Theo-Web. Zeitschrift fuer Religionspaedagogik 19 (2020), H.1, 213–214.

Projektvorstellung

Die in dieser Ausgabe von Theo-Web veröffentlichten Beiträge sind im Rahmen der von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) ermöglichten Projektwerkstatt „Religiöse Diversität in Curricula der islamisch-theologischen Studien“ entstanden.

Projektwerkstatt, Religiöse Diversität, Curricula der islamisch-theologischen Studien

Die in dieser Ausgabe von Theo-Web veröffentlichten Beiträge sind im Rahmen der von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) ermöglichten Projektwerkstatt „Religiöse Diversität in Curricula der islamisch-theologischen Studien“ entstanden. Die Projektwerkstatt wurde im Zeitraum von Juli 2018 bis Juni 2019 als Kooperation zwischen der Universität Paderborn und der Universität Osnabrück durchgeführt. Das Ziel war es, den Status quo zur Berücksichtigung anderer Religionen im Lehramtsstudium für islamische Religionslehre zu ermitteln. Hierfür wurden erstens die Modulbeschreibungen in den Curricula der islamischen Religionslehrerausbildung als Rahmenordnung analysiert, Ziele definiert und die Lehrenden im besten Fall für die Lehre orientiert. Den Schwerpunkt der Arbeit bildeten zweitens die Interviews mit den Dozenten, die Lehre an den Standorten für die islamische Theologie in Münster, Osnabrück, Hamburg, Tübingen sowie Erlangen-Nürnberg anbieten. Als Grundlage der Datenerhebung diente dabei ein standardisierter Fragenkatalog. Die Interviews wurden mit Hilfe von MAXQDA analysiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Schließlich wurden drittens zwei Lehrende in ihrer interreligiösen Lehre beobachtet. Die Beobachtungen wurden in Dichten Beschreibungen dokumentiert und praxistheoretisch ausgewertet.

Am 04.07.2019 wurde eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen des Bildungsministeriums und der Wissenschaft organisiert, in der die Forschungsergebnisse in den allgemeinen Kontext der islamischen Religionslehrerausbildung gestellt wurden. Die Podiumsteilnehmer diskutierten die Frage, welchen Beitrag die universitäre Lehrerausbildung zum reflektierten Zugang zu anderen Religionen leisten und Kompetenzen im Bereich der Dialogfähigkeit fördern kann. Am 05.07.2019 wurden die Ergebnisse im Rahmen eines internen Workshops den interviewten Dozenten vorgestellt, gemeinsam diskutiert, bewertet und Optionen zur Weiterarbeit angedacht. [1]

Die Beiträge, die im Rahmen der Projektwerkstatt entstanden sind und in diesem Heft veröffentlicht werden, setzen sich mit folgenden Teilaspekten auseinander:

Naciye Kamcili-Yildiz analysiert in ihrem Beitrag „Andere Religionen in den Curricula der islamischen Religionslehrerausbildung“, wie in den Modulhandbüchern der islamischen Theologie der Zugang zu anderen Religionen und Weltanschauungen ermöglicht und welche Kompetenzen im Bereich der Dialogfähigkeit gefördert werden.

Gerrit Mauritz, Miriam Hillebrand, Oliver Reis, Annika Wittke und Naciye Kamcili-Yildiz analysieren in „Mindsets religiöser Pluralität als Faktor in der (islamischen) Religionslehrer*innenbildung“ die Interviews mit den Lehrenden der Module zu fremden Religionen und erarbeiten Denkformen der Lehrenden, wie die eigene Religion im Verhältnis zu anderen Religionen gedacht wird.

Der Beitrag „Mindsets guter Lehre in Beziehung zu den Mindsets religiöser Pluralität“ von Oliver Reis, Miriam Hillebrand, Gerrit Mauritz, Annika Wittke und Naciye Kamcili-Yildiz vergleicht die in den Interviews rekonstruierten Denkformen der Lehrenden zur guten interreligiösen Lehre mit denen zur religiösen Pluralität.

Der Beitrag „Dann mache ich einfach mal weiter.“ – Zur Lehrsteuerung der Studierenden in die Indifferenz“ von Oliver Reis, Annika Wittke, Gerrit Mauritz, Miriam Hillebrand und Naciye Kamcili-Yildiz rekonstruiert in einer Lehrveranstaltung das Wirkungsgefüge der Mindsets der Lehrenden und der der Studierenden, wie sie eine Praxis erzeugen, die aus guten Gründen die eigentlichen Ziele systematisch nicht erreicht.

Klaus von Stosch nimmt die verschiedenen Beiträge auf und entwickelt in seinem Beitrag „ Entwicklungsperspektiven für den Dialog der Religionen an den Universitäten“ Kriterien für eine differenzstarke interreligiöse Lehre und vor allem für eine produktive Dialogpraxis an der Hochschule jenseits der Indifferenz.

Angela Kaupp und Zekirija Sejdini fassen in ihrem abschließenden Beitrag „Mindsets von Lehrenden in der Islamischen Religionslehrer*innenausbildung. Überlegungen zum Workshop ‚Islam und religiöse Vielfalt‘“ an der Universität Paderborn als Tagungsbeobachter ihre Eindrücke zusammen und ordnen die Ergebnisse aus ihrer Sicht in verschiedene Diskurse ein, die das Projekt betreffen.

Als Projektzuständige bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Beteiligten, die mit ihrer Unterstützung auf den unterschiedlichsten Ebenen zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.

 

Die Projektleitung

Silvia Horsch-Al Saad (Universität Osnabrück)
Naciye Kamcili-Yildiz (Universität Paderborn)
Oliver Reis (Universität Paderborn)
Klaus von Stosch (Universität Paderborn)