Theo-Web. Academic Journal of Religious Education 20(2021), V.2, 121-123

Gender in Religious Education: Feminist Theologies - Gender Studies - Intersectionality

This paper shows three perspectives to women in church(es), theology and religious education that have been developed in the last decades. Despite the chronological order one has to keep in mind that all the perspectives are useful today in different contexts.

Gender in Religious Education: Feminist Theologies – Gender Studies – Intersectionality

1 Feministische Theologien

 

Durch die Initiative Maria 2.0 und den Synodalen Prozess der Katholischen Kirche in Deutschland, bei dem es auch einen Teilbereich zum Thema Frauen gibt, ist die Frage nach der Beteiligung von Frauen in der Kirche auch medial wieder stärker Thema geworden. Ab den 1970-er Jahren entwickelten sich auch im deutschsprachigen Raum – angestoßen durch ins Deutsche übersetzte Veröffentlichungen US-amerikanischer Theologinnen und im Kontext der säkularen Zweiten Frauenbewegung - die feministischen Theologien (vgl. Pemsel-Maier, 2017). Diese haben u.a. viele Frauen in der Bibel und Kirchengeschichte wiederentdeckt, das exklusiv männliche Gottesbild kritisiert, eine eigene geschlechtergerechte Gotteslehre entwickelt, die Wirkungen geschlechtsspezifischer religiöser Sozialisation aufgezeigt und eigene Frauenliturgien entwickelt. Vor allem wurde/wird auch in der Exegese mit einer feministischen Hermeneutik gearbeitet (vgl. z.B. Schottroff & Wacker, 2007). Ein Ergebnis der feministischen Theologien ist auch die Bibel in gerechter Sprache. Aktuell suchen feministische Theologinnen vermehrt das Gespräch mit Frauen der anderen religiösen Traditionen, vor allem aus den islamischen Traditionen. Ziel der Feministischen Theologien ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in Religion(en), Kirchen und Gesellschaft. Im Blick auf die Religionspädagogik entstanden Handreichungen und Materialsammlungen, die die Rezeption der Erkenntnisse der Feministischen Theologie in Schule und Jugendarbeit fördern wollen (z.B. Kohler-Spiegel & Schachl-Raber, 1991; Jakobs, Löffler-Mayer & Rembold, 1995; Leicht, Rakel & Rieger-Goertz, 2003).

 

2 Geschlechterforschung

 

Vor allem in den 1990-er Jahren erfolgte ein Blickwechsel: von der vorrangigen Option für Frauen und Mädchen hin zu einer Erforschung sowohl der Weiblichkeits- wie auch Männlichkeitskonstruktionen. Zentral für die Geschlechterforschung ist die Überzeugung, dass Geschlecht (nicht nur) etwas Angeborenes ist, sondern erlernt und getan wird: „doing gender“ meint, dass Geschlecht „individuell, interaktional und institutionell alltäglich hergestellt bzw. konstruiert“ wird (Matthiae, 2009, S. 35). Geschlechterforschung nimmt Hierarchisierungen zwischen den Geschlechtern, aber auch innerhalb der Geschlechter in den Blick. Robert Connell z.B. spricht von verschiedenen Männlichkeiten, etwa der hegemonialen Männlichkeit, der andere untergeordnet sind (Connell, 1999). In verschiedenen Sammelbänden wird die Bedeutung der Geschlechterforschung für die religionspädagogischen Handlungsfelder sichtbar gemacht (Pithan, Arzt, Jakobs & Knauth, 1999; Qualbrink, Pithan & Wischer, 2011; Pemsel-Maier, 2013) und eine geschlechtssensible religiöse Bildung angestoßen.

 

3 Intersektionalität

 

Der Ansatz der Intersektionalität erforscht Macht-, Herrschafts- und Normierungsverhältnisse, die soziale Strukturen, Praktiken und Identitäten reproduzieren. Angestoßen wurde die Entwicklung dieses Ansatzes durch schwarze Frauen/Feministinnen in den USA. Sie kritisierten am „weißen“ Feminismus, dass dieser meint, für alle Frauen sprechen zu können, aber etwa die komplexe Situation schwarzer Frauen übersehe: Sie werden nicht nur aufgrund ihres Frauseins diskriminiert, sondern auch aus rassistischen Gründen. Ausgegangen wird im Intersektionalitätsansatz davon, dass sich verschiedene Kategorien/Differenzen überkreuzen und in einem Zusammenspiel Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten hervorbringen. Dieses Zusammenspiel muss analysiert werden, um ein gleichberechtigtes Leben der vielen verschiedenen Menschen zu erreichen. Für die schwarzen US-Amerikanerinnen war die Trias race – class – gender besonders wichtig. Mittlerweile kommen auch andere Kategorien dazu, z.B. Alter, Behinderung, Armut und Religion. In der Entwicklung befindet sich eine Inklusive Religionspädagogik der Vielfalt, die mit dem Intersektionalitätsansatz arbeitet und von einem weiten Integrationsbegriff ausgeht: es geht nicht um die Integration einzelner Kinder, die sich von den anderen unterscheiden, sondern: ALLE sind verschieden, ganz unterschiedliche Differenzen finden sich im Klassenzimmer und in der Schule. Gender, sozialer Status, Dis/Ability, Lebensform/sexuelle Orientierung und religiöse Diversität kommen in ihrem Zusammenspiel in diesem Projekt in den Blick. Grundlegungen, Anregungen für die Reflexion des eigenen Unterrichts wie auch Anregungen für die Aus- und Fortbildung finden sich am Portal www.inrev.de. Konzeptionelle Grundlagen und didaktische Konkretionen finden sich auch im eben erschienenen Band „Inklusive Religionspädagogik der Vielfalt“ (Knauth, Möller & Pithan, 2020) Ziel ist es, ein gleichberechtigtes Leben und Lernen in einer Schule zu fördern, in der alle Anerkennung erfahren und einen guten Platz haben, der sie in ihrer Entwicklung unterstützt.

 

Literaturverzeichnis

 

Connell, R. W. (1999). Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeit. Opladen: Leske & Budrich Verlag. Jakobs, M., Löffler-Mayer, I. & Rembold, A. (1995). Vater Gott und Mutter Kirche. Bausteine für den feministischen Religionsunterricht. Münster: Morgana Frauenbuchverlag. Knauth, T., Möller, R. & Pithan, A. (Hrsg.) (2020). Inklusive Religionspädagogik der Vielfalt. Konzeptionelle Grundlagen und didaktische Konkretionen. Münster: Waxmann Verlag. Kohler-Spiegel, H. & Schachl-Raber, U. (1991). Wut und Mut. Feministisches Materialbuch für Religionsbuch und Gemeindearbeit. München: Kösel Verlag. Leicht. I., Rakel, C. & Rieger-Goertz, S. (Hrsg.) (2003). Arbeitsbuch Feministische Theologie. Inhalte, Methoden und Materialien für Hochschule, Erwachsenenbildung und Gemeinde. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. Matthiae, G. (2009). Von der Emanzipation über die Dekonstruktion zur Restauration und zurück. Genderdiskurse und Geschlechterverhältnisse. In A. Pithan, S. Arzt, M. Jakobs & T. Knauth (Hrsg.) (2009), Gender – Religion – Bildung. Beiträge zu einer Religionspädagogik der Vielfalt (S. 30–46). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. Pemsel-Maier, S. (Hrsg.) (2013). Blickpunkt Gender. Anstöß(ig)e(s) aus Theologie und Religionspädagogik. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag. Pemsel-Maier, S. (2017). Feministische Theologie.

URL: www.bibelwissenschaft.de/stichwort/100280 [Zugriff: 28.10.2021].


Pithan, A., Arzt, S., Jakobs, M. & Knauth, T. (Hrsg.) (2009). Gender – Religion – Bildung. Beiträge zu einer Religionspädagogik der Vielfalt. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. Qualbrink, A., Pithan, A. & Wischer, M. (Hrsg.) (2011). Geschlechter bilden. Perspektiven für einen genderbewussten Religionsunterricht. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. Schottroff, L. & Wacker M. (Hrsg.) (2007). Kompendium Feministische Bibelauslegung (2. Aufl.). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. Dr. Silvia Arzt, Assistenzprofessorin für Religionspädagogik am Fachbereich Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg.