Theo-Web. Zeitschrift fuer Religionspaedagogik 19 (2020), H.2, 239-273.

Freundschaftskonzepte junger Christ*innen und Muslim*innen – (religiöse) Werteorientierungen in Freundschaften

In diesem Beitrag werden auf Basis einer quantitativen Untersuchung (n=1090) die Einstellungen junger Muslim*innen und Christ*innen zu Freundschaften, operationalisiert über die bei Freund*innen als wichtig erachteten Werte, diskutiert. Eine Besonderheit dieser Untersuchung ist die detaillierte Analyse der Religionszugehörigkeit in Verbindung mit dem Migrationshintergrund, nämlich im Hinblick auf drei Generationen (selbst zugewandert, selbst in Deutschland geboren, aber Eltern bzw. Großelterngeneration zugewandert). Die einzelnen Gruppen werden für genauere Aussagen kombiniert und weitere Untergruppen unter Berücksichtigung des Herkunftslandes, der identitären Selbstverortung, des Bildungshintergrunds sowie vor allem interethnischer und interreligiöser Kontakte und Freundschaften betrachtet. Muslim*innen legen insgesamt einen größeren Wert darauf, dass ihre Freund*innen religiös sind sowie der gleichen Religion oder Herkunftsgruppe entstammen. Andere geteilte Werte in Freundschaften, wie etwa Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit oder geteilte Sportinteressen divergieren zwischen Christ*innen und Muslim*innen nicht und werden als gleich wichtig erachtet. Die Ergebnisse belegen jedoch, dass es weniger die Zugehörigkeit zum Islam, als eher der eigene Bildungs- sowie Migrationshintergrund sowie eine starke Religiosität und identitäre Identifizierung mit der Religion sind, die mit einer hohen Betonung der Wichtigkeit der Religiosität der Freund*innen sowie eher monoreligiösen Freundeskreisen in Zusammenhang stehen

Religion, Islam, Migration, Freundschaft, Jugend, Werte

1 Theoretische Rahmung: Zusammenhänge zwischen Werten und Freundschaften

Insgesamt stehen die beiden Konstrukte ‚Werte‘ und ‚Freundschaften‘ in vielfältigen Zusammenhängen und determinieren sich gegenseitig. Durch Freundschaften kommt es zu einer doppelten Wertehomogenisierung: Personen gehen zum einen eher Freundschaften mit Individuen ein, welche ähnliche Werte präferieren. Sie werden zum anderen zudem in ihren Werten durch die Freund*innen verstärkt und geprägt, so dass es ierdurch nochmals zu einer Werteangleichung in der Freundschaft kommt. Hierbei gilt das in der Sozialpsychologie oftmals beschriebene Phänomen der ‚Selektion vor Sozialisation‘. Im Sinne einer Selektion suchen Personen in erster Linie ihre Freunde und Freundinnen bei jenen Personen, die ähnliche Werte vertreten. Somit wird Freundschaft zunächst durch geteilte Werte gestiftet bzw. begünstigt, was die Tendenz zur Homogenisierung innerhalb von Freundeskreisen verstärkt (vgl. Kapitel 1.1). Im nachgeschalteten Phänomen der Sozialisation werden die zuvor schon geteilten Werte nochmals durch die Bestätigung im Freundeskreis verstärkt bzw. auch neue geteilte Werte geschaffen. Dies gilt auch für interethnisch und interreligiös gemischte Freundeskreise, wo Werte auch aus anderen ethnischen oder religiösen Gruppen übernommen werden (vgl. Kapitel 1.2).

1.1 Selektion: Förderung der Entstehung von Freundschaften durch geteilte Werte

Nach Esser (1990) sind Freundschaften definitorisch holistisch zu fassen, da sie die ganze Person betreffen, in ein „umfassendes Netzwerk anderer Personen eingebunden [sind und sich] gegen Veränderungen der äußeren Umstände sogar widerstandsfähiger als Partnerschaften“ (Esser, 1990, S. 185) erweisen.

„Eine hohe Rolle beim Eingehen und der Aufrechterhaltung von Freundschaften spielt der geteilte Wertehintergrund als gemeinsame Identifikationsfolie: Freundschaften [bilden sich] in außerordentlich selektiver Weise entlang von Übereinstimmungen in den zentralen Orientierungen und Bezügen aus“ (Esser, 1990, S. 185).

Demnach kommen nur Interaktionspartner*innen mit überwiegend übereinstimmenden Werten und Orientierungen als Freund*innen in die nähere Auswahl. Daher ist bei der Freundschaftswahl die Tendenz zur Homogenität zu beobachten, die sich nicht nur auf ein oftmals gemeinsames Alter, einen gleichen Bildungshintergrund und dasselbe Geschlecht, sondern zudem und in ganz besonderer Weise auf geteilte Werte und religiöse Überzeugungen erstreckt (Wolf, 1996; Haug, 2010; Stein & Zimmer, 2019). Auch Lazarsfeld und Merton beschreiben bereits 1954, dass Freundschaft sich entwickeln kann, wenn sich zwei Individuen treffen, die eine hohe Überschneidung an gleichen Werten und Einstellungen aufweisen. Entsprechend der in den 1950er Jahren vorherrschenden behavioristischen instrumentellen Belohnungstheorie des Lernens argumentieren Lazarsfeld und Merton damit, dass der freundschaftliche Austausch auf Basis geteilter Werte die individuelle Grundüberzeugung verstärkt und deshalb „als lohnend empfunden [wird]. […] es besteht [deshalb] eine hohe Motivation, diesen an anderer Stelle fortzusetzen" (Farwick, 2009, S. 169). Im weiteren Miteinander entwickelt sich dann eine steigende Sympathie, basierend auf geteilte und sich damit verstärkende Werte, wodurch das Kontaktverlangen und die Festigung der Beziehung hervorgerufen wird.

Gemäß Esser (1990) hängt die Realisierung und das Ausmaß einer (interethnischen) Freundschaft mit dem Aufwand für das Treffen (Meeting) und das Eingehen der Freundschaft (Mating) zusammen, die je nach Ausstattung der Ressourcen und Gelegenheitsstrukturen unter der Voraussetzung von Interesse differieren. Unter die Ressourcenausstattung fallen etwa die Zeit oder die Mobilitäts- und Kommunikationsmöglichkeiten, während zu den Gelegenheitsstrukturen etwa die Möglichkeit gezählt wird, mit einer größeren Anzahl an eigen- oder fremdethnischen Personen in Kontakt zu treten, etwa im Rahmen des Klassenkontextes. Eine weitere Rolle wird den Interaktionsfähigkeiten, den normativen Erwartungen innerhalb des sozialen Netzwerkes, etwa der Eltern „zur Aufnahme interethnischer Beziehungen“ (Haug, 2010, S. 17) und der sozialen Distanz bei den potentiellen Interaktionspartner*innen zugeschrieben. So variiert das faktische (im Unterschied zum latenten) Interesse an interethnischen Beziehungen mit dem dafür erforderlichen Aufwand (Esser, 1990).

Eine andere Form der Entstehung von Freundschaft beschreibt Hallinan (1978), der die Entstehung einer Freundschaft in vier Phasen einteilt: "Erstens muss eine Person (P) den Wunsch haben, eine freundschaftliche Beziehung mit einer anderen Person (O) eingehen zu wollen. Dieser Wunsch muss zweitens von P an O gerichtet werden. Drittens muss O die Offerte von P registrieren und viertens dieses Angebot erwidern" (Farwick, 2009, S. 170-171).

Darüber hinaus beschreibt Hallinan (1978) die Problematik, dass die Person O das Freundschaftsangebot überhaupt erkennen muss und – wenn dieser Prozess erfolgreich geglückt ist – entscheiden muss, ob sich die Aufnahme einer Freundschaft lohnt.

Auch Jugendliche wollen in Freundschaften vor allem (geteilte) Werte, sowie gemeinsame Interessen miteinander realisieren, wie Reinders in seiner Studie zu interethnischen Freundschaften belegt: „Jugendliche verbinden mit dem Begriff Freundschaft vor allem Vertrauen, die wechselseitige Bereitschaft eine Freundschaft aufrecht zu erhalten und weiterzuentwickeln, Intimität und gemeinsame Aktivitäten“ (Reinders, 2003, S.3). Mit dem Älterwerden gewinnen die Wertedimensionen wie die Intimität, das gegenseitige Verständnis und Vertrauen sowie die Bindung in einer Freundschaft immer mehr an Bedeutung und die Wichtigkeit der gemeinsamen Aktivität nimmt ab. Freundschaften basieren neben den oben von Esser (1990) geschilderten Ursachen häufig auch deshalb auf gemeinsamen Werten, da sie oftmals in der Schule oder Nachbarschaft entstehen, so dass Freund*innen in der Adoleszenz sich meistens in einem ähnlichen Alter oder einer ähnlichen Bildungs- und Sozialschicht befinden, was ebenfalls geteilte Werte befördert, da Personen ähnlichen Alters oder Bildungshintergrundes ähnliche Werte aufweisen (Stein, 2008). Oft gehören die Freund*innen eines*r Jugendlichen zudem zum gleichen Geschlecht und haben oftmals den gleichen ethnischen (Hartup, 1993; Worresch, 2011; Boos-Nünning & Karakaşoğlu, 2006) oder religiösen (Stein & Zimmer, 2019) Hintergrund. Auch dadurch kommt es zu einer Wertehomogenisierung. Dies lässt sich über die von Jungen bzw. Mädchen geteilten Wertevorstellungen erklären sowie über die Werteorientierungen, die für bestimmte ethnisch-kulturelle oder religiöse Gruppen handlungsleitend sind. Neben einzelnen Freundschaften entstehen auch Cliquen, Kleingruppen, die ebenfalls die gleichen oder ähnliche Werte und Normen teilen und ähnliche soziale und ethnische oder religiöse Hintergründe haben (Heidbrink, 2007).

Es wird im Rahmen der vorliegenden Studie, die in diesem Beitrag betrachtet wird, postuliert, dass junge Christ*innen und junge Muslim*innen ebenfalls in Freundschaften gerne die Werte, die für sie von elementarer Bedeutung für ihr Leben sind, mit ihren Freund*innen teilen möchten. Repräsentative Studien wie etwa der international vergleichende Religionsmonitor belegen, dass sich sowohl ethnisch divergierende (Stein, 2017) als auch religiös unterschiedliche Gruppen (Stein, 2016) hinsichtlich einiger Werte unterscheiden, auch wenn viele Werteüberzeugungen, wie etwa Ehrlichkeit und Verlässlichkeit von ähnlich hoher Bedeutung sind. Ähnliches findet sich im Bereich der Erziehungsziele, die als bedeutsam benannt werden (Stein, 2012; 2018). Zu den zwischen Christ*innen und Muslim*innen divergierenden Werteüberzeugungen und Erziehungszielen zählen etwa die Bedeutung der Familie – etwa ein höherer Familialismus in muslimischen Familien – oder auch die Wichtigkeit von Religion, was sich in einer insgesamt höheren Religiosität von Muslim*innen ausdrückt. Dies gilt sowohl allgemein für alle Altersgruppen, wie es etwa im international vergleichenden Religionsmonitor belegt werden konnte (Pickel, 2013; Stein, 2016) als auch explizit für junge Menschen (Zimmer & Stein, 2019b). Ob die in den religiösen Gruppen divergierenden Werte auch in Freundschaften eine hohe Rolle spielen, wurde bisher noch nicht empirisch vertiefend betrachtet und steht im Zentrum der dargestellten Studie. Diese erfasst, welche Werte jungen Christ*innen und Muslim*innen bei ihrer Freundeswahl wichtig sind und mit welchen sonstigen Determinanten, wie etwa der Identifikation mit der eigenen Religion, der Religiosität, dem Bildungshintergrund, der Migrationsgeschichte etc. die Werte der Freundschaftskonzepte der beiden Gruppen zusammenhängen.

1.2 Sozialisation: Förderung geteilter Werte durch Freundschaften

Menschen unterschiedlichster ethnischer und religiöser Hintergründe prägen und beeinflussen sich in Freundschaften gegenseitig und schaffen einen gemeinsamen geteilten Werteraum. Während die Forschung zu jugendlichen Freundschaften breit gefächert ist, existieren weit weniger Forschungen zum Bereich interethnischer oder gar interreligiöser Freundschaften.

Hinsichtlich Forschungen zu Umfang und Ausgestaltung interethnischer Freundschaften von jungen Menschen gibt es einige Studien, die jedoch zumeist primär das Ausmaß interethnischer Beziehungen beleuchten, weniger jedoch Zusammenhänge dieser Freundschaften mit Wertorientierungen, Einstellungen und Selbstverortungen.

Allgemein im Bereich der Forschung zu interethnischen Beziehungen und Freundschaften sind folgende Studien aus Deutschland zu nennen, die sich entweder ausschließlich dem Bereich der Freundschaft im Jugendalter widmen oder diesen Bereich zumindest als einen von mehreren in die Jugendberichterstattung aufgenommen haben:

Thematisierung des Bereichs der Freundschaft:

  • Das Projekt ‚FRIENT – Freundschaftsbeziehungen in interethnischen Netzwerken‘ von Reinders (2003, 2004, 2010),

  • die Studie ‚Null zoff & voll busy‘ von 2002 zu mono- und interethnischen Freundeskreisen und Cliquen im Jugendalter (Behnken, Maschke & Stecher, 2002),

  • der ‚Integrationsreport. Interethnische Kontakte, Freundschaften, Partnerschaften und Ehen von Migranten in Deutschland‘ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Haug, 2010),

  • die Jacobs-Studie ‚Freunde fürs Leben‘ (Institut für Demoskopie Allensbach, 2014),

  • die Studie von Stein und Zimmer (2019; Zimmer & Stein, 2019a; 2020b), welche sowohl interethnische als auch interreligiöse Freundschaften als prägend für den Bereich der Werte, der Religiosität und der Einstellungen in den Blick nimmt.

Thematisierung von Freundschaft als einen Bereich:

  • Die Studie ‚Viele Welten leben‘ von Boos-Nünning und Karakaşoğlu (2006), welche u.a. die Freundeskreise junger Migrantinnen erfasste,

  • die SINUS-Jugendstudie (Calmbach et al., 2016),

  • die Shell Jugendstudien – zuletzt 2019 durchgeführt (Shell Deutschland Holding, 2015; 2019),

  • die Jugendstudie Baden-Württemberg (Schmid & Antes, 2017).

Insgesamt zeigten sich wachsende interethnische Kontakte mit der Zunahme an prozentuellen Anteilen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund.

Auch internationale Studien zu mono- und interethnischen Freundschaften im Jugend- und jungen Erwachsenenalter sind u.a. aus folgenden Ländern zu nennen:

  • USA (z.B. Hallinan & Williams, 1987; Aboud, Mendelson & Poudry, 2003; Kao & Joyner, 2004; Fletcher, Rollins & Nickelson, 2004),

  • Kanada (Smith & Schneider, 2000), Israel (Eisikovits, 2000) oder den

  • Niederlanden (Thijs & Verkuyten, 2014, 2016a, 2016b; Munniksma et al., 2015).

Zumeist befassen sich die Studien, die aus dem angloamerikanischen Raum kommen, mit Kontakten zwischen afroamerikanischen, asiatischen und weißen Schüler*innen, die schon ihr ganzes Leben in den USA oder in Kanada verbracht haben. Dies ist nur bedingt mit der Situation in Deutschland und den Kontakten zwischen Einheimisch-Deutschen und Migrant*innen oder Geflüchteten vergleichbar, die oftmals erst in dieser Generation zugewandert sind. Weitaus weniger häufig werden in den internationalen Studien dezidiert die Kontakte von selbst zugewanderten Jugendlichen untersucht, etwa in Israel von Eisikovits (2000), wo aus dem GUS-Raum in den 1990er Jahren zugewanderte junge Menschen im Mittelpunkt stehen. In keiner der genannten internationalen Studien stehen interreligiöse Freundschaften im Mittelpunkt.

Insgesamt wird in den meisten nationalen wie internationalen Studien oftmals lediglich deskriptiv der Umfang von interethnischen – und mit Einschränkungen – interreligiösen Freundschaften betrachtet. Lediglich in den Studien von Reinders und von Stein und Zimmer werden auch Einflüsse von interethnischen und interreligiösen Freundschaften auf die Werte und Einstellungen erfasst. Die Autor*innen belegen, dass Jugendliche mit stabilen interethnischen Freundschaften eine insgesamt höhere Sozialraumorientierung als solche mit rein monoethnischen Beziehungen aufweisen. Überdies ist bei multikulturell orientierten Jugendlichen eine kulturelle Offenheit zu beobachten beziehungsweise die Tatsache, dass derartige Freundschaften die Öffnung Personen anderer Kulturen gegenüber verstärken: mit der Fortdauer der Beziehung steigt nochmals die kulturelle Offenheit, die Vorstellungen von ethnischer Segregation nehmen ab und ein höheres Eingangsniveau der kulturellen Offenheit mit geringerer Ethnosegregation sind die Folge oder das Resultat andersethnischer Freundschaften (Reinders, Greb & Grimm, 2006). Ethnizität stellt für interethnisch stark eingebundene Jugendliche ein weniger bedeutsames Selektionskriterium dar, was vorurteilsreduzierend wirkt. Laut grundlegenden Prinzipien von Peer-Beziehungen gilt dies jedoch nur für als harmonisch erlebte interethnische Beziehungen, also Beziehungen mit symmetrischer Reziprozität als günstige Voraussetzungen für die Ausbildung einer toleranten und akzeptierenden Einstellung anderen Kulturen gegenüber (Reinders, Mangold & Greb, 2005; Reinders & Mangold, 2005). Summa summarum „stellen Beziehungsmerkmale den grundlegenden Prädiktor für kulturelle Offenheit dar, die ethnische Komposition hat diesbezüglich additive Wirkung“ (Reinders, Mangold & Greb, 2005, S. 155). Der Zusammenhang von interethnischen und interreligiösen Freundschaften und der Reduzierung von Vorurteilen gegenüber der jeweiligen Fremdgruppe, etwa gegenüber Migrant*innen oder der anderen religiösen Gruppe, ließ sich auch in der vorliegenden Studie von Zimmer und Stein (2019a; 2020b; Stein & Zimmer, 2019) zeigen. Hierbei wurden zum einen 62 qualitativ vertiefende Interviews geführt als auch 1090 quantitative Fragebögen zum Zusammenhang von interethnischen und interreligiösen Beziehungen mit Werten und Einstellungen ausgewertet.

Im qualitativen Teil der Studie bieten Stein und Zimmer (2019) einen Überblick über monoreligiöse und interreligiöse Freundschaften christlicher und muslimischer junger Menschen zwischen 18 und 25 Jahren im Vergleich. Methodisch wurden im Rahmen der Studie insgesamt 62 vertiefende qualitative Interviews mit Schülerinnen und Schülern geführt, die nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden. Etwa die Hälfte der befragten Christen*innen (43%) und etwa zwei Drittel (64%) der jungen Muslim*innen rechnet zum engsten Freundeskreis auch Personen anderer kulturell-religiöser Herkunft. Interreligiöse Freundschaften werden durch den gemeinsamen Schulbesuch begünstigt. Junge Menschen, die sich stark an der eigenen Religion orientieren, führen eher monoreligiöse Freundschaften (Stein & Zimmer, 2019). Die Auswertungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Bezug zum Vereinsleben ein Spezifikum der christlichen jungen Menschen darstellt, wohingegen das aktive (Aus-) Leben von Religion stärker von muslimischen jungen Menschen praktiziert wird. Etliche junge Muslim*innen betonen hierbei explizit, dass sie sich durch die oftmals hohen Kosten in den Vereinen von den christlichen jungen Menschen separiert sehen, etwa beim Reitverein oder beim Tennisclub. Die meisten christlichen Personen begründen ihre bestehenden ausschließlich monoreligiösen Freundschaften damit, dass es in ihrer Umgebung kaum junge Menschen mit Migrationshintergrund oder anderer Religionszugehörigkeit gäbe. Insbesondere auf den Dörfern ist der Anteil an jungen Menschen mit islamischem Glauben oder anderer Herkunft noch relativ gering. Bei der Auswertung der Interviews von muslimischen jungen Menschen mit rein monoreligiösen Freundschaften ergibt sich ein etwas anderes Bild. So betonen drei von vier jungen Menschen, dass ihnen die Ethnie und die Religion bei der Wahl der Freund*innen sehr wichtig sind (Zimmer & Stein, 2019a).

Die quantitative Teilstudie von Stein und Zimmer, die auch dem vorliegenden Beitrag zugrunde liegt, belegt ebenfalls einen Einfluss von Freundschaften auf die Werteorientierung junger Menschen. Hier ließen sich die von Reinders (2003; 2004; 2010; Reinders, Mangold & Greb, 2005) gefundenen Ergebnisse reproduzieren: so lehnten etwa junge Menschen, die Kontakte in Familie, der Nachbarschaft und vor allem im Freundeskreis zu Menschen mit Migrationshintergrund haben, Migrant*innen als Nachbar*innen signifikant weniger ab. Zudem zeigte sich aber auch, dass Vorurteile von migrantischen Freundinnen und Freunden übernommen wurden: bei jungen Einheimischen wuchs gleichzeitig mit der Zunahme an Kontakten zu Migrant*innen und jungen Muslim*innen beispielsweise die Ablehnung gegenüber Homosexuellen. Gleichzeitig sank aber bei migrantischen und muslimischen Jugendlichen bei freundschaftlichen Kontakten zu Einheimischen und Christ*innen die Ablehnung der Jugendlichen gegenüber Homosexuellen. Die gefundenen Zusammenhänge trafen neben den interethnischen auch auf die interreligiösen Freundschaften zwischen Christ*innen und Muslim*innen zu (Zimmer & Stein, 2021).

Die Annahmen über die werteprägende Wirkung interethnischer und interreligiöser Kontakte – insbesondere Freundschaften – gegenüber Minderheitengruppen wie etwa Migrant*innen oder Muslim*innen rekurriert auf die durch Allport (1954) geprägte Kontakthypothese. Demnach wirkt wiederholter Kontakt zu Mitgliedern anderer Gruppen gegenüber diesen Gruppen nur dann vorurteilsreduzierend, wenn wie von Reinders, Mangold und Greb (2005) dargestellt, positive Beziehungsmerkmale gegeben sind, welche die Beziehungen als reziprok ausweisen. Die werteprägende Wirkung gilt somit nicht in bloßen Kontaktsituationen, wie sie etwas Nachbarschaften oder Schulklassen darstellen, sondern insbesondere in Freundschaften, wenn Freiwilligkeit, Statusgleichheit und Interessensähnlichkeiten gegeben sind, welche für (interethnische und interreligiöse) Freundschaften konstitutiv sind (Pettigrew, 1997; Hewstone & Brown, 1986). Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn gemeinsame wichtige Ziele kooperativ verfolgt werden, bei zumindest relativer Statusgleichheit und bei Unterstützung des Kontaktes seitens der Autoritäten, etwa der Eltern. Die Kontakthypothese von Allport konnte in einer Metastudie von Pettigrew und Tropp (2000; 2008) an über 200 Einzelstudien bestätigt werden.

2 Die Studie zur Rolle von Religion im Freundschaftskontext als Teil der Studie zur Heterogenität in Erziehung und Unterricht

2.1 Forschungsdesiderate und Forschungsfragen

In der Studie[1] "Heterogenität in Erziehung und Unterricht" wird insbesondere der Zusammenhang zwischen der Religionszugehörigkeit, interreligiösen Freundschaftsbeziehungen sowie Freundschaftskonzepten junger Erwachsener untersucht (Stein & Zimmer 2019, 2020).

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um ein Triangulationsdesign. Das Triangulationsdesign kombiniert quantitative (Fragebogendaten) und qualitative Daten (leitfadengestützte Interviews), um zu einem umfassenderen Bild des Gegenstandes „Einstellungen und soziale Beziehungen“ zu gelangen. In dem vorliegenden Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse der quantitativen Teilstudie zu den Freundschaftskonzepten junger Christ*innen und Muslim*innen in Abhängigkeit demographischer, sozioökonomischer, soziokultureller und sozialer Faktoren vorgestellt.

Die bisherigen Studien werfen eine Reihe von Forschungsdesideraten auf: Während monoethnische und interethnische Freundschaften im Jugendalter schon teilweise sehr gut untersucht sind, gibt es bislang wenige Forschungen zum Konzept der interreligiösen Freundschaft. Diese sind jedoch nicht mit interethnischen Freundschaften gleichzusetzen. Die dargestellten Studien verweisen darauf, dass junge Menschen muslimischen Glaubens und türkischer Herkunft weniger häufig in interethnische Freundeskreise eingebunden sind und öfters ausschließlich monoethnische Freundschaften pflegen als junge Menschen christlichen Glaubens mit Migrationshintergrund (siehe Kapitel 1.2, etwa Stein & Zimmer, 2019). Ebenso werden bisher oftmals lediglich migrantische junge Menschen insgesamt betrachtet, jedoch wenig binnendifferenziert nach Migrationserfahrung (erste, zweite oder dritte Generation), ethnisch-kulturellem Hintergrund oder religiöser Zugehörigkeit. Wenn, wird meist auf türkischstämmige junge Menschen der zweiten Einwandergeneration fokussiert. Insbesondere seit dem Zusammenbruch der UdSSR in den 1990er Jahren und dem rapiden Anstieg der Fluchtmigration seit 2015 wanderten jedoch viele migrantische junge Menschen nach Deutschland ein, deren Einstellungen bisher kaum abgebildet wurden. Aus theoretischen Erwägungen heraus ist es von Interesse, die Einwanderergenerationen empirisch zu unterscheiden, um zu erfassen, ob Personen, welche die gesamte kindliche und jugendliche Sozialisation in Deutschland durchliefen (2. und 3. Einwanderergeneration) bzw. selbst zugewanderten Personen, die bisher in anderen Ländern sozialisiert wurden (1. Einwanderergeneration) andere Werte in Freundschaften wichtig sind, etwa ob sich selbst zugewanderte Personen eher an den Werten der Herkunftsgesellschaft bei der Freundeswahl orientieren. Diese Binnendifferenzierung greift die vorgestellte Studie auf, die unterschiedliche Migrationshintergründe, Einwanderergenerationen, ethnisch-religiöse Zugehörigkeiten sowie inter- bzw. monoethnische bzw. -religiöse Kontakte und Freundschaften differenziert erfasst (Zimmer & Stein 2020a, 2020b).

Als Forschungsdesiderat stellt sich nun die Aufgabe, im Rahmen der vorgestellten Studie die Forschungslinien zum Zusammenhang von Freundschaftskonzepten mit

  • der soziokulturellen Herkunft,

  • dem sozioökonomischen Milieu,

  • den sozialen Faktoren der Freundschaften und

  • den religiösen Faktoren der Religiosität

zusammenzubinden, um der Frage nachzugehen, welche Werte jungen Menschen in Abhängigkeit der eigenen Religionszugehörigkeit, Religiosität, religiösen identitären Selbstverortung und in Abhängigkeit des Migrationshintergrundes, der ethnischen und sozialen Herkunft und der interethnisch und interreligiösen Freundschaften wichtig sind.

 

Abb. 1: Untersuchte Einflussfaktoren auf die Freundschaftskonzepte junger Erwachsener

Es wird also postuliert, dass sich die Einstellungen zur Freundschaft bzw. Freundschaftskonzepte nicht nur zwischen jungen Muslim*innen und Christ*innen unterscheiden, sondern auch in Abhängigkeit der sozioökonomischen und -kulturellen sowie sozialen Lebenslagen. Zudem variiert die Einstellung in Abhängigkeit der eigenen Religiosität und identitären Selbstverortung sowie der Art der gepflegten Kontakte und Freundschaften (mono- bzw. interreligiös).

Basierend auf dem Forschungsstand und den geschilderten Forschungsdesideraten werden folgende Hypothesen formuliert:

  • Junge Muslim*innen und Christ*innen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Freundschaftskonzepte.

    • Jungen Muslim*innen ist die Religiosität der Freund*innen wichtiger als Christ*innen.

    • Junge Muslim*innen legen mehr Wert als Christ*innen darauf, dass die Freund*innen der gleichen Religion angehören.

    • Junge Muslim*innen haben öfters als Christ*innen auch tatsächlich ihre*n beste*n Freund*in in der eigenen religiösen Gruppe.

  •  Die Freundschaftskonzepte divergieren in Abhängigkeit der Einwanderergeneration, des Herkunftslandes, der besuchten Schulform, des Bildungshintergrunds der Eltern, der identitären Selbstverortung der Befragten, der Religiosität und der interethnischen und interreligiösen Kontakte.

    • Selbst zugewanderte Personen legen mehr Wert darauf, dass die Freund*innen religiös sind oder der eigenen Religionsgemeinschaft angehören als Einheimische oder Migrant*innen der zweiten oder dritten Einwanderergeneration.

    • Je religiöser Personen sind und als je stärker sie sich als Angehörige ihrer Religion identitär verorten, desto mehr Wert legen sie darauf, dass die Freund*innen religiös sind oder der eigenen Religionsgemeinschaft angehören.

    • Monoreligiöse Kontakte stehen mit einer hohen Wichtigkeit der Religiosität der Freund*innen sowie der Zugehörigkeit zur eigenen religiösen Gruppe in Zusammenhang.

    • Die Zusammenhänge verstärken sich bei Personen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Kapital (geringere Schulbildung der eigenen Person und der der Eltern).

Bei der Hypothesenüberprüfung wird der detaillierte Migrationshintergrund (erste, zweite und dritte Generation), das Herkunftsland und die Religionszugehörigkeit sowie die eigene identitäre Selbstverortung (etwa als Deutsche*r, Mitglied eines anderen Landes, Europäer*in, Angehörige*r der eigenen Religion etc.) berücksichtigt und Variablen wie Geschlecht, eigene Bildung, Bildung der Mutter bzw. des Vaters sowie die inter- und monoethnischen oder -religiösen Freundschaften und Kontakte kontrolliert bzw. in ihrem – auch interagierendem – Einfluss erfasst.

Zur Erhöhung der Validität wurde der Fragebogen mit Expert*innen diskutiert sowie ein Pretest (n=200) durchgeführt. Nach der Auswertung des Pretests wurde der Fragebogen modifiziert, indem einige Fragen ergänzt bzw. umformuliert oder entfernt wurden.

3.2 Untersuchungsmethodik

Der Fragebogen der quantitativen Erhebung beinhaltet Items zu Person, Familie, Sprachlichkeit, Schule, Ängsten und Zukunftsvorstellungen, Einstellung zu anderen Kulturen, zur Religion, Bildung, Gender, Freizeitgestaltung und Freundschaften. Dabei orientieren sich die Items an den Skalen zur Einstellung zur Bildung nach Stocké (2014), den Skalen zur Einstellung zur Religion nach Glock (1969) in der Ergänzung nach Boos-Nünning (1972), den Skalen zur Einstellung zur Akkulturation nach van Dick et al. (2014), den Fragen zu den Freizeitaktivitäten nach der Shell-Studie (Shell Deutschland Holding, 2015; 2019) und den Fragen zu den Einstellungen zu Freundschaften, den Freizeitkontakten sowie den Erziehungserfahrungen nach Boos-Nünning und Karakaşoğlu (2006).

Diese Items wurden übernommen und angeglichen. Bei der Formulierung der Items wurden die Regeln nach Lienert und Raatz (1998) beachtet:

  • Abfrage eines sachlichen Inhalts pro Item,

  • Vermeidung von mehrdeutigen Begrifflichkeiten,

  • Verwendung von Ausdrücken, die den jungen Erwachsenen bekannt sind,

  • Vermeidung von doppelten Verneinungen sowie

  • Kürze der Formulierungen

Bei der Befragung handelt es sich um geschlossene Fragen, bei denen die Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind. Zur Beantwortung der Fragen wurden uni- und bipolare Ratingskalen gebildet. Die Antwortskalen wurden an die Formulierung der Frage angepasst. Denn die Verwendung immer gleicher Skalen könnte zur Ermüdung der Befragten führen. So zeigen einige Studien, dass itemspezifische Antwortskalen die Reliabilität der Messung erhöhen können (Krebs, 2011).

Zur Beantwortung der Fragen wurden uni- und bipolare Ratingskalen mit ungerader Stufenzahl gebildet. Bei einer ungeraden Anzahl von Stufen steht eine neutrale Urteilsmöglichkeit zur Verfügung. Gerade Skalen mit z. B. vier oder sechs Antwortmöglichkeiten liefern zwar eine akzentuierende „Positiv-negativ-Verteilung“, haben jedoch keine „teils/teils“-Option und damit den Nachteil, dass sie eine Antwort in die positive oder negative Richtung „erzwingen“. Jedoch sprechen die empirischen Ergebnisse eher für ungerade Skalen. So berichten O’Muircheartaigh, Krosnick und Helic  (2000) bei einem Vergleich zwischen fünfstufigen und sechsstufigen Antwortkategorien von einer besseren Reliabilität für Skalen mit einer mittleren Kategorie. Manche Autor*innen empfehlen die Verwendung einer „weiß nicht“-Kategorie, um zu vermeiden, dass die mittlere Kategorie oft gewählt wird (Converse & Presser, 1986). Dieser Vorschlag wird jedoch eher kritisch gesehen (mehr dazu in Krosnick, 1999). Denn eine diesbezüglich explizite Kategorie erhöht den Anteil an Befragten, die diese Antwortmöglichkeit wählen. Oft wird diese Option genutzt, um den kognitiven Aufwand zu reduzieren, eine Frage zu verstehen und zu beantworten.

In der vorgestellten Studie wird eine fünf-stufige Skalierung verwendet. Zwar eröffnet eine hohe Anzahl an Antwortkategorien den Befragten mehr Optionen sowie eine feinere Abstufung, jedoch erhöhen viele Abstufungen auch die kognitiven Anforderungen an die Befragten. So bestätigen Studien, dass die optimale Anzahl an Antwortkategorien durch die Regel „sieben plus/minus zwei“ beschrieben werden kann (Miller, 1956; Preston & Colman, 2000; Kieruj & Moors, 2010; Svensson, 2000). Skalen mit mehr als sieben oder neun Abstufungen bringen keine weiteren Vorteile.

Bei den im vorliegenden Beitrag untersuchten Fragen bzw. Hypothesen werden folgende Items in die Berechnung einbezogen:

Tab. 1: Items aus dem Fragebogen zu den berücksichtigten Faktoren

FreundschaftskonzepteErfasst werden die in Freundschaftsbeziehungen wichtigen Werte, u.a. auch die Wichtigkeit von Religiosität der Freund*innen und die Zugehörigkeit zur eigenen religiösen Gruppe. Zudem wird erhoben, ob der beste Freund bzw. die beste Freundin die gleiche Religionszugehörigkeit hat.
Demographische FaktorenErfasst werden die Variablen Alter und Geschlecht.
Sozioökonomische FaktorenEs werden Angaben zu der besuchten Schulform sowie zum höchsten Abschluss der Mutter/des Vaters erhoben.
Soziokulturelle FaktorenDer Migrationshintergrund wird detailliert analysiert anhand der Fragen, ob man selbst im Ausland geboren wurde, ob ein bzw. beide Elternteile im Ausland geboren sowie ob die Großeltern im Ausland geboren wurden. Somit können die Personen bis zur dritten Generation von Einwander*innen ausgemacht werden. Zudem werden Nationalität und Herkunftsland abgefragt. Unter die Fragen nach dem soziokulturellen Hintergrund wird auch die Frage nach der religiösen Zugehörigkeit subsumiert. Zudem wird hier die identitäre Selbstverortung in Bezug auf ethnische und religiöse Dimensionen abgefragt.
Soziale FaktorenHier werden inter- bzw. monoethnische Kontakte in der Schule, im Verein, in der Nachbarschaft und im Freundeskreis erfasst.
Religiöse FaktorenHier geht es um die Einschätzung der Stärke der eigenen Religiosität.

3.3 Stichprobe

Die Grundgesamtheit der vorgestellten Studie besteht aus allen Schüler*innen zwischen 18 und 25 Jahren im Schuljahr 2017/2018 in Niedersachsen. Laut dem Landesamt für Statistik Niedersachsen (2018a, b) besuchten niedersachsenweit 2017/18 72.125 Schüler*innen den Sekundarbereich II und 266.884 Schüler*innen eine berufsbildende Schule. Die Aufnahme von Schüler*innen in die Stichprobe erfolgte nach dem Kriterium der Freiwilligkeit. Die Stichprobe erhebt als Convenience-sample keinen Anspruch auf Repräsentativität, kann jedoch gut Zusammenhangsmaße illustrieren.

Bei der Erhebung wurde eine Stichprobe von insgesamt 1090 18- bis 24-Jährige in den Jahren 2017 und 2018 befragt, darunter 39,9% männliche und 59,9% weibliche Teilnehmende. 0,2% geben an, ein sonstiges Geschlecht zu haben.

Migrationshintergründe:

Bzgl. der Herkunft lassen sich in dieser Erhebung verschiedene Gruppen identifizieren. Diese lassen sich zum einen anhand des Migrationshintergrundes unterscheiden: Personen mit einem Migrationshintergrund der ersten Generation (selbst im Ausland geboren) (8%), der zweiten Generation (selbst in Deutschland geboren, ein Elternteil im Ausland geboren) (7%), der zweiten Generation (selbst in Deutschland geboren, beide Elternteile im Ausland geboren) (13%), der dritten Generation (selbst und Eltern in Deutschland geboren, mindestens ein Großelternteil im Ausland geboren) (7%) und Personen ohne Migrationshintergrund (65%). Insgesamt betrachtet haben 35,1% der Befragten einen Migrationshintergrund.

Abb. 2: Migrationshintergrund (n=1090)

85,5% der Befragten haben nur eine deutsche, 9% eine deutsche sowie eine weitere und 5,5% nur eine andere Staatsangehörigkeit. Insgesamt wurden von den Befragten mehr als zwanzig verschiedene Geburtsländer für sich und die Eltern angegeben. Sowohl bei den jungen Migrant*innen der ersten und zweiten Generation liegt die Türkei als eigenes oder elterliches Herkunftsland mit 29,5% (eigenes Geburtsland), 25,6% (ein Elternteil im Ausland geboren), 37,4% (beide Eltern im Ausland geboren) an der Spitze der Nennungen, gefolgt von Russland, Polen und Kasachstan.

Religiöser Hintergrund:

In dieser Erhebung gaben 68% der Befragten an, dem Christentum anzugehören. 15% haben keine Religionszugehörigkeit; 13% sind Angehörige des Islams. Die weiteren Befragten sind Angehörige sonstiger Religionen (4%).

Abb. 3: Religionszugehörigkeit (n = 1090)

Bildungshintergrund:

Die meisten Mütter bzw. Väter haben als höchsten Abschluss einen Realschulabschluss. Dahinter folgen bei den Müttern das Abitur und der Hauptschulabschluss. Bei den Vätern folgt der Hauptschulabschluss als zweithäufigster Abschluss vor dem Abitur. Einen Hochschulabschluss weisen nur 9% der Väter und 6,3% der Mütter der Befragten auf.

Von den befragten 18- bis 24-Jährigen in Niedersachsen besuchten 50,1% berufsbildende Schulen und 49,9% den Sekundarbereich II (Realschulen, Oberschulen und Gymnasien sowie Sonderschulen).

4 Freundschaftskonzepte junger Christ*innen und Muslim*innen: Bedeutende Werte bei der Wahl der Freund*innen

An dieser Stelle werden alle Items aus dem Themenblock „Was ist dir bei deinen Freunden/Freundinnen wichtig?“ betrachtet. Dieser Themenblock besteht aus 15 Items und umfasst Aspekte wie Ehrlichkeit, Bildung, Verständnis etc.

Abb. 4: Wichtige Aspekte bei Freund*innen (n = 1090; Angabe jeweils derjenigen in %, denen der angegebene Wert (sehr) wichtig war (4 oder 5); Skalierung von 1=‚gar nicht wichtig‘ bis 5=‚sehr wichtig‘)

So geben als die drei wichtigsten Werte 97,4% der befragten Personen an, dass ihnen Ehrlichkeit besonders wichtig (höchste Skalierung 5) oder wichtig sei (Skalierung 4). 94,2% und 93,3% heben Zuverlässigkeit und Verständnis bei einer Freundin oder einem Freund als besonders wichtig oder wichtig hervor (Skalierungen 4 oder 5). Insgesamt spiegelt sich die große Wichtigkeit dieser Werte nicht nur in den eigenen Wertekonzepten von Personen aller Religionen (vgl. Stein, 2017) und in den als wichtig erachteten Erziehungszielen (Stein, 2012; 2018), sondern auch bei der Wahl der Freund*innen.

Tab. 2:Chi-Quadrat Test: Religionszugehörigkeit und wichtige Aspekte bei den Freund*innen in der Rangfolge der Wichtigkeit insgesamt; Angabe jeweils derjenigen in %, denen dieser Wert (sehr) wichtig war (4 oder 5) (Skalierung von 1=‚gar nicht wichtig‘ bis 5=‚sehr wichtig‘; * p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Bei der Betrachtung des Ergebnisses in Abhängigkeit der Religion zeigt sich, dass die größten Unterschiede in den folgenden Kategorien liegen: Den beiden Aspekten der gleichen Sprache und Bildung werden von Christ*innen und Konfessionslosen bei einem Freund oder einer Freundin deutlich höhere Bedeutung beigemessen als von Muslim*innen. Dagegen geben Muslim*innen öfters an, gute Familie, Glaube an Gott/Allah, gleiche Religion und Herkunft sowie den Migrationshintergrund für wichtig bzw. besonders wichtig bei einem Freund oder einer Freundin zu halten. Diese Werte sind Muslim*innen insgesamt besonders wichtig, wie etwa auch der Religionsmonitor aufwies (Pickel, 2013; Stein, 2017).

Im weiteren Verlauf des Beitrags werden bei der Auswertung lediglich diese sieben Aspekte sowie die Befragten muslimischen und christlichen Glaubens berücksichtigt, da hierbei die Unterschiede laut dem Chi-Quadrat Test signifikant sind.

Tab. 3: Chi-Quadrat Test: Migrationshintergrund und wichtige Aspekte bei den Freund*innen (Mehrfachnennungen möglich, Angabe jeweils derjenigen in %, denen dieser Wert (sehr) wichtig war (4 oder 5); p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Bei den in Freundschaften wichtigen Werten zeigt sich als Auffälligkeit, dass sich die Angaben der Befragten ohne Migrationshintergrund und mit Migrationshintergrund der dritten Generation statistisch nicht unterscheiden. Personen ohne Migrationshintergrund (49,7%) und Personen mit Migrationshintergrund der dritten Generation (50%) erachten die gleiche Sprache als besonders wichtig. Darüber hinaus sind sich in ihrem Antwortverhalten Personen, die selbst zugewandert sind (erste Generation) und Personen mit zwei zugewanderten Eltern (zweite Generation) besonders ähnlich. Personen mit Migrationshintergrund der ersten Generation geben öfters an, der gleichen Religion (13,9%) sowie der gleichen Herkunft (20%) ebenso wie dem Glauben an Gott/Allah (25%) bei einem Freund oder einer Freundin eine größere Bedeutung beizumessen. Dasselbe gilt für die zweite Generation an Migrant*innen mit zwei zugewanderten Elternteilen (19,6% für die gleiche Religion; 13,7% für die gleiche Herkunft; 22,5% für den Glauben an Gott/Allah). Die Personen der zweiten Generation (ein Elternteil im Ausland geboren) benennen gute Familie als besonders wichtig bei einem Freund oder einer Freundin.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird vor allem die Bedeutung der Religion bei der Wahl der Freund*innen und die Bedeutung der gleichen Religion bei den Freund*innen in Abhängigkeit der Religionszugehörigkeit untersucht und mit Hilfe von Regressionsmodellen vorgestellt.

4.1 Die Bedeutung der gleichen Religion für die Freundschaft

Bei den weiteren Berechnungen werden unterschiedliche Variablen mit den Angaben zur Bedeutung der Religion in Freundschaften in Regressionsmodellen vorgestellt. Die bearbeitete Fragestellung beschäftigt sich mit der Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit bei der Wahl der Freund*innen durch Muslim*innen und Christ*innen. In der Studie wurden dazu u.a. folgende Fragen gestellt:

a): „Ist dir bei den Freund*innen die gleiche Religion wichtig?“ (5 skalige Antwort von gar nicht wichtig bis zu sehr wichtig).

b): „Gehört dein bester Freund/deine beste Freundin der gleichen Religion an?“ (Antwort: ja/nein).

Zur detaillierten Betrachtung der Ergebnisse wird an dieser Stelle die Variable „Religionszugehörigkeit“ in zwei Kategorien aufgeschlüsselt und in je eine dummy-Variable mit folgenden Ausprägungen umgewandelt:

  • Christ*innen (=1; Sonstige=0),

  • Muslim*innen (=1; Sonstige=0).

Als Prädiktoren werden die

  • dummy-Variablen der Religionszugehörigkeit, des Migrationshintergrundes, des Geburtslandes, der identitären Selbstverortung (soziokulturelle Faktoren),

  • besuchte Schulform, Schulabschlüsse der Eltern (sozioökonomische Faktoren)

  • interethnische Kontakte und interethnische Freundschaften festgelegt (soziale Faktoren) sowie

  • Religiosität (religiöser Faktor) genutzt.

Als Kriterium werden die „Bedeutung der gleichen Religion bei dem Freund oder der Freundin“ sowie „der beste Freud/die beste Freundin hat die gleiche Religion“ festgelegt. Hierbei gehen alle Prädiktoren gleichzeitig und gleichberechtigt in die Berechnung ein.

4.2 Der Einfluss soziokultureller Faktoren auf die Bedeutung der Religion für die Freundschaft

Wie das Regressionsmodell (Tab. 4) zeigt, lassen sich beide Ausprägungen der Religionszugehörigkeit als signifikante Prädiktoren bezüglich der gleichen Religion bei dem besten Freund bzw. bei der besten Freundin bestätigen.

Tab. 4: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor Religionszugehörigkeit (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Eine etwas stärkere Wirkung besteht bei Muslim*innen (Beta=.320) Die Variable „Religionszugehörigkeit“ wurde hier als Dummy‐Variable aufgenommen. Da die dummy-Variable „Muslim*innen“ mit 1 codiert wurde, bedeuten die positiven Beta‐Koeffizienten, dass Muslim*innen öfters angeben, beste Freund*innen mit der gleichen Religion zu haben. Bei der Betrachtung der Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft sehen Muslim*innen (Beta=.353) signifikant häufiger als Christ*innen die Religion bei den Freund*innen als wichtig an.

Tabelle 5 illustriert zudem die Wichtigkeit des Migrationshintergrundes für die Betonung der Religion in Freundschaften.

Das Modell der Regressionsanalyse ist beim Prädiktor „Migrationshintergrund“ und dem Kriterium „der beste Freund/die beste Freundin mit der gleichen Religion“ als Ganzes nicht signifikant (F (4,1089)=1,416, p=.227). Gemäß der Regressionsanalyse geben jedoch Personen der ersten Generation sowie der zweiten Generation (beide Eltern im Ausland geboren) signifikant häufiger an, die gleiche Religion bei den Freund*innen für wichtig zu halten.

Tab. 5: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor Migrationshintergrund (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Die multiple Regressionsanalyse weist dem Geburtsland einen höchstsignifikanten Einfluss für die angegebene Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit bei der Freundschaft zu. Personen mit dem Geburtsland Türkei messen signifikant häufiger der Religion bei den Freund*innen eine größere Bedeutung bei und haben auch öfters beste Freund*innen mit der gleichen Religion.

Tab. 6: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor Geburtsland (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Interessante Ergebnisse zeigt das Regressionsmodell im Hinblick auf die identitäre Verortung: So halten Personen, die sich als Deutsche*r fühlen die gleiche Religion bei den Freund*innen seltener für wichtig. Dagegen geben Personen, die sich als Anhänger*innen ihrer eigenen Religion fühlen, häufiger an, die gleiche Religionszugehörigkeit bei den Freund*innen für wichtig zu halten (Tab. 7).

Tab. 7: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor Identitäre Verortung (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Die Ergebnisse zeigen also, dass Religion in den Freundschaften eine wichtige Rolle vor allem für Muslim*innen, Personen mit dem Geburtsland Türkei, Personen mit Migrationshintergrund der ersten Generation und der zweiten Generation (beide Eltern im Ausland geboren) sowie einer hohen identitären Verortung in der Religion spielt. Die multiple Regressionsanalyse, bei der die obengenannten Variablen als Prädiktoren festgelegt werden, ist als Ganzes signifikant (Korr. R2=.163 F(5,975)=39,050, p=.000). Die Regressionsanalyse weist der Religionszugehörigkeit zum Islam, dem Geburtsland Türkei, dem Migrationshintergrund der ersten Generation sowie der zweiten Generation (beide Eltern im Ausland geboren) und der identitären Verortung in der eigenen Religion einen Einfluss auf die Wichtigkeit der gleichen Religion in der Freundschaft zu. 16% der Streuung wird durch diese unabhängigen Variablen erklärt, was nach Cohen (1992) einem starken Effekt (Effektstärke f2=.43) entspricht.

4.3 Der Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf die Bedeutung der Religion für die Freundschaft

In das Regressionsmodell wurden in Bezug auf die sozioökonomischen Faktoren als Prädiktoren die besuchte Schulform sowie zudem der Bildungsabschluss der Mutter und des Vaters in dummy-Variablen umgewandelt und als Prädiktoren in das Modell aufgenommen:

  • Schulform Förderschule (Dummy: 0=Sonstige, 1=Förderschule),

  • Schulform Hauptschule (Dummy: 0=Sonstige, 1=Hauptschule),

  • Schulform Realschule (Dummy: 0=Sonstige, 1=Realschule),

  • Schulform Gymnasium (Dummy: 0=Sonstige, 1=Gymnasium),

  • Schulform Gesamtschule (Dummy: 0=Sonstige, 1=Gesamtschule),

  • Schulform Berufsschule (Dummy: 0=Sonstige, 1=Berufsschule),

  • Mutter: ohne Abschluss (Dummy: 0=Sonstige, 1=ohne Abschluss),

  • Mutter: Haupt- oder Realschulabschluss (Dummy: 0=Sonstige, 1=Haupt- und Realschulabschluss),

  • Mutter: Abitur (Dummy: 0=Sonstige, 1=Abitur),

  • Mutter: Hochschulabschluss (Dummy: 0=Sonstige, 1=Hochschulabschluss),

  • Vater: ohne Abschluss (Dummy: 0=Sonstige, 1=ohne Abschluss),

  • Vater: Haupt- oder Realschulabschluss (Dummy: 0=Sonstige, 1=Haupt- und Realschulabschluss),

  • Vater: Abitur (Dummy: 0=Sonstige, 1=Abitur),

  • Vater: Hochschulabschluss (Dummy: 0=Sonstige, 1=Hochschulabschluss).

Das Regressionsmodell zur besuchten Schulform (als dummy-Variable) und Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft ist als Ganzes signifikant (F(5,1027)=6,513, p=.000), wobei die t-Tests für den Regressionskoeffizienten nur von Hauptschulabschluss (t=4,045, p=.000) und Gymnasium (t=-2,400, p=0,17) signifikant ausfallen. Dies bedeutet, dass die Hauptschüler*innen signifikant öfters angeben, dass die gleiche Religion für die Freundschaft wichtig sei. Dagegen geben die Gymnasiast*innen seltener an, Religion bei den Freund*innen für wichtig zu erachten. Bei der Frage, ob die besten Freund*innen auch wirklich die gleiche Religion haben, ist das Regressionsmodell als Ganzen nicht signifikant (F(5,1089)=0,944, p=.452).

Dagegen ist das Regressionsmodell in Bezug auf die Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit und den Bildungsabschluss der Mutter (F(3,978)=21,373, p=.000) sowie des Vaters (F(3,980)=9,317, p=.000) als Ganzes relevant. So geben die Befragten mit Müttern ohne Schulabschluss (t=3,646, p=.000) und Vätern ohne Schulabschluss (t=2,624, p=.009) signifikant öfter an, dass die gleiche Religion bei den Freund*innen für sie eine Bedeutung hat. Dagegen geben die Befragten mit Müt-tern mit Abitur (t=-3,257, p=.001) und Vätern mit Abitur (t=-2,091, p=.037) sel-tener an, die gleiche Religion bei den Freund*innen für wichtig zu halten. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in Verbindung mit dem Schulabschluss des Vaters.

Die Regressionsmodelle in Bezug auf die besten Freund*innen mit der gleichen Religion und den Bildungsabschluss der Mutter (dummy-Variablen) (F(3,1026)=0,921, p=.430) sowie den Bildungsabschluss des Vaters (F(3,1026)=1,822, p=.141) sind als Ganzes nicht signifikant.

Die Ergebnisse zeigen somit, dass der eigene sowie elterliche Bildungsabschluss zwar für die Bedeutung der gleichen Religion bei den besten Freund*innen („Ist dir bei den Freund*innen die gleiche Religion wichtig?“) einen signifikanten Einfluss hat. Jedoch zeigen die Berechnungen keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Bildungsabschluss und der Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit bei der tatsächlichen Wahl von besten Freund*innen („Gehört dein bester Freund/deine beste Freundin der gleichen Religion an?“).

4.4 Der Einfluss interethnischer Kontakte auf die Bedeutung der Religion für die Freundschaft

Des Weiteren existieren einige Unterschiede zwischen den Befragten hinsichtlich ihrer Einstellungen zur Bedeutung der Religion in der Freundschaft in Abhängigkeit vorhandener interethnischer Kontakte mit Migrant*innen im Freundeskreis, in der Schule und in der Nachbarschaft sowie im Verein. Interessant ist an dieser Stelle, dass die Personen, die interethnische Kontakte in der Schule haben, signifikant häufiger angeben, beste Freund*innen mit der gleichen Religion zu haben. Dies liegt jedoch vermutlich daran, dass Migrant*innen, die auch eher Kontakt zu anderen Migrant*innen suchen, in der Schule eher interethnische Kontakte mit Einheimisch-Deutschen haben. Dagegen geben Personen mit interethnischen Kontakten in Vereinen signifikant seltener an, dass die gleiche Religion wichtig für die Freundschaft ist.

Tab. 8: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor interethnische Kontakte (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Für weitere Regressionsmodelle werden folgende dummy-Variablen als Prädikatoren festgelegt:

  • Personen ohne Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften (=1, Sonstige=0),

  • Personen ohne Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaft (=1, Sonstige=0),

  • Personen mit Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften (=1, Sonstige=0),

  • Personen mit Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften (=1, Sonstige=0).

Bei der detaillierten Betrachtung der Ergebnisse zeigt sich ein Einfluss interethnischer Freundschaften deutlich. So geben sowohl Personen mit als auch ohne Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften auch signifikant seltener an, dass der*die beste Freund*in die gleiche Religion hätte. Interessant ist zudem, dass Personen mit Migrationshintergrund und mit rein monoethnischen Freundschaften signifikant häufiger angeben, die gleiche Religion bei den Freund*innen für wichtig zu halten.

Zusammenfassend weisen die Ergebnisse darauf hin, dass der Kontakt zwischen ethnisch unterschiedlichen Personen in der Schule allein nicht zum Abbau von Berührungsängsten führt (vgl. Tab. 8), sondern erst in Verbindung mit interethnischen Freundschaften (vgl. Tab. 9), wie auch in der Kontakthypothese postuliert. Der persönliche Kontakt zu Mitgliedern von sogenannten Fremdgruppen, die zu Freund*innen und Bekannten werden, bricht Vorurteile nach der Kontakthypothese nach Allport (1954) auf und führt zu Neukategorisierungen (Pettigrew, 1997; Pettigrew & Tropp, 2000; 2008).

Tab. 9: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor interethnische Freundschaften (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

4.5 Der Einfluss der Religiosität auf die Bedeutung der Religion für die Freundschaft

Bei der Betrachtung der eigenen Stärke der Religiosität wird zunächst deutlich, dass die befragten Muslim*innen (68,2%) öfter angeben, stark religiös zu sein als die befragten Christ*innen (21,6%). Im Weiteren wird der Frage nachgegangen, ob stark religiöse Muslim*innen sowie stark religiöse Christ*innen der gleichen Religionszugehörigkeit bei den Freund*innen eine ähnliche Bedeutung beimessen.

Wie das Regressionsmodell (Tab. 10) zeigt, lassen sich die Stärke der eigenen Religiosität in Verbindung zu den Ausprägungen der Religionszugehörigkeit als signifikante Prädiktoren bezüglich der Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft sowie der gleichen Religion bei dem besten Freund bzw. bei der besten Freundin bestätigen.

Tab. 10: Regression: Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, Prädiktor starke Religiosität in Verbindung mit der Religionszugehörigkeit (* p<.05, ** p<.01, *** p<.001)

Wenn bei der Betrachtung der Religionszugehörigkeit bei den Christ*innen insgesamt und der Bedeutung der gleichen Religion bei den Freund*innen keine signifikanten Zusammenhänge hergestellt werden konnten (siehe dazu Kap. 4.2), so ist eine hohe Signifikanz zwischen der angegebenen starken eigenen Religiosität bei Christ*innen und der Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit bei Freund*innen festzustellen. Jedoch zeigt sich bei der Betrachtung der Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit für die Freundschaft, dass  stark gläubige Muslim*innen (Beta = .399) häufiger als stark gläubige Christ*innen (Beta = .144) angeben, die Religion bei den Freund*innen als wichtig zu sehen und auch primär Freundschaften mit Personen der gleichen Religionszugehörigkeit zu haben. Diese Berechnungen deuten darauf hin, dass nicht die Religionszugehörigkeit, sondern vor allem die Stärke der Religiosität ausschlaggebend für die Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit in der Freundschaft ist.

5 Multiple Regressionen und Zusammenhänge zwischen den Einflussfaktoren

Bei den weiteren Berechnungen zur Betrachtung von Interaktionseffekten zwischen den bisher betrachteten Faktoren werden nur jene Variablen als Prädiktoren ausgewählt, die in den vorherigen Regressionsmodellen eine Signifikanz ausgewiesen haben, nämlich

  • Zugehörigkeit zum Islam,

  • Personen mit Migrationshintergrund erste Generation,

  • Personen mit Migrationshintergrund zweite Generation (beide Eltern zugewandert),

  • Geburtsland Türkei,

  • Mutter ohne Schulabschluss,

  • Vater ohne Schulabschluss,

  • eigener Hauptschulabschluss,

  • hohe identitäre Verortung in der Religion,

  • starke Religiosität,

  • interethnische Freundschaften im Verein,

  • interethnische Freundschaften in der Schule,

  • Personen ohne Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften,

  • Personen ohne Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften,

  • Personen mit Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften,

  • Personen mit Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften.

Die bearbeitete Fragestellung beschäftigt sich mit der Bedeutung der Religion bei der Wahl der Freund*innen hinsichtlich der beiden Fragen:

a): „Ist dir bei den Freund*innen die gleiche Religion wichtig?“ sowie

b): „Gehört dein bester Freund/ deine beste Freundin der gleichen Religion an?“

 

a): „Ist dir bei den Freund*innen die gleiche Religion wichtig?“

Die Berechnungen für die Frage a) zeigen, dass das Modell als Ganzes signifikant ist (F(14,878)=18.691, p=.000). Bei der detaillierten Betrachtung der einzelnen unabhängigen Variablen wird deutlich, dass die t-Tests für den Regressionskoeffizienten von Migrationshintergrund der ersten Generation (t=3.349, p=.001), von eigenem Hauptschulabschluss (t=3.526, p=.000), von Verortung in der eigenen Religion (t=3.874, p=.000), von starke Religiosität (t=3.684, p=.000), von interethnischen Freundschaften im Verein (t=-2.017, p=.044), von Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften (t=2.051, p=.041) sowie Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften (t=-2.261, p=.024) und die Konstante (d.h. der Y-Achsenabschnitt; t=8.506, p=.000) signifikant ausfallen. Das korrigierte R-Quadrat beträgt hierbei .220. Die Effektstärke von 0.53 entspricht nach Cohen (1992) einem starken Effekt.

Eine multiple Regressionsanalyse zeigt also, dass ein Migrationshintergrund der ersten Generation, eigener Hauptschulabschluss, die starke identitäre Verortung in der eigenen Religion sowie eine starke Religiosität einen Einfluss auf die Bedeutung der gleichen Religionszugehörigkeit bei den Freund*innen haben. Somit geben die stark religiösen Personen, Personen mit Migrationshintergrund der ersten Generation, Befragte mit Hauptschulabschluss, Personen, die sich als Angehörige der eigenen Religion fühlen, sowie Personen mit Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften signifikant häufiger an, dass die gleiche Religion eine Rolle bei der Wahl der Freund*innen spielt. Dagegen weisen die Koeffizienten die Personen mit interethnischen Freundschaften im Verein und Personen mit Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften ein negatives Vorzeichen auf. Somit geben die Personen mit interethnischen Freundschaften im Verein und Personen mit Migrationshintergrund mit interethnischen Freundschaften seltener an, der Religion in der Freundschaft eine Bedeutung beizumessen.

Die Berechnungen und multiplen Zusammenhangsberechnungen zeigen also, dass die Religionszugehörigkeit sowie der Schulabschluss der Eltern an sich keine Rolle spielen. Die Wichtigkeit der Religiosität der Freund*innen hängt nicht von der Religionszugehörigkeit ab, sondern in erster Linie von der Wichtigkeit der eigenen religiösen Verortung und der Stärke der Religiosität. Da sowohl die religiöse Verortung (F(1, 1017)=110.154, p=.000; t=10.495, p=.000) als auch die Religiosität (F(1, 1027)=175.547, p=.000; t=13.249, p=.000) insgesamt bei Muslim*innen höher ausfallen, legen diese somit mittelbar auch stärkeren Wert auf die Religiosität der Freund*innen. So geben z. B. 62,2% der befragten Muslim*innen an, dass sie religiös oder sehr religiös sind. Bei den befragten Christ*innen geben 21,7% an, religiös oder stark religiös sind. Nachgeordnet spielen aber auch die eigene Zuwanderungsgeschichte (Migrationshintergrund erste Generation) und ein niedriger Bildungsabschluss (Hauptschule) eine eigenständige Rolle für die Wichtigkeitseinschätzung der Religiosität. Personen, welche schon ihre ganze Sozialisation hier durchlaufen haben (Migrationshintergrund zweite Generation) oder mit höheren Abschlüssen ordnen unabhängig von der Religionszugehörigkeit der Religiosität der Freund*innen keine besondere Rolle zu. Dies geschieht nur wieder mittelbar, weil Personen mit Religionszugehörigkeit zum Islam eher eine eigene Zuwanderungsgeschichte aufweisen (F(1, 1089)=365.297, p=.000; t=19.113, p=.000) oder einen Hauptschulabschluss erworben haben (F(1, 1089)=11.796, p=.001; t=3.435, p=.001). Zudem ist Personen mit Migrationshintergrund, die rein monoethnische Freundschaften unterhalten, die gleiche Religion der Freund*innen besonders wichtig.

Umgekehrt ist Personen, die viele interethnische Kontakte im Verein pflegen, die gleiche Religionszugehörigkeit der Freund*innen weniger wichtig, was die hohe Rolle der Vereinstätigkeit für die Freundschaftspflege auch im interkulturellen Kontext unterstreicht.

b): „Gehört dein bester Freund/ deine beste Freundin der gleichen Religion an?“

Die Berechnungen für die Frage nach der tatsächlichen Religion des besten Freundes bzw. der besten Freundin zeigen, dass das Modell als Ganzes signifikant ist (F(14,903)=21.038, p=.000). Bei der detaillierten Betrachtung der einzelnen unabhängigen Variablen wird deutlich, dass die t-Tests für den Regressionskoeffizienten des Geburtslandes Türkei (t=2.532, p=.012), der starken Verortung in der eigenen Religion (t=5.864, p=.000), interethnischer Freundschaften in der Schule (t=2.184, p=.029), von Personen mit Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften (t=4.925, p=.000) sowie Personen ohne Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften (t=10.397, p=.000) signifikant ausfallen. Das korrigierte R-Quadrat beträgt hierbei .237. Die Effektstärke von 0.56 entspricht nach Cohen (1992) einem starken Effekt für die genannten Faktoren insgesamt.

Eine multiple Regressionsanalyse weist für das Geburtsland Türkei, die Verortung in der eigenen Religion, interethnische Freundschaften in der Schule, Personen mit Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften sowie Personen ohne Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften einen Einfluss darauf aus, ob der beste Freund bzw. die beste Freundin tatsächlich der gleichen Religion angehört. Somit geben Personen mit dem Geburtsland Türkei, Personen, die sich als Angehörige der eigenen Religion fühlen, sowie Personen mit Migrationshintergrund und ohne Migrationshintergrund mit monoethnischen Freundschaften signifikant häufiger an, Freund*innen mit der gleichen Religion zu haben. Auch hier hat die Zugehörigkeit zum Islam oder die Tatsache per se einen Migrationshintergrund zu haben, keinen eigenständigen Einfluss auf die Religionszugehörigkeit des besten Freundes/der besten Freundin. Allerdings pflegen jedoch Personen mit einem türkischen Hintergrund eher Freundschaften zu Personen der gleichen Religion aus ihrer Community als Personen mit anderen ethnischen Hintergründen. Auch hier ist die Zugehörigkeit zum Islam mit dem türkischen Hintergrund konfundiert (F(1, 1088)=1409.042, p=.000; t=37.537, p=.000). Das korrigierte R-Quadrat beträgt hierbei .564. Die Tatsache, dass viele monoethnische Kontakte eher mit einem besten Freund bzw. besten Freundin der gleichen Religion einhergehen ist ebenfalls – verständlicher Weise – hoch konfundiert.

In der ergänzenden qualitativen Studie (Stein & Zimmer, 2019) zeigt die Auswertung der 62 Interviews mit jungen Menschen, dass 1/3 der interviewten jungen Muslim*innen angeben, bei den drei besten Freund*innen monoreligiöse Freundschaften zu pflegen. Bei der Frage nach den Gründen geben die meisten christlichen jungen Menschen mit monoreligiösen Freundschaften an, dass der ethnische, kulturelle und religiöse Hintergrund keine Rolle spielt und sie ihre Freundschaften eher nach den gemeinsamen Interessen und Werten aufbauen (Stein & Zimmer, 2019)

Die meisten christlichen Personen begründen ihre bestehenden ausschließlich monoreligiösen Freundschaften damit, dass es in ihrer Umgebung kaum junge Menschen mit anderer Religionszugehörigkeit gäbe. Insbesondere auf den Dörfern ist der Anteil an jungen Menschen mit islamischem Glauben oder anderer Herkunft noch relativ gering. Die jungen Muslim*innen mit monoethnischen Freundschaften betonen, dass ihnen die Ethnie und die Religion bei der Wahl der Freund*innen sehr wichtig seien.

Jedoch findet sich auch eine weitere mögliche Erklärung für Segregationstendenzen in den Interviews von muslimischen jungen Menschen, z.B. bei der Frage danach, wie sie von anderen Personen wahrgenommen werden. Hier wird deutlich, dass jene von der Mehrheitsgesellschaft verstärkt mit Attributen des „Andersseins“ belegt werden.

Die Befragten beschreiben, dass sie aufgrund des Aussehens als „Ausländer“ wahrgenommen werden, so beschreibt z. B. eine weibliche muslimische Befragte, dass sie „auf jeden Fall als Kurdin“ (Interview53_musl._w) wahrgenommen wird und daher in den Augen der anderen keine Deutsche sei, „sondern nur die Kurdin“ (Interview53_musl._w). Diese Interviewpassage offenbart eine indirekte, jedoch wahrgenommene ablehnende Haltung seitens der Mehrheitsgesellschaft. Dies lässt die Probandin eher in die generelle Identität der Migrantin oder Muslimin „flüchten“ (Stein & Zimmer, 2019).

6 Fazit: Förderung interreligiöser und interethnischer Freundschaften

In pädagogischen Kontexten ist es besonders wichtig zur Verbesserung intergruppaler Beziehungen und zur Reduktion von interkulturellen Spannungen im Klassengefüge positiver Interdependenzen herzustellen. Dies geschieht u.a. auch durch die Einführung vertrauensfördernder Maßnahmen wie Gruppenarbeit (Stürmer & Siem, 2013). Auf der Verhaltensebene wäre diesbezüglich eine Ausweitung oder Modifizierung des didaktisch-methodischen Spektrums zu empfehlen. Die Vorschläge basieren auf Annahmen der Kontakthypothese und sehen in erster Linie die Ausbildung kooperativer Verhaltensweisen und die Entdeckung gemeinsamer Interessen im Rahmen gemeinsamer übergeordneter Zielerreichung vor (Stürmer & Siem, 2013).

In der ergänzenden qualitativen Studie betonen 50 von 62 Interviewten, dass sie ihre Freund*innen im Schulkontext kennengelernt haben (Stein & Zimmer, 2019). Die Schule übernimmt die Weitergabe und Reproduktion von gesellschaftlicher Wirklichkeit, der Kultur, ihrem Wissensbestand einerseits sowie von den bestehenden Wert- und Normsystemen andererseits (Stein, 2008, S. 125), was in der Schule auch informell über die Kontakte zur Peergroup erfolgt. Dabei beruht die Wirkung der Schule nicht nur auf „explizit formulierten Prozessen“ (Stein, 2008, S. 125) der Kulturweitergabe, sondern auch auf indirekten Bildungsbemühungen, was als heimlicher Lehrplan bezeichnet wird (Stein, 2008, S. 125). Zudem entstehen Beziehungen im Rahmen von Freizeitaktivitäten wie beispielsweise in Vereinen. Auch Netzwerke im Privatbereich begünstigen Bindungen auf der Grundlage familiärer Beziehungen, etwa wenn bereits die Eltern miteinander befreundet sind. Zudem stellt allein der Bezug zum Wohnort inklusive der Jugendarbeit in der Gemeinde einen geografisch bedingten Sozialraum dar, in welchem Freundschaften angebahnt werden (Stein & Zimmer, 2019).

Eine inhärente positive Neuorientierung im Umgang mit Gruppenmitgliedern gilt als Schlüsselfaktor für den Erfolg von gleichberechtigten Kontaktmaßnahmen. Dabei soll die Lösung nur durch Kooperation, die Wettbewerbe ausschließt, in ethnisch und leistungsmäßig heterogenen Kleingruppen ermöglicht werden. Eine wahrgenommene Statusgleichheit, die durch institutionelle Unterstützung (Autoritäten, Normen und Gesetzen) eine höhere Wirksamkeit erzielt, trägt ebenfalls zur Korrektur oder Verlernen negativer Stereotypen bei. Konkret könnten die Etablierung und nachhaltige Einhaltung gleichberechtigter Regeln zu einem respektvollen Umgang verhelfen.

Insbesondere gilt es, das Freundschaftspotential (interethnischer und interreligiöser) Beziehungen aufzugreifen. Da Freundschaften wiederholte Erfahrungen positiver Interaktionen ermöglichen und über einen längeren Zeitraum bestehen, fördern sie den Aufbau affektiver Bindungen, was zum Aufbau positiver Einstellung gegenüber anderen kulturellen, sozialen oder religiösen Gruppen führt (Pettigrew, 1997). Zwecks einer positiven Wirkung von Kontakten sollten diese freiwillig sein, auf Augenhöhe stattfinden und einen gemeinsamen Anlass haben. An der Stelle könnte Gruppen- oder Projektarbeit eingesetzt werden, um zur Entstehung interkultureller Beziehungen zunächst beizutragen. So wäre eine „mikrosystemische Betrachtung interpersonaler Transmissionsprozesse“ (Reinders, Mangold & Greb, 2005, S. 155) im Sinne der Ko-Kulturation sinnvoll.

Literaturverzeichnis

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Zimmer, V. & Stein, M. (i. Erscheinen). Einstellungen junger Erwachsener mit und ohne Migrationshintergrund gegenüber Familien anderer Herkunft in Abhängigkeit interethnischer Freundschaften, under review

 

 

Prof.‘in Dr. Margit Stein

seit 2010 Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta

Schwerpunkte: Leben in ländlichen Bereichen, Werthaltungen, Engagement, Religiosität, empirische Sozialforschung, Migrationspädagogik, Kindheits- und Jugendforschung

Fachbereich Erziehungswissenschaften

Fakultät I für Bildungs- und Sozialwissenschaften Universität Vechta

Driverstraße 22

49377 Vechta

Mail: margit.stein@uni-vechta.de

 

Dr. Dr. Veronika Zimmer

Vertretung der Professur Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta

Schwerpunkte: Migration und Bildung, empirische Sozialforschung, Inklusion im Unterricht, Islamischer Religionsunterricht, Werte und Einstellungen von Lehrkräften, Erwachsenenbildung in der Einwanderungsgesellschaft

Fachbereich Erziehungswissenschaften

Fakultät I für Bildungs- und Sozialwissenschaften

Universität Vechta

Driverstraße 22

49377 Vechta

Mail: veronika.zimmer@uni-vechta.de

 

  1. Die Studie wird im Projekt ‚BRIDGES - Brücken bauen‘ der Universität Vechta bearbeitet und im Rahmen der gemeinsamen ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘ von Bund und Ländern mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Die ersten Ergebnisse sind bereits veröffentlicht: Kenar, Stein & Zimmer, 2020; Stein & Zimmer, 2019, 2020, Zimmer & Stein 2019a, 2019b, 2020a, 2020b.

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