Reform der Studieneingangsphase.

Eine ganze Reihe von Neuerscheinungen widmet sich der berufsorientierten Religionsdidaktik: Die bleibende Bedeutung des Religionsunterrichts für die berufliche Bildung und die Notwendigkeit stetiger Neuorientierung signalisiert der Titel Religionsunterricht an berufsbildenden Schule. Ein Handbuch des von Roland Biewald, Andreas Obermann, Bernd Schröder und Wilhelm Schwendemann im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 525-77695) herausgegebenen vorzüglichen Werks. Im Unterschied zu seinen beiden Vorgängern aus den Jahren 1997 und 2005 wählt das vorliegende Handbuch einen anderen Zuschnitt: „Fünf Teile mit bis zu vier Kapiteln, verfasst jeweils von einer Autorin bzw. einem Autor, bieten Tiefenbohrungen aus einem Guss, die ihren Gegenstand systematisch aufarbeiten, Theoriebezüge herstellen und weiterführende Perspektiven entwickeln. Die fünf Teile repräsentieren für wesentlich erachtete Reflexionsperspektiven: I BRU und Berufsbildende Schulen – systemische Aspekte II Akteure im BRU – personale Aspekte III Konzepte und Gehalte des BRU – didaktische Aspekte IV Reflexion des BRU – wissenschaftsbezogene Aspekte V Berufsbezogene Religionspädagogik –interreligiöser Diskurs. Ergänzend zu diesen thematischen Blöcken bietet die ‚Einleitung’ eine Landkarte des Feldes mit einigen thetischen Leuchttürmen; am Ende stellt ein Anhang mediale Hilfen für den Unterricht zusammen, aber auch ein Register für die gezielte Erschließung von Sachfragen.“ (39) Andreas Obermann hat im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3812-5) in der renommierten Reihe „Glaube – Werte – Interreligiosität. Berufsorientierte Religionspädagogik“ das hervorragende Buch Religion trifft Beruf. Zur Didaktik des Berufschulreligionsunterrichts veröffentlicht. In seiner Einleitung skizziert er die Intention seiner vorgelegten Didaktik: „Gegenüber früheren Erörterungen zum Berufsbezug als einem konstitutiven Wesensmerkmal des BRU – auch gegenüber dem ‚normalen’ Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen – wollen die folgenden Erörterungen die Art und Struktur der Berufsbezüge weiter ausdifferenzieren. Die religionspädagogische Reflexion und Darstellung der daraus folgenden Herausforderungen und Aufgaben für die berufsorientierte Religionspädagogik sind Inhalt und Ziel der folgenden Erörterungen in einem ersten Teil. In einem zweiten Schritt sollen konkrete religionspädagogische und didaktische Schritte als Weg der Unterrichtsvorbereitung skizziert werden, damit der BRU didaktisch reflektiert und berufsorientiert die Auszubildenden auch für transzendente Erfahrungsdimensionen im Beruf sensibilisieren und somit auch zu einer höheren beruflichen Handlungskompetenz verhelfen kann. Diese Abschnitte versuchen, die vorherigen Überlegungen in die Praxis zu überführen.“(9) Friedrich Schweitzer und Reinhold Boschki sind die Herausgeber des im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3719-7) erschienenen Bandes Researching Religious Education. Classroom Processes and Outcomes. In ihrer Einführung schreiben sie zum Ziel ihrer Veröffentlichung: „The aim of this volume is to bring together experiences and results of empirical research in the field of Religious Education in different European countries. The focus is on two aspects: - The reality of Religious Education as it can be grasped from processes to be observed in the classroom, with major emphasis on teaching and learning. - The effects and the effectiveness of Religious Education as indicated by learning outcomes that can be described and possibly be measured empirically. Contributions were invited on specific research projects carried out by the authors as well as overviews on pertinent research in their countries or religious traditions, depending on what the authors considered more helpful for advancing research on processes and outcomes in Religious Education. In some cases, most of all with Islamic Religious Education, it seemed most appropriate to develop a first map of the emerging field of research in this area as a presupposition of defining the place for research focused on the main questions of the present volume, and to encourage its future development. The general aim presented to the authors of the chapters of this volume was to: - consider the state of the art concerning research on Religious Education, - to critically review existing research, - to develop (methodological) criteria and perspectives for future research in this field, - to bring together insights an teaching and learning that might be valid beyond particular countries. The present volume can be considered one of the first international publications in the field of religious education with a clear focus on empirical research concerning classroom processes and outcomes of Religious Education.” (13) Ebenfalls im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3776-0) ist in derselben Reihe die ausgezeichnete Repräsentativstudie zu Jugendlichen im Religions- und Ethikunterricht Jugend Glaube Religion erschienen. Als Verfasser_innen zeichnen Friedrich Schweitzer, Golde Wissner, Annette Bohner, Rebecca Nowack, Matthias Gronover und Reinhold Boschki verantwortlich. Die empfehlenswerte Untersuchung verfolgt insbesondere zwei miteinander verbundene grundlegende Ziele: „Zum einen soll – am Beispiel eines Bundeslandes (Baden-Württemberg) – versucht werden, ein differenziertes Bild der religiösen Orientierungen Jugendlicher zu gewinnen. Dabei soll insbesondere über die in anderen Studien abgefragten, mitunter eher äußerlich bleibenden Aspekte wie Mitgliedschaftsverhältnisse und Gottesdienstbesuch hinaus besonders auch das existenzielle Verhältnis zum Glauben in den Blick genommen werden. Denn wie den qualitativen Vorstudien zu entnehmen war, unterscheiden die Jugendlichen selbst deutlich zwischen Religion im Allgemeinen und einem persönlichen Glauben an Gott. Es muss deshalb auch bei Befragungen zwischen (Selbst-) Einschätzungen als ‚religiös’ und ‚gläubig’ unterschieden werden. Zum anderen – und ganz in Übereinstimmung mit der ersten, auf wissenschaftliche Erkenntnisse zielenden Intention – sollen auf diese Weise für die pädagogische und religionspädagogische Praxis anschlussfähige Befunde bereitgestellt werden. Das schließt insbesondere differenzierte Betrachtungsweisen ein: nach Konfessions- und Religionszugehörigkeit, nach Schularten und also unterschiedlichen Lebensperspektiven oder Lebenslagen sowie hinsichtlich möglicher Veränderungen religiöser Einstellungen in der Zeit.“ (11f.) Die in der Zusammenfassung aufgeführten Ergebnisse sind wegweisend: „Die qualitativen Interviews zeigen die facettenreichen und heterogenen Zugänge junger Menschen zu den Themen Glaube, Religion und Kirche, sowohl mit positiven als auch ablehnenden Aspekten und Sichtweisen. Religiöse Fragen und Inhalte sind keine gänzlich ‚fremde Welt’ für Jugendliche, mit der sie nichts anfangen könnten. Im Gegenteil, die zum Teil lebhaften Gespräche und Diskussionsrunden spiegeln in den meisten Fällen ein echtes Interesse an Glaube und Religion wider, es interessiert junge Menschen, Genaueres zu Religion und zu den verschiedenen Religionen zu erfahren, sie wollen wissen, ob sie das Religiöse etwas angeht und sprechen nicht ungern über bisherige Erfahrungen in diesem Bereich. Glaube und Religion haben also durchaus Bedeutung für viele Jugendliche, der Glaube hilft ihnen und unterstützt sie vor allem in schwierigen Lebenslagen und in Krisensituationen. Glaube besteht für die Befragten darin, eine persönliche Beziehung zu Gott oder dem Göttlichen zu haben. Hingegen wird das Einhalten von starren, vorgegebenen Richtlinien von Religionen, Glaubensgemeinschaften oder Kirchen mehrheitlich abgelehnt; die Jugendlichen bevorzugen ihre eigenen Sichtweisen, wie Glaube für sie sein soll. Sie sind auf der Suche nach ihrem eigenen Glauben. Über Glaube und Religion wird reflektiert, man erlebt an sich eine Veränderung – insbesondere im Vergleich mit der Kindheit. Der Glaube kann sich verfestigen oder verflüchtigen, in den meisten Fällen aber wird er bewusster wahrgenommen als in Kindertagen. Kommt das Gespräch auf religiöse Bezugspersonen, werden neben den Familien Religionslehrkräfte oder Pfarrerinnen und Pfarrer erwähnt, wobei es jedoch keineswegs auf deren Funktion, aber ganz und gar auf deren Person ankommt. Sie kann anregend und stimulierend für den eigenen Glaubensweg wirken, zum Teil aber auch abschreckend. Diese Suche nach eigenen Wegen in Sachen Glaube und Religion wird auch in der religiösen Praxis junger Menschen deutlich, die sich hauptsächlich im persönlichen Gebet ausdrückt. Das ganz private, persönliche Beten ist frei gestaltbar, unterliegt keinen Zwängen von außen, wird nicht kontrolliert und durch andere bewertet. Hier können die jungen Menschen ihren eigenen Stil entwickeln, da er unentdeckt und im Privaten bleibt. Glaube wird hier offenbar lebensweltlich relevant, da er in Situationen der Dankbarkeit – und mehr noch bei Krisen und Belastungen – eine Art Lebenshilfe für die jungen Menschen darstellt. Glaube und Religion können als individuelle Kraftquellen gesehen werden, aber auch als ein Element des gesellschaftlichen Zusammenhalts, denn Religionen vermitteln positive Werte, wie es zum Teil christliche ebenso wie muslimische Jugendliche ausdrücken. Mit der Institution Kirche pflegen junge Menschen einen ambivalenten Umgang. Positiv an der Kirche sehen sie Angebote· für verschiedene Altersgruppen wie Jugendgottesdienste, Zeltlager und Jugendgruppen. Religion wird insgesamt als etwas Verbindendes, Gemeinschaftliches angesehen, das Menschen näher zusammenbringt. Bemerkenswert ist indes, dass das caritative bzw. diakonische Handeln der Kirche kaum in den Blick kommt. Negativ und ablehnend betont werden – vor allem im Blick auf die katholische Kirche – unter anderem eingefahrene Strukturen, die Einstellung zu Homosexualität und der Umgang mit Kirchensteuern. In Bezug auf andere Religionen tritt deutlich die Offenheit und Toleranz für andere Glaubensrichtungen hervor, die jedoch mit der starken Erwartung verbunden ist, dass dieselbe Toleranz dem eigenen Glauben (bzw. Nicht-Glauben) und allen Andersdenkenden ebenso entgegengebracht wird. Jugendliche wollen in ihrem persönlichen religiösen Leben nicht von anderen reglementiert werden, weshalb sie dies auch für andere fordern. Religion ist im Wesentlichen eine Entscheidung des und der Einzelnen. Die Offenheit und Toleranz begründet sich in nicht wenigen der Interviews durch Freundschaften mit Angehörigen anderer Religionen, wie sie demnach für viele junge Menschen heute selbstverständlich sind. Im gleichen Zuge drücken die Befragten eine starke Ablehnung gegen religionsbegründete Gewalt aus. Hier zeigen sie sich geprägt von der religiös-politischen Situation der Gegenwart, wie sie sich in den Medien spiegelt: Radikalismus, Fundamentalismus und religiöser Hass werden eindeutig abgelehnt. Bisweilen wird auch Unbehagen bzw. Angst vor religiös motiviertem Extremismus geäußert. In ihren Gottesvorstellungen driften die befragten jungen Menschen erwartungsgemäß weit auseinander. Ein aus christlicher oder muslimischer Tradition überliefertes Gottesbild als Person steht neben unpersönlichen Bezeichnungen wie höherer Macht, Wesen, dem Übernatürlichen etc. Die Theodizeefrage scheint an manchen Stellen auf, da sich junge Menschen nicht erklären können, wie ein guter Gott das Leid auf der Welt zulassen kann. Beim Glauben an einen Schöpfergott ringen viele mit dem scheinbaren Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Welterklärungen. Komplementäres Denken, das beides miteinander verbinden kann, findet sich eher selten. Insgesamt werden die verschiedenen Religionen mehrheitlich als ähnlich angesehen und die Gemeinsamkeiten herausgestellt. Für viele der Befragten ist die Diskussion mit Freunden, in der Familie und vor allem auch im Religions- oder Ethikunterricht wichtig – ein überraschender Befund, da Religion oft als wenig wichtiges Thema gekennzeichnet wird, das Jugendliche selten interessieren würde. In den Gesprächen mit Gleichaltrigen und in der Familie wird besonders der offene Zugang zu religiösen, ethischen, philosophischen, aktuellen und lebensnahen Themen geschätzt.“ (245f.)

Ein religionsdidaktisches Spezialthema steht im Mittelpunkt des von Monika Marose ebenfalls im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3880-4) herausgegebenen Sammelbandes „Sterben, Tod und Trauer“ im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen (BRU). Im Vorwort von Reinhold Weiß heißt es zurecht: „Der Umgang mit Krankheit und Leiden, Sterben und Tod kann in der beruflichen Bildung aber auch Teil der beruflichen Kompetenz sein. So haben Rettungssanitäter und Polizisten, Alten- und Krankenpfleger oder auch Bestatter beruflich mit dem Sterben und dem Tod von Menschen unmittelbar zu tun. Damit umzugehen, ist Bestandteil ihrer beruflichen Professionalität. Der fachliche Unterricht in den entsprechenden Bildungseinrichtungen trägt ebenso dazu bei wie die eigenen Erfahrungen in der beruflichen Praxis. Gerade für junge Menschen in der Ausbildung bedeutet die Konfrontation mit dem Tod in beruflichen Handlungssituationen eine emotionale Grenzerfahrung. Sie zu bewältigen, muss als Teil der beruflichen Kompetenzentwicklung gelernt werden. Derartige Erfahrungen aufzuarbeiten und zu reflektieren, muss nicht zuletzt eine Aufgabe des Religionsunterrichts sein. Die Beiträge im vorliegenden Sammelband bieten eine Reihe von Zugängen zu diesem Themenfeld. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden Handlungsfelder und Gestaltungsmöglichkeiten beschrieben, beispielhafte Modelle und Erfahrungen reflektiert.“ (7f.)

Das von Stefan Altmeyer, Rudolf Englert, Helga Kohler-Spiegel, Elisabeth Naurath, Bernd Schröder und Friedrich Schweitzer im Vandenhoeck & Ruprecht Verlag (ISBN 525-70259-8) herausgegebene diesjährige Jahrbuch der Religionspädagogik widmet sich dem Thema Schöpfung. Es enthält in neuem Layout hervorragende Schlaglichter, interdisziplinäre Perspektiven, didaktische Konkretionen und eine „etwas ernüchternde Zwischenbilanz“ (Rudolf Englert) zum Thema „Schöpfung“ im Religionsunterricht. In seinem lesenswerten Beitrag „Schachmatt für die Schöpfung? Empirische Befunde und religionspädagogische Herausforderungen“ gibt Christoph Höger wertvolle religionspädagogische Impulse: „Zweifellos bleibt ‚Schöpfung’ an sämtlichen religionspädagogischen Lernorten ein lebenslang relevantes Thema, dessen zahlreiche theologische Aspekte (ethisch, anthropologisch, wissenschaftstheoretisch, feministisch, interreligiös etc.) auszubalancieren und mit den skizzierten vielfältigen subjektiven Vorstellungen und Denkweisen wiederholt sowohl auf rationaler als auch existenzieller Ebene ins Gespräch zu bringen sind. In diversen Religionsbüchern und religionspädagogischen Veröffentlichungen spiegelt sich ein breites didaktisch-methodisches Spektrum zum Umgang mit der Schöpfungsthematik wider, das erst bruchstückhaft analysiert und kritisiert worden ist. Auch in den Medien fungiert die Schöpfungsfrage – humoristisch verpackt – als Unterhaltung und Denkanstoß. Von der schon erwähnten Idee einer religionspädagogischen Pünktlichkeit her betrachtet, bestünde die Kunst darin, den Lernenden zur jeweils ‚rechten Zeit’ passende Inhalte des Schöpfungsthemas anzubieten, was im Folgenden auf der Basis der empirischen Befunde kurz angedacht wird: Die kreativen kindlichen Gottes-, Welt- und Menschenbilder bieten große Chancen für kindertheologische Arbeitsformen im Elementar- und Grundschulbereich sowie in Familie und Katechese. Mit den (teilweise artifizialistischen) Schöpferglaubensstilen von Kindern, die trotz aufbrechender Konflikte angesichts naturwissenschaftlicher Plausibilitätszuwächse weitgehend tragfähig erscheinen, ist im Sinne des doppelten Imperativs ‚verweilen lassen und fördern’ würdigend ohne vorschnelle Korrekturen umzugehen. Bei Jugendlichen bilden deren unorthodoxe Gottes- und Weltbilder, die sich nicht gleich mit theologisch Bekanntem synchronisieren lassen, eine zentrale Herausforderung. Die Diskussion darüber, was als theologisch angemessen gilt, muss weitergehen, um eine plausible Gottesrede auf der Höhe einer naturwissenschaftlich geprägten Zeit zu kultivieren, sodass Kreationismus und Naturwissenschaftsglauben sprachfähig begegnet werden kann. Hierzu eignet sich neben der Förderung eines metaphorischen und historisch-kritischen Bibelverständnisses auch fächerübergreifender Unterricht etwa mit Biologie, Physik oder Deutsch. Doch stehen sich beim grundsätzlich richtigen religionsdidaktischen Ziel der Förderung komplementären Denkens zwei Positionen gegenüber: Während die einen von Religionslehrkräften erwarten, Begegnungen zwischen Naturwissenschaften und Theologie etwa bis zur Mittelstufe möglichst auszusparen, um ein verkürztes theologisches Schöpfungsverständnis zu verhindern, und stattdessen auf ästhetische Erschließungsweisen des Schöpfungsthemas setzen, z.B. im Modus von Loben und Staunen, plädieren andere dafür, schon frühzeitig im Religionsunterricht biblische Schöpfungsmotive und Präkonzepte von Urknall und Evolution in Relation setzen zu lassen, um von Anfang an reifere Denkstile zu kultivieren. Um Schülerinnen und Schüler hierbei nicht zu überfordern, sind auch ‚weniger elaborierte, insbesondere hybride Denkformen’ pädagogisch gelten zu lassen. Auch bei Erwachsenen sollte in theologischer Hochschulbildung und kirchlicher Bildungsarbeit auf die Kooperation mit naturwissenschaftlichen, künstlerischen und sprachlichen Fächern gesetzt werden, um unterschiedliche Wirklichkeitszugriffe und die jeweiligen methodischen Grenzen bewusster zu machen. Auch Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs mit Juden, Muslimen oder Buddhisten sind wahrzunehmen. Zudem lohnt es sich, mit naturalistischen oder kreationistischen Vertreterinnen und Vertretern live zu diskutieren, um die Motive hinter den jeweiligen Argumenten besser verstehen zu können. Insgesamt wurde deutlich, dass die gläubige Hoffnung auf einen göttlichen Schöpfer auch in modernen Zeiten längst nicht schachmatt ist, weder auf theologischer noch empirischer Ebene. Vernünftiges und subjektorientiertes Kommunizieren über die Schöpfungsthese bleibt allerdings eine anspruchsvolle und vielseitig komplexe Aufgabe, der sich die Religionspädagogik stets neu und selbstkritisch zu stellen hat.“ (42ff.)

In seiner im LIT Verlag (ISBN 643-13827-9) in der bewährten Reihe „Religionsdidaktik konkret“ erschienenen Passauer Dissertation Wer verknüpft, lernt! unternimmt Manuel Stinglhammer eine interessante qualitativ-empirische Nahaufnahme religiöser Lernprozesse im Religionsunterricht am Beispiel der biblischen Perikope von Jakobs Kampf am Jabbok (Gen 32,23-33). Der Autor schreibt in seinem Vorwort: „Auch wenn im Zuge der Kompetenzorientierung ein Perspektivwechsel eingeläutet wurde und die Festschreibung der Inhalte zugunsten einer ‚Outcome’-Orientierung eher in den Hintergrund gerückt ist, bleibt der Lernprozess doch das Herzstück jeglichen Unterrichts. Denn ohne ihn ist das Erreichen von Bildungsstandards schlichtweg unmöglich. Dieser Prozess des Lernens und des Lehrens bildet das Zentrum der vorliegenden Arbeit. Es geht darum, zu zeigen, wie und was der Religionsunterricht bewegt und welche Potentiale noch unentdeckt in ihm schlummern.“ (3) In der Einleitung wird detailliert der Aufbau des Buches erklärt: „Wer sich in das komplexe Terrain der Unterrichtsforschung begibt und religiöse Lernprozesse als solche in den Mittelpunkt stellt, muss zunächst klären, was er damit meint (Kap. 2). Mit der Konturierung der Begrifflichkeit religiösen Lernens auch im Umfeld der Kompetenzorientierung (Kap. 3) wird eine vorläufige Begriffsbestimmung für den Kontext dieser Studie vorgenommen (Kap. 4), die als ‚Brille’ für die Beobachtung der Lernprozesse fungiert. Diese ist notwendig, weil Lernen als solches dem forschenden Blick entzogen ist. Aus diesem Grund braucht es vorab die Klärung der Frage, wo und wie man eigentlich hinzusehen hat und ob es dort überhaupt etwas zu entdecken gibt. In dieser Studie wurde zunächst der Unterrichtsinhalt für alle aufzuzeichnenden Unterrichtsstunden festgelegt: Die biblische Perikope von Jakobs Kampf am Jabbok (Gen 32,23-33) wird in Kapitel 5 exegetisch analysiert und deren Auswahl für diese Untersuchung begründet. Im Gesamtsample des Forschungsprojektes wurden 13 Unterrichtsstunden mit jeweils drei Schülerinterviews videografiert bzw. 13 Lehrerinterviews mit einem Audioaufzeichnungsgerät protokolliert, deren Mitte die irritierende biblische Erzählung als Lerngegenstand bildete. In der vorliegenden Untersuchung werden davon 6 Unterrichtsdokumentationen einer Auswertung zugeführt. Die Beschreibung des Forschungsdesigns auf der theoretischen Basis einer qualitativ-empirischen Sozialforschung (Kap. 6) sowie die geleitete Vorgehensweise in der Datenauswertung sollen die intersubjektive Nachvollziehbarkeit des Forschungsweges gewährleisten. Für dieses Procedere ist die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring maßgebend, welche für diese empirische Nahaufnahme eine Modifikation erfahren hat (Kap. 7). In Kapitel 8 werden sodann die einzelnen Datensätze nach einem gleichbleibenden Muster hinsichtlich der Forschungsfrage nach dem ‚Wie’ des religiösen Lernens, der ‚sichtbar’ gewordenen Lehr- und Lernprozesse, qualitativ ausgewertet. Eine abschließende resümierende Darstellung der Resultate in Kapitel 9 mündet in die Skizze religionspädagogischer Folgerungen, die als Potenziale des gegenwärtigen Religionsunterrichts erkannt und expliziert werden.“ (8).

In derselben Reihe ist im LIT Verlag (ISBN 643-13893-4) die beeindruckende Münsteraner Dissertation Star – Heiliger – Vorbild von Miriam Sophia von Eiff veröffentlicht worden. Die umfangreiche empirische Untersuchung zum Vorbildverständnis von Kindern im Grundschulalter lässt sich thematisch in drei Bereiche gliedern: „Im ersten Teil (zweites bis viertes Kapitel) erfolgt eine theoretische Einführung in das Thema Vorbilder: Zuerst werden Vorbilder in einem allgemeinen Kontext (Kapitel zwei), anschließend mit dem Blick auf eine Thematisierung im Rahmen des Religionsunterrichts (Kapitel drei) betrachtet und schließlich lernpsychologische Perspektiven für ein Lernen an Vorbildern aufgezeigt (Kapitel vier). Im zweiten Teil des Dissertationsprojekts (Kapitel fünf) wird die qualitative Untersuchung an drei Grundschulen im Regierungsbezirk Münster vorgestellt. Aufgrund der gewonnenen Ergebnisse der qualitativen Studie – sowie der Ergebnisse der quantitativen Erhebung im Rahmen der Masterarbeit der Verfasserin – wird im dritten Teil des Dissertationsprojekts (Kapitel sechs) versucht, eine Didaktik der Thematisierung von als Vorbilder fungierenden Personen für den katholischen Religionsunterricht in der Primarstufe zu entwickeln.“ (10ff.)

 

Mehrere Neuerscheinungen widmen sich den Themen Heterogenität und Inklusion: Andrea Lehner-Hartmann, Thomas Krobath, Karin Peter und Martin Jäggle bilden das Herausgeberteam des im Verlag V&R unipress (ISBN 8471-0847-4) erschienenen empfehlenswerten Sammelbandes Inklusion in / durch Bildung? Religionspädagogische Zugänge. In der Einleitung heißt es zurecht: „Inklusion als Metapher eines gesellschaftlichen und politischen Projektes steht für den Abbau strukturell bedingter Exklusionsdynamiken, In der Salamanca-Erklärung (1994) wurde Inklusion zum Prinzip von Bildung und Bildungseinrichtungen erklärt und in der Agenda 2030 weltweit zur vorrangigen Priorität von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Im deutschsprachigen Raum erfolgte die Rezeption der Salamanca-Erklärung allerdings anfangs unter dem Begriff ‚Integration’, bevor sich der aus dem angelsächsischen Raum stammende Begriff ‚Inklusion’ durchsetzen konnte. Mit der Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Behinderten (UN-Behindertenrechtskonvention 2006) verpflichteten sich die Unterzeichnerstaaten zu einem entsprechenden Umsetzungsprogramm. Mittlerweile liegt von den europäischen Staaten jeweils ein Programm mit Zeitplan zur Realisierung inklusiver Bildung vor, doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung hält – gerade im religionspädagogischen Bereich – mit der politischen und gesellschaftlichen Dynamik nicht Schritt. Diese Publikation nimmt sich dieses Forschungsdesiderates an. Einem Inklusionsbegriff entsprechend, der religiöse Diversität einschließt, umfassen die religionspädagogischen Beiträge islamische, evangelische und katholische Perspektiven, deren Traditionen zum Inklusionsdiskurs sich aus unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunktsetzungen bestimmen. Die vorliegenden Beiträge verorten sich auch bei expliziten religiös-konfessionellen Bezügen in einem interdisziplinären Diskurs. Religionspädagogik versteht sich dabei als Reflexion und Weiterentwicklung von (religions)pädagogischer Praxis, die ihre Perspektive wesentlich aus theologischen Überzeugungen, aber auch aus dem Gespräch mit anderen Disziplinen, wie den Bildungswissenschaften, der Soziologie und der Psychologie, gewinnt. Die Breite und Vielfältigkeit sowohl der religions- als auch der inklusions­pädagogischen Diskurse, die von Widersprüchlichkeiten nicht frei sind, spiegelt sich in den 19 Beiträgen von Autor_innen aus sechs Ländern wider, die sechs Schwerpunktthemen zugeordnet sind.“ (9f.) Wichtige Gesprächsangebote, denen es gelingt Hoffnung zu generieren für die inklusive Schule! Heterogenität im Klassenzimmer lautet der Titel des von Gerhard Büttner, Hans Mendl, Oliver Reis und Hanna Roose im Verlag LUSA (ISBN 947568-00-0) herausgegebenen neuen Jahrbuchs für konstruktivistische Religionsdidaktik. Dieses möchte mit seinen Beiträgen einen Zwischenstopp einlegen und die sich abzeichnenden Trends analysieren, mit den verschiedenen Heterogenitätsdimensionen in Schule und Hochschule umzugehen: „In konstruktivistischer Perspektive werden Konzepte, Theorien und Praxisvorschläge kritisch auf ihre Voraussetzungen und Vorannahmen untersucht, werden Antinomien und Paradoxien gehoben. Was Inklusion meint, wird erst einmal noch schwerer zu beantworten sein, aber gerade weil die Komplexität deutlich wird, die Partizipation aller Kinder und Jugendlichen an den Bildungschancen wirklich zu verbessern, werden auch die Folgen jeder inklusiven Praxis deutlich. Das hebt den Anspruch der Inklusion nicht auf, rahmt ihn aber anders, als dies im Diskurs normativ sonst passiert. Insofern versteht sich der neunte Band des Jahrbuchs – gerade auch in seiner konstruktivistischen Beobachtung des Diskurses – als Beitrag zur lnklusionspädagogik.“ (6f.) Soziale Deutungsmuster von Religionslehrkräften untersuchen Rainer Möller, Annebelle Pithan, Albrecht Schöll und Nicola Bücker in ihrem wichtigen, im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3819-4) veröffentlichten Buch Religion in inklusiven Schulen. Mit Recht heißt es in der Einleitung: „Das Gelingen inklusiven (Religions-)Unterrichts hängt – neben den Rahmenbedingungen und hier besonders der Unterstützung der Schulleitung – überwiegend von den Unterrichtenden selbst ab, von ihren Einstellungen, Haltungen, Wertvorstellungen, Überzeugungen, von ihrer Definition von Professionalität und ihrem unterrichtlichen Habitus. Von diesen ‚subjektiven Theorien’ und berufsbezogenen Überzeugungen wissen wir bei Religionslehrerinnen und Religionslehrern noch sehr wenig. Gerade, wenn es bildungspolitisch darum geht, ein neues Paradigma an den Schulen zu implementieren, ist es ausschlaggebend, Klarheit darüber zu gewinnen, was die Lehrkräfte selbst denken, was sie mit diesem Paradigma verbinden und welche wettorientierten Haltungen sie zu dem entsprechenden pädagogischen Innovationsprojekt entwickeln. Die hier vorgelegte Studie ‚Religion in inklusiven Schulen’ versteht sich in dreifacher Hinsicht als Beitrag zur Inklusionsforschung. Sie liefert erstens empirische Ergebnisse zu subjektiven Orientierungen von an schulischer Inklusion beteiligten Lehrkräften. Sie stellt zweitens das Fach Religion sowie das religiöse Lernen in der Schule in den Mittelpunkt der Analysen, ein Untersuchungsgegenstand der in der allgemeinen Inklusionsforschung bisher vernachlässigt wurde. Die vorgelegten Ergebnisse bieten drittens weitere Grundlagen für eine Professionalisierung der Aus- und Fortbildung von (Religions-)Lehrkräften an inklusiven Schulen.“ (11) Insgesamt ein wertvoller Beitrag zur religionspädagogischen Inklusionsforschung! Pädagogisch-psychologisches Wissen für den inklusiven Unterricht enthält das im Vandenhoeck & Ruprecht Verlag (ISBN 525-71146-0) erschienene hilfreiche Buch Alle lernen gemeinsam! von Frank Borsch. Es gibt Antworten auf folgende Fragen: „1. Was macht einen guten inklusiven Unterricht aus? 2. Wie lassen sich Lehr-Lernsituationen in leistungsheterogenen Gruppen so gestalten, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler davon profitieren? 3. Welche Faktoren tragen zum psychischen Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler bei? 4. Wie lässt sich soziale Ausgrenzung vermeiden? 5. Diagnostik: Notwendig oder stigmatisierend? 6. Wie ist es möglich, die Lernentwicklung aller Schülerinnen und Schüler im Blick zu behalten? 7. Wie sollten Lernergebnisse in inklusiven Klassen bewertet werden? 8. Zielgleiche oder zieldifferente Beschulung? 9. Welche Hilfen benötigen die Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf? 10. Wie gelingt die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams?“ (12) Eine kritische Bestandsaufnahme bildet das im Verlag Barbara Budrich (ISBN 8474-2231-0) von Olga Graumann veröffentlichte lesenswerte Buch Inklusion – eine unerfüllbare Vision? Die Verfasserin schreibt in ihrer Einleitung: „Anhand von Fallbeispielen aus den 1990er Jahren soll daher zunächst gezeigt werden, dass Integration von Kindern mit einer Behinderung in die Grundschule, aber auch in die Gesamtschule, möglich und erfolgreich sein kann, wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind und für alle Schüler/innen im Regeschulsystem eine adäquate Förderung gewährleistet wird. Den engagierten Lehrkräften, den hochmotivierten Eltern und den guten Bedingungen ist es zu verdanken, dass die befragten Eltern die Schulzeit ihrer Kinder in sehr positiver Erinnerung haben. Aber nicht nur in Bezug auf die Rahmenbedingungen ist es wichtig, sich auf die Integrationserfahrungen zu berufen, sondern auch in Bezug auf Methodik und Didaktik. Daher ist der Gestaltung des Unterrichts und des Schullebens ein umfangreiches Kapitel in diesem Buch gewidmet: ‚Auf dem Weg zu einem inklusiven Schulalltag.’ Die Rahmenbedingungen ermöglichen Inklusion, doch erst ein sogenannter inklusiver Unterricht, also ein Unterricht, den wir auch schlicht ‚guten Unterricht’ nennen können, sowie die entsprechende Professionalisierung der Lehrenden gewährleisten es, der Vielfalt im Klassenzimmer gerecht zu werden. Sehr viele Grundschulen sind hier bereits auf einem guten Weg, doch die Sekundarschulen stehen in der Regel erst am Anfang, ihren Unterricht und ihre Professionalität auf die Vielfalt einzustellen. Interviews von Schulleitungen, Lehrenden und Eltern zu ihren Erfahrungen mit Inklusion aus dem Jahr 2017 zeigen, was im Einzelnen die Ursachen für das derzeitig häufige Scheitern inklusiver Beschulung sein könnten und wie komplex und widersprüchlich Inklusion von Betroffenen und Akteuren wahrgenommen wird. Aus den Interviews wird zwar deutlich, dass es insbesondere die mangelhaften Rahmenbedingungen sind, die zu den negativen Einstellungen führen und dass damit in erster Linie die Bildungspolitik gefragt ist. Es wird aber auch deutlich, dass sich im Denken der Lehrkräfte und Eltern etwas ändern muss, wenn Inklusion gelingen soll. (…) Die Aussagen in den Interviews sowie die Beispiele aus dem Unterricht zeigen auf der einen Seite, was der Inklusion heute konträr entgegensteht und was für eine erfolgreiche Umsetzung einer inklusiven Schule notwendig ist. Sie sollen jedoch auf der anderen Seite Mut machen, den Weg, den wir vor mehr als 30 Jahren eingeschlagen haben, weiterzugehen. Dem Buch ist ein Film (2016) aus der Eichendorffschule, einer städtischen Grundschule, beigelegt. Er hat den Titel: ‚Schaffbare Ziele für alle: Eine Grundschule auf dem Weg zur Inklusion’. Der Film zeigt, dass Inklusion an einer Grundschule möglich ist. Auf diesen Film wird im Buch immer wieder verwiesen. Die Aussagen der Lehrkräfte der Eichendorffschule, die im Buch an den gegebenen Stellen zitiert werden und in Auszügen im Film im Originalton zu hören sind, sowie Beispiele aus ihrer inklusiven Arbeit, zeigen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind und welche Unterrichts-und Sozialformen zur Anwendung kommen, um ‚schaffbare Ziele für alle’ zu ermöglichen und auf dem Weg zur Inklusion einen Schritt weitergehen zu können.“ (13f.)

Konzepte sozialer Bildung stehen im Mittelpunkt des von Michael Fricke, Lothar Kuld und Anne Sliwka im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3884-2) herausgegebenen Bandes. Es geht insbesondere um „Compassion", „Diakonisches Lernen" und „Service Learning" als drei wichtige Repräsentanten neuer Formen sozialen Lernens, die sowohl von den Schülerinnen und Schülern selbst als auch von der Öffentlichkeit mit Interesse wahrgenommen werden. Das Buch fokussiert zunächst die Praxis sozialer Bildung und stellt dar, „was Compassion, Diakonisches Lernen und Service Learning jeweils konkret sind. Beispiele, Curricula, Schüleräußerungen veranschaulichen die dahinterstehenden Programmatiken. Anschließend wird der Blick auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung gerichtet, hier findet eine Analyse der Theorien und der empirischen Daten statt.“ (7f.) Michael Winkelmann hat in seiner bei V&R unipress (ISBN 8471-0856-6) in der Reihe „Werte-Bildung interdisziplinär“ erschienenen interessanten Augsburger Dissertation Moralische Kompetenz. Wertebildung im Horizont christlich gelebter Moral eine Neu- bzw. Andersakzentuierung von Wertebildung im Religionsunterricht vorgenommen. Er schreibt einführend: „Christlich gelebte Moral geht nicht in den 10 Geboten und der Bergpredigt auf. Schon lange hat der moraltheologische Diskurs sich hier von einem Denken in den Kategorien erlaubt und verboten entfernt. Dennoch muss Wertebildung im Religionsunterricht über einen Eigenwert verfügen, der nicht einfach eine strenge Abtrennung zu anderen, nicht religiös begründeten Modellen zum Ziel hat. Vielmehr soll die konsequent religiöse Perspektive des Modells sowie seine Anschlussfähigkeit an andere Ansätze deutlich werden. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil beginnt mit Begriffsdefinitionen sowie einem Überblick über Konzepte von Wertebildung und mündet schließlich in die Entwicklung eines eigenen Wertebildungsmodells. Im zweiten Teil wird dieses Modell praktisch erprobt. Eine den Ansprüchen empirischer Unterrichtsforschung genügende Untersuchung bleibt dabei ein Desiderat, da das bayerische Kultusministerium keine Genehmigung zur Unterrichtsforschung erteilte. Zu Beginn der Arbeit werden entwicklungspsychologische sowie jugendsoziologische Studien referiert. Die aus ihnen hervorgehenden Erkenntnisse werden im weiteren Verlauf der Arbeit kritisch aufgegriffen. Nach einer Definition der wichtigsten Begriffe, die aufgrund der vielfältigen Konnotationen von Begriffen wie Ethik, Ethos, Moral, Werte aber auch ethischem Lernen, Werterziehung sowie Wertebildung nötig ist, folgt ein Überblick über die Geschichte der ethischen Erziehung. Er verdeutlicht, welche Ansätze ethischer Erziehung mit welchem Hintergrund im Lauf des letzten Jahrhunderts bereits verfolgt wurden. Außerdem zeigt er auf, wie historische Gedankengänge auch moderne Wertebildungsmodelle beeinflussen. Unter Berücksichtigung medientheoretischer Ansätze wird im Folgenden Wahrnehmung als Leitkategorie eines religionspädagogischen Medienverständnisses vorgestellt, die auch für Wertebildung von entscheidender Bedeutung ist. Unter Zuhilfenahme der bisher erarbeiteten Erkenntnisse wird im Folgenden Wertebildung als dynamisches Konzept entwickelt. Es zeichnet sich durch drei Resonanzräume aus, die je nach Bedarf unterschiedlich gewichtet werden können. Konkretisiert wird dieses Modell im Anschluss durch die Entwicklung und Durchführung einer Unterrichtssequenz zum Thema ‚Streben nach Perfektion’. In dieser Arbeit soll also ein Modell von Wertebildung im Religionsunterricht entwickelt werden, das die Trias von Lebenswelt – Emotion – Religion ernst nimmt und für Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert fruchtbar machen möchte. Denn wenn Jugendliche in der Schule moralische Kompetenz erwerben, muss man keine Angst davor haben, wenn sie später als Erwachsene über ein an­spruchsvolles ethisches Dilemma urteilen sollen.“ (13f.) Eine interkulturelle Vergleichsstudie zur LehrerInnenbildung an der Universität Osnabrück und der Universidad de Costa Rica legt als ihre Kasseler Habilitationsschrift in derselben Reihe im Verlag V&R unipress (ISBN 8471-0857-3) mit dem Titel Ethos und Empathie Susanne Müller-Using vor. Die spannende Studie gliedert sich in sieben Kapitel: „Das erste Kapitel beinhaltet eine multiperspektivische Einführung in Empathie; dort wird der aktuelle wissenschaftliche Diskurs und Forschungsstand zur Empathie reflektiert und in interdisziplinäre wissenschaftliche Definitionen von Empathie eingeführt. Das zweite Kapitel dient der explizit erziehungswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Empathie. Aktuelle erziehungswissenschaftliche Diskurse werden in Bezug auf ihre Anschlussmöglichkeiten an das Thema Empathie analysiert. Das dritte Kapitel thematisiert Empathie und Werte-Bildung als Auftrag und Funktion der Schule und zeigt diesbezüglich aktuelle Entwicklungen und Befunde aus der Schultheorie sowie der Werte- und Menschenrechtsbildung im Rahmen des Bildungsauftrags von Schule auf. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der pädagogischen Relevanz von Empathie im Kontext der Lehrer Innenprofessionalisierung und geht in diesem Zusammenhang auf den aktuellen Forschungsstand sowie auf den Zusammenhang von Empathie, pädagogischer Ethik und einer menschen- und kinderrechtlichen Perspektive ein. Mit Blick auf die Lehrerinnenbildung in Costa Rica wird hier die Auswahl des Kulturkontextes Costa Rica und der Universidad de Costa Rica für den interkulturellen Vergleich begründet und die Fragestellung der interkulturellen Vergleichsstudie abgeleitet. Im fünften Kapitel werden die Methoden der empirischen Untersuchung erläutert. Das sechste Kapitel beschreibt die Durchführung der Erhebung, zudem werden hier ihre Ergebnisse präsentiert und interpretiert. Das siebte Kapitel enthält abschließend die Diskussion der Untersuchungs­ergebnisse sowie – ausgehend von dieser Erkenntnisgrundlage – einen Ausblick auf zukünftige thematische Schwerpunkte auf dem Gebiet der Lehrerinnenprofessionalisierung und pädagogischen Ethik.“ (19)

3 Praktisch-theologische Handlungsfelder

In der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05706-1) legt Christian Grethlein eine lesenswerte Studie zur Grundlegung der Praktischen Theologie vor mit dem Titel Christsein als Lebensform. Sein Anliegen skizziert er in der Einführung wie folgt: „Ich suche also nach dem beobachtbaren Gemeinsamen der Kommunikation des Evangeliums im Leben von Menschen. Dabei verfolge ich auch ein pädagogisches Interesse, insofern mir die christliche Lebensform – im gegenwärtigen Kontext – attraktiv erscheint. Das soll durch exemplarische Konkretionen anschaulich werden. Dazu muss in einem ersten Teil der Grundimpuls für die Kommunikation des Evangeliums und dann das Christsein, das Auftreten, Wirken und Geschick Jesu von Nazareth, skizziert werden. Die Wirkungen daraus umfassen die ganze Christentumsgeschichte und reichen teilweise sogar darüber hinaus. Für die Aufgabe, Christsein als Lebensform genauer zu erfassen, wähle ich, zweitens, drei prominente Versuche in der Christentumsgeschichte aus, dies im jeweiligen Kontext näher zu bestimmen: die Confessiones Augustins, den Kleinen Katechismus Martin Luthers und die Reden über die Religion Friedrich Schleiermachers. Dass dabei höchst unterschiedliche Gattungen und Theologien zur Darstellung kommen, entspricht dem pluriformen Grundzug der Kommunikation des Evangeliums und der darauf bezogenen Lebensform, die sich in vielfältigen Gestaltungen menschlichen Lebens und darauf bezogener theologischer Reflexion zeigt. Auf diesem problemgeschichtlichen Hintergrund erörtere ich in einem dritten Teil einige grundlegende Herausforderungen, vor denen heute Menschen stehen. Es geht also darum, den – bereits in den christentumsgeschichtlichen Exempla zu je verschiedenen Zeiten als grundlegend hervorgetretenen – Kontext näher zu betrachten. Erst dann kann, viertens, Christsein als Lebensform in der Gegenwart begründet in den Blick genommen werden. Dabei gilt es, den von Jesu Auftreten, Wirken und Geschick ausgehenden Grundimpuls in Beziehung zum gegenwärtigen Kontext zu setzen. Die hermeneutischen Unterscheidungen der ‚Erklärung von Nairobi über Gottesdienst und Kultur’ bieten dafür ein differenziertes Instrumentarium, das sowohl Adaptionen als auch Kritik ermöglicht und auf die Attraktivität der christlichen Lebensform in der Gegenwart hinweist. Weil die Lebensform des Christseins stets auch der kritischen Reflexion bedarf, schließen einige Hinweise auf daraus folgende Konsequenzen für die theologische Ausbildung die Untersuchung ab.“ (20f.)

Matthias Hartmann und Peter Helbich zeichnen als Herausgeber verantwortlich für den im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17-034468-6) herausgegebenen Band Bildung und Verwandlung als Chance für die Zukunft des Menschlichen. In ihrem Vorwort schreiben sie: „Wir prüfen und entwickeln unsere Bildungskonzepte in allen Bereichen der Diakonie Neuendettelsau mit dynamischen Prozessen, um den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft gerecht zu werden. So lag es für uns nahe, für dieses Buch einige Aspekte aus den vielfältigen Themen herauszugreifen, die gegenwärtig nicht nur interessant, sondern auch für zukünftige Überlegungen hilfreich erscheinen. Und schließlich: Hat das Menschliche – wie im Titel des Buches angedeutet – noch eine Chance für die Zukunft? Bildung sollte jedem Menschen den Weg zu Wissen und Verwandlung öffnen. Humane und ethische Werte aus der Perspektive des Christlichen werden dazu beitragen, dass sich Leben entfalten kann, die Menschenwürde des Einzelnen respektiert wird und Frieden und Gerechtigkeit für eine sozial orientierte Gesellschaft gestaltet werden können. Manche halten das für eine abenteuerliche Utopie. Wir allerdings sind davon überzeugt, dass Bildung zur Verwandlung führen kann. Dies geschieht durch eine Kraft, die in der Offenbarung Gottes in dieser Welt anwesend ist. Diese Kraft wirkt wie ein Ferment, das das Innere und Äußere unseres Lebens durchdringt.“ (9) Wertvolle Perspektiven für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in evangelischen Kontexten zeigt der in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05644-6) von Heidi Albrecht, Matthias Dargel, Michael Freitag, Astrid Giebel, Wilfried Knorr, Ulrich Lilie und Maria Loheide herausgegebene fast 600seitige Band #religionsundkultursensibel auf. Im Vorwort heißt es zurecht: „Wer Jugendliche in ihrer je einzigartigen Biografie verstehen und in ihrem Erleben verständnisvoll und sensibel begleiten möchte, kommt nicht umhin, sich mit ihren kulturellen Prägungen und ihren religiösen bzw. weltanschaulichen Überzeugungen auseinanderzusetzen, in denen sie aufwachsen und mit denen sie leben. Bisher ist die Kinder- und Jugendarbeit in kirchlich-diakonischen Kontexten theoretisch und praktisch noch nicht umfassend davon durchdrungen, Religiosität und Kulturalität in einer sich zunehmend divers darstellenden Gesellschaft differenziert zu erfassen. In der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, die jugendverbandlich organisiert ist und die in landes- und freikirchlichen Ortsgemeinden gestaltet wird, spielen Religion und Glauben genauso wie Kultur und jugendkulturelle Adaptionen zwar seit vielen Dekaden in Forschung, Theorie und Praxis eine zentrale Rolle; gegenwärtige kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen erfordern allerdings eine gezielte Weiterentwicklung – gelegentlich auch Neuentdeckung – von Sensibilität im Umgang mit Religiosität und Kulturalität. Im Kontext der Diakonie hat nach ersten Konzeptentwicklungen durch das Jugendpastoralinstitut Don Bosco in Benediktbeuern, das Rauhe Haus in Hamburg – geschichtlich durch ihren Gründer Johann Hinrich Wichern ‚die Wiege der Diakonie’ – mit dem Projekt ‚Lebenswelten entdecken – Religions- und kultursensibel arbeiten in der Jugendhilfe’ eine Vorreiterrolle eingenommen. (…) Das Projekt des Rauhen Hauses verbindet einen für existenzielle Fragen geöffneten Religionsbegriff mit dem Konzept der Lebensweltorientierung. So wird Akzeptanz von Vielfalt in Glaubensfragen ermöglicht.“ (5) Der Fokus dieses Bandes ist auf die Dimensionen von Religionssensibilität und Kultursensibilität in einer sich vielfältig ausprägenden Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in evangelischen Kontexten gerichtet: „Saynab, Tim, Fisha und Maxi eröffnen diesen Band und geben Einblick in ihre persönlichen Sichtweisen, Lebenswelten und Zukunftsvorstellungen. Es folgen Begriffsklärungen zu Religion, Kultur, Religionssensibilität und Kultursensibilität und eine Verhältnisbestimmung von beiden. Die weiteren Kapitel beziehen sich auf Fragestellungen von Religionssensibilität und Kultursensibilität in der Kinder- und Jugendhilfe, zunächst allgemeiner Art, dann spezifisch im evangelischen Kontext. Worauf ist zu achten und was ist zu bedenken hinsichtlich Religions- und Kultursensibilität in den Handlungsfeldern kirchlicher und diakonischer Jugendhilfe? Danach fragen weitere Beiträge und thematisieren, wie Religionssensibilität und Kultursensibilität unverzichtbarer Teil der Fachlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe sein kann. Im letzten Kapitel stehen dann Rahmenbedingungen in Einrichtungen im Vordergrund, die für Religionssensibilität und Kultursensibilität förderlich und lebensdienlich sind.“ (6) Die Bedeutung religiöser Jugendarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe untersucht Katharina Reitze in ihrer im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17-034962-9) erschienenen, gewinnbringenden Bielefelder Dissertation Religionssensible Pädagogik. Die Autorin schreibt zum Aufbau ihrer verdienstvollen Studie: „Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen Jugendliche, die in Einrichtungen der Heimerziehung leben und ihre Partizipationschancen an religiöser Jugendarbeit. Um jedoch auf die Partizipationschancen eingehen zu können, müssen auch die Rahmenbedingungen der Heimerziehung und die Lebenswelt der Jugendlichen bedacht werden. Daher gilt es zunächst in Kapitel 2 einen Einblick in relevante Bedingungsfaktoren zu geben, um zu klären, wie sich die Situation der Jugendlichen in Einrichtungen der Heimerziehung gestaltet. Dazu werden zunächst die Themen Säkularisierung und Pluralisierung in den Blick genommen, um die Situation der Jugendlichen und der sie umgebenden Gesellschaft besser beschreiben zu können (Kap. 2.1). Als ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor soll dabei das Thema Religion beleuchtet werden. Daher wird nach einer Erläuterung des Religionsbegriffs der Arbeit auf Erkenntnisse zur Jugendreligiosität und die Relevanz von Religion als Ressource in der Heimerziehung eingegangen (Kap. 2.2). Zudem sollen die Wertvorstellungen der Jugendlichen und die Möglichkeit einer milieuorientierten Systematisierung von Einstellungen der Jugendlichen dargestellt werden (Kap. 2.3). Um das Lebensumfeld der Jugendlichen erfassen zu können, wird sodann der Bereich Heimerziehung beschrieben (Kap. 2.4). Dabei wird zunächst auf die Geschichte der Heimerziehung eingegangen, um anschließend heutige Formen der Heimerziehung darstellen und auf Gründe und Dauer der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen eingehen zu können. Im Anschluss an das Kapitel Heimerziehung, wird die Bedeutung religionssensibler Pädagogik in der Heimerziehung beleuchtet (Kap. 2.5). Da jedoch bei religionssensibler Arbeit auch die Vernetzung mit religiösen Angeboten einen wichtigen Aspekt darstellt, wird anschließend auf die Erfahrungen und Einstellungen der Jugendlichen im Hinblick auf religiöse Jugendarbeit eingegangen (Kap. 2.6). Im zweiten Schritt wird im Kapitel 3 das methodische Verfahren bei der Erhebung der Daten beschrieben. Anschließend werden in Kapitel 4 die Ergebnisse der Studie dargestellt. Abschließend werden in Kapitel 5 die Ergebnisse der Studie noch einmal zusammengefasst und diskutiert, welche Konsequenzen sich daraus für das professionelle Handeln und mögliche Handlungsperspektiven ergeben. Im Fazit (Kap. 6) werden noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit aufgeführt.“ (14f.) Insgesamt ein klares Plädoyer dafür, mutig und kreativ die Chancen der Tatsache zu nützen, dass Jugendliche offen und ansprechbar für und interessiert an Religion, religiösen Themen und Orientierungspunkten sind!

 Der religiösen Bildung von Kindern im Elementar- und Primarbereich sind fünf interessante Neuerscheinungen gewidmet: Thomas Rupp untersucht in seiner im LIT Verlag (ISBN 643-13951-1) erschienenen Bonner Dissertation Religiöse Bildung in kirchlichen Kindertagesstätten zwischen Theorie und Praxis wichtige Elemente einer Theorie religiöser Bildung. Zu Forschungsanliegen und Fragestellung schreibt der Verfasser: „Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema religiöse Bildung im Elementarbereich erfolgt vor allem in der Religionspädagogik. Studien existieren sowohl für den Bereich der Kinder als auch für den Bereich der pädagogischen Fachkräfte. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die pädagogischen Fachkräfte. Denn die Auswirkungen eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses auf den pädagogischen Alltag in der Kindertagesstätte und auf das Selbstbild der pädagogischen Fachkräfte werden bislang wenig empirisch erfasst und analysiert. Vor diesem Hintergrund und angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Prozesse und der sich dadurch verändernden Situation in Kindertagesstätten, befindet sich religiöse Bildung im Elementarbereich und die religionspädagogische Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften heute neu auf dem Prüfstand. Anspruch, Erfordernis und Wirklichkeit treten auseinander und sind in Theorie und Praxis zusammen zu führen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit kommen die pädagogischen Fachkräfte selbst zu Wort. Sie artikulieren ihre authentischen Sichtweisen und Auffassungen zu religiöser Bildung als konstitutiver Teil ihrer pädagogischen Arbeit. Das Forschungsinteresse dieser Arbeit richtet sich auf religiöse Bildung in Einrichtungen, die sich in katholischer Trägerschaft befinden. Religionspädagogisches Denken bemüht sich stets um eine ‚Annäherung an die Verstehensvoraussetzungen und Lebenswelten derer, um die man sich bemüht.’ Zentral in dieser Arbeit sind die Aussagen der pädagogischen Fachkräfte über ihr Verständnis von Bildung und religiöser Bildung und was es für sie bedeutet, vor dem Hintergrund pluralisierten Gesellschaft, in der sie leben, religionspädagogische Arbeit an einer katholischen Kindertagesstätte zu leisten. Die vorliegende Untersuchung orientiert sich an der Grundfrage, wie pädagogische Fachkräfte in katholischen Kindertagesstätten befähigt werden können, zugunsten der Kinder religionspädagogische Arbeit zu leisten. (…) Das zentrale Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von eigens für diese Arbeit erhobener Daten, zu eruieren, was pädagogische Fachkräfte selbst in einer katholischen Kindertagesstätte unter religiöser Bildung verstehen und wie sie ihr Selbstbild und ihre Rolle diesbezüglich beschreiben. Außerdem ist zu prüfen, inwiefern sich die Beschreibungen der pädagogischen Fachkräfte mit dem theoretisch ausgewiesenen Begriff von religiöser Bildung decken, an welchen Stellen sie davon abweichen und ob und welche Problemlagen sie dahingehend aufwerfen.“ 15f.) Empirische Befunde und Perspektiven liefert der im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3839-2) vom Comenius Institut in der Reihe „Evangelische Bildungsberichterstattung“ herausgegebene innovative Band Gottesdienstliche Angebote mit Kindern. Im Vorwort heißt es dazu: „Für die evangelische Kirche und ihre Gemeinden ist es eine zentrale Aufgabe, mit Kindern den christlichen Glauben zu leben und zu feiern, ihn öffentlich zu gestalten und Kindern Zugänge zum Glauben zu eröffnen. Mit gottesdienstlichen Angeboten mit Kindern setzen die Gemeinden diesen Auftrag in vielfältiger Weise um. Diese Angebote fordern zugleich Bildungsprozesse, denn Erfahrungen liturgischen Feierns und die Begegnung mit dem Evangelium können Menschen verändern und bieten Impulse für eine Auseinandersetzung mit Gottes- und Menschenbildern. Deshalb wurde bereits im Rahmen der Machbarkeitsstudie für einen evangelischen Bildungsbericht empfohlen, diesen Bereich evangelischen Bildungshandelns in die Bildungsberichterstattung einzubeziehen. Mit dieser Publikation wird zum ersten Mal ein Bildungsbericht zu gottesdienstlichen Angeboten mit Kindern vorgelegt. Grundlage dafür sind umfassende, EKD-weit erhobene Daten über Rahmenbedingungen, Strukturen und Inhalte dieses Bereiches. Die vorliegende Studie bietet eine empirisch fundierte Wissensgrundlage, die sowohl für die Weiterentwicklung der Angebote der kirchlichen Arbeit mit Kindern als auch für deren Darstellung im inner-und außerkirchlichen Kontext genutzt werden kann.“ (7) In derselben Reihe (ISBN 8309-3873-6) ist auch der ebenfalls vom Comenius Institut herausgegebene Band Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder erschienen: „Die Bildungsbedeutung von Tageseinrichtungen für Kinder ist in den letzten Jahren vermehrt in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Frühe Bildungsprozesse erweisen sich als entscheidende Weichenstellungen, mit enormen Folgewirkungen für die spätere Bildungsbiographie. Neben der Familie stellen die Tageseinrichtungen den in der Kindheit vor der Schule entscheidenden Bildungsbereich dar. Zugleich befindet sich dieser Bereich zu weiten Teilen nicht in staatlicher oder kommunaler, sondern in freier Trägerschaft. Zu den auch quantitativ wichtigsten Trägern gehören die Kirchen. In der jüngeren Vergangenheit standen die Einrichtungen sogar mehrheitlich in kirchlicher Trägerschaft, was sich allerdings vor allem seit der deutschen Vereinigung verschoben hat. Die Evangelische Kirche hat ein hohes Interesse an hochwertigen Angeboten für Kinder, dem sie durch ihr Engagement auch praktischen Ausdruck verschafft. Zugleich besteht ein ausgeprägtes gesellschaftliches und staatliches Interesse an empirisch fundierten Erkenntnissen zu evangelischen Tageseinrichtungen. In diesem Bericht werden die aktuelle Situation der Kindertageseinrichtungen sowie Entwicklungstendenzen beschrieben, und es wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Einrichtungen in verschiedenen Trägerschaften aufmerksam gemacht. Damit bietet der Bericht eine Grundlage für weitere Diskussionen – insbesondere unter den Trägern – über ihre eigenen Bedingungen im Vergleich zu anderen Trägern. Darüber hinaus werden die Ergebnisse für den Bereich der EKD/Diakonie differenzierter betrachtet. Der Bericht ist vor allem deskriptiv gehalten und bietet zugleich an verschiedenen Stellen Perspektiven, die miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Ausgehend von den statistischen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik werden drei Aspekte im Blick auf Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder dargestellt. Der Bericht gibt Auskunft über Strukturen (Zahl und Größe von Einrichtungen; Leitungsstrukturen; Gruppenformen), zur Bildungsbeteiligung von Kindern (Zahl der Kinder; Differenzierung nach Alter, Geschlecht, möglichem Förderbedarf und Migrationshintergrund) sowie über die Personalsituation in evangelischen Tageseinrichtungen.“ (7f.) Die eindrucksvolle ethnographische Studie an Einrichtungen in katholischer und islamischer Trägerschaft Umgang mit religiöser Differenz im Kindergarten legt im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3648-0) als Wiener Dissertation Helena Stockinger vor. In ihrer Einleitung schreibt die Autorin zurecht: „Der Kindergarten als elementare Bildungseinrichtung hat den Auftrag, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu ihrer Bildung beizutragen. Kindergärten als oftmals erste Einrichtungen, in denen Kinder außerhalb ihres familiären Umfelds mit verschiedenen Religionen und religiösen Einstellungen konfrontiert werden, kommt eine große Bedeutung zu, respektvollen und differenzsensiblen Umgang miteinander zu lernen. Die Meinungen und Interessen der Kinder zu berücksichtigen und zu erforschen, wie in elementaren Bildungseinrichtungen mit religiöser Differenz umgegangen wird, leistet angesichts der bisher geringen Zahl an Forschungsarbeiten einen Beitrag sowohl zur Kindheitsforschung als auch zur Sensibilisierung für Aspekte des Umgangs mit religiöser Differenz in elementaren Bildungseinrichtungen. Die Wissenschaftsdisziplin Religionspädagogik, deren Interesse grundsätzlich den Menschen und ihrer jeweiligen Lebenswelt gilt, hat sich neben dem Fokus auf Jugendliche vermehrt den jüngeren Kindern zu widmen und deren Lebenswelt und Perspektiven in den Blick zu nehmen. Diese Studie leistet dazu einen Beitrag. Ausgehend von den Erkenntnissen im Forschungsprozess sowie den Ergebnissen zu der doppelperspektivischen Forschungsfrage, wie Kindergärten mit religiöser Differenz umgehen und wie Kinder religiöse Differenz thematisieren, rückt sie die Perspektive der Organisation in den Vordergrund, die bei zukünftigen religionspädagogischen Arbeiten, die sich mit Menschen in Organisationen beschäftigen, in jedem Fall zu berücksichtigen sein wird. Auf Grundlagen und Begriffsklärungen (Teil 1), soweit diese für das Verständnis dieser Untersuchung notwendig sind, folgt die Beschreibung des Forschungsstandes (Teil II) im Bereich der Elementarpädagogik, der um ausgewählte Arbeiten aus dem Grundschulbereich ergänzt wird. Die anschließenden methodologischen Zugänge und der theoretische Überblick über die in der Studie verwendeten Methoden (Teil III) bilden die Grundlage für das Untersuchungsdesign und die Durchführung (Teil IV). Die Auswertung (Teil V) beginnt mit einer Darstellung der Kindergärten, schildert kurze Fallbeschreibungen und analysiert die Daten mit Hilfe der Grundlagen der Grounded Theory. Die wichtigsten Ergebnisse werden in der abschließenden Diskussion (Teil VI) im Horizont des Fachdiskurses erörtert, um dann ein zusammenfassendes Plädoyer zu formulieren.“ (11) Schließlich enthält der ebenfalls im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3630-5) von Martin Steinhäuser und Rune Øystese herausgegebene, teilweise zweisprachig gestaltete Band Godly Play – Gott im Spiel. Europäische Perspektiven auf Praxis und Forschung eine erste umfangreiche Bilanz von Godly-Play-Praxis und Forschung:

„Dieses Buch beleuchtet die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand von Godly Play in Europa sowie die Frage, wie diese vielfältigen Praktiken und Erfahrungen zu beforschen sind. Es weist, nach den beiden einführenden Beiträgen, fünf Hauptteile auf. Teil A, Wo alles stattfindet, enthält Berichte aus allen Ländern Europas, in denen Godly Play eingeführt wurde. Er beginnt mit einem allgemeinen Überblick von Peter Privett und endet mit einem Beitrag von Andrew Sheldon, der über Europa hinausführt. Sheldon ist in der Godly-Play-Foundation aktuell die verantwortliche Person für internationale Kontakte. Teil B, Grundsätzliche Überlegungen zu Theorie und Methodik, umfasst 12 Kapitel. Die Kapitel 1 bis 10 beschäftigen sich mit historischen, ethischen, theologischen, pädagogischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Aspekten, die für Godly Play wesentlich sind. Die beiden verbleibenden Kapitel richten ihr Augenmerk auf die Methodologie empirischer Beforschung von Godly Play. Teil C, Ausgewählte empirische Forschungsprojekte, stellt Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Praxisfeldern vor. Teil D, Berichte aus der Praxis, besteht aus kurzen Kapiteln von Personen, die Godly Play in neue Praxisfelder eingeführt haben. Das Buch schließt in Teil E, Perspektiven, mit Überlegungen, wie die Godly-Play­Forschung zukünftig vorangetrieben werden kann.“ (20f.) Ein wichtiges Standardwerk!

Das zweite Jahrbuch für Kinder- und Jugendtheologie (JaBuKiJu) wird im Calwer Verlag (ISBN 7668-4466-4) von Hanna Roose, Gerhard Büttner und Thomas Schlag herausgegeben und trägt den Titel „Es ist schwer einzuschätzen, wo man steht“. Jugend und Bibel. In der Einleitung geben die Herausgebenden folgenden Überblick: „Den Ausgangspunkt der in diesem Band veröffentlichten Beiträge bilden zwei Beobachtungen, die in einer gewissen Spannung zueinander stehen: Einerseits zeigen erste Untersuchungen aus dem Bereich der Christologie, dass viele Jugendliche die Unbefangenheit, mit der Kinder oftmals an gerade narrative biblische Texte herangehen, verloren haben. Ihnen stehen aber offenbar noch kaum alternative Strategien des produktiven Umgangs mit biblischen Texten zur Verfügung. So erklärt sich eine gewisse Sprachlosigkeit, die nicht selten gepaart ist mit einem Unbehagen im Umgang mit der Bibel, die dann als ‚überholtes’, ‚unglaubwürdiges’ Buch abgestempelt wird. Andererseits ist aufgrund des Deutsch- und des Geschichtsunterrichts zu erwarten, dass Jugendliche im Vergleich zu Kindern stärker ausgeprägte Kompetenzen im Umgang mit literarischen Texten und historischen Quellentexten mitbringen. Aber wir wissen wenig darüber, wie bzw. ob sie diese in den Umgang mit biblischen Texten im Religionsunterricht einbringen. Gegenüber den drei thematisch verwandten Bänden der Jahrbücher für Kindertheologie gibt der vorliegende Band den hermeneutisch-methodischen Fragen deutlich mehr Raum. Er folgt im Aufbau nicht der klassischen Einteilung in Theologie von Jugendlichen, Theologie mit Jugendlichen und Theologie für Jugendliche, sondern diskutiert in einem ersten theoretischen Kapitel hermeneutische Grundlagen. Das zweite Kapitel wirft unter fächervergleichender Perspektive einen Blick auf den Deutsch- und den Geschichtsunterricht. Die Kapitel drei und vier sind empirisch ausgerichtet. Im dritten Kapitel Block geht es um unterschiedliche Zugänge mit Jugendlichen zu biblischen Texten. Im vierten Kapitel leitet die Auswahl der (bekannten und unbekannten) biblischen Texte die Themenstellung. Ein Rückblick auf die Beiträge beschließt das Jahrbuch.“ (8) In ihrer im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17-034592-8) erschienenen Mainzer Dissertation Die Bibel als Buch stellt Sonja Beckmayer eine umfangreiche artefaktorientierte Untersuchung zu Gebrauch und Bedeutung der Bibel als Gegenstand vor. Die spannende Studie wird in der Schlussbemerkung wie folgt gekennzeichnet: „Die vorliegende Untersuchung begann mit dem Interesse an der Materialität der Bibel, die bislang weder durch die Praktische Theologie untersucht wurde, noch für andere Forschungsrichtungen interessant war. Auch wenn der Forschungsgegenstand vermeintlich bekannt ist, geht diese Arbeit damit neue Wege. Dafür wurde eine neue Methode entwickelt, die Artefaktanalyse, und in einem neuen Forschungsdesign, der Artefaktorientierung, angewendet. Durch die detaillierte Wahrnehmung der Gebrauchsspuren am Bibelbuch ergeben sich neue Aspekte bereits bekannter praktisch-theologischer Themen und Zugänge zu vermeintlich Unzugänglichem. Die Sehweise des Artefakts Bibelbuch in die praktisch­theologische Wissenschaft aufzunehmen, hat zur Folge, sich in einen interdisziplinären Dialog zu begeben. Dass dieser fruchtbar auch für die praktisch­theologischen Themengebiete ist, konnte hoffentlich dargelegt werden. Ganz grundsätzlich hat sich in der Arbeit mit der Artefaktorientierung gezeigt, dass sie kein Zugang ist, der Krisen wahrnimmt. Man kann die Praktische Theologie mit Ulrike Wagner-Rau entlang von Veränderungen beschreiben, wie das Lehrbuch ‚Praktische Theologie’ von Kristian Fechtner u. a. durch Herausforderungen charakterisieren oder mit Christian Grethlein als ‚Krisenwissenschaft’ bestimmen. Durch die Ausrichtung des Forschungsinteresses am Artefakt und die zentrale Untersuchungskategorie des Gebrauchs ist jedoch keine krisenhafte Wahrnehmung des Bibelgebrauchs möglich. Dies relativiert nicht die vorhandenen Veränderungen, Herausforderungen oder Krisen, doch bringt es der Fokus auf das Artefakt und dessen Gebrauch mit sich, zu sehen, was getan wird und nicht, was getan werden sollte oder könnte. Eine Aufgabe der Praktischen Theologie im Nachgang zur Artefaktorientierung könnte es vielleicht sein, die Dinge im Blick zu haben, über die nicht viel gesprochen wird, und aktiv das wahrzunehmen, was gelingt.“ (395)

Cordula Klenk bietet in ihrer ebenfalls im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17034459-4) veröffentlichten Eichstätt-Ingolstädter Dissertation Religiöse Elternbildung wertvolle Perspektiven für junge Eltern in der Erwachsenenbildung. Die Autorin „siedelt die religiöse Elternbildung bewusst im Bereich der religiösen Erwachsenenbildung an, die es sich zur Aufgabe macht, Bildungsprozesse erwachsener Menschen wissenschaftlich zu analysieren und zu begleiten. Dazu orientiert sich die Arbeit an Grundlinien religiöser Erwachsenenbildung, die auch für die Arbeit mit der Zielgruppe der jungen Eltern wegweisend sind. Dies zeigt sich beispielsweise an der Wahrnehmung von gesellschaftlichen Entwicklungen, der Orientierung an entwicklungspsychologischen Erkenntnissen oder der Teilnahme am theologischen Diskurs. Dabei werden alle Überlegungen und Erkenntnisse an der Zielgruppe der jungen Eltern ausgerichtet und im Hinblick auf ihre Fragen, Anliegen und Erfahrungen fortgesetzt. Aus diesen Forschungsergebnissen sollen am Ende der Arbeit Eckpunkte formuliert werden, die die Diskussion innerhalb der religiösen Erwachsenenbildung in Bezug auf die religiöse Elternbildung vertiefen und weiterführende Akzente setzen.“ (18) Die Verfasserin sieht religiöse Elternbildung als wesentlichen Teil religionspädagogischer Reflexionen: „Im Gesamt dieser Arbeit betrachtet, birgt die religiöse Elternbildung wichtige Chancen für religionspädagogisches Denken und Handeln. Als Wissenschaft, die sich mit religiösen Bildungsprozessen im ganzen Lebenslauf und im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen beschäftigt, können sich für die Religionspädagogik aus der religiösen Elternbildung bedeutsame Erkenntnisse ergeben. Mit jungen Eltern als Zielgruppe religiöser Elternbildung bewegen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an erwachsenenbildnerischen Prozessen an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft. Durch sie können sich produktive Dialoge ergeben, die in Kirche und Gesellschaft hineinwirken, sodass gegenseitiges Verständnis oder das Verfolgen gemeinsamer Interessen befördert werden können. Junge Eltern sind erwachsene Menschen, die sich in einer neuen Lebenssituation befinden und damit auch immer wieder auf Fragen oder Zusammenhänge stoßen, die ‚erfahrenen' Eltern vielleicht gar nicht mehr auffallen. Doch aus der Irritation gegenüber gesellschaftlich-politischen oder kirchlichen Gegebenheiten, die junge Eltern als unstimmig oder ungerecht empfinden, können sich gerade in Prozessen religiöser Elternbildung Initiativen begründen, die den Dialog suchen und die Umsetzung möglicher Handlungsschritte sowohl in Kirche oder Gesellschaft als auch in der Politik verfolgen. In diesem Sinne hat religiöse Elternbildung eine seismografische Funktion für die Religionspädagogik. Durch die jungen Eltern, die an der Schnittstelle zwischen Kirche und pluraler Welt stehen, können frühzeitig mögliche Bruchstellen erkannt werden, aus denen wiederum Zeitdiagnosen abgeleitet werden können, die eine kairologisch pünktliche und adressatengerechte Orientierung für religionspädagogische Prozesse und Weiterentwicklungen ermöglicht. (…) Zuletzt hat religiöse Elternbildung auch immer einen wichtigen Bezug zur religiösen Sozialisation von Kindern, die ein zentrales religionspädagogisches Forschungs- und Handlungsfeld darstellt. Denn eine religiöse Elternbildung, die hauptsächlich die Eltern in den Blick nimmt, hat immer auch Auswirkungen auf die Religiosität der Kinder. So werden Eltern darin unterstützt, ihren Kindern nicht immer ‚fertige' Antworten präsentieren zu müssen, sondern darin, dass sie sich gemeinsam mit ihren Kindern auf die Suche nach Antworten machen. Damit lernen Kinder von ihren Eltern, wie diese mit den Fragen des Lebens umgehen und dass die Antworten auf diese Fragen sich im Laufe des Lebens auch entwickeln und verändern. Wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern herausfinden, welche religiösen Rituale ihren Familienalltag prägen sollen, dann erfahren Kinder, dass Religiosität immer mit einem Suchprozess verbunden ist, der das ganze Leben lang anhält, weil Religiosität aus biografischen und lebensweltlichen Zusammenhängen erwächst.“ (295f.)

Zwei im Waxmann Verlag erschienene verdienstvolle Studien widmen sich einer genderbewussten Religionspädagogik der Vielfalt: Zum einen das Buch Wechselwirkungen: Geschlecht, Religiosität und Lebenssinn (ISBN 8309-3401-3) von Friederike Benthaus-Apel, Sabine Grenz, Veronika Eufinger, Albrecht Schöll und Nicola Bücker, das qualitative und quantitative Analysen anhand von lebensgeschichtlichen Interviews und Umfragen enthält: „Diese Publikation besteht aus zwei Teilstudien, die sowohl theoretische Ansätze der sozialwissenschaftlichen Geschlechterforschung als auch jene der religionssoziologischen Forschung aufeinander beziehen; sie verbindet zudem quantitative und qualitative Methoden empirischer Sozialforschung. Wir erwarten, dass wir die Subjektivierungs- und Fremdzuschreibungsprozesse, die mit der Vergeschlechtlichung von Personen im Hinblick auf Prozesse der Sinnstiftung, Religiosität und Spiritualität einhergehen, besser verstehen und erklären können, wenn wir sowohl auf erzählte Lebensgeschichten wie auch auf durch Fragebögen erhobene Einstellungen zu Weltsichten, Religion, Spiritualität und Kirchlichkeit zugreifen können. Die zur Auswertung dieser Daten notwendigen unterschiedlichen Methoden der rekonstruktiven und der hypothetisch-deduktiven Verfahren liefern, so unsere Annahme, einen Mehrwert zur Erklärung des Zusammenhangs von Sinnstiftung, Religion und Geschlecht. Die Studie nutzt somit das Verfahren eines Mixed-Methods-Ansatzes im Sinne eines parallelen qualitativ-quantitativen Designs. Im qualitativen Teil der Publikation werden lebensgeschichtliche Interviews ausgewertet. Zielsetzung dieser Teilstudie ist es, die Prozesse der vergeschlechtlichten Subjektivierung von Lebenssinndiskursen bei Personen herauszuarbeiten, die sich in einem evangelischen Umfeld bewegen. Dieser Fragestellung begegnen wir auf zweierlei Weise. Zum einen in Form einer an Foucault angelehnten Diskursanalyse, zum anderen durch eine an Bourdieu angelehnte Untersuchung homologer Gegensatzpaare. Die Besonderheit der qualitativen Teilstudie liegt damit in ihren innovativen Beiträgen der Rekonstruktion der Bedeutung von Lebenssinn in einer postsäkularen Gesellschaft sowie des sozialen Geschlechts im Hinblick auf die Modi der Sinnstiftung evangelisch sozialisierter oder engagierter Personen. Dabei geht es, erstens, um Aspekte der Binnendifferenzierung (wie das Geschlecht) des Diskurses innerhalb unseres Samples; zweitens, um Mechanismen, durch die der Lebenssinndiskurs reproduziert und damit aktuell gehalten wird; drittens, um die Begrenzungen des Diskurses und damit um die Frage der Sinnlosigkeit und des Umgangs damit. Viertens, um Rekonstruktionen homologer Gegensatzpaare und damit assoziierter Sinnstrukturen in der lebensgeschichtlichen Erzählung. Im quantitativen Teil der Studie wird eine Sekundäranalyse der Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2012 durchgeführt. Die statistischen Auswertungen zielen darauf, den Gender Gap in Kirchlichkeit, Religiosität, Spiritualität und Weltsichten unter Berücksichtigung der Ost-West-Unterschiede zu beschreiben und zu erklären. Aus der Vielfalt der Erklärungsansätze, die gegenwärtig in der religionssoziologischen und religionspsychologischen Literatur diskutiert werden, nutzen wir drei zentrale Perspektiven der Erklärung: Wir ziehen zur Erklärung des Gender Gaps erstens den Ansatz der Geschlechterrollenorientierung heran. Zweitens nehmen wir die Perspektive der soziostrukturellen Erklärung ein und suchen drittens nach typischen Mustern der Sinnstiftung. Hier liegt das innovative Potenzial der Auswertungen zum einen darin, die Theorienvielfalt in der Konzeption von Geschlecht als Geschlechterrolle (und dies im Ost-West-Vergleich) und Geschlecht als struktureller Differenzkategorie zur Erklärung zu nutzen. Zum anderen finden neben Kirchlichkeit und Religiosität auch Spiritualität und (religiöse) Weltsichten Berücksichtigung.“ (14f.) Zum anderen das von Thorsten Knauth und Maren A. Jochimsen herausgegebene Buch Einschließungen und Ausgrenzungen (ISBN 8309-3594-0), das elf Beiträge zur Intersektionalität von Religion, Geschlecht und sozialem Status für religiöse Bildung enthält. Sie alle machen deutlich, „dass drei Aspekte für eine Religionspädagogik der Vielfalt, wie sie hier vorgeschlagen wird, konstitutiv sind: Ihr gesellschaftspolitischer Bezug, ihre intersektional-analytische Perspektive sowie ihre methodisch interdisziplinäre Herangehensweise. Gesellschaftsbezug: Eine Religionspädagogik der Vielfalt begreift die Frage nach der politischen Dimension und öffentlichen Relevanz von Theologie und religiöser Bildung als konstruktive Herausforderung und hat das Ziel, angesichts gegenwärtiger Probleme sozialer Ungerechtigkeit und kultureller/ religiöser Vielfalt religiöse Bildungsprozesse kritisch zu reflektieren und gesellschaftliche Herausforderungen innovativ mitzugestalten. Der notwendige Gesellschaftsbezug einer Religionspädagogik der Vielfalt ermöglicht, das Verhältnis von sozialer Gerechtigkeit und kultureller/ religiöser Anerkennung, d. h. legitime Ansprüche auf soziale Gleichheit und legitime Forderungen nach Anerkennung von Unterschieden zu thematisieren, zu analysieren und ihr Verhältnis kritisch zu reflektieren. Bei der Konzeption einer Religionspädagogik der Vielfalt geht es demnach um die Aufgabe, die bisher getrennt geführten Diskurse über soziale Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Anerkennung von religiöser Vielfalt stärker zusammenzuführen und die Verwobenheit von Geschlecht, Religion und Klasse in der sozialen Praxis zu erkennen und zu bedenken. Die Frage, wie sich Vielfalt unter den Bedingungen von Ungleichheit verstehen lässt, wird damit zur zentralen Frage der in diesem Band versammelten konzeptionellen Beiträge und Überlegungen. Intersektionalität: Um einen Ansatz von religiöser Bildung zu entwickeln, der anerkennend mit Vielfalt umgeht, Einschließungen und gemeinsames Lernen statt Ausgrenzungen und Diskriminierung auf Grund von sozialer Herkunft, Religion und Geschlecht fördert, erscheint eine intersektionale Verknüpfung verschiedener Differenzkategorien notwendig. Der Intersektionalitätsansatz schärft die Perspektive auf die Analyse von sozialer Ungleichheit: Wie wirken die über Religion, Geschlecht, Körper und sozialen Hintergrund hergestellten Differenzlinien in verschiedenen Kontexten religiöser Bildung zusammen? Welche Verknüpfungen und Interdependenzen zwischen diesen Kategorien spielen für das Verhältnis von Inklusion und Exklusion in der Bildung eine Rolle? Wie werden über ihre Wechselwirkungen Prozesse von Ausgrenzung und Benachteiligung, aber auch von Einschließung, Anerkennung und sozialer Gerechtigkeit gesteuert? Kurz, wie lässt sich Vielfalt unter den Bedingungen von Ungleichheit verstehen? Interdisziplinarität: Diese Fragen sind in Religionspädagogik und Theologie bislang kaum untersucht worden. Nötig scheint uns daher zu sein, im Gespräch mit anderen Disziplinen aus Theologie, Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaft darüber nachzudenken, wie die über Religion, Geschlecht, Körper und sozialen Hintergrund hergestellten Differenzlinien in verschiedenen Kontexten religiöser Bildung zusammenwirken und wie über diese Wechselwirkungen Prozesse von Ausgrenzung und Benachteiligung gesteuert werden. Eine Religionspädagogik der Vielfalt ist ein in diesem Sinne interdisziplinäres Projekt und auf das Gespräch mit verschiedenen Disziplinen und Perspektiven angewiesen: Im Gespräch mit anderen Disziplinen aus der Theologie ist es wichtig zu rekonstruieren, wie soziale und religiös-kulturelle Faktoren an der Konstruktion von Geschlechterkonzepten in Grundtexten der religiösen Überlieferung und theologische Basiskonzepten mitwirken. Ebenso wichtig ist das Gespräch mit Sozialwissenschaften und Schulpädagogik, die im Blick auf Geschlechterforschung, aber auch in der Wahrnehmung von Intersektionalität vielleicht die am weitesten entwickelte Diskussion vorzuweisen haben.“ (7f.)

Sechs Neuerscheinungen für den Bereich Seelsorge sind anzuzeigen: Zum einen die von Klaus Raschzok und Karl-Heinz Röhlin in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05622-4) herausgegebene Kleine Geschichte der Seelsorge im 20. Jahrhundert. Anhand biografischer Essays fokussieren die Beiträge dieses Bandes „bewusst innerhalb der Geschichte der Seelsorge des 20. Jahrhunderts auf die sogenannte ‚Seelsorgebewegung’ im Raum der deutschsprachigen evangelischen Theologie, der evangelischen Kirchen und deren Interaktionspartner. Streng genommen legen wir mit diesem Band eine ‚Kleine Geschichte der Seelsorgebewegung des 20. Jahrhunderts’ vor, ziehen jedoch zum Fokus Seelsorgebewegung die Vorgeschichte, die partnerwissenschaftlichen Grundlagen und die Folgen hinzu, ergänzen diese durch exemplarische Repräsentantinnen und Repräsentanten der Seelsorgepraxis wie der Partnerdisziplinen und zeichnen auf diesem Wege ein vollständiges Bild des 20. Jahrhunderts.“ (16f.) In ihrer ebenfalls in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05215-8) veröffentlichten Bochumer Dissertation Seelsorge und Kognitive Verhaltenstherapie plädiert Katja Dubinski zum anderen für eine psychologisch informierte Seelsorge. Sie schreibt zum Ziel ihrer anregenden Arbeit: „Vom Standpunkt der Poimenik aus wird nachfolgend der interdisziplinäre Dialog mit Kognitiver Verhaltenstherapie als Chance dafür verstanden, sich konstruktiv-kritisch mit gegenwärtiger Psychologie zu befassen und zugleich das eigene Selbstverständnis vor diesem (neuen psychologischen) Hintergrund zu klären. Für den interdisziplinären Dialog der Seelsorge mit Kognitiver Verhaltenstherapie ergeben sich dabei folgende grundlegende Leitfragen: In welchem Rahmen ist es möglich und sinnvoll, Kognitive Verhaltenstherapie stärker in die poimenische Diskussion mit einzubeziehen als dies bisher der Fall war? In welcher Hinsicht kann Poimenik bei reflektierter Betrachtung Kognitiver Verhaltenstherapie deren theoretische oder methodische Überlegungen berechtigt aufnehmen und von ihr profitieren? Und wo liegen hierbei die Grenzen, die es aus Sicht der Theologie zu wahren gilt? Es ist anzunehmen, dass der interdisziplinäre Dialog mit Kognitiver Verhaltenstherapie – über die durch den Dialog provozierte Selbstvergewisserung hinaus – für die Poimenik bereichernd ist. Dies gilt besonders auf theoretischer Ebene, denn der Dialog mit der Psychologie weitet – unabhängig von weiteren Ergebnissen – den Blick von Seelsorgenden, was die Wahrnehmung des Gegenübers und seiner Suche nach Rat betrifft. Sollte dieser Austausch auf Theorieebene dazu führen, dass manche kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden sich darüber hinaus für die seelsorgerliche Praxis als bereichernd erweisen, wäre dies eine erfreuliche Nebenwirkung, nicht aber das eigentliche Ziel des interdisziplinären Dialogs.“ (16) In ihrem Fazit fasst die Autorin zusammen: „Seelsorge profitiert davon, sich als ‚psychologisch informierte Seelsorge’ zu definieren und entsprechend vorzugehen. Es ist deutlich geworden, dass ein solches Selbstverständnis vor allem eine hermeneutische Sensibilisierung bedeutet: Psychologisch informierte Seelsorge nimmt die Herausforderung an, psychologische, insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Konzepte, nicht nur offen und konstruktiv-kritisch zu würdigen, sondern auch die Konsequenzen ihrer Rezeption für ihr Selbstverständnis zu reflektieren. So kann sie zum einen von sich sagen, für den interdisziplinären Dialog mit gegenwärtiger Psychologie respektive Psychotherapie offen zu sein. Zum anderen nützt sie auf diese Weise alle adäquaten Theorien und Methoden, um ihrem Gegenüber die bestmögliche Hilfe zu bieten – und entspricht damit ihrem originären Auftrag und Selbstverständnis als cura animarum.“ (306). Einen dritten Schwerpunkt legt das im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 525-61627-7) von Christiane Burbach herausgegebene 500seitige Handbuch Personzentrierte Seelsorge und Beratung. Das Handbuch verfolgt drei Anliegen: „die Aktualität, die Anschlussfähigkeit und die Gesprächsfähigkeit des Personzentrierten Ansatzes (PzA) darzustellen. Um verschiedene Interessenslagen aufzunehmen, die im Beratungssektor tätig sind, wird Wert auf eine plastische, oft auch bildhafte Sprache gelegt. Der Titel des Buches setzt den Akzent auf die Behandlung des PzA im Kontext von Seelsorge und Beratung. Dass besonders die Seelsorge bedacht wird, geschieht in der Absicht, die in Weiterbildungen und kircheninternen Diskussionen immer wieder gestellte Fragen im Zusammenhang ausführlich zu beantworten. Der Begriff Beratung umfasst nach unserem Verständnis Seelsorge, Ehe­ und Lebensberatung, Beratung im Kontext der Sozialen Arbeit, Supervision, Coaching ebenso wie Organisationsberatung. Alle diese Formate benötigen – außer der beraterischen – weitere Kompetenzen, um den jeweiligen Beratungskontexten, Zielgruppen und Themenstellungen gerecht werden zu können. Es sind katholische und evangelische Autorinnen, Angehörige verschiedener Hochschultypen, Personen aus der Schulleitung und Schulseelsorge, der Sozialen Arbeit, dem kirchlichen Beratungswesen, der klinischen Therapie, der Klinikseelsorge, dem Hospizwesen, der Caritas und Diakonie, der Gemeinde­ und Notfallseelsorge, der selbstständigen Supervision, der Organisationsentwicklung und Beratung mit Lehr-, Therapie-, Beratungs- oder Seelsorgebefugnis, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen in der und durch die Arbeit mit dem Personzentrierten Ansatz in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zusammengetragen haben.“ (9) Sehr gelungene Annäherungen an die Vielgestaltigkeit von Seelsorge bieten die Beiträge in dem von Wolfgang Drechsel und Sabine Kast-Streib in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05187-8) herausgegebenen Band Seelsorgefelder. In der Einleitung heißt es: „Die nachfolgend benannten acht Felder der Seelsorge werden hier aus der Praxis heraus von darin Tätigen beleuchtet. Exemplarisch ermöglichen sie eine Annäherung an die Vielgestaltigkeit von Seelsorge heute: Krankenhausseelsorge (Elisabeth Hartlieb), Telefonseelsorge (Isabel Overmans), Notfallseelsorge (Raimar Kremer), Altenheimseelsorge (Urte Bejick), Seelsorge in der Kirchengemeinde (Sibylle Rolf), Gefängnisseelsorge (Gerhard Ding), Schulseelsorge (Elke Heckel-Bischoff) und Hochschulseelsorge (Hans­Georg Ulrichs).“ (9) In der Tat bringt der Binnenblick detaillierte Nahaufnahmen der einzelnen Felder hervor! Matthias Günther bietet in seinem im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 525-71748-6) veröffentlichten Buch Jugendseelsorge wichtige Grundlagen und Impulse für die Praxis. Er verbindet damit nicht nur die Absicht, „noch einmal neu auf das Thema Jugendseelsorge aufmerksam zu machen. Vor allem ist es der Versuch, einer evangelischen Jugendseelsorge vor dem Hintergrund der gegenwärtigen, durchaus veränderten Herausforderungen – durch den zunehmenden Relevanzverlust jugend­orientierten kirchlichen Handelns – noch einmal neu eine Gestalt zu geben. Die These lautet nun: Gegenwärtige Jugendseelsorge muss viel deutlicher dimensional, in Richtung einer cura animarum generalis (einer umfassenden Seelsorge) gedacht werden. Sie soll ihre Zeit und ihren Ort in den Zeit- und Ortsräumen der Lebenswirklichkeit junger Menschen haben.“ (8) Das Buch ist wie folgt aufgebaut: „Kapitel 1 Was ist Jugendseelsorge? schaut zunächst auf Erfahrungen, die evangelische Jugendliche mit gegenwärtigem kirchlichen Handeln machen, und fragt nach Voraussetzungen einer als glaubwürdig und relevant erfahrbaren Jugendseelsorge. Die Dimensionalität und die Mehrdimensionalität der Seelsorge mit jungen Menschen werden in einem zweiten Schritt beschrieben. Schließlich wird gefragt, wie Ermutigung als Grundausrichtung des jugendseelsorglichen Angebots gedacht werden kann. Kapitel 2 Jugendseelsorge im Horizont des Jugendalters schaut vor allem auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse zum Jugendalter und benennt die Kennzeichen gegenwärtiger Jugendreligiosität. Kapitel 3 Ziel- und ressourcenorientierte Jugendseelsorge entwirft ein Anforderungsprofil für eine ziel- und ressourcenorientierte Jugendseelsorge: Validation, Komplexitätsreduktion und Progression werden als Aufgaben beschrieben. Kapitel 4 Praxis einer ziel- und ressourcenorientierten Jugendseelsorge gibt Impulse für die praktische Arbeit in der Dimension des helfenden Handelns, der religiös bildenden und der liturgisch-spirituellen Dimension der Jugendseelsorge.“ (9) Schließlich wendet sich Elisabeth Roth in ihrer im LIT Verlag (ISBN 643-12086-1) erschienenen Münchener Dissertation „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden“ der Seelsorge im Jugendstrafvollzug zu. Ihre Ausgangsfrage lautet: „Wie lässt sich die konkrete, praktische Tätigkeit der Seelsorge im Jugendstrafvollzug überhaupt theoretisch so erschließen, dass sie mit gängigen Seelsorgetheorien ins Gespräch gebracht werden kann, um schließlich zur Skizze einer eigenen spezifischen Seelsorgekonzeption zu gelangen? Als Schlüssel zu einer systematischen Beantwortung dieser Frage wird sich dabei ein empirischer Zugang zum Forschungsfeld erweisen. Dieser Zugang vollzieht sich in Form von qualitativen Interviews mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern aus dem Jugendstrafvollzug. Die unmittelbare Erfahrungen und Reflexionen der Seelsorgerinnen und Seelsorger, die vermittels dieser Interviews erschlossen werden, bilden dann die wesentliche Grundlage der theoretischen Erschließung dieses Bereichs seelsorgerlicher Praxis.“ (4) Ihre interessante Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunächst skizziert die Autorin anhand eines knappen Abrisses der historischen und ideengeschichtlichen Entwicklung des Jugendstrafvollzugs die Entwicklung der kirchlichen Seelsorge in diesem besonderen Kontext. Sodann nimmt die Verfasserin aus aktueller und fächerübergreifender Perspektive das Feld Jugendkriminalität in den Blick: „Dabei werden insbesondere auch kriminalitätsfördernde Faktoren auf der Basis soziologischer, psychologischer und kriminologischer Forschungsergebnisse herausgearbeitet. Zentrale Zielsetzung dieses Kapitels ist die Ausarbeitung einer empirisch und theoretisch fundierten Heuristik für die weitere Analyse der Seelsorge im Jugendstrafvollzug. Diese Heuristik wird abschließend in Form von vier Leitprinzipien zusammengefasst wird. Im vierten und fünften Kapitel folgt dann die empirische Untersuchung. Anhand von vier Fallbeispielen, die durch qualitative Interviews mit Seelsorgern aus dem Jugendstrafvollzug gewonnen wurden, wird gezeigt, wie Seelsorge sich in diesem Kontext ganz konkret gestaltet und inwieweit die heuristischen Leitprinzipien dort eine Rolle spielen oder nicht. (…) Diese Prinzipien können deshalb nun in Kapitel 6 mit gängigen Seelsorgekonzeptionen ins Gespräch gebracht werden. Die leitende Fragestellung ist dabei die Suche nach einer geeigneten Hintergrundtheorie, die als theoretische Grundlage einer Seelsorgekonzeption dienen kann, die spezifisch auf die Bedürfnisse einer Seelsorge im Jugendstrafvollzug zugeschnitten ist. Eine so spezifizierte Seelsorgekonzeption soll dann in Kapitel 7 wenigstens in ihren Umrissen skizziert werden. Dabei soll unter Berücksichtigung aller Facetten, die sich aus Theorie und Empirie gewinnen ließen, konkretisiert werden, wie sich Seelsorge im Jugendstrafvollzug theologisch begründen lässt, welche zusätzlichen Erkenntnisse notwendig mitbedacht werden müssen und wie sich die seelsorgerlichen Aufgaben schließlich konkret formulieren lassen. Abschließend und ausblickend soll dann im 8. Kapitel die Seelsorge im Jugendstrafvollzug noch einmal ein Fazit zu Anspruch und Wirklichkeit der Wahrnehmung der Gefangenenseelsorge durch die Institution Kirche gezogen werden.“ (4ff.)

Die neue Reihe „Kompendien Praktische Theologie“ im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 17-034062-6) eröffnet Matthias Marks mit seinem informativen Band Religionspsychologie. In seiner Einleitung schreibt der Autor: „Kennzeichen der späten Moderne sind kulturelle Transformationsprozesse, die neu nach der Rolle der Religion fragen lassen. Es gibt sowohl Stimmen, die einen allgemeinen Bedeutungsverlust und Rückgang des Religiösen feststellen, als auch solche, die eher einen Bedeutungswandel und eine Umgestaltung des Religiösen in seinen bisherigen institutionalisierten Formen oder auch Neugestaltung in fremden, erst noch zu entdeckenden Gestalten sehen. Dahinter steht die Frage, ob Religiosität zur Natur des Menschen gehört, also angeboren ist, oder in seiner Entwicklung durch ein Ensemble unterschiedlichster Faktoren zustande kommt bzw. nicht zustande kommt. Diese und andere grundlegende Fragen erfordern heute zunehmend interdisziplinäre Forschungen, zu denen die Religionspsychologie einen maßgeblichen Beitrag leisten kann.“ (9) Das empfehlenswerte Buch ist wie folgt aufgebaut: „Im Einleitungsteil wird die Relevanz der Religionspsychologie im Rahmen praktisch-theologischer Fragestellungen aufgezeigt. Dazu gehört eine nähere Bestimmung des Gegenstands, eine Skizze der zentralen Anliegen, Aufgaben, Fragen, Probleme und Theorieansätze mit ihren Zielen und Grenzen. Dazu gehört aber ebenso, die Prämissen des vorliegenden Ansatzes darzulegen, was hier nicht nur das Theorie-Praxis-Verhältnis und das Bildungsverständnis, sondern auch die Perspektive des Autors umfasst. Der zweite Teil trägt historische Orientierungen vor, die zum Verständnis der gegenwärtigen Themen und Probleme notwendig sind. Der dritte Teil widmet sich der systematischen Entfaltung und Differenzierung der wesentlichen Aspekte psychoanalytisch fundierter Religionspsychologie. Der vierte Teil stellt kurz die in der Psychologie vorherrschende empirische Arbeitsweise der Religionspsychologie vor. Die Verfahren quantitativer und qualitativer Methoden mit ihrem Anspruch, Religion/Religiosität messen bzw. ihre Existenz durch Objektivierung beweisen zu können, fordern kritische Anfragen seitens der Praktischen Theologie heraus. Im fünften Teil soll die bearbeitete Disziplin enzyklopädisch im Ganzen der Praktischen Theologie verortet werden. Dazu ist zunächst zu klären, in welcher Beziehung die Religionspsychologie zur Praktischen Theologie steht, ob sie als eine Fremd- oder als eine Teildisziplin von ihr gesehen wird. Anschließend wird an den Beispielen Gottesdienst, Seelsorge, Predigt, Kasualien, Religionspädagogik, Diakonie und Pfarrberuf aufgezeigt, inwiefern eine religionspsychologische Wahrnehmungseinstellung die Arbeit in der Praktischen Theologie bereichern kann. Als Ausdruck der praxisbezogenen Intention des Kompendiums werden schließlich einige Themen, die in der Wahrnehmung praktisch-theologischer Bildungsverantwortung relevant sind, als ausgearbeitete Beispiele vorgestellt.“ (20f.)

4 Interreligiöse Bildung

In der Reihe „Studien zur Interreligiösen Religionspädagogik“ haben Martina Kraml und Zekirija Sejdini im Verlag W. Kohlhammer (ISBN 170314900-0) den Band Interreligiöse Bildungsprozesse herausgegeben. In ihrer Einleitung schreiben sie: „Obwohl die Notwendigkeit interreligiösen Lernens für viele mittlerweile selbstverständlich geworden ist, werden viele Herausforderungen erst in der konkreten Kooperation sichtbar. Dies war auch bei uns nicht anders. Nach den ersten Schritten mit dem Projekt ‚Basispraktikum’ wurde uns die Relevanz der Prozesse, die sich in der Begegnung zeigten, zunehmend bewusster. Es wurde deutlich, dass wir es bei unserem auf Universität und Schule fokussierten Projekt mit einem ‚Mikrokosmos' zu tun hatten, der sich auch in anderen Handlungsfeldern bzw. in der Gesellschaft widerspiegelt. Um ein Bild von der Situation zu bekommen, wurde die Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, die in den folgenden Beiträgen sichtbar werden.“ (9) In ihrem Abschlussbeitrag mit dem Titel „Gemeinsames als theologische und didaktische Herausforderung" fassen die beiden Herausgeberinnen die Ergebnisse der Beiträge zusammen und ziehen Konsequenzen für die Didaktik interreligiöser Bildungsprozesse. Einleuchtend schreiben sie: „Wenn man sich vor Augen führt, welche Anforderungen die Zukunft bringen wird, dann zeigt sich, dass die Annäherung und die Kooperation der Religionen eine gesellschaftliche und theologische Notwendigkeit sein werden. (…) Entscheidend bei der Weiterentwicklung der interreligiösen Religionspädagogik und Religionsdidaktik ist eine selbstkritische Haltung im Sinne des Sich­-Anfragens und Sich-Hinterfragens, individuell und von Seiten der Religionsgesellschaften. Im Hinblick auf das Zueinander und die Annäherung der Religionen spielen Ängste vor dem Gemeinsamen eine Rolle. Solche Ängste zeigen sich individuell, aber auch auf Seiten der Religionsgemeinschaften. Damit die Ängste ihre destruktive Kraft verlieren, ist ihre Bearbeitung unerlässlich. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn gleichzeitig die Kommunikation nach außen – hin zu den Mitgliedern der anderen Religionen – intensiviert wird. Hier sollte der Auftrag für interreligiöse Bildung, Lehre und Forschung an­knüpfen. Es ist eine politische Dimension, die hier ins Spiel kommt: Der interreligiöse Dialog, der sich in Kooperationen manifestiert und in Bildung ausdifferenziert, bzw. dessen Akteure sollten alles unternehmen um zur gegenseitigen Anerkennung und damit ins Gemeinsame zu kommen, in gemeinsamer Verantwortung für unsere Welt und unseren Kontinent.“ (213) Eine weitere ertragreiche empirische Untersuchung religionsdidaktischer Ansätze leisten die Beiträge in dem von Friedrich Schweitzer, Magda Bräuer und Reinhold Boschki im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3573-5) herausgegebenen Buch Interreligiöses Lernen durch Perspektivenübernahme. Sie legen den Schwerpunkt auf die empirische Unterrichtsforschung: „Die Möglichkeiten empirischer Bildungsforschung sollen auch zur Verbesserung des Religionsunterrichts genutzt werden. Das ist heute besonders wichtig, auch im Blick auf interreligiöse Lernaufgaben. Denn darüber, ob und wie interreligiöses Lernen wirklich funktioniert und welche Wirkungen damit tatsächlich erzielt werden können, ist noch sehr wenig bekannt. Empirische Einsichten stellen aber auch in diesem Fall eine notwendige Voraussetzung für zielführendes pädagogisches Handeln dar. Im engeren Sinne bezieht sich die Studie, die im vorliegenden Band vorgestellt wird, auf den Religionsunterricht im Bereich des beruflichen Bildungswesens. Der dort erteilte Religionsunterricht findet noch immer zu wenig Beachtung, und selbst in der wissenschaftlichen Religionspädagogik gibt es noch kaum empirische Unter­suchungen zu diesem Bereich. Dabei ist davon auszugehen, dass gerade im beruflichen Bildungswesen eine besonders stark durch Migration und unterschiedliche Religionszugehörigkeiten geprägte Schülerschaft anzutreffen ist und dass sich auch im Arbeitsleben beispielsweise Formen der Zusammenarbeit in multikulturellen und multireligiös zusammengesetzten Teams ergeben. Insofern sind die Möglichkeiten interreligiösen Lernens für den Berufsschulreligionsunterricht von besonderer Bedeutung.“ (5) Ein eindrucksvolles ErasmusPlusProjekt mit Partner aus Deutschland, Liechtenstein und der Türkei stellen André Ritter, Jörg Imran Schröter und Cemal Tosun in dem von ihnen ebenfalls im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3591-9) in der bewährten Reihe „Studien zum interreligiösen Dialog“ herausgegebenen Band  Religiöse Bildung und interkulturelles Lernen vor. Dieser ist in drei Teile gegliedert: Der erste Hauptabschnitt befasst sich mit theologischen und religionspädagogischen Grundlagen. „Es ist die gemeinsame Überzeugung aller hier zu Wort kommenden Autorinnen und Autoren, dass ohne eine fundierte theologische Begründung – aus der Perspektive der jeweiligen Religion – ein offener Dialog zwischen den Religionen nicht oder nur oberflächlich möglich ist. Die theologische Bemühung wird dabei nicht nur auf Gemeinsamkeiten und kompatible Elemente, sondern auch auf das die Religionen Trennende hinweisen. Dies gehört zur Redlichkeit des Dialogs hinzu. Je besser die Standpunkte geklärt sind, umso sachgemäßer kann darüber gesprochen werden, was trennt und was eint.“ (15) In einem zweiten Teil werden bildungspolitische Umsetzungen vorgestellt. „Bei den verschiedenen Darstellungen der einzelnen Projektpartner werden auch die länderspezifischen Rahmenbedingungen und damit das unterschiedliche Verhältnis von Religion und Staat deutlich. Interessant ist dabei, dass von den drei an dem ErasmusPlusProjekt beteiligten Ländern der Verfassung nach die Türkei als laizistischer Staat die stärkste Trennung vorsieht, während in Deutschland bei aller Säkularität doch gerade im Beispiel des Religionsunterrichts an Öffentlichen Schulen eine sogenannte ‚res mixta’, eine gemeinsame Angelegenheit von Staat und Religionsgemeinschaft, vorliegt. Im Fürstentum Liechtenstein dagegen ist die säkulare Trennung von Kirche und Staat (noch) nicht vollzogen, auch wenn sie heutzutage angestrebt wird. Die römisch-katholische Kirche ist in Liechtenstein Landeskirche und genießt als solche den vollen Schutz des Staates (Art. 37 II der Landesverfassung).“ (107) In dem dritten Teil werden Beispiele und Erfahrungen interreligiösen und interkulturellen Lernens vorgestellt, „die teilweise direkt im Rahmen des ErasmusPlusProjekts gemacht wurden oder aber als Vor-Erfahrung in das Projekt eingebracht wurden und damit u. a. für die Auswahl der Projektpartner mit entscheidend waren. So verfügen beide im Projekt beteiligten Öffentlichen Schulen (Schillerschule Karlsruhe und Oberschule Eschen) über interreligiöse und interkulturelle Schulprofile mit entsprechenden Schulprojekten, die hier aufgeführt und kurz beschrieben werden.“ (167) Julia Ipgrave, Thorsten Knauth, Anna Körs, Dörthe Vieregge und Marie von der Lippe bilden das Herausgeberteam des in der Reihe “Religious Diversity and Education in Europe” im Waxmann Verlag (ISBN 83093794-4) veröffentlichten Bandes Religion and Dialogue in the City. Case Studies on Interreligious Encounter in Urban Community and Education. Es heißt dazu in der Einleitung: “The studies carried out in the separate contexts of Hamburg, Duisburg, Oslo, Stockholm and London explore the potential and limitations of current approaches to religion and diversity through different, case-specific perspectives and questions. The researchers followed the process-oriented design of our research model in allowing questions and methodologies to be developed from the specific requirements and interests of each research context.” (16) Spannende Studien mit interessanten Ergebnissen!

Public Theology, Religious Diversity, and Interreligious Learning. Contributing to the Common Good Through Religious Education lautet der Titel eines von Manfred L. Pirner, Johannes Lähnemann, Werner Haußmann und Susanne Schwarz im Verlag Routledge New York (ISBN 978-1-138-58392-4) edierten Sammelbandes mit folgendem Inhalt: “This book describes the relationship of Christian Public Theology to other religions and their ways of contributing to the common good. It also promotes mutual learning processes in public education to strengthen the public role and responsibility of religions in pluralistic societies. This volume brings together not only public education and public theology but also scholars from a variety of disciplines such as philosophy, cultural studies, and sociology, and from different parts of the world. By doing so, the book intends to widen the horizon and provide fresh impulses for public theology as well as the discourse on public religious education.” (I) Pirner schreibt in seiner Einführung: “In the thematic field of public theology and religious diversity three main aspects or research questions can be distinguished that will be addressed in the present book. 1. Are there traditions and concepts in other world religions that have similarities or analogies to the Christian concept of public theology? What can we learn from each other when it comes to religious perspectives of contributing to the common good in a pluralistic world? 2. Is the concept and notion of ‘public theology’ useful as a paradigm for other religions beyond Christianity? 3. How can dialogue between diverse religions and worldviews, and mutual interreligious learning from one another, be conceptualized as a subject matter of public theology? The role of religions in and

for the public sphere and especially for cohesion in pluralistic societies has always been ambivalent and still is. Many people perceive religions mainly as a source of quarrel, conflict and division. Therefore, promoting interreligious dialogue and understanding can be seen as one major task of public theology. And for this task, (religious) education and interreligious learning seem to be of primary importance. In this volume the first section addresses the first two research questions, the second section addresses the third question. Consequently, the first section deals with public theology from diverse religious and nonreligious perspectives, while the second section deals with the challenge of interreligious dialogue and learning from a public theology perspective.”(1f.)

Interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen in Schule und sozialer Arbeit mit Geflüchteten möchte die von Harry H. Behr und Frank van der Velden im Verlag V&R unipress (ISBN 8471-0702-6) herausgegebene Arbeitshilfe Religion, Flucht und Erzählung vermitteln. Ziel ist es, Sozial- und Schulpädagog/innen dazu zu befähigen, „das Potenzial und das Risiko religiöser Lebenspraktiken einzuschätzen und diese Ressourcen wertschätzend in das eigene professionelle Handeln zu integrieren. Und sie sollen dafür sensibilisiert werden, dass die Verweigerung vor der religiösen Frage allein auch noch kein Nachweis guter sozialpädagogischer Professionalität ist. Eine gute Praxis im Umgang mit Religion und kultureller Vielfalt ist auch dort vonnöten, wo Betreuende oder soziale Einrichtungen selber keiner religiösen Orientierung angehören.“ (13) Lesenswert sind insbesondere die vier Beiträge zu „Narrativität und Flucht“!

Für ein gutes Zusammenleben mit Muslimen wirbt das im Patmos Verlag (ISBN 8436-1022-3) erschienene Buch Mehr vom Islam wissen von Horst Graebe. In der Einführung über Muslime in Deutschland schreibt der Autor: „Dieses Buch will einen Beitrag zum Dialog an der Basis leisten durch die Vermittlung von Wissen über die vielfältigen Züge des Islams. Dabei beziehen wir uns außer auf eigene Erfahrungen in erster Linie auf die türkisch-islamische Literatur, denn die Menschen türkischer Herkunft stellen die größte Gruppe von Muslimen in Deutschland dar. Wenn man sie richtig verstehen will, muss man ihr Denken kennenlernen, was die Beschäftigung mit türkischem Islamverständnis erfordert. Dabei ist ganz wesentlich, wie die Menschen selbst ihren Glauben praktizieren; es geht um die ‚Innensicht’, die durch die eigenen Quellen vermittelt wird. Es gibt zudem nicht ‚den Islam’, sondern abgesehen von den unterschiedlichen Konfessionen und Rechtsschulen auch viele lokale Ausprägungen mit eigenen Bräuchen und Traditionen. Allen gemeinsam sind jedoch die Quellen, insbesondere der Koran und die Überlieferung in der Form der Hadithe.“ (15) Ebenfalls das oben genannte Ziel erreichen möchte auch die in der edition chrismon (ISBN 96038-124-2) veröffentlichte Einführung in den Islam Der Islam. Fragen und Antworten für alle, die´s wissen wollen von Willi Weitzel und Mouhanad Khorchide. In seinem Vorwort bekennt der Reporter Weitzel: „Aber es sind nicht die Fragen, die dieses Buch ausmachen, sondern die Antworten, die mir mein Interviewpartner, ein intellektueller Professor, ein weltoffener Islamwissenschaftler, ein mutiger und unterhaltsamer Gelehrter, ein bescheidener, gläubiger Muslim und beeindruckender Mensch mit großem Herz, gegeben hat. Durch ihn durfte ich den Islam kennenlernen und vieles, was ich bisher vermeintlich kannte, berichtigen. Er hat Licht, Ordnung und Verständnis in die Halbweisheiten gebracht, die ich bis dato über den Islam aufgeschnappt und abgespeichert hatte.“ (7) Warum es sich lohnt, mit akademisch fundiertem Wissen einer breiten Öffentlichkeit gesellschaftlich relevante Themen, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, zugänglich zu machen, begründet Zekirija Sejdini als Herausgeberin in ihrem im Waxmann Verlag (ISBN 8309-3809-5) erschienenen Buch Islam im Europa. Begegnungen, Konflikte und Lösungen wie folgt:Die Entwicklungen der letzten Jahre, die vor allem durch die Zunahme des muslimischen Bevölkerungsanteils geprägt sind, zeigen deutlich, dass ein sachlicher Zugang in der Auseinandersetzung mit dem Islam dringend notwendig ist, wenn all jene Werte nicht gefährdet werden sollen, die die Europäische Union besonders auszeichnen. Die Zukunft Europas hängt sehr stark davon ab, ob es uns gelingen wird, mit dieser kulturellen und religiösen Pluralität umzugehen. Dies bedeutet nicht, dass im Umgang mit dem Islam ein besonderer Weg eingeschlagen werden muss und der Islam bzw. die Musliminnen und Muslime von einer Kritik, der auch alle anderen Religionen ausgesetzt sind, verschont werden sollen. Es geht vielmehr darum, dass die Komplexität der Problematik in ihrer gesamten Breite wahrgenommen wird und wissenschaftlich fundierte Forschung in die Diskussion mit einfließt, damit eine konstruktive und sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Islam im europäischen Kontext ermöglicht wird. In diesem Zusammenhang soll dieses Buch zur Versachlichung des Islamdiskurses beitragen. Durch die Auswahl bestimmter Themen und unterschiedlicher Perspektiven sollen die Beiträge unserer Expertinnen und Experten allen Interessierten einen differenzierten Zugang zum Thema Islam verschaffen.“ (11f.) Dies ist zweifellos gelungen!

5 Andere theologische Disziplinen

Folkart Wittekind hat im Verlag Mohr Siebeck (ISBN 16-156067-5) das bedenkenswerte Buch Theologie religiöser Rede. Ein systematischer Grundriss vorgelegt. Zunächst schreibt der Autor zum Selbstverständnis der Systematischen Theologie: „Systematische Theologie als universitäre Disziplin steht unter der Anforderung, zwei gegenläufige Bestimmungen miteinander verbinden zu müssen. Die erste nimmt die Tradition der Apologetik, der Systematisierung und Rationalität, der Wahrheitsbindung und des gegenwartsbezogenen Gültigkeitsnachweises auf und kann zusammengefasst werden in die Forderung, dass alle inhaltlichen Annahmen des Glaubens denkend plausibilisiert, damit begründend auf anderes zurückgeführt und so letztlich aufgelöst werden. Die zweite nimmt die Tradition der Bindung der Theologie an Tradition, Kirche, Verkündigung und Glauben auf und kann konzentriert werden in die Forderung, dass die Theologie aus der Innensicht des Glaubens heraus argumentieren soll. Beides kann nur widerspruchsfrei verbunden werden, wenn die Innensicht des Glaubens als seine auf sich selbst bezogene Durchsichtigkeit verstanden wird. Systematische Theologie ist damit zu verstehen als das wissenschaftliche Konstrukt eines sich selbst durchsichtigen Glaubens, und zwar indem die Gehalte des Glaubens so interpretiert werden, dass sie beschreiben, wie der Glaube sich selbst und sein Funktionieren versteht.“ (3) Sodann präzisiert der Verfasser die Aufgabenstellung, in welcher der Theologiebegriff zu bestimmen ist: „Theologie soll eine Konstruktion des (protestantischen) Glaubens als Akt des religiösen Verstehens von religiöser Rede bieten. Deshalb geht die Systematische Theologie religiöser Rede vorn Theologiebegriff aus. Sie setzt ihren Gegenstand, das Selbstverständnis religiöser Rede in ihrer protestantischen Gestalt, in eigener Regie. So erweist sie sich in sich als vollständig kritisch reflektierbar und auf ihre Voraus-Setzungen befragbar. Dadurch wird sie zu einer Wissenschaft. Zugleich relativiert sie sich selbst im Hinblick auf die Geltung der Religion, die ihr Gegenstand ist, und tut damit nicht mehr so, als wäre das Bestehen des christlichen Glaubens in der Moderne von der richtigen Theologie abhängig. Denn die christliche Religion ist in ihrem Selbstverständnis auf die Geltung der Offenbarung gerichtet und besteht gerade so als eine eigenständige Sprache in der Kultur. Diese gegenseitige Freiheit von Religion und Theologie muss im Theologiebegriff selbst zur Darstellung gebracht werden.“ (8f.) Im Verlag Peter Lang (ISBN 631-73187-1) ist als weiterer, ebenfalls sehr interessanter theologisch-philosophischer Beitrag zu Gegenwartsfragen der Band Theologie als Wissenschaft. Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive von Lukas Ohly erschienen. Zur Verortung seines Werks schreibt der Autor in seinem Vorwort: „Eine Fundamentaltheologie steht selbstverständlich am Anfang einer wissenschaftlichen Untersuchung. Die Methoden werden hier bestimmt und ihre Sachhaltigkeit begründet, bevor dann an ihnen der Forschungsgang vollzogen wird. In meiner Darstellung der Systematischen Theologie steht sie dagegen am Ende. Eine trinitarische Theologie habe ich bereits formuliert und dabei implizit, aber manchmal auch explizit von Voraussetzungen Gebrauch gemacht, die zu ihrer Fundamentaltheologie gehören. Ich bezweifle, dass meine Theologie eine andere Richtung genommen hätte, wenn ich zuerst die Fundamentaltheologie formuliert hätte. Denn zum einen ließen sich die methodischen Voraussetzungen phänomenologisch ‚an der Sache selbst’ erschließen. Mit der Gotteslehre zu beginnen und die Theologie dann trinitarisch zu strukturieren, ist kein deduktives Verfahren, sondern erschließt sich am Gegenstand der Theologie. Zum anderen könnte daraus folgen, dass die Fundamentaltheologie ein eigenes Gegenstandsfeld ist, das zwar nicht unabhängig ‚von der Sache selbst’ sein kann, aber besser von ihr beeinflusst wird als umgekehrt sie zu beeinflussen. Das zumindest ist der Anspruch der Fundamentaltheologie von Karl Barth gewesen, der sie sachlich in die Mitte der Dogmatik stellt. Fundamentaltheologie ist keine formale Disziplin, in der sich die Systematische Theologie auf ihr Verfahren verständigt, als ob sie den Gegenstand dabei nicht bereits untersuchen würde. Ihr Wesen liegt auch nicht im Import von ‚Lehnsätzen’ anderer Wissenschaften, wie das bei der Fundamentaltheologie Schleiermachers der Fall ist. Vielmehr ist Fundamentaltheologie bereits Theologie in ihrer vollen Sachlichkeit und kann daher nur hermeneutisch zirkulär ihre eigenen Voraussetzungen ermitteln, von denen sie immer schon herkommt. Während Barth also zwar mit der Fundamentaltheologie beginnt, aber darin bereits das zweite vorwegnimmt, nämlich die Gotteslehre, steht meine Fundamentaltheologie am Ende, ohne sachlich am Ende oder am Anfang zu stehen.“ (7f.) In der renommierten Reihe „Themen der Theologie“ widmen sich im Verlag Mohr Siebeck utb (ISBN 16-152614-5) unter der Herausgeberschaft von Friedrich W. Horn namhafte Wissenschaftler_innen aus dem Alten und Neuen Testament, aus der Kirchengeschichte und Systematischen Theologie, aus der Praktischen Theologie und Religionswissenschaft sowie aus der Judaistik dem Thema Glaube. In seiner Einführung hält der Herausgeber einleuchtend fest: „Das Stichwort Glaube benennt nicht ein Thema der Theologie neben vielen anderen, sondern umgreift das Ganze der christlichen Theologie und des christlichen Glaubens. Christen werden daher auch einfach Glaubende bzw. Gläubige genannt. Der Glaube gehört grundlegend zum Kennzeichen ihrer Religion oder, auf den Einzelnen bezogen, zu seinem religiösen Selbstverständnis. Was das Wesen des Christentums und der Theologie ist, kann vom Stichwort Glaube her erschlossen werden. Dennoch kann es in diesem Band nicht darum gehen, das Ganze des christlichen Glaubens als christliche Glaubenslehre darzustellen, so wie Friedrich Schleiermacher dies in seiner Glaubenslehre, ausgehend von einer Theorie des religiösen unmittelbaren Selbstbewusstseins, getan hat. Der Anlage der Reihe Themen der Theologie folgend soll in die einzelnen Disziplinen der Theologie, die sich im Laufe der letzten 150 Jahre herausgebildet haben, geschaut werden, um genauer wahrzunehmen, wie Glaube in ihnen zur Sprache kommt. Dass hierbei neben den biblischen Disziplinen Altes und Neues Testament, der Kirchengeschichte, der Systematischen Theologie und der Praktischen Theologie jetzt auch Religionswissenschaft und Judaistik aufgenommen werden, entspricht einerseits der jüngeren weiteren Ausdifferenzierung der theologischen Fächer, ist andererseits aber von der Sache her auch unumgänglich. Evangelische Theologie darf nicht darauf verzichten, das eigene Profil gerade im Gespräch mit Judaistik und Religionswissenschaft oder mit Interkultureller Theologie zu schärfen. (…) Eine erste Einsicht im Gespräch mit allen Beiträgern des Bandes lautete: das Thema Glaube ist in den verschiedenen theologischen Disziplinen in äußerst unterschiedlicher Gewichtigkeit präsent. Sei es zum einen, dass wie im Alten Testament der quellensprachliche Befund und die Dichte des Vorkommens weitaus geringer sind als oftmals behauptet. Sei es zum anderen, dass das Thema Glaube, wie innerhalb der Religionswissenschaft, bislang nicht wirklich thematisiert, ja gelegentlich sogar ausgegrenzt wird bzw., wie innerhalb der Praktischen Theologie, eigentlich erst in jüngerer Zeit, hier dann aber prägnant, in den Fokus der Betrachtung tritt. In den Disziplinen Neues Testament, Kirchengeschichte und Systematische Theologie hingegen war das Stichwort Glaube immer gegenwärtig, was sich auch bis heute an einer Vielzahl von Monographien zum Thema ablesen lässt.“ (1f.) Ein sehr hilfreiches Buch! Bibel, Schrift und Evangelium im Leben der Kirche und im Denken der Theologie stehen im Mittelpunkt des in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05648-4) veröffentlichten umfangreichen Bandes Wirkendes Wort von Ingolf U. Dalferth, in dem das herrschende Theologieverständnis radikal infrage gestellt wird: „Wir stehen kulturell an der Schwelle zu einer Epoche, in der digitale Kommunikationsformen und nicht mehr die Fertigkeiten der Buchkultur den Ton angeben werden. Das wird die protestantische Theologie zu tiefgreifenden Revisionen nötigen. Wie kaum eine andere Disziplinengruppe hat sie sich sachlich und methodisch im Buch-Paradigma der Neuzeit eingerichtet. Das nur fortzusetzen, ist kein Weg in die Zukunft. Die protestantische Theologie der Gegenwart muss ihre eigene Geschichte kritisch reflektieren und angesichts der anstehenden Umbrüche die notwendigen Konsequenzen ziehen. Welche das sind, ist umstritten, und die gegenwärtig diskutierten Revisionsvorschläge weisen in gegenläufige Richtungen. Mein Plädoyer ist, dass protestantische Theologie konsequent zur evangelischen Theologie werden sollte – zu keiner konfessionellen Theologie im überkommenen protestantischen Sinn, sondern zu einer Theologie, die sich, in welcher konfessionellen Tradition auch immer, auf das Wirken des Evangeliums im menschlichen Leben konzentriert. Evangelische Theologie in diesem Sinn orientiert sich an Gottes schöpferischer Gegenwart und dem transformierenden Wirken seiner Liebe in der Schöpfung und wird nicht aus methodischen Gründen zu einer historischen Textwissenschaft oder empirischen Religionswissenschaft des Christentums verkürzt. Nur wer die Welt von Gottes Gegenwart her betrachtet, wird sie als Resonanzraum des Schöpfers wahrnehmen. Wer dagegen Gottes Gegenwart finden will, ohne von ihr schon auszugehen, wird nur seine eigenen Schatten sehen und sein eigenes Echo vernehmen. Die evangelische Orientierung an den Modi der Gegenwart Gottes ist kein Privileg protestantischer Theologie. Sie könnte vielmehr zum Ansatzpunkt einer wahrhaft ökumenischen Theologie werden, die sich nicht an alten konfessionellen Differenzen abarbeitet, sondern sich in der gemeinsamen Verantwortung für das Wirken des Evangeliums bemüht, das christliche Leben in seinen kirchlichen und nichtkirchlichen Formen kritisch zu reflektieren und konstruktiv zu begleiten.“ (VII). In dem empfehlenswerten Buch geht es um folgende Fragen: „Evangelische Theologie ist keine Textwissenschaft, sondern eine Interpretationspraxis – die vielschichtige und vieldimensionale Auslegung und Reflexion der Kommunikation des Evangeliums und ihrer Auswirkungen im Leben, Denken und Handeln von Menschen unterschiedlicher Zeiten und Kulturen. Als Auslegung der Kommunikation des Evangeliums bezieht sich evangelische Theologie auf eine komplexe menschliche Praxis – das christliche Leben, in dessen Zentrum die Kommunikationspraxis der Kirche steht, ohne die es kein christliches Leben gäbe. Als Auslegung der Kommunikation des Evangeliums bezieht sie sich auf das, worum es dieser menschlichen Praxis geht – die Auslegung des Lebens durch die Selbstkommunikation Gottes in, mit und unter der Kommunikation des Evangeliums. Das Evangelium ist die Auslegung des Lebens durch Gottes Gegenwart auf Gottes Gegenwart hin. Es entfaltet nicht nur, dass, sondern wie Gott der Gegenwart von Menschen gegenwärtig ist. Eben dadurch setzt das Evangelium Transformationsprozesse in Gang, die sich als Neuorientierung des Lebens von Men­schen an Gottes Gegenwart vollziehen. Welche Rolle spielt in diesem Geschehen die Schrift? Was ist darunter zu verstehen? Wie fungiert sie in der Kirche und im christlichen Leben? Wann wird die Schrift verstanden, und wann nicht? Das sind zentrale Fragen einer theologischen Hermeneutik der Schrift. Nach Schleiermachers kluger Einsicht ist Missverstehen das, was sich von selbst ergibt, während man sich um Verstehen nach allen Regeln hermeneutischer Kunst bemühen muss. Zu diesen Regeln gehört, dass man die richtigen Unterscheidungen macht. Nur dann kann man vermeiden, falsche Fragen zu stellen, und auf vernünftige Antworten hoffen. Und nur Unterscheidungen, die das leisten, sind richtige Unterscheidungen, weil sie weiterführen. Auch richtige Unterscheidungen können allerdings nicht garantieren, dass verstanden wird. Verstehen ist frei und kein Resultat des geregelten Befolgens von Regeln. Es ist aber nicht willkürlich, als ob jeder verstehen könnte, wie und was er will, sondern es folgt Regeln, die zu entscheiden erlauben, ob man verstanden hat oder nicht. Nur sind das Kunstregeln, wie Schleiermacher sagt, deren Anwendung selbst nicht geregelt werden kann, sondern Urteilskraft erfordert, also die Fähigkeit, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, und damit auch die Bereitschaft, in den Streit einzutreten, was denn in einem gegebenen Fall für wen und aus welchen Gründen wichtig oder unwichtig ist, sein könnte oder sein sollte. Welche Unterscheidungen sind in diesem Sinn in einer Hermeneutik der Schrift zu beachten? Es sind zum einen Unterscheidungen, bei denen es nicht primär um die Methoden der Auslegung geht, sondern zuerst und vor allem um die Bestimmung des Gegenstands der Auslegung. Die klassische Ausdifferenzierung hermeneutischer Aufgaben in der pietistischen Hermeneutik in die ars intelligendi (Kunst des Verstehens), ars explicandi (Kunst des Auslegens) und ars applicandi (Kunst der Anwendung des Verstehens) ist nicht nur, wie meist angenommen, eine Methodenunterscheidung, sondern weit mehr noch eine Unterscheidung in der Bestimmung der Gegenstände der Auslegung. Es ist eines, Texte zu verstehen, ein anderes, den Gebrauch von Texten zur Auslegung des Lebens zu verstehen. Auch wer meine, in der ersten Hinsicht von der Applikation absehen zu können (Verstehen der Bibel), wird es in der zweiten nicht tun können: die Applikation ist das, was es zu verstehen gilt (Verstehen der Schrift). Aber nur wenn klar ist, was auszulegen ist, kann man auch einen vernünftigen Streit über die Methoden führen, die dabei am besten zu befolgen sind. Zum anderen sind es Unterscheidungen, die im Blick auf diesen Gegenstand zu machen sind und ohne deren Beachtung man nicht beurteilen kann, ob man diesen Gegenstand verstanden oder recht ausgelegt hat. Was ist der Gegenstand, den man zu verstehen sucht? Und was ist die Frage (oder die Fragen, die Probleme, der ,Ruf’, die Herausforderung, die Aufgabe), auf die dieser Gegenstand eine Antwort zu geben versucht? Ohne Klärung der ersten Frage weiß man nicht, was man zu verstehen sucht. Ohne Klärung der zweiten Frage weiß man nicht, wie das, was man zu verstehen sucht, zu verstehen ist, um es in seinem Eigensinn verstanden zu haben.“ (XIff.)

 

Ulrich H. J. Körtner ist der Autor des in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05700-9) erschienenen spannenden Buches Luthers Provokation für die Gegenwart. Christsein – Bibel – Politik. Er markiert den Inhalt seines Gesprächs mit Luther wie folgt: „Tatsächlich war Luther ein radikaler, nach dem biblischen Grund des Glaubens fragender Theologe. Seine Kritik am Ablass wie die darin sich anbahnende Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben und vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen hatte eine systemsprengende Kraft, die den Bruch unausweichlich machte. Die Sprengkraft von Luthers Theologie sollte gerade heute neu bewusst gemacht werden. In einer Zeit der religiösen Indifferenz und eines trivialisierten Christentums brauchen wir mehr denn je eine neue Form von radikaler Theologie, die leidenschaftlich nach Gott fragt und auf das Evangelium hört. Aus diesem Grund suche ich im vorliegenden Buch das Gespräch mit Martin Luther. Die Themen, um die es geht, sind die christliche Freiheit, Luthers Bibelverständnis und Schriftauslegung, das an seiner Evangelienauslegung veranschaulicht wird, seine Auffassungen von Arbeit und Beruf sowie seine Theologie des Politischen. In den beiden zuletzt genannten Fällen geht die Beschäftigung über Luther hinaus, weil das reformatorische Berufsverständnis und die reformatorische Sichtweise der Sphäre des Politischen bis in unsere Gegenwart erheblichen Transformationen ausgesetzt sind. Das gilt freilich ebenso für das moderne Freiheitsverständnis wie für die zeitgenössische Bibelhermeneutik. Der gründliche Blick auf die Umformungen reformatorischer Gedanken und Überzeugungen ist unabdingbar, weil nur so ihre bleibende Relevanz um so deutlicher zutage tritt. Wer Luther verstehen will, muss sich vor allem mit seinem Gottesverständnis auseinandersetzen. Mit ihm steht und fällt Luthers Glaubensverständnis, gehören für ihn doch Gott und Glaube zusammen. Der Gott Martin Luthers ist und bleibt freilich eine Provokation. So radikal wie Luther nach Gott gefragt und ihn gesucht hat, so radikal fällt auch seine Antwort aus. Sie ist der Schlüssel zu Luthers radikaler Theologie, und darum beginnt unser Gespräch mit Luther genau an diesem Punkt.“ (15f.)

Was wir wissen können und was wir glauben müssen lautet der Titel der von Volker Ladenthin im Echter Verlag (ISBN 429-04493-0) veröffentlichten kleinen Erkenntnistheorie für den Alltag. Der Verfasser geht von folgender Leitfrage aus: „Meine Frage ist schlicht: Worauf kann man sich felsenfest verlassen? Wie können wir Politik begründen, die massiv in das Leben von Millionen Menschen eingreift? Warum können wir Menschen verurteilen und ins Gefängnis sperren? Warum sind wir sicher, dass wir Kriege führen oder Frieden schließen dürfen und damit unsere Perspektive auf die Welt als die richtige ansehen und die andere als die falsche? Die eine Perspektive als Wahrheit und die andere Perspektive als Irrtum? Wir müssen uns da ja sehr sicher sein. Es geht immerhin um Leben und Tod. Was ist Wahrheit? Denn, davon meine ich ausgehen zu müssen: Man macht keine Politik, man tötet andere Menschen nicht, wenn man sich seiner Sache nicht ganz sicher ist. Felsenfest überzeugt. Was ist aber die Sache, derer man sich sicher ist? Und wie wird man sich seiner Sache sicher? Wie erkennt man sie?“ (7) Der Autor kommt unter anderem zu folgendem Ergebnis: „Erkenntnistheorien und Versuchsanordnungen der Hirnforschung wollen herausfinden, wie wir erkennen..., und Erkenntnisprozesse mögen im Einzelfall sehr schwierig, umstritten und nur vorläufig sein. Aber keine Erkenntnistheorie und keine Erkenntnis kann beweisen, dass wir nichts erkennen können. Ja, je mehr sich Theorien abmühen, die Relativität oder sogar Unmöglichkeit von Erkenntnis nachzuweisen, desto mehr arbeiten sie daran, den Erkenntnisprozess besser zu verstehen und seine Existenz zu beweisen. Denn Zweifel braucht Gründe, also Erkenntnis. Wenn es Gewissheiten für den Menschen gibt, dann die, dass er zwischen Wahrnehmen und Erkennen unterscheiden kann, dass er etwas erkennen und das Erkannte gestalten kann. Und das ist doch tröstlich. Wahrheitstheorien fragen danach, ob und wie Wahrheit möglich ist. Aber sie fragen dies unter dem von ihnen bereits im Fragen akzeptierten Anspruch von Wahrheit. Seinsverbunden sind sie. Sie setzen immer schon als gültig voraus, wonach sie zu fragen vorgeben. Und auch das ist tröstlich. Erfahrungsgemäß verfügen wir nicht über Wahrheit, dazu leben wir zu kurz, dazu sind unsere Sinne zu begrenzt und dazu ist die Menschheitsgeschichte nicht auf irdische Dauer angelegt. Aber wir müssen voraussetzen, dass es Wahrheit gibt – weil wir sonst nicht einmal Wahrheitstheorien bezweifeln könnten. Wir müssen – wenn wir denken – Wahrheit voraussetzen. Aber dass es das Vorausgesetzte auch gibt (dass es ‚ist’), das ist ein Glaubensakt. Denn ob es das, was wir voraussetzen, auch gibt, ist mit der Voraussetzung nicht bewiesen. Allerdings dächten und handelten wir inkonsequent und völlig verantwortungslos, wenn wir Wahrheit nicht voraussetzten. Warum nun aber die Welt und unsere Wahrnehmung so eingerichtet sind, dass wir Wahrheit und Lüge unterscheiden können, warum unsere Sprache Bedeutung hervorbringen kann und sich auf den mühseligen Weg zur Wahrheit macht, die wir nie erreichen werden, das weiß ich nicht. Beinahe hätte ich geschrieben, das wissen die Götter. Aber da wären wir bei einem anderen Thema.“ (209f.)

 

Doris Nauer erläutert in ihrem im Verlag W- Kohlhammer (ISBN 17-034956-8) erschienenen Buch Mensch – christliches Menschenbild heute? „verständlich für Neugierige“, dass die christliche Sicht vom Menschen alles andere als antiquiert ist: „Das Buch will für die christliche Anthropologie begeistern und dazu ermutigen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Autorin ist fest davon überzeugt, dass die typisch christliche Sicht von Mensch-Sein gerade angesichts der komplexen Herausforderungen im 21. Jh. eine hilfreiche Orientierung sowohl im individuellen als auch im öffentlichen Leben bieten kann. Herausgearbeitet werden soll eine sowohl traditionsverwurzelte als auch zeitgemäße christliche Sicht vom Menschen. Eine menschen­freundliche, lebens-freundliche und umwelt-freundliche Sicht, die dazu beitragen kann, dass Menschen unterschiedlicher Religions-, Weltanschauungs-, Kultur- und Staatszugehörigkeit ebenso menschenfreundlich, lebensfreundlich, umweltfreundlich, friedlich und solidarisch miteinander leben können. Anvisiert ist zudem, Christentums-Kritikerlnnen dafür zu sensibilisieren, dass sie sich oftmals an altmodischen Vorstellungen abarbeiten, die überhaupt nicht den Kern christlicher Theologie und Anthropologie ausmachen.“ (11). Nach Aussagen der Verfasserin soll in ihrem Buch „fundierte inhaltliche Klärungsarbeit auf der Höhe des aktuellen theologischen Forschungsstandes geleistet werden. Komplexe theologische Inhalte sollen in möglichst verständlicher Sprache und in möglichst komprimierter Form wiedergegeben werden. Auf eine theologische Fach-, Sonder- und Geheimsprache soll weitgehend verzichtet werden. Altmodisch klingende Begriffe (z.B. Sünde, Erlösung, Rechtfertigung) und zeitgebundene Bilder (Geschöpf, Staub, Hölle, Teufel, Himmel), die heutigen Menschen oftmals nichts mehr sagen, sollen in moderne Sprache und Bilder übersetzt werden. Ein derartiges ‚Update' darf jedoch nicht dazu führen, dass Glaubensinhalte, die auf den ersten Blick für Menschen im 21. Jh. vielleicht fremd oder sogar anstößig erscheinen, vorschnell gestrichen werden, um an heutige Bedürfnisse geschmeidiger ‚andocken' zu können. Zur typisch christlichen Sicht vom Menschen gehört auch Fremdes und Anstößiges.“ (12) Eine äußerst anregende Veröffentlichung! Dem Spezialthema Sabbat – Gottesgeschenk für alle widmet sich Tilman Jeremias in seinem im Calwer Verlag (ISBN 7668-4461-3) erschienenen gleichnamigen Büchlein. In seiner Einführung schreibt der Autor: Je rasender die Entwicklung der Beschleunigung fortschreitet, „desto lauter werden jedoch auch die Rufe nach Entschleunigung, Unterbrechung, Atempausen für Leib und Seele, aber auch nach Mäßigung und Bescheidenheit. Immer mehr Menschen sehnen sich nach innerer und äußerer Ruhe. Sie möchten dem Lärm des Verkehrs und der dauernden medialen Beschallung entkommen. Und sich öffnen für ihre innere Stimme, die von diesem Lärm allzu oft zugedeckt wird. Auf diesem Weg wird ihnen oft neu bewusst, was wesentlich ist für ihr eigenes Leben. Dieses Buch möchte zeigen, dass dabei ein biblisches Gottesgeschenk eine große Hilfe sein kann: der Sabbat. Der Sabbat ist Ziel und Höhepunkt der Schöpfung, göttlicher Erquickungsraum im Wochenrhythmus, Gegenmodell zur Arbeitszeit, Tag des Gotteslobs und des Festes, Erholung für Mensch und Tier, für Leib und Seele. Nicht umsonst bezeichnet Erich Fromm den Sabbat als wichtigste Idee der Bibel. Das dritte der Zehn Gebote (nach der Zählung Martin Luthers), den Sabbat zu heiligen, ist das in der Bibel am häufigsten eingeschärfte und zugleich in unseren Tagen wohl am meisten übertretene Gebot und gerade deswegen heute eminent bedeutsam. Wie alle Gebote ist es kein den Menschen beschränkendes, ihn einengendes Gesetz, sondern hilfreiche Weisung Gottes zum Leben. Während christliche Kirche und Theologie das Sabbatgebot wenig beachtet oder umgedeutet, ja den Sabbat aktiv zurückgedrängt haben, hat das Judentum seine Identität gerade und vor allem durch das Halten des Sabbats jahrhundertelang bewahrt. Von ihm und von der reichen biblischen Bezeugung des Sabbats her ist eine christliche Neubesinnung in Bezug auf den Sabbat zu entwickeln. So gilt es in unseren Tagen, den Sabbat in seinen zahlreichen, auch überraschenden Aspekten neu zu entdecken und seine heilsame Wirkung für das eigene Leben fruchtbar werden zu lassen.“

Zwei historisch orientierte bzw. historiographische Neuerscheinungen gilt es anzuzeigen: Zum einen die im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht utb (ISBN 8252-4737-9) in der Reihe „Basiswissen Theologie und Religionswissenschaft“ erschienene Geschichte des frühen Christentums von Markus Öhler. Das einführende Lehrbuch enthält eine hervorragende Rekonstruktion der Geschichte des frühen Christentums und ist folgendermaßen aufgebaut: „Nach einer Einführung zum Thema ‚Geschichte des frühen Christentums’ wird zunächst ein Überblick über den antiken Kontext gegeben, der für das Verständnis der Entwicklung des frühen Christentums unerlässlich ist. Daran anschließend widmet sich ein relativ breiter Abschnitt der Chronologie, wobei dieser Teil auch als Vorausblick auf die folgenden Kapitel dient. Diese orientieren sich grob an einem chronologischen Ablauf, berücksichtigen aber auch geographische Aspekte: die Wirksamkeit Jesu von Nazareth, die ersten Christusgläubigen in Palästina, Syrien,

Kleinasien und Griechenland bis hin zu den weiteren Entwicklungen im beginnenden 2. Jh. n. Chr. Dabei stehen die Positionierung zu judäischen Identitätsmerkmalen, die innergemeindlichen Entwicklungen sowie das Verhältnis zur nicht-christlichen Gesellschaft im Fokus. Einige Exkurse widmen sich bedeutenden Personen des frühen Christentums. Zwei sachliche Anliegen durchziehen diese Rekonstruktion: Zum einen soll gezeigt werden, dass die Entstehung des frühen Christentums mit den historischen und kulturellen Entwicklungen des 1. Jhd. n. Chr. verbunden ist. Geschichte ist nicht anders zu denken als unter Berücksichtigung der zahlreichen Kontexte, in die sie eingebettet ist. Zum anderen soll die von Anfang an bestehende Diversität des frühen Christentums erkenntlich werden, um zu ermöglichen, die früh­christlichen Texte im Rahmen ihrer Entstehungssituation deuten zu können. Die Rekonstruktion der Geschichte des frühen Christentums hat ihre Bedeutung eben auch darin, zu einem besseren Verständnis der Glaubenszeugnisse des Anfangs zu verhelfen und so zum Gesamten der Theologie beizutragen.“ (9f.) Dies ist zweifellos gelungen! Interessante Forschungsperspektiven und historiographische Fallstudien enthält das von Bernd Schröder, Peter Gemeinhardt und Werner Simon in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN 374-05397-1) herausgegebene Buch „Rezeption“ und „Wirkung“ als Phänomene religiöser Bildung. In der Einführung heißt es: „Die Beiträge dieses Bandes sind dem Ziel verpflichtet, die Art und Weise des Brückenschlags bzw. des Zusammenhangs zwischen historischen Phänomenen (Personen, Texte, Konstellationen) und deren Thematisierung bzw. Aufnahme in einem zeitlich späteren oder räumlich-kulturell anderen Kontext auszuleuchten – sie gehen davon aus, dass dieser Zusammenhang nicht im Modus objektiver Konservierung und Reproduktion oder – im Bereich wissenschaftlicher Bearbeitung – allein in leidenschaftsloser Rekonstruktion der Vergangenheit besteht. Das Vergangene wird nicht so thematisiert, aufgenommen und konserviert, ‚wie es eigentlich gewesen ist’ (Leopold von Ranke), sondern es wirkt und wird rezipiert.“ (9f.) Zudem wird daran erinnert, „dass in diesem Band ‚Wirkung’ und ‚Rezeption’ als methodologische Stichworte diskutiert werden – dass diese allerdings daneben auch eine grundlegende theologische Bedeutung haben: im Christentum, aber nicht minder in Judentum und Islam. Am Beispiel des Christentums sei dies angedeutet: Christlicher Glaube verdankt sich dem Wirken und der Wirkung Gottes in Jesus von Nazareth; er schrieb und schreibt sich fort durch Rezeption der Einzelnen, die sich taufen lassen, und durch Rezeption der Gemeinschaft, die ekklesia genannt wird, zudem schon früh durch Transfer in verschiedene Kultur- und Sprachräume. Nicht ohne Grund lässt sich Theologie als Reflexion auf die Wirkungsgeschichte ihrer Ursprungsimpulse und ‚Rezeption’ als ‚Grundstruktur des persönlichen Glaubens’ und ‚kirchlichen Lebens’, ja, als Grundstruktur von theologischer Urteilsbildung und Ökumene verstehen.“ (14)

Eine vorzügliche Neukommentierung der Urgeschichte legt Jan Christian Gertz mit seinem im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 525-57055-5) veröffentlichten Buch Das erste Buch Mose (Genesis). Die Urgeschichte Gen 1-11 vor. In seiner Einleitung schreibt der Autor: „Bei wenigen Texten des Alten Testaments liegt die enge Verschränkung mit den übrigen Kulturen des alten Vorderen Orients so offen zu Tage wie bei der biblischen Urgeschichte. Ihre Verfasser sind mit den Überlieferungen Mesopotamiens vertraut. Sie kennen die Motive, Erzählstoffe und im Einzelfall sicher auch die Texte. Doch auch wenn die biblischen Autoren vielfach die Vorstellungsgehalte mit den übrigen Kulturen des alten Vorderen Orients teilen und immer wieder für vergleichbare lebensweltliche und existentielle Fragen auch zu ähnlichen Antworten gelangen, so ist damit die historische Individualität der biblischen Urgeschichte (wie jeder anderen Literatur des alten Vorderen Orients auch) in ästhetischer wie theologischer Hinsicht nicht bestritten. Die Grundfragen nach der Entstehung der Welt und ihrer Ordnung, nach dem Woher des Menschen und den Ursprüngen der Kultur werden in Gen 1-11 vor einem genuin alttestamentlichen Hintergrund bedacht und mit Blick auf das nachmalige Israel und die Geschichte seines Gottes entfaltet, wie dies für die priesterschriftlichen Texte die zunehmende Fokussierung der Toledot auf die Vorfahren Abrahams und die Entsprechungen zwischen Schöpfung und Zeltheiligtum deutlich zeigen. Kurzum: Die biblische Urgeschichte ist die höchst individuelle Ausprägung des Mythos vom Uranfang.“ (25) Eindrucksvolle religionsgeschichtliche und bibelhermeneutische Perspektiven bietet Michaela Bauks mit ihrem im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht utb (ISBN 8252-4973-1) erschienenen Lehrbuch Theologie des Alten Testaments, das die zentralen theologischen Themen der hebräischen Bibel zusammenstellt. Die Leitidee ihres Entwurfs beschreibt die Verfasserin wie folgt: „Der rote Faden einer solchen Darstellung ließe sich entweder – historisch vorgehend – literaturgeschichtlich knüpfen, indem die alttestamentlichen Texte entsprechend ihrer rekonstruierten Entstehungs­ und Überlieferungsgeschichte zur Darstellung kommen und das chronologische Nacheinander theologischer Strömungen in den Blick kommt. Alternativ dazu ließe sich die Darstellung systematisch ausrichten und z. B. ausgehend von der Frage nach einer theologischen Mitte entwerfen, welche die alttestamentlichen Texte dominiert. Oder aber sie fragt ausgehend von der kanonischen Endgestalt nach den Erzählblöcken, anhand derer eine Erinnerungskultur entstanden ist, die nachhaltig Wirkung entfaltet und die jüdisch-christliche bzw. abendländische Kultur der Gegenwart prägt. Die vorliegende Darstellung wird die drei möglichen Herangehensweisen berücksichtigen, ohne die Idee einer ‚theologischen Sach- oder Wirkmitte'’ aufzugeben. Sie verfolgt ihr Anliegen unter besonderer Berücksichtigung der altorientalischen Traditionsgeschichte wie auch bibelhermeneutischer Überlegungen zur Wirkungsgeschichte der biblischen Texte.“ (11)

Das hervorragend für die religionspädagogische Praxis geeignete Handbuch Bibeldidaktik von Miriam Zimmermann und Ruben Zimmermann ist im Verlag Mohr Siebeck utb (ISBN 8252-4921-2) in überarbeiteter Auflage erschienen. Es wirbt erfolgreich für die Chancen einer interdisziplinären Bibeldidaktik und empfängt Rückenwind durch neue Impulse der Fachdisziplinen. Über die bisher 118 Artikel hinaus finden sich vierzehn weitere Artikel in fast allen Teilbereichen des Handbuchs: „Im Fokus ,,Entstehungs- und Wirkungsgeschichte" wurden Beiträge zur „Bibel in transnationaler Perspektive" und „Kinder- und Schulbibeln" ergänzt. Der Bereich „Themen" wurde durch „Engel, Teufel und Dämonen", die „Personen und Figuren" um „Jona" und „Ester" erweitert. Im Fokus der „Konzepte" kamen die „Empathische Bibeldidaktik" und „Bibeldidaktik und religiöse Sprachbildung" hinzu. Beiträge zu „(Vor-)Lesen", ,,Auswendiglernen", ,,Bibellesetagebuch", ,,Standbilder", ,,Arbeit mit Bibelfliesen" sowie „künstlerisch-kreatives Arbeiten" bereichern nun den Fokus „Methoden". Der Bereich „Lernende und Lesende" wurde durch „Die Bibel in der verbandlichen Jugendarbeit" ausgeweitet.“ (VII) An dieser Stelle passt der Hinweis auf die in dem Neukirchener Kalenderverlag (ISBN 920524-83-2) erschienene neue Bibelausgabe Die Bibel einfach lesen. Gottes Weg mit den Menschen von Irmgard Weth, die auf der Basis der Neukirchener Kinderbibel in verständlicher Sprache Leser_innen aller Altersstufen die enthaltenen biblischen Erzählungen neu entdecken lässt.

 

Vier eindrucksvolle Neuerscheinungen gilt es für den Bereich Christologie anzuzeigen: Zunächst den im Verlag Ferdinand Schöningh utb (ISBN 8252-4942-7) von Karlheinz Ruhstorfer herausgegebenen Band Christologie, der „eine gleichermaßen aktuelle und fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Person Jesu von Nazareth auf einem ersten Reflexionsniveau bietet. Ausgangspunkt sind die messianischen Erwartungen im Alten Testament. Oliver Dyma führt in die schwer zu übersehende Vielfalt alttestamentlicher Vorgaben für die christologische Theoriebildung ein. Im Herzen der messianischen Vorstellungen steht das davidische Königtum als Urbild religiös legitimer Herrschaft. Aber auch die Gottesknechtlieder aus dem Jesajabuch oder Daniels Rede vom "Menschensohn" werden in ihrer christologischen Relevanz ausgeleuchtet. Der Neutestamentler Stefan Schreiber gibt daraufhin einen Einblick in die Lehre und Leben des Juden Jesus von Nazaret. Er zeichnet aber auch die Entwicklung nach, die von der Verkündigung Jesu zum verkündigten Christus führt. Dabei werden sowohl die Kontinuitäten als auch die Brüche herausgearbeitet. Die Auferweckung Jesu ist die grundlegende Überzeugung der ersten Christen, doch bleibt gerade auch die Deutung des Todes Jesu für die Glaubenden höchst relevant. Ausgehend von der Erinnerung an Tod und Auferstehung Jesu entwickelt sich die Fülle neutestamentlicher Jesusbilder, die bis heute die Basis des christlichen Glaubens darstellen. Auf dem biblischen Schrifttum ruht die Entfaltung der Christologie in Termini griechischer Philosophie. Roland Kany zeigt, dass zwischen Bibel und Metaphysik keine unüberbrückbare Kluft besteht, sondern die dogmatische Entwicklung zu Recht versucht, die urchristlichen Vorgaben rational zu durchdringen und widerspruchsfrei darzustellen. Die konkrete Durchführung dieser Aufgabe führt freilich in die komplexen Denkwege der patristischen Christologie. Es zeigt sich, dass gerade die amtlichen Festlegungen etwa der Konzilien von Nizäa (325) und Chalkedon (451) stets neue offene Fragen produzieren und dass diese durchweg von jeweiligen geschichtlichen Konstellationen geprägt sind. Die Spuren spätantiker Christologie führen bis ins Umfeld des sich ausbildenden Islam. Mein systematisch-theologischer Beitrag skizziert einerseits die weitere Entwicklung vom Mittelalter über die Neuzeit und die klassische Moderne zur Postmoderne. Dabei wird der Versuch unternommen, ‚von der Geschichte der Christologie zur Christologie der Geschichte’ fortzuschreiten. Die offene und plurale Dialektik von Logos und Sarx lässt erahnen, dass die Dynamik der Kulturgeschichte nicht nur des so genannten Westens von der gottmenschlichen Einheit im Individuum getragen wird. Die Geschichte des Mannes aus Nazareth ist eine bleibende Quelle der Inspiration nicht nur für den christlichen Glauben, sondern auch für die Geschichte der Menschheit, denn nie wurde vom menschlichen Subjekt höher gedacht als im christologischen Kontext.“ (12f.) Sodann das Buch Jesus Christus. Geschichte – Überlieferung – Glaube von Klaus Dorn, das ebenfalls im Verlag Ferdinand Schöningh utb (ISBN 8252-4928-1) erschienen ist. In seiner Einleitung „Mein Buch von Jesus“ schreibt der Verfasser: „Diesem Buch geht es nicht darum, das ‚Profil’ einer historischen Gestalt zu rekonstruieren. Das ist, wie gesagt, nicht möglich. Vielmehr soll versucht werden, sich Jesus anzunähern: In welcher Zeit hat er gelebt? Welchen Menschen ist er begegnet? Welche Botschaft hat er ihnen gebracht? Was haben die Menschen über ihn in welchen mutmaßlichen Kontexten gesagt und geschrieben? Einiges davon lässt sich den Evangelien durchaus entnehmen, mehr oder weniger wahrscheinlich oder sicher. Aber auch: Was bedeutet es, an ihn zu glauben? Gelegentlich wird darauf hingewiesen, welche Fehlformen sich entwickelt haben und zu welchen Fragen heutiger Zeit man nicht behaupten sollte, Jesus habe dies gesagt, getan, oder gar angeordnet. Letztlich ist das Buch aber auch mein Bekenntnis zu diesem Jesus.“ (11f.) Die Rede von Jesus Christus als Glaubensaussage lautet der Titel des im Verlag Mohr Siebeck utb (ISBN 16-155556-5) von Jens Herzer, Anne Käfer und Jörg Frey herausgegebenen umfangreichen Bandes zum zweiten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses im Gespräch zwischen Bibelwissenschaft und Dogmatik. Zu Chancen und Schwierigkeiten des Dialogs zwischen Exegese und Systematischer Theologie schreiben Käfer und Frey in ihrer Schlussreflexion: „Es gilt dann darauf zu achten, dass die biblischen Texte theologisch ausgelegt werden, weil sie selbst den Anspruch erheben, die Wahrheit über Gott, den Menschen und das Leben des Geschaffenen auszudrücken. Dies impliziert keinesfalls ein autoritäres Verständnis der historischen Referenz oder sachlichen Richtigkeit biblischer Texte und Aussagen, die als solche für wahr gehalten und unwidersprochen akzeptiert werden wollten. Vielmehr darf dieser Anspruch als Aufforderung verstanden werden, immer wieder neu nach dem Sachgehalt der biblischen Botschaft zu fragen, der textvermittelt zu bestimmter Zeit, an bestimmtem Ort und von bestimmten Personen zur Sprache gebracht wurde und je neu zur Sprache gebracht werden will. Es gilt dann ernst zu nehmen, dass Christenmenschen von sich behaupten dürfen, Einblick in die Wahrheit erlangt zu haben, die sie theologisch reflektieren. Die Wahrheitserkenntnis eines Menschen ist einerseits allein an dessen individuelles Offenbarungserleben gebunden. Andererseits bedeutet diese Subjektgebundenheit der Wahrheitserkenntnis keine Wahrheitsbeliebigkeit. Vielmehr verlangt die Gemeinschaft derer, die sich im christlichen Glauben vereinigt wissen, eine Verständigung über das Wahrheitserleben mit denen, die gegenwärtig an der Gemeinschaft teilnehmen, und mit denen, die an dieser Gemeinschaft bereits teilhatten. Die Einheit dieser Gemeinschaft besteht nämlich nicht aufgrund wechselseitiger Gleichgültigkeit (missverstandener Liberalität) gegenüber dem Wahrheitserleben des Nächsten, sondern vielmehr in gemeinschaftlicher und kritischer Bezugnahme auf die erste Verkündigung christlicher Wahrheitserkenntnis in den biblischen Schriften. Die gemeinsame Suche nach dem Sachgrund des Glaubens in Vergangenheit und Gegenwart, nach der gegenseitigen Erhellung und Klärung von Glaubens- und Lebensperspektiven und letztlich die Bemühung um das Ganze der Theologie steht im Hintergrund der Bemühungen, biblisch-historische und systematisch-theologische Fragestellungen und Diskurse in einen Dialog zu bringen. Dass dieser Dialog – je nach individuellen Voraussetzungen und Bemühungen – immer wieder ins Stocken gerät, liegt in der Komplexität der Sache und der Natur der beteiligten Menschen begründet. Wo er gelingt und wo durch ihn erfrischende Einsichten und neue Perspektiven aufscheinen, wird die Freude des Theologisierens erlebbar.“ (529f.) Theologische Perspektiven zum Verständnis des Todes Jesu heute bieten die lesenswerten Beiträge in dem von Michael Hüttendorf, Wolfgang Kraus und Karlo Meyer im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 52561621-5) in der bewährten Reihe „Biblisch-theologische Schwerpunkte“ herausgegebenen Buch …mein Blut für Euch. Im Vorwort schreiben die Herausgeber: „’Das Kreuz steht für das Christentum’, stellte der Ratsvorsitzende der EKD im Geleitwort der Denkschrift ‚Für uns gestorben’ fest. In einer merkwürdigen Spannung zu dieser identitätsmarkierenden Funktion des Kreuzes steht, dass dessen Deutung im Christentum umstritten ist. Die Bandbreite erstreckt sich von Interpretationen, die von einer objektiven Heilsnotwendigkeit des Kreuzestodes Jesu ausgehen, bis zu solchen, die davor warnen, dem Kreuz irgendeinen positiven Sinn zuzuschreiben. Der Streit ist schon im Neuen Testament angelegt. Denn wer die neutestamentlichen Aussagen über den Tod Jesu nicht gewaltsam harmonisiert, stößt bereits hier auf eine Pluralität von Deutungen. In der Theologiegeschichte vermehrte sich deren Zahl, weil Theologen unter den kulturellen Voraussetzungen und angesichts der Rationalitätsstandards ihrer Zeit immer wieder neu versuchten, den Sinn des Kreuzes zur Sprache zu bringen. Die identitätsmarkierende Funktion des Kreuzes verbunden mit der Schwierigkeit, es zu verstehen, machen es zu einem zentralen Problem der christlichen Theologie. Die ihm gewidmete Literatur ist kaum zu überschauen. Dabei setzt eine angemessene Bearbeitung des Themas voraus, dass die theologischen Disziplinen kooperieren. Die Zusammenarbeit dieser Disziplinen funktioniert jedoch zu oft nicht so gut, wie es für eine angemessene Bearbeitung theologischer Probleme sinnvoll wäre. Das dürfte nicht nur in der Spezialisierung, aufgrund derer immer weniger Theologen in mehreren Disziplinen zu Hause sind, begründet sein, sondern auch in unterschiedlichen Auffassungen über das Verhältnis der Disziplinen.“ (11) In einigen Punkten zeigten sich große Übereinstimmungen: „Dem Tod Jesu könne nicht als Wirkung zugeschrieben werden, dass er Gott umstimmte und von einem zornigen zu einem gnädigen Gott machte. Die Deutungen des Todes Jesu könnten nur in metaphorischer Sprache formuliert werden. Die Pluralität von Deutungen im Neuen Testament, in der Theologiegeschichte und in der Gegenwart sei nicht ein beklagenswerter Missstand, sondern sie sei legitim und notwendig.“ (13)

Gleichnisse verstehen. Ein Gespräch mit Hans Weder ist das von Jörg Frey und Esther Marie Joas im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 7887-3244-8) herausgegebene Buch überschrieben. Über die bleibende Herausforderung zur ‚sachintensiven Exegese' schreibt Frey: „Was ist es, das Hans Weders Exegese ausmache? Was bleibt prägend von seinen Arbeiten zu Jesus, Paulus und Johannes? Was ist der ‚hermeneutische' Ertrag? Der Kernbegriff ‚sachintensive Exegese' wäre hier vielleicht am ehesten zu nennen. Es geht – mit dem Titel seines Aufsatzbandes – um ‚Einblicke ins Evangelium’ – das aber nicht einfach ,nachgebetet', sondern verstanden werden will, im besten Sinne in einem neuen Verständnis der eigenen Existenz, vor Gott und in der Welt. Darin ist Hans Weder dezidiert ein Theologe, der seine Aufgabe darin sieht, dass Exegese über das Erheben philologischer Richtigkeiten hinausgeht und die Rekonstruktion von Traditionshintergründen oder die Vergleichung religionsgeschichtlicher Parallelen nie als Selbstzweck, sondern nur als Schritt auf dem Weg zum Verstehen praktiziert. Im Hintergrund steht die Erwartung, dass die neutestamentlichen Texte denen, die sie so befragen, auch gegenwärtige Orientierung bieten können: Es reicht nicht zu erheben, was Jesus, Paulus oder Johannes damals wohl sagten, vielmehr soll ihre Botschaft, das Evangelium, als Existenzentwurf und zugleich als Handlungsoption verständlich gemacht und so kritisch und befreiend in das Gespräch der Gegenwart ‚eingespielt' werden. Darin wird Theologie zum Gesprächspartner anderer Wissenschaften, nicht ideologisch, sondern ideologiekritisch, im besten Sinne der Freiheit verpflichtet, die ihren Sachgrund nirgendwo anders haben kann als im Evangelium; dort, wo er Mensch auf ein unverfügbares Gegenüber bezogen, ‚außer sich' sich selbst gesetzt und so von der Verkrümmung in sich selbst befreit ist. Wo diese Botschaft verstanden wird, sind die Lasten der Vergangenheit und die Ängste vor der Zukunft nicht mehr bestimmend, weil die Zusage in der Gegenwart gilt und Existenzgewissheit schenkt. Solche Deutung ist auch mehr als menschliche Interpretationskunst, sie ist selbst befreiendes Wort, in dem der Mensch zu sich selbst kommen kann.“ (22f.)

Anregende Materialien zur ökumenischen Bibelwoche 2018/2019 sind in der Neukirchener Verlagsanstalt erschienen: Zum einen das Arbeitsbuch Mit Paulus glauben. Zugänge zum Philipperbrief (ISBN 7615-6551-3) von Peter Wick und Kerstin Offermann mit Exegesen, weiterführenden Themenbausteinen, Bildbetrachtungen und beiliegender DVD, zum anderen Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke (ISBN 7615-6552-0) von Klaus Teuschner mit sieben Bibelarbeiten zum Philipperbrief und das Teilnehmerheft Mit Paulus glauben (ISBN 7615-6550-6) von Wolfgang Baur.

6 Literatur und Religion

Überraschende Einblicke in die Kultur- und Literaturgeschichte eröffnet Karl-Josef Kuschel mit seinem im Patmos Verlag (ISBN 8436-1042-1) veröffentlichten über 700seitigem Buch Im Fluss der Dinge. Hermann Hesse und Bertolt Brecht im Dialog mit Buddha, Laotse und Zen. In seiner Einführung schreibt der Verfasser dieses kenntnisreichen Werks: „Dialogführen heißt sich öffnen für die Welt des Anderen. Und dass man das auf sehr verschiedene Weise tun kann, dafür sind Hermann Hesse und Bertolt Brecht die denkbar anschaulichsten Beispiele. Wir lernen auf den folgenden Seiten diejenigen Schriftsteller der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts kennen, die sich am intensivsten schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Figuren und Überlieferungen des Alten Indien und des Alten China auseinandergesetzt haben. Nicht als ‚Gläubige’, sondern mit eigener Formensprache und unverwechselbarem Gestaltungswillen. Auch nicht als Religionsgeschichtler wissenschaftlich korrekt, sondern mit je eigenen Interessen und Bedürfnissen der Selbst- und Zeitdeutung, als Schriftsteller eben. Kühl, aber nicht leidenschaftslos. Geformt, aber nicht steril. Funktional handwerklich, aber zugleich hoch engagiert. Hesse und Brecht – eine ungewöhnliche Paarung, zugegeben. Ihre literarischen Welten – völlig konträr. Ihre Persönlichkeit und ihr Leben – unvergleichbar. Weg und Werk – denkbar disparat. Was soll den selbsternannten ‚Einsiedler’ (12, 56), Romancier und Lyriker im Bergdorf Montagnola tief im schweizerischen Tessin verbinden mit dem Mann des Großstadtdschungels und des revolutionären urbanen Theaters, dass es gerechtfertigt erscheint, beide miteinander in eine Beziehung zu setzen? Einmal in ihrem Leben sind sie sich persönlich begegnet, bei einem Besuch in Montagnola am 30. März 1933, als Brecht nach seiner Vertreibung aus Hitler-Deutschland nach einer Bleibe für sich und die Seinen sucht. Aber diese Begegnung erweist sich als eine ‚Vergegnung’, um ein Wortspiel Martin Bubers aufzunehmen. Zu weit entfernt voneinander waren beide nicht nur altersmäßig (Jahrgang 1877 der eine, 1898 der andere), sondern auch literarisch und politisch. Immerhin ist Hesse nach Brechts Tod 1956 zu einer Anerkennung wie dieser fähig; ‚Als Dichter stand er mir nur darum nicht so nahe wie Dir, weil ich ja zum Theater kaum ein Verhältnis habe’, schreibt er an den gemeinsamen Verleger Peter Suhrkamp. ‚Aber seine Gedichte und Erzählungen liebe ich und schätze ich von den Anfängen bis heute, sein Tod ist auch mir ein Schmerz und ein Verlust. Er war der einzig wirkliche Dichter unter den deutschen Kommunisten, und der einzige, der noch auf der ganzen breiten Basis einer umfassenden literarischen Bildung stand’ (GB 4,269). Aber schaut man genauer hin, verbindet beide zumindest ein Interesse, und zwar ihre Auseinandersetzung mit der geistigen Welt Indiens, Chinas und Japans, geprägt von Hinduismus und Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Unerwartet für viele, die vor allem das Gegensätzliche bei diesen Dichtern sehen. Gewiss, auch dieses Interesse fällt höchst unterschiedlich aus. Auch hier ist nichts zu nivellieren, sondern scharf zu profilieren. Aber ein Dialog mit beiden großen Figuren aus der Welt Asiens, mit Buddha und Laotse, hat sich in beider Werk Ausdruck verschafft. Das ist für uns von Interesse, die wir heute noch ganz anders als Hesse und Brecht vor Fragen einer global vernetzten Kultur und damit vor Fragen von Interkulturalität und Interreligiosität gestellt sind. Geschichtliche Modelle versprechen Erkenntnisgewinn für heute. Wie das konkret aussieht, welchen Weg Hesse und Brecht zu den asiatischen Quellen gegangen sind, was sie daraus in ihrem Werk und ihrem Leben gemacht haben: Das ist wichtig und soll uns auf den folgenden Seiten beschäftigen. Wir werden sehen: Beide beherrschen die besondere Kunst der Anverwandlung, der ‚Einschmelzung’ des Fremden ins Eigene, bis das Eigene fremd und das Fremde als Eigenes erscheint.“ (17f.) Ein Erkenntnisgewinn auch für die Gegenwart! Die Poesie hängt die weiße Flagge aus lautet der Titel des von Jürgen Kampmann im Verlag Mohr Siebeck (ISBN 16-156084-2) herausgegebenen Festvortrag von Adam Zagajewski anlässlich der Verleihung des Lucas-Preises. Der polnische Schriftsteller spricht über das Wesen der Poesie mit folgenden Worten: „Wenn ich eine Definition geben müsste, würde ich sagen: über den Geist sprechen heißt auch über Poesie, über Dichtung sprechen. Denn echte Dichtung kommt aus der Begegnung mit dem Geist, färbt sich mit Fragen, mit Begeisterung, mit Gewissheit und mit Zweifel, färbt sich damit wie Metall – nicht unbedingt Schwermetall –, das die Feuerprobe überstanden hat. Wer von uns hat als Kind, zum Schrecken der Älteren, nicht versucht, einen silbernen, versilberten oder auch billigen, gewöhnlichen Löffel ins Feuer zu halten, in die Flamme einer Kerze oder sogar in den Brenner eines Gaskochers? Und dann unser kindliches Entsetzen, wenn wir bemerken, dass die Verfärbung nicht mehr zu beseitigen ist, dass nichts hilft, weder Geschirrspülmittel noch ein Schwamm, kein Lappen, nichts ... Und gleich werden die Eltern nach Hause kommen. Die Verfärbung lässt sich nicht mehr wegwischen. Und was das Kind mit Angst erfüllt (und die Eltern verärgert), ist vielleicht für das reife Alter ein Privileg, ein Privileg derer, die solche Momente erfahren haben: Die Verfärbung lässt sich nicht mehr beseitigen, die Begegnung mit dem Geist hinterlässt etwas. Vielleicht ist diese Verfärbung – oder besser gesagt, diese Färbung – das Wesen der Poesie, der Dichtung. Die Spur des Feuers auf Metall.“ (29f.) Roland Mettenbrink hat in seiner in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (ISBN374-05642-2) veröffentlichten Münsteraner Dissertation Religion in Kinderliteratur Sterben und Tod bei Astrid Lindgren untersucht. Der Autor schreibt in seiner Einführung: „Dabei wird die sogenannte Gretchenfrage, die Frage nach dem Glauben, mit einfließen, weil für Astrid Lindgren der Tod bzw. das Leben nach dem Tod mit der Frage nach der Existenz Gottes und nach dem Sinn des Lebens verbunden waren. Astrid Lindgren selbst hat sich gegen eine christliche Vereinnahmung ihres Werkes gewehrt und sich selbst als Agnostikerin bezeichnet. So stellt sich für die Theologie unabweisbar die Frage der Hermeneutik ihrer Werke. Die Deutung ihrer Werke wird dann maßgeblich sein für die Antwort auf die Frage, ob, wie und in welcher Hinsicht ihre Werke zur Kommunikation des Evangeliums beitragen können.“ (14) Das Buch ist wie folgt aufgebaut: „Diese Arbeit nähert sich Astrid Lindgren zunächst, indem sie kurz als Wirkung ihres literarischen Werks ihren kommerziellen Erfolg weltweit und in Deutschland beschreibt, ‚Astrid Lindgren’ als ‚Marke’ (Kap.1.2). Dann folgt eine geistesgeschichtliche Einordnung des Denkens Astrid Lindgrens, die Grundlagen ihres Denkens in der ‚Moderne’ (Kap.1.1.). Danach wird das Spezifische ihres Werkes herausgearbeitet in ihrer Haltung zu den Kindern: Die Kinder bei Astrid Lindgren (Kap.1.2.). Die Kinder sind bei ihr nicht willenlose Objekte erzieherischen Handelns, sondern eigenständige, selbstdenkende Personen. Die Melancholie Astrid Lindgrens ist in ihrer Biographie begründet. Ihr Lebensweg bestimmt ihr Denken über Sterben und Tod. So ist eine Darstellung ihrer Biographie mit der Fokussierung ihrer Melancholie unerlässlich: Astrid Lindgrens Biographie und das Thema ‚Sterben und Tod’ (Kap. l.3.). Ein Kapitel zu ihrem Agnostizismus schließt sich an (Kap.1.4.). Im darauffolgenden Kapitel werden zunächst die bisherigen theologischen Deutungen von kinderliterarischen Werken Astrid Lindgrens behandelt. Schließlich wird versucht, einen hermeneutischen Schlüssel zu erheben, der Astrid Lindgrens Werk gerecht wird. Dabei bietet sich an, ihr Werk als christophorische Literatur (K.-J. Kuschel) zu verstehen. Dieses scheint der angemessene Hermeneutikansatz zu sein zwischen der Skylla einer unstatthaften christlichen Vereinnahmung und der Charybdis einer Ausblendung der religiösen bzw. christlichen Dimension, in der aber auch das womöglich nicht Christusgemäße in ihren Geschichten wahrnehmbar bleibt (Kap. II.). Die Deutung der einzelnen Werke Astrid Lindgrens bildet dann den Hauptteil dieser Arbeit (Kap. III.). Dabei werden alle in deutscher Sprache vorliegenden Werke berücksichtigt mit Ausnahme der synchronisierten Film­ und Fernsehfassungen, Lieder, der Hörspiele und Theatervorlagen sowie der posthum erschienenen Bücher. Die Interpretation der Werke Astrid Lindgrens wird dann noch einmal durch die Darstellung zweier Unterrichtsprojekte in KU3 (Sonnenau) und in einer Konfirmandengruppe (Die Brüder Löwenherz) in eine neue Perspektive, nämlich die der Rezeption gesetzt. Dabei handelt es sich um eine explorative Studie. Auf jeden Fall geben diese beiden Unterrichtsprojekte erste Hinweise, wie Kinder und Jugendliche die Geschichten Astrid Lindgrens rezipieren, für die sie ja ihre Literatur geschrieben hat, und welche Schlüsse zu ziehen sind hinsichtlich ihrer Anschlussfähigkeit, christliche Wahrheitsgehalte ins Gespräch zu bringen, das Evangelium zu kommunizieren (Kap. IV.). Mit einem praktisch-theologischen Ertrag, der das Potenzial ihres Werkes hinsichtlich der Kommunikation des Evangeliums erhebt, und einem Ausblick schließt diese Arbeit ab (Kap. V.).“

Begegnungen mit starken Frauen des Alten Testaments enthält der in der Neukirchener Verlagsgesellschaft (ISBN 7615-6518-6) erschienene Band Wie eine Lilie unter Dornen von Ursula Koch. In ihrem Vorwort schreibt die Autorin: „In uralten Geschichten begegnen wir der Freundin des israelitischen Mannes, seiner Frau, seiner Geliebten. Sie ist nicht nur schön, sie ist auch geduldig, sie erträgt Mühsal und Last, sie hält der brennenden Sonne stand und ist Sturm und Regen ausgeliefert. Sie wartet in engen, lichtlosen Hütten oder eingeschlossen im weiten Palast. Sie ist unterwegs durch die Wüste. Sie sucht Wasser. Sie sammelt Getreide. Mit kargen Worten erzählen uns die Texte der Hebräischen Bibel von ihrem Leben. Wie ein Schatten huscht sie weit entfernt von uns vorüber: die Frau, die mit den Erzvätern lebte, mit Abraham, Isaak und Jakob; die mit Mose durch die Wüste wanderte; zur Zeit der Richter und der Könige hoffte und liebte; die auf allen Wegen mitging mit dem Mann und mit den Söhnen, und doch kaum mitsprechen durfte … Die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel ist nicht nur eine Geschichte der Männer. Es ist auch eine Geschichte Gottes mit den Frauen.“ (9f.) Ebenfalls in der Neukirchener Verlagsanstalt sind die beiden Jugendbücher Sophia und das Abenteuer auf dem Klosterberg (ISBN 7615-6524-7) von Tanja Wenz über Hildegard von Bingen und Mila – Aus Angst wird Mut (ISBN 7615-6525-4) von Susanne Roll über Dietrich Bonhoeffer erschienen. Das Martin-Luther-King-Lesebuch mit dem Titel Ich habe einen Traum wurde von Heinrich W. Grosse im Patmos Verlag (ISBN 8436-1037-7) herausgegeben und bietet wichtige, bewegende Texte aus der gesamten Zeit des öffentlichen Wirkens des Friedensnobelpreisträgers. Eva Lezzi hat im Verlag Hentrich & Hentrich (ISBN 95565-163-3) das empfehlenswerte Jugendbuch Die Jagd nach dem Kidduschbecher veröffentlicht, das die starke Freundschaft zwischen einer Jüdin und einer Muslima beschreibt, die auch durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten nicht zerbricht. Dieses Thema greift auch der im Calwer Verlag (ISBN 7668-4483-5) veröffentlichte Jugendroman Grenz Gebiete. Liebe in einem zerrissenen Land von Friedhelm Kraft auf, der von einer Dreiecksgeschichte zwischen Mareike, Jossi und Farid handelt. Das dazugehörige Lehrermaterial (ISBN 7668-4485-9) wurde von Thorsten Becker, Martin Kloke, Friedhelm Kraft, Michael Lunberg, Cornelia Oswald, Susanne Schroeder und Jens Zakrzewski erarbeitet. In der Einführung erklärt der Verfasser des interessanten Jugendromans: „Der Israel-Palästina-Konflikt gehört zu den Themen, die in Diskussionen im privaten oder öffentlichen Rahmen leicht eskalieren können. Gesprächspartner/innen werfen sich gegenseitig einseitige Parteinahme vor. Eine sachliche, nüchterne Argumentation wird durch eine starke Emotionalisierung überlagert. Wie sollte es auch anders sein: Der Kampf zweier Völker um ein Land fordert praktisch zu einer Stellungnahme heraus. Und: Muss nicht jede Stellungnahme emotional unterlegt sein angesichts eines politischen Konflikts, der alle Merkmale einer Tragödie erfüllt? Dennoch: Wie bei keinem anderen Thema werden aus einer Zuschauerperspektive Werturteile getroffen, die als eine vorschnelle Identifizierung des eigentlich ,Schuldigen’ des Konflikts verstanden werden können. Aber: Ist eine ‚neutrale’, nicht wertende Zuschauerperspektive überhaupt möglich? Fordert das Leiden der Menschen, ihre tiefgreifenden Traumatisierungen nicht zu einer Stellungnahme heraus? Ist nicht Empathie statt Neutralität gefragt? Auf diese Fragen gibt es keine leichten Antworten. Auch der Jugendroman ‚Grenzgebiete. Liebe in einem zerrissenen Land’ kann nur als der Versuch eines Umganges mit diesen Fragen verstanden werden. Er bietet keine abschließende Antwort auf die Fragen, schon gar nicht Lösungen des Konflikts. Die Helden des Jugendromans – Mareike, Jossi und Farid – sind Protagonisten eines unlösbaren Dilemmas. Sie suchen die Normalität in einer wenig normalen politisch-gesellschaftlichen Situation. Zur Normalität gehört erst einmal die Suche nach Geborgenheit, Liebe und privatem Glück. Dieser ‚normale’ Wunsch wird überlagert von einem Konflikt, der das Lebensgefühl der Helden des Romans prägt. Mareike, Jossi und Farid verkörpern nicht nur unterschiedliche nationale, sondern ebenso divergierende religiöse Identitäten. Mareike, eine deutsche Christin, verliebt sich in Jossi und lernt in Talitha Kumi Farid kennen, der wiederum von Mareikes Nähe träumt. Jossi ist jüdischer Israeli, Farid ein muslimischer Palästinenser. Auf den Punkt gebracht: Es geht um Liebe, Politik und Religion in einem ‚zerrissenen Land’.“ (3) Und schließlich: „Mareike, Jossi und Farid stehen zugleich für unterschiedliche religiöse Identitäten. Damit stellt sich die Frage, in welcher Weise Religion das Selbstverständnis der Helden des Jugendromans bestimmt. Weiterhin wird deutlich, dass der politische Konflikt von religiösen Begründungen mitgetragen wird. Auch hier gilt: Religiöse Bildung fragt nach der Bedeutung von Religion für das eigene Leben, ohne ihre Ambivalenz im Blick auf gesellschaftlich-politische Interessenlagen auszublenden.“ (4)

7 Bilder- und Kinderbücher sowie Unterrichtsmaterialien und –medien

Eine ganze Reihe hochwertiger und inhaltsreicher Bilderbücher gilt es anzuzeigen: Im Mittelpunkt des im Tyrolia Verlag (ISBN 7022-3591-8) veröffentlichten Bilderbuchs SCHAU! Staunen mit allen Sinnen von Martina Fuchs mit Illustrationen von Nini Spagl für Kinder ab drei Jahren stehen das blinde, phantasievolle Mädchen Nele und der sachlich-nüchterne Herr Soundso. Im Patmos Verlag (ISBN 8436-0701-8) haben der Autor Jochen Weeber und die Illustratorin Fariba Gholizadeh in ihrem Buch Was ist bloß mit Gisbert los? am Beispiel der Giraffe Gisbert für Kinder ab vier Jahren eine wunderbare Erzählung über Wörter, die kleinmachen oder wachsen lassen, veröffentlicht. Florian lässt sich Zeit lautet der Titel des im Tyrolia Verlag (ISBN 7022-2435-6) erschienenen Bilderbuchs von Adele Sansone zum Down-Syndrom (Trisomie 21), das in einer einprägsamen Geschichte bereits Kindern ab vier Jahren geistige Behinderung nahebringt. Ebenfalls im Tyrolia Verlag (ISBN 7022-3702-8) haben die Autorin Lena Raubaum und die Illustratorin Clara Frühwirth Die Knotenlöserin für Kinder ab vier Jahren veröffentlicht, ein Buch über wundersames, sanftes und frohgemutes Auflösen von Verwirrungen und Verirrungen. Von Anna Lott ist mit Illustrationen von Nikolai Renger im Arena Verlag (ISBN 401-71099-0) die ganz besondere Vorlesegeschichte Eine Oma für Fridolina erschienen, die davon handelt, dass Fridolina als einziges Kind am Oma-Tag keine lebende Oma in die Kita mitbringen kann. Pei-Yu Chang ist die Verfasserin des bibliophilen Buches Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin im NordSüd Verlag (ISBN 314-10382-7) nach einer wahren Geschichte über den berühmten Philosophen Walter Benjamin und dessen Flucht vor den Nationalsozialisten mithilfe der mutigen Lisa Fittko, einer österreichischen Widerstandskämpferin und Gründerin der Flüchtlingsorganisation Emergency Rescue Committee, die über 80000 Menschen das Leben gerettet hat. Flucht lautet auch der Titel des im Tyrolia Verlag (ISBN 7022-3560-4) von Niki Glattauer mit eindrucksvollen Bildern von Verena Hochleitner erschienenen ausgezeichneten Bilderbuches für Kinder ab fünf Jahren, das aus der Perspektive einer Katze, die ihrer sieben Leben wegen mitgenommen wird, das Fluchtschicksal einer Familie mit Kindern erzählt. Eine anrührende Geschichte zum Abschiednehmen hat Marielle Seitz in ihrem Buch Kirschkerne spucken bis zum Himmel mit Illustrationen von Elena Buono im Verlag Klett Kallmeyer (ISBN 7727-1264-7) veröffentlicht, die den Prozess der Trauerbewältigung unterstützen und Kinder zur eigenen Auseinandersetzung mit den Themen Leben, Tod und persönlicher Verlust anregen kann. Eine philosophische Entdeckungsreise nicht nur für ganz kleine Menschen bieten Elizabeth Liddle (Text) und Imke Sönnichsen (Illustrationen) in ihrem im Gabriel Verlag (ISBN 522-30512-9) veröffentlichten Buch Mama, wie groß ist der Himmel? , in dem der kleine Pip gerne Fragen stellt, besonders vor dem Einschlafen. Eine kind- und sachgerechte Entdeckungsreise zu den Weltreligionen enthält das ebenfalls im Gabriel Verlag (ISBN 522-30519-8) erschienene Buch Wie ist das mit den Religionen? von Karlo Meyer und Barbara Janocha mit farbigen Bildern von Sandra Reckers, in dessen Mittelpunkt die Fragen von fünf Kindern aus Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus und Buddhismus nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden stehen. Das Jugendbuch Nach vorn von Elisabeth Etz für Jugendliche ab 14 Jahren ist im Tyrolia Verlag (ISBN 7022-3700-4) erschienen und handelt von der 17jährigen als vom Krebs geheilt geltenden Helene, die sich bravourös zurück in den Alltag kämpft.

 

Vier Neuerscheinungen beschäftigen sich mit der kindgemäßen Präsentation biblischer Geschichten: Zum einen das im Gabriel Verlag (ISBN 522-30517-4) erschienene Buch Die schönsten Bibelgeschichten zum Vorlesen von Martin Polster mit Illustrationen von Rike Janßen, zum anderen Die große Arena-Kinderbibel (ISBN 401-71338-0) von Vic Parker mit Illustrationen von neun verschiedenen Künstler_innen, die auf annähernd 400 Seiten in einem schweren Prachtband die bekanntesten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament lebendig nacherzählt. Heike J. Schütz hat in der Neukirchener Verlagsanstalt (ISBN 7615-6544-5) das Praxisbuch Lebe glücklich, lebe froh, wie der König Salomo mit Illustrationen von Elisabeth Focken verfasst, das nach einer eher theoretischen Einführung über Religion und Weltreligionen anhand vieler praktischer und kreativer Anregungen biblische Geschichten in der Kita entdecken lässt. Ein ähnliches Ziel verfolgt Dieter Altmannsperger mit seinem ebenfalls in der Neukirchener Verlagsanstalt (ISBN7615-6546-9) erschienenen Praxisbuch Barfuss die Bibel entdecken, das kooperative Abenteuerspiele für die kirchliche und schulische Praxis enthält und biblische Geschichten durch Bewegung erfahren lassen möchte. Freude am Philosophieren möchten die im LIT Verlag (ISBN 643-13572-8) von Norbert Huppertz und Maren Barleben erarbeiteten 21 praxiserprobten didaktischen Einheiten für Kindergarten und Grundschule wecken, die sich alle auf Lebensbezogene Pädagogik bzw. Lebensbezogenen Ansatz als Theorie-Praxis-Konzept einerseits und Partial-Holismus als wissenschaftstheoretische und forschungsmethodische Basis andererseits beziehen.

In der Reihe „Bergedorfer Unterrichtsideen“ ist im Persen Verlag (ISBN 403-23558-3) das von Rainer Lemaire, Susanna Meyer-Mertel und Carmen Schmitt erarbeitete, hilfreiche Buch Praktisches Basiswissen: Religion für die 1.-4. Klasse erschienen, das wertvolle Grundlagen, Methoden und Praxistipps für die Unterrichtsgestaltung enthält. Im Auer Verlag sind folgende sechs praxiserprobte Arbeitsmaterialien veröffentlicht worden: Grundschulkinder fürs Beten begeistern (ISBN 403-08016-9) von Renate Maria Zerbe enthält kindgerechte feste Grundgebete, Psalmworte und frei formulierte Gebete zu unterschiedlichen Themen des Kirchen- und Schuljahres sowie diverse kreative Materialien für verschiedene Gebetsformen. Dieselbe Autorin zeichnet verantwortlich für die vielfältigen handlungsorientierten Materialien für die 2.-4. Klasse zu Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus mit dem Titel Grundschulkinder auf den Spuren der Weltreligionen (ISBN 403-08114-2). Sandra Blomann und Anke Zöh haben acht Differenzierte Lesespurgeschichten Religion (ISBN 403-08021-3) verfasst, die kompetenzorientiert Lerninhalte vermitteln und sinnentnehmendes Lesen fächerübergreifend in den Klassen 2 bis 4 fördern wollen. Über 200 Vorlagen für Erzähl- und Stabfiguren sowie Minibühnenbilder für den Religionsunterricht enthält der Band Ausschneidefiguren & Erzählkulissen zur Bibel (ISBN 403-08015-2) von Silvia Segmüller-Schwaiger mit Illustrationen von Corina Beurenmeister. 55 komplett vorbereitete Unterrichtsstunden und direkt einsetzbare Praxismaterialien legt Margrit Horsche in ihrem Buch Evangelische Religion unterrichten 3./4. Klasse (ISBN 403-07292-8) zu den zentralen Lehrplanthemen vor. Kreative Faltvorlagen und kindgerechte Auftragskarten zu vier zentralen Lehrplanthemen (Taufe; Jesus; Bibel; Judentum, Christentum, Islam) hat Wanda Einstein in ihrem Buch Lapbooks gestalten im Religionsunterricht (ISBN 403-08058-9) für die Klassen 2-4 samt CD-ROM mit 48 unterschiedlichen Faltvorlagen erarbeitet. Zu der aktuellen Methode der Klappbücher sind auch die beiden folgenden Neuerscheinungen von Klara Kerschbaum im Persen Verlag erschienen: Lapbooks im Religionsunterricht 1./2. Klasse (ISBN 403-20304-9) zu den Themen Schöpfungsgeschichte; Abraham und Sara, Josef; Jona und der Wal; Weihnachten; Die Kirche und das Kirchenjahr, sowie Lapbooks im Religionsunterricht 3./4. Klasse (ISBN 403-20305-6) zu den Themen Weltreligionen; Die Bibel; Martin Luther; Feste im Jahreskreis und Mose.

Im Calwer Verlag ist das von Petra Freudenberger-Lötz herausgegebene vorzügliche Kombipaket Spuren lesen 3. / 4. Schuljahr. Bayern (ISBN 7668-4406-4) erschienen. Es umfasst das empfehlenswerte 120seitige Religionsbuch (ISBN 7668-4338-8), die hervorragenden über 310seitigen Lehrermaterialien (ISBN 7668-4339-5), 66 Bildkarten (ISBN 7668-4130-8) zu ausgewählten Bibelgeschichten aus dem Schülerbuch, zu den Feiertagen und als Sprechanlass sowie eine Audio-CD (ISBN 7668-4405-7). Vier neue vielversprechende Religionsbücher für die Sekundarstufe I sind erschienen: Religion im Dialog Klasse 5/6 von Susanne Bürig-Heinze, Rainer Goltz, Christiane Rösener und Beate Wenzel im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (ISBN 525-70251-2), theologisch Band 6 bearbeitet von Lars Bednorz, Barbara Caravaca Matarrita, Friederike Gosdzinski, Marina Parlitz, Friederike Schultz, Barbara Stoll-Großhans, Jan Thiede, Michael Wallner und Derek Zückert und herausgegeben von Matthias Lau im C. C. Buchner Verlag (ISBN 661-79006-0), Kursbuch Religion Elementar 6 für den evangelischen Religionsunterricht im 6. Schuljahr an Mittelschulen in Bayern bearbeitet von Hans Burkhardt und Eva Weigand im Calwer Verlag (ISBN 7668-4431-6) und Kursbuch Religion Elementar 2 für den Religionsunterricht im 7./8. Schuljahr herausgegeben von Wolfram Eilerts und Heinz-Günter Kübler ebenfalls im Calwer Verlag (ISBN 7668-4332-6).

Sechs interessante, praxiserprobte Materialbände für die Sekundarstufe I sind zu empfehlen: Verantwortlich miteinander umgehen mit 14 Unterrichtsbausteinen für die Klassen 5 und 6 von Claudia Rothenberger im Calwer Verlag (ISBN 76684479-8), Flüchtlinge in meiner Klasse von Werner Wiater in der Reihe „Schnelle Hilfe zum Thema Religion. Die wichtigsten Lehrerfragen schnell beantwortet“ im Auer Verlag (ISBN 403-08085-5), Die Bibel: lebensnah und aktuell von Ruth Hildebrand-Mallitsch und Nora Hildebrand mit differenzierten Lernaufgaben zu biblischen Themen von A bis Z und Begleit-CD im Persen Verlag (ISBN 403-21075-7), RU kompakt Gymnasium Klassen 5/6 Heft 2 mit Anregungen und Materialien von Dorothea von Choltitz, Ulrich Löffler und Arnd Rummler zu den Themen „Nachfolger – Verfolger – Verfolgte“ sowie „Tierethik mit christlichen Perspektiven“ im Calwer Verlag (ISBN 7668-4481-1), RU kompakt Sekundarstufe I Klassen 7/8/9 Heft 1 mit von Uwe Hauser, Heinz-Günter Kübler, Julia Uhland und Andreas Wittmann erarbeiteten Materialien zu den Themen „Kreuz und Auferstehung – Im Ende ein Anfang“ sowie „Weißt du wer ich bin? – Du bist einzigartig“ im Calwer Verlag (ISBN 76684441-5) und LebensGLÜCK und LebensSINN mit sieben Kapiteln für die Klassen 7 bis 10 zur Frage nach dem Sinn des Lebens von Sabrina Kraus und Christian Masrourchehr im Auer Verlag (ISBN 403-07938-5). Für die Oberstufe Religion haben Hartmut Rupp und Christian Jäcklin im Calwer Verlag das hervorragende kompetenzorientierte Schülerheft Mensch plus (ISBN 76684446-0) und den dazugehörigen sehr anregenden Lehrerband Mensch plus (ISBN 7668-4454-5) erarbeitet.

Zum Schluss der diesjährigen Hinweise auf religionspädagogisch interessante Neuerscheinungen stehen zwei außergewöhnliche Veröffentlichungen: zum einen Die Gebete-Box für die Grundschule von Monika Graf-Zanker und Ludwig Sauter mit 60 aktivierenden Gebete-Karten für den Schulalltag im LUSA Verlag (ISBN 9812290-9-7). Sie verfolgt ein dreifaches Ziel: die Bereitstellung einer breiten Auswahl an altersgemäß formulierten und die Lebenswelt der Kinder einbeziehenden Gebete; die Ermöglichung eines hohen Grades an handelndem Umgang sowie die Entwicklung und Förderung einer Sensibilität für die innere Haltung und rituelle Form des Gebets. Zum anderen der 160seitige und mit 59 Abbildungen sowie 31 Rollenkarten versehene, farbenfrohe evangelische Begleiter für Jugendliche Expeditionen ins Leben. Entdecken, was wirklich zählt, der von Elisabeth Lange, Friedemann Müller und Georg Raatz im Auftrag der VELKD im Verlag Vandenhoeck&Ruprecht (ISBN 525-69008-6) herausgegeben wurde. Mit den Rubriken „Forschungsanliegen“, „Expeditionsproviant“, „Entdecken“ und „Experimente“ nähern sich die Autor_innen in acht Kapiteln den spannenden Themen „frei verbunden“, „endlich lebendig“, „sicher risikobereit“, „erfolgreich gescheitert“, „ohnmächtig stark“, „unsichtbar angesehen“, „gemeinsam allein“ und „zufällig geplant“. Eine insgesamt gelungene Einladung zu religionspädagogisch relevanten Erkundungstouren!